Greta Thunberg ist viel unterwegs und versucht überall, für den Kampf gegen die Klimakrise einzustehen.
Greta Thunberg ist viel unterwegs und versucht überall, für den Kampf gegen die Klimakrise einzustehen.Bild: BBC Studios Distribution Limited / Jon Sayers
Nachhaltig

"Aufzustehen und für das, was man für richtig hält, zu kämpfen. Das bedeutet Hoffnung für mich": Dreiteilige BBC-Doku über Klimaaktivistin Greta Thunberg

07.11.2021, 13:3811.11.2021, 18:55

Schmelzende Gletscher in Kanada, verheerende Waldbrände in Kalifornien, ein konstant ansteigender Meeresspiegel – all das sind Folgen des menschengemachten Klimawandels, der durch eine junge Frau aus Schweden gesellschaftlich so präsent ist wie nie zuvor. Greta Thunberg wurde weltbekannt mit ihrem Schulstreik für das Klima („Skolstrejk för klimatet“), durch den die Fridays-for-Future-Bewegung entstanden ist. Sie spricht die Wahrheit auch dann aus, wenn sie unbequem ist.

Am 20. August 2018, dem ersten Schultag nach den Sommerferien, streikte Greta Thunberg zum ersten Mal. Mit einem selbst gebastelten Schild setzte sie sich vor den schwedischen Reichstag in Stockholm und forderte eine konsequente, an wissenschaftlichen Fakten orientierte Klimapolitik. Seitdem hat sie an hunderten Demonstrationen teilgenommen, Wissenschaftlerinnen und Experten getroffen und sich an zahlreichen Orten angesehen, wie der Klimawandel die Erde zerstört.

Die dreiteilige BBC-Dokumentation gibt Einblicke in Greta Thunbergs Leben.
Die dreiteilige BBC-Dokumentation gibt Einblicke in Greta Thunbergs Leben.bild: rottentomatoes.com

Zwischen 2019 und 2020 begleitete der britische Sender BBC die Aktivistin auf ihrer Reise. Ein Jahr lang hat sich Greta eine Auszeit von der Schule genommen, sich stattdessen dafür eingesetzt, dass die Politik sich des Kampfes gegen die Klimakrise annimmt. Es geht, wie der Titel der dreiteiligen Dokumentation andeutet, um Gretas Mission, der Klimakrise die Stirn zu bieten: "Ein Jahr, um die Welt zu verändern".

Sind die Gletscher noch zu retten?

Im Oktober 2019 startet Gretas Reise: Gemeinsam mit ihrem Vater Svante fährt sie im Auto von Kanada durch große Teile der USA – sie ist auf dem Weg zur UN-Klimakonferenz in Chile. Doch bevor sie dort anlangt, trifft sie zahlreiche Menschen, die ihr sowohl persönliche Geschichten erzählen als auch wissenschaftlichen Input geben. Ein Beispiel: Kanadas Gletscher schmelzen. Beschleunigt wird der Schmelzprozess dadurch, dass Ruß und Staub, die durch zunehmende Waldbrände auf das Eis geweht werden, die Gletscher verfärben. Und weil dunkle Farben mehr Sonnenlicht absorbieren und sich schneller aufheizen, schmilzt das Eis. Rapide.

Greta ist mit ihrem Vater Svante unterwegs.
Greta ist mit ihrem Vater Svante unterwegs.Bild: BBC Studios Distribution Limited / Jon Sayers

Obwohl die Ursache der Gletscherschmelze wissenschaftlich klar mit dem menschengemachten Klimawandel in Verbindung zu bringen ist, halten viele Menschen in Kanada – aber auch an zahlreichen anderen Orten auf der Welt – an ihrer heimischen Öl- und Gasindustrie fest. Aus wirtschaftlichen Gründen, unter anderem. Sie sagen: "Wir brauchen Greta nicht."

Der Leitspruch der Klimaaktivistin ist "Unite behind the science". Ihr gehe es nicht darum, selbst im Vordergrund zu stehen. Sie will, dass die Politik im Kampf gegen die Klimakrise endlich handelt und sie als das begreift, was sie ist: eine globale Bedrohung für alle Menschen. Dass beispielsweise Ex-Präsident Donald Trump nicht dieser Meinung ist und sich damit gegen wissenschaftliche Fakten stellt, ist Greta unbegreiflich. In der BBC-Doku spricht sie die Zuschauenden direkt an und sagt: "Sie hören mir zu, wenn ich rede. Dabei möchte ich gar nicht, dass Sie auf mich hören, sondern auf die Wissenschaft."

"Sie hören mir zu, wenn ich rede. Dabei möchte ich gar nicht, dass Sie auf mich hören, sondern auf die Wissenschaft."

Die Doku zeigt nicht nur Gretas Reise, sondern beinhaltet auch beeindruckende Naturaufnahmen, die die Schönheit der Erde einfangen. Interviews mit Klimaexperten und Forscherinnen geben zusätzliche Einblicke.

Dass Greta seit 2018 in der Öffentlichkeit steht, ist nicht spurlos an ihr vorbeigegangen – sie erhielt gar Morddrohungen und wirkt in Interviews, die dieses Thema betreffen, durchaus verängstigt. Der Hass, der ihr entgegengebracht wird, hängt oft auch damit zusammen, dass die Menschen nicht wahrhaben wollen, dass sie selbst für den Klimawandel verantwortlich sind. Greta ist der Meinung: "Die Leute wollen nicht über das Klima reden, deswegen reden sie über mich."

"Die Leute wollen nicht über das Klima reden, deswegen reden sie über mich."

BBC begleitet die Klimaaktivistin auch bei ihrer Bootsreise im November über den Atlantik – bei eisiger Kälte und bedrohlichen Stürmen. Da die Klimakonferenz nach Madrid verlegt wurde, können Greta und ihr Vater nicht wie geplant mit dem Auto anreisen. Die Strecke zu fliegen, kommt aber nicht infrage: "Sie würde sich strikt weigern, ein Flugzeug zu nehmen", sagt Gretas Vater. Greta ist zudem überzeugt: "Dass ich per Boot reise, vermittelt eine starke Botschaft."

Der Trailer zeigt, worum es in der Doku-Serie geht. Video: YouTube/BBC Trailers

Hungernde Rentiere und Extremwetter

In der zweiten Folge der Dokumentation macht sich Greta auf den Weg zum Weltwirtschaftsforum in Davos, an dem zahlreiche führende Politiker, unter anderem Donald Trump, teilnehmen. Diese Reise unternimmt sie ausnahmsweise ohne ihren Vater, denn Greta ist mittlerweile 18 Jahre alt.

Auf ihrer Reise trifft sie auf hungernde Rentiere, die aufgrund des Klimawandels weniger zu fressen finden sowie auf einen Klimatologen, der mit Greta über Extremwetterlagen und ihre Ursachen spricht.

"Wenn wir den eingeschlagenen Kurs beibehalten, werden wir noch viel mehr Extremwetter erleben."

Hitzewellen, Super-Stürme und Dauerregen – zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Klimaforscher warnen vor dem durch den Klimawandel entstandenen Temperaturanstieg. Der US-amerikanische Klimatologe Michael Mann macht deutlich: "Wenn wir den eingeschlagenen Kurs beibehalten, werden wir noch viel mehr Extremwetter erleben."

Greta trifft Rentiere, die unter dem Klimawandel leiden.
Greta trifft Rentiere, die unter dem Klimawandel leiden. Bild: BBC Studios Distribution Limited / Screen Grab

Doch viele Politikerinnen und Politiker verschließen davor die Augen. Greta versucht herauszufinden, warum noch immer in Kohle investiert wird, was den Klimawandel beschleunigt – anstatt in erneuerbare Energien. Auf dem Weltwirtschaftsforum will sie sich für die sofortige Reduzierung des Ausstoßes fossiler Brennstoffe einsetzen.

Leicht fällt ihr diese Arbeit nicht, wie sie in der Dokumentation offen zugibt. Auf Demonstrationen von tausenden Menschen umgeben zu sein, schüchtert Greta, die das Asperger-Syndrom hat, immer wieder ein.

Dass die Medien sie als "Anti-Trump"-Figur charakterisieren, macht die Situation nicht leichter. Beim ersten Aufeinandertreffen zwischen der Klimaaktivistin und dem damaligen US-Präsidenten sind, wie Greta sagt, alle Augen auf "das kleine schüchterne Mädchen, das über die Wissenschaft spricht" gerichtet. Greta bemängelt, dass der Inhalt ihrer Rede dagegen in den Hintergrund gerückt ist. Ihre Frustration darüber fängt die Dokumentation eindringlich ein.

Umso glücklicher ist Greta, als sie kurz darauf in London den bekannten Naturforscher Sir David Attenborough trifft – eines ihrer größten Vorbilder. Er lobt ihren Tatendrang und motiviert sie, nicht aufzugeben:

"Du ergreifst für die Generation das Wort, die sich darum kümmern muss. Ich habe schon lange darüber gemeckert, aber die großen Veränderungen kamen, als du darüber gesprochen hast und das hat Hoffnung geweckt."
Er ist für Greta eine große Inspiration: Naturforscher Sir David Attenborough.
Er ist für Greta eine große Inspiration: Naturforscher Sir David Attenborough.Bild: BBC Studios Distribution Limited / Alex Board

Was hat sich durch die Corona-Pandemie verändert?

Die dritte Folge der Doku-Serie stellt die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf die Umwelt sowie auf die Fridays-for-Future-Bewegung in den Vordergrund. Aber auch Gretas persönliche Geschichte wird beleuchtet – denn sie selbst ist an Covid-19 erkrankt.

Dass nicht einmal der globale Lockdown im Jahr 2020 die Emissionswerte so verringert hat, dass die wichtigsten Klimaziele erreicht werden könnten, beschäftigt Greta enorm. Sie beginnt, sich mit zukunftsweisenden Technologien auseinanderzusetzen, die die Folgen des Klimawandels abmildern können.

Virenfreie Begrüßung während der Corona-Pandemie: Greta Thunberg und der Wissenschaftler Achim Grelle treffen sich, um über den Klimawandel zu sprechen.
Virenfreie Begrüßung während der Corona-Pandemie: Greta Thunberg und der Wissenschaftler Achim Grelle treffen sich, um über den Klimawandel zu sprechen.Bild: BBC Studios Distribution Limited / Matthew Gormly

Greta begutachtet ein Forstprojekt und eine Maschine, die CO2 aus der Luft filtert. Außerdem besucht sie einen Bauernhof, der versucht, seine verursachten Treibhausgase zu reduzieren.

Doch auch im Alltag entsteht tagtäglich eine enorme Menge Kohlendioxid, beispielsweise durch Kleidung und Ernährung. Greta will die Menschen dazu aufrufen, ihre Gewohnheiten zu überdenken und so nachhaltige Veränderungen zu bewirken.

Auch wenn der Weg noch weit ist, der globale CO2-Ausstoß noch stark reduziert werden muss und viele Veränderungen sich schneller vollziehen müssen: Greta gibt nicht auf. Sie hat Hoffnung und will diese auch an andere Menschen weitergeben:

"Hoffnung ist, wenn man sagt, wie es ist. Für mich ist Hoffnung nicht das Gefühl, dass alles wieder gut werden wird. Sondern zu spüren, was wirklich etwas bedeutet. Aufzustehen, und für das, was man für richtig hält, zu kämpfen. Das bedeutet Hoffnung für mich."

Die eindrucksvolle, dreiteilige BBC-Doku ist als deutsche Erstausstrahlung exklusiv ab 7. November bei Sky Nature und Sky Ticket und auch auf Abruf verfügbar.

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