Immer mehr Studierende wählen ein Fach mit Ausrichtung auf Nachhaltigkeit, denn das Ausbildungs-Angebot wächst.
Immer mehr Studierende wählen ein Fach mit Ausrichtung auf Nachhaltigkeit, denn das Ausbildungs-Angebot wächst. Bild: dpa / Julian Stratenschulte
Nachhaltig

"Irgendwas mit Nachhaltigkeit"? Studiengänge rund um Umwelt und Klimaschutz – vier Studierende erzählen, was sie konkret lernen

19.05.2022, 14:1419.05.2022, 16:19

Eine Berufslaufbahn für den Klimaschutz – das wird immer üblicher. Bis 2032 könnten mehr als 400.000 Jobs durch die im Osterpaket von der Bundesregierung forcierte Energiewende entstehen, wie eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vor Kurzem ermittelt hat.

Um für diese neu entstehenden Stellen den passenden Nachwuchs hervorzubringen, verlagern immer mehr Universitäten ihren Schwerpunkt auf Fächer mit Lösungsansätzen zur Klimakrise – und damit dem Thema Nachhaltigkeit.

Statt "irgendwas mit Medien" studieren jetzt mehr und mehr junge Menschen ein Fach mit Ausrichtung auf Nachhaltigkeit. Doch was genau lernen Studierende in Fächern wie "Nachhaltigem Management" oder Landschaftsarchitektur?

Watson hat bei vier jungen Menschen nachgefragt, die gerade mitten im Studium stecken.

Erneuerbare Energietechnik

Alex, 21 Jahre

Wieso hast du dich für dieses Studium entschieden?

Durch Physik und auch andere Seminare habe ich für mich festgestellt, dass die Energiebranche relativ interessant ist und in der Schule haben wir uns sehr oft über Fridays for Future unterhalten. Dadurch habe ich mich immer mehr dafür interessiert, wie genau man denn die Energiewende umsetzen könnte. Dann habe ich mich mal in dem Fachbereich umgeschaut und diesen Studiengang gefunden, der am vielversprechendsten war, sowohl von der Jobperspektive her, als auch um mein eigenes Interesse umzusetzen, die Energiewende selbst mitgestalten zu können. Denn in der Branche gibt es noch viel zu wenig Leute, die da bisher mit anpacken – zum Beispiel um als Ingenieur Energienetze zu warten, Energiespeichersysteme zu entwerfen oder Windparks aufzustellen.

Was ist schwierig am Studium?

Vor allem in den ersten Semestern sind noch sehr theoretische Module dabei, zum Beispiel Grundlagenseminare zu Elektrotechnik oder Physik. Die sind eben für ein Grundverständnis wichtig, aber eben sehr abstrakt. Aber ab dem vierten Semester gibt es dann wirklich viele Praxisanteile, was mir deutlich mehr Spaß macht.

Was gefällt dir an diesem Studiengang?

Mir gefällt vor allem das Modul "Energieeffizienz und Energiewirtschaft" sehr: Da geht es ganz konkret darum, dass wir aus Sicht eines Energieberaters Industrieprozesse auf ihre Energieeffizienz optimieren können. Oder wir machen Planspiele, bei denen wir argumentativ gegen unseren Professor antreten, der Vorbehalte gegenüber alternativen Energien hat und wir ihn dann logisch und rhetorisch überzeugen sollen.

Was willst du damit später mal machen?

Ich kann mir gut vorstellen, als Energieberater zu arbeiten. Da ist es dann meine Aufgabe, die Industrie zu überzeugen, in Erneuerbare Energien zu investieren, damit Unternehmen energieeffizienter werden, auch wenn es anfangs natürlich teurer wird. Und auch Erneuerbare Energien-Gegner in entscheidenden Unternehmenspositionen umzustimmen, gehört zu dem Job.

Skills, die beim Studium helfen:

  • Mathematisches Grundverständnis
  • Interesse an Physik
  • Redekunst beherrschen und Spaß am Argumentieren haben

Landschaftsarchitektur

Olivia, 25 Jahre

Wieso hast du dich für dieses Studium entschieden?

Für mich ist es die perfekte Kombination aus kreativem und wissenschaftlichen Arbeiten: Man arbeitet mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Klimawandel, viel mit technischem Wissen, zum Beispiel wie eine Spongecity aufgebaut ist. Wir arbeiten aber auch kreativ, da man sich überlegt, wie Grünanlagen und Parks am besten aussehen, wo Menschen diese Strukturen am besten nutzen können und wie Grünflächen in Stadt oder Region den Bewohnern zugutekommen können.

Was willst du damit später mal machen?

Ich möchte mit Parks und Grünflächen für viele Menschen das Leben in Städten lebenswerter machen. Die Lebensqualität von Städten lebt von öffentlichen Freiräumen, die von Menschen genutzt werden, die eben nicht den Luxus eines Balkons oder Gartens haben: Sie nehmen bei der klimatischen Anpassung in den immer dichter bebauten Städten eine große Rolle ein und sind auch als soziale Treffpunkte wichtiger geworden.

Was gefällt dir an diesem Studiengang?

Es gefällt mir, dass man sehr interdisziplinär mit Architekten und Umweltingenieuren zusammenarbeitet, da es hier echt wichtig ist, verschiedene Perspektiven bei Stadt- und Flächenplanungen miteinzubeziehen. Weil so großflächige Veränderungen komplex sind und in Wechselwirkung mit vielen anderen Lebensbereichen stehen, muss man eben kreativ, aber eben auch wissenschaftlich fundiert denken. Und ganz grundsätzlich arbeitet man sehr stark für eine Lebensverbesserung für viele Menschen, was mich auch immer wieder motiviert.

Was ist schwierig daran?

Meine Ausbildung wird oft noch auf kleinteilige Aspekte und aufs "Elitegärtnern" beschränkt. Dabei planen wir die konkrete Gestaltung von autofreien Städten oder arbeiten an Konzepten, wie zum Beispiel die Münchner Innenstadt im Jahr 2070 gestaltet sein muss, damit sie noch als lebenswert gilt. Aber ich bin mir sicher, dass die Thematiken, die wir behandeln, mit zunehmendem Klimawandel an Relevanz gewinnen werden und nachhaltige Bauprojekte dann auch stärker finanziell unterstützt werden.

Skills, die beim Studium helfen:

  • Räumliches Vorstellungsvermögen
  • Sinn für Orientierung
  • Offene Kommunikation, um erdachte Konzepte präsentieren zu können

Innovationsmanagement, Entrepreneurship and Sustainability

Auslandssemester: verpflichtend

Franziska, 24

Wieso hast du dich für dieses Studium entschieden?

Ich habe im Bachelor zuerst sehr allgemein Wirtschaftsingenieurswesen studiert und wollte mich dann aber im Master gerne auf Nachhaltigkeit im Unternehmensfeld spezialisieren. Mir ist ein nachhaltiges Leben im Privaten schon wichtig, deshalb will ich mich später auch in meinem Job für nachhaltige Unternehmenslösungen einsetzen. Das motiviert mich auch, langfristig bei der Sache zu bleiben.

Was willst du damit später mal machen?

Es gibt noch extrem viele technische Geschäftsbereiche, wo noch ein großer Entwicklungsbedarf von nachhaltigen Anwendungsprozessen besteht: Ich arbeite zum Beispiel momentan als Werkstudentin bei einem Pumpen- und Armaturen-Hersteller. Dessen Produkte werden bei umwelttechnischen Lösungen eingesetzt, zum Beispiel im Energiebereich Wasserkraft. Mit meinem Studium als Grundlage kann ich hierfür dann Produkte energieschonender gestalten oder ganz neue nachhaltige Geschäftsfelder erarbeiten.

Was ist schwierig daran?

Ich lerne ganz viele Konzepte kennen, zum Beispiel wie theoretisch Kreislaufwirtschaft oder Recycling funktioniert. Für mich ist es dann immer nur schwierig, bestimmte theoretische Lösungsansätze auch wirklich in die Praxis umzusetzen.

Was gefällt dir an diesem Studiengang?

Neben vielen theoretischen Kursen habe ich jetzt auch einen darüber, wie man Unternehmen anhand ihres Wasserfußabdrucks und der entstehenden CO2-Emissionen nachweislich als nachhaltig einstufen kann, was ich sehr spannend finde.

Skills, die beim Studium helfen:

  • Lust, Lösungen zu schwierigen und komplexen Themen zu finden
  • Analytisches und ganzheitliches Denken
  • Kommunikations- und Vermittlungsstärke
  • Gute Englischkenntnisse

Nachhaltiges Tourismusmanagement

Auslandssemester: freiwillig

Christian, 26 Jahre

Wieso hast du dich für dieses Studium entschieden?

Nach meinem Bachelor in Sozialwissenschaften bin ich erstmal für längere Zeit gereist – dabei ist mir klar geworden, dass wir in allen möglichen Bereichen ökologische und soziale Nachhaltigkeit brauchen werden. Als ich dann mit vielen unterschiedlichen Eindrücken zurück gekommen bin und nach einem Master gesucht habe, haben mir Freunde vorgeschlagen, doch das Reisen und die Nachhaltigkeit zu verbinden. Dadurch bin ich auf den Studiengang Nachhaltiges Tourismusmanagement aufmerksam geworden. Von dem hatte ich davor noch gar nichts gewusst, weil ich Umweltschutz immer mit naturwissenschaftlichen Studiengängen verbunden hatte. Aber auch in der Reisebranche muss es ökologischer zugehen.

Was willst du damit später mal machen?

Vor allem durch den Massentourismus, der in bestimmten Gebieten gezielt gefördert wird, geht das lokale Ökosystem den Bach runter. Dabei gibt es bereits viele Initiativen, die hier gegenwirken wollen, für die ich mich professionell einsetzen will. Momentan bin ich Werkstudent bei dem Verband Nationale Naturlandschaften, wo ich mich um ein Projekt zu Freiwilligen-Tourismus kümmere. Hier packen Urlauber am Reisedomizil mit an und erleben dadurch viel mehr von der regionalen Kultur und den Naturlandschaften im Reiseland, als wenn sie in Ressorts bleiben. In diesem Zusammenhang Projekte zu planen und durchzuführen, könnte ich mir auch gut als Job vorstellen.

Was gefällt dir an diesem Studiengang?

Man ist nicht strikt auf Hotelmanagement festgelegt, sondern kann in unterschiedlichen Tourismusinitiativen oder -verbänden arbeiten, Reisegruppen
organisieren oder sich – wie ich – auf Tourismus in Naturparks spezialisieren. im Studium lernen wir zum Beispiel, wie man über Destinationsmanagement den Aufenthalt in den Reisegebieten selbst nachhaltiger gestalten kann: Zum Beispiel wie in Venedig über klare Richtlinien Besucherobergrenzen zu schaffen oder indem man Einheimische beim Aufbau eigener Unterkünfte anstelle von riesigen Hotelressorts unterstützt.

Was ist schwierig daran?

Das Schwierigste ist, an sich erstmal zu definieren, was denn genau nachhaltiger Tourismus bedeutet – denn Exkursionen zu Stränden, um Meeresschildkröten-Babys "zu retten" sind noch lange nicht nachhaltig. Es geht eher darum, Tourismus so nachhaltig wie möglich zu gestalten, aber dafür werden Menschen trotzdem weiterhin in Naturgebiete reisen. Entscheidend ist dann aber, wie der Umgang mit der Natur und Leuten funktioniert – und dabei so ursprünglich wie möglich erhalten werden kann.

Skills, die beim Studium helfen:

  • Fremdsprachenkenntnisse, vor allem aber Englisch
  • Präsentieren können
  • Organisieren können
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