Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer auf einer Demo in Berlin.
Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer auf einer Demo in Berlin.Bild: dpa / Philipp Znidar
Nachhaltig

Weltklimagipfel im Ticker: Luisa Neubauer nennt Gipfel-Erklärung "Betrug"

13.11.2021, 22:3614.11.2021, 14:26

Mit leidenschaftlichen und ambitionierten Appellen für mehr Klimaschutz sowie eindringlichen Warnungen vor den Folgen der Erderwärmung hat die Weltklimakonferenz COP26 am 31. Oktober in Glasgow begonnen. Staats- und Regierungschefs aus rund 200 Staaten ringen noch bis zum 12. November darum, wie die Klimakrise eingedämmt – und das 1,5- Grad-Ziel doch noch erreicht werden kann.

Alle Neuigkeiten rund um den Klimagipfel COP26 in Glasgow findest du in unserem Newsticker.

14. November

13.14 Uhr: Luisa Neubauer nennt Gipfel-Erklärung "Betrug"

Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer hat die Beschlüsse der Weltklimakonferenz in Glasgow als "Betrug" verurteilt. "Diese Abschlusserklärung ist ein Betrug", sagte die 25-Jährige am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur, nachdem sich bei dem Treffen rund 200 Staaten auf einen Klimapakt geeinigt hatten. Sie verrate alle, die schon heute vor "unerträglichen Klimafolgen" stünden. "Und es ist ein Betrug an allen jungen Menschen auf dieser Welt, die darauf setzen, dass sich Regierungen um ihre Zukunft kümmern."

Deutschland habe in Glasgow gezeigt, dass es "keines der Länder ist, auf das man aktuell zählen kann, wenn es darum geht, Lebensgrundlagen und Gesellschaften zu schützen", sagte Neubauer, die auch Grünen-Mitglied ist. Die neue Bundesregierung müsse nun Verantwortung übernehmen, zu Deutschlands Klimaschulden stehen und den sofortigen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas einleiten.

Die Klimakonferenz hatte Staaten rund um die Welt erstmals konkret dazu aufgerufen, den Ausstieg aus der Kohle einzuleiten. Allerdings wurde die Formulierung auf Druck Chinas und Indiens in letzter Minute abgeschwächt. Auch bei finanziellen Zusagen an ärmere Länder für die Bewältigung von Klimaschäden blieb der Vertragstext hinter den Erwartungen vieler Staaten zurück.

Neubauer, die die Fridays-for-Future-Proteste in Deutschland federführend ins Leben gerufen hatte, bezeichnete die Beschlüsse als "Aufruf, auf die Straße zu gehen" und den Druck zu erhöhen. "Immer mehr Menschen auf der Welt begreifen, in was für einer Notlage wir sind", sagte die Aktivistin. Die Klimakrise sei kein Zufall, sondern eine politische Entscheidung. "Glücklicherweise kann man politische Entscheidungen ändern. Und das werden wir."

13. November

20.55 Uhr: COP26-Präsidentschaft verkündet Abschlusserklärung in Glasgow

Nach fast zweiwöchigen Verhandlungen haben die fast 200 Länder bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow eine Einigung erzielt. Nach Angaben der dpa verkündete der britische COP26-Präsident Alok Sharma am Samstagabend im Konferenzplenum den Beschluss der Rahmenentscheidung, deren Ausgang bis zuletzt kritisch erwartet wurde. Die am Samstag gebilligte Erklärung von rund 200 Staaten fordert, den Ausstieg aus der Kohle einzuleiten und "ineffiziente" Subventionen für Öl, Gas und Kohle zu streichen. Die Formulierung wurde allerdings in letzter Minute auf Druck von China und Indien abgeschwächt.

Zudem verpflichteten sich die Länder gemeinsam dem Ziel, die Erderwärmung bei 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu stoppen. Dazu sollen sie bis Ende 2022 ihre bislang unzureichenden Klimaschutzpläne nachschärfen. Dies bleibt aber freiwillig, es gibt keine Pflicht. Bisher reichen die bei den UN eingereichten Pläne bei weitem nicht aus, das 2015 in Paris vereinbarte 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. In der Erklärung wird festgehalten, dass dafür der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase weltweit noch in diesem Jahrzehnt um 45 Prozent sinken muss.

Alok Sharma, Präsident der COP26, hält die Hand bei der Schluss-Plenarsitzung der UN-Klimakonferenz COP26 vor das Gesicht.
Alok Sharma, Präsident der COP26, hält die Hand bei der Schluss-Plenarsitzung der UN-Klimakonferenz COP26 vor das Gesicht.Bild: dpa / Christoph Soeder

Zugesagt werden auch mehr Finanzhilfen für arme Staaten, damit diese sich an die vielerorts fatalen Folgen der Klimakrise anpassen können. Konkret sollen diese Finanzhilfen bis 2025 verdoppelt werden, also von aktuell etwa 20 auf rund 40 Milliarden US-Dollar (etwa 35 Milliarden Euro). Erstmals wird die jahrelange Forderung armer Staaten aufgegriffen, einen Geldtopf für Hilfen bei Schäden und Verlusten einzurichten. Gemeint sind etwa Zerstörungen oder erzwungene Umsiedlungen nach Dürren, Sturmfluten oder Wirbelstürmen. Die Staaten werden aufgefordert, dafür Geld einzuzahlen. Konkrete Summen dafür werden aber nicht genannt. Es soll nur "technische Unterstützung" nach Schadensereignissen bereitstehen, aber nicht der komplette Schaden beglichen werden.

Wie die dpa berichtet, fühlten sich viele kleinere Staaten durch die Abschwächungen in der Abschlusserklärung übergangen und beschwerten sich kurz vor der Schlussabstimmung am Samstagabend bitterlich darüber. "Ich bitte um Verzeihung für die Art, wie das gelaufen ist. Und es tut mir sehr leid", sagte der britische COP26-Präsident Alok Sharma, der mit den Tränen kämpfte. Er fügte an: "Es ist auch von elementarer Bedeutung, dass wir dieses Paket schützen." Darauf versagte ihm die Stimme und er senkte den Blick. Die Delegierten halfen ihm mit langem Applaus über den emotionalen Moment hinweg. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen António Guterres zeigte sich ernüchtert über den Kompromiss beim UN-Weltklimagipfel COP26 in Glasgow. "Es ist ein wichtiger Schritt, aber es ist nicht genug. Es ist Zeit, in den Notfallmodus zu gehen", schrieb Guterres nach der Einigung der Delegierten auf die Abschlusserklärung am Samstagabend auf Twitter. Auch EU-Kommissar Frans Timmermans äußerte seine große Enttäuschung darüber, würdigte die Forderung zum Kohleausstieg aber dennoch als "historisch".

15.11 Uhr: Plenum erneut verschoben

Der britische Präsident des Weltklimagipfels, Alok Sharma, hat das wohl entscheidende Plenum der rund 200 Staaten wegen erhitzter Diskussionen erneut verschoben. Es sei notwendig, den Staaten "noch ein bisschen mehr Zeit zu geben", sagte Sharma am Samstagnachmittag im schottischen Glasgow. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Beginn der vermutlich letzten Sitzung bereits abermals um mehrere Stunden verzögert. Ursprünglich hätte der Gipfel schon am Freitag zu Ende gehen sollen.

Den US-Sondergesandten fürs Klima, John Kerry, sah man am Samstag auf der Konferenz intensiv mit Vertretern anderer Staaten diskutieren. Mehrfach bildeten sich Pulks aus Dutzenden Delegierten, die aufgeregt miteinander im Gespräch waren. Die Weltklimakonferenz hatte zu diesem Zeitpunkt bereits rund 20 Stunden überzogen. Sharma setzte die neue Sitzung für 15.30 Uhr (MEZ) an. Der Brite machte klar, dass er eine weitere Verlängerung in die Nacht unbedingt vermeiden wollte."Dies wird heute zu Ende gehen", sagte Sharma.

Noch am Nachmittag solle über den Abschlusstext abgestimmt werden. Er rechne mit einem Ergebnis, das nicht jeden in allen Punkten glücklich machen werden, aber "die Dinge voranbringe".

Im neuesten Entwurf für die Erklärung, der am Morgen veröffentlicht wurde, findet sich erstmals seit 25 Jahren die Forderung, weltweit aus der Kohle auszusteigen und zumindest "ineffiziente" Subventionen für Öl, Gas und Kohle zu streichen. Dagegen gab es Widerstand mehrerer Staaten. Zuletzt hatten zudem arme Staaten, die stark unter der Klimakrise leiden, auf zusätzliche Finanzhilfe reicher Industrieländer gepocht - was diese aber nicht verbindlich zusagen wollen.

10.30 Uhr: Aufruf zum Kohleausstieg weiter Teil der COP-26-Entscheidung

Bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow zeichnen sich Beschlüsse mit einem Aufruf zum Kohleausstieg und zu schnelleren Klimaschutzmaßnahmen ab. Der neue Entwurf der COP26-Rahmenentscheidung enthält weiterhin den Aufruf an die Staaten zur Abkehr von der Kohle und von Subventionen für fossile Energieträger, allerdings in weiter abgeschwächter Form. Außerdem werden die Staaten in den neuen Verhandlungstexten weiterhin aufgerufen, ihre nationalen Klimaziele statt bis 2025 bereits bis 2022 auf den Prüfstand zu stellen.

08.00 Uhr: Konferenz wird um einen Tag verlängert

Bei der UN-Klimakonferenz setzen die Teilnehmerstaaten am Samstag ihre Verhandlungen über eine gemeinsame Abschlusserklärung fort. Wegen einer Reihe von Differenzen über Hilfszahlungen und andere Verhandlungsthemen war die Konferenz am Freitag in die Verlängerung gegangen. Am Samstagmorgen sollen nun neue Verhandlungstexte veröffentlicht werden. Mit dem formalen Abschluss werde für den Nachmittag gerechnet, wie Camilla Born, Beraterin der britischen COP26-Präsidentschaft, auf Twitter mitteilte.

12. November

16.55 Uhr: Verlängerung der COP26 ist möglich – Klimahilfen für ärmere Länder noch immer im Gespräch

Bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow ist mit einer Verlängerung zu rechnen. Um viele Fragen bei der COP26 wird auch am späten Freitagnachmittag noch gerungen: Mehr Ehrgeiz und Geld sind dabei zwei wichtige Themenfelder. Konkret: Ambitioniertere Klimaschutzziele der fast 200 Staaten sowie die Klimahilfen für ärmere Länder.

Zentrales Anliegen der britischen COP-Präsidentschaft ist es, das Ziel in Reichweite zu halten, die Erderwämung auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Ist im Pariser Abkommen noch von deutlich unter zwei Grad, aber möglichst 1,5 Grad die Rede, hat sich die strengere Zielvorgabe mittlerweile weitgehend durchgesetzt.

Dies zeigt sich darin, dass auch in dem am Freitagmorgen vorgelegten Entwurf für die COP26-Rahmenentscheidung anerkannt wird, "dass die Auswirkungen des Klimawandels viel geringer sein werden bei einem Temperaturanstieg um 1,5 Grad verglichen mit zwei Grad" und dem Bekenntnis, die "Bemühungen zur Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad fortzusetzen".

Dass die Industriestaaten ihre Zusage nicht eingehalten haben, den Entwicklungsländern ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel bereitzustellen, belastet die Verhandlungen. Ein von Deutschland und Kanada vor der COP26 vorgelegter Umsetzungsplan, wonach das Ziel nun aber spätestens 2023 erreicht wird, konnte die Vertrauenskrise nur abmildern.

Die Entwicklungsländer wollen erreichen, dass die Industrieländer die bisherigen Fehlbeträge bis 2024 definitiv ausgleichen. Offen ist überdies, wieviel Geld ab 2025 bereitgestellt wird und wie die Zusagen überprüft werden.

Von den Klimahilfen fließt derzeit nur rund ein Viertel in Anpassungsmaßnahmen. Im aktuellen Entwurf der Rahmenentscheidung werden die Industriestaaten auf Druck der Entwicklungsländer aufgefordert, ihre Anpassungshilfen angesichts zunehmender Wetterextreme "mindestens" zu verdoppeln.

Beobachtern zufolge setzen sich die USA für individuelle Aufstockungen nationaler Hilfszusagen ein, die Entwicklungsländer dringen aber auf eine gemeinschaftliche Zusage der Industrieländer. Dies liegt daran, dass einige wichtige Geberländer wie die USA und Deutschland von ihren Klimahilfen deutlich weniger in Anpassungsmaßnahmen stecken als in Klimaschutz.

15.54 Uhr: Klimaaktivistin Neubauer zur COP 26 – "Lassen die neue Koalition nicht aus der Verantwortung"

Klimaaktivistin Luisa Neubauer hat zum Ende der 26. Weltklimakonferenz in Glasgow Olaf Scholz aufgefordert, sein Versprechen vom "Klima-Kanzler" einzuhalten. "Er hat die Menschen hinter sich, selbst die Industrie, die Unternehmen, die sagen: ‚Wir wollen das jetzt machen‘“, sagte sie im Video-Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Die deutsche Rolle auf der Klimakonferenz bewertete Neubauer äußerst kritisch: "Deutschland hat in den vergangenen Jahren verpasst , das zu machen, was man laut dem Pariser Abkommen machen müsste. Wir sind ein Vorbild, ob wir das wollen oder nicht." Deutschland habe jedoch mit seinem Veto gegen den schnellen Ausstieg aus dem Verbrenner "ein extrem problematisches Zeichen" gesendet.

Sie kündigte außerdem an, dass "Fridays for Future" auch gegen die neue Regierung zu Klimastreiks aufrufen werde. "Wir lassen die neue Koalition nicht aus der Verantwortung", sagte sie am Freitag. "Alle drei Parteien wurden gewählt mit einer Zusage, für das 1,5 Grad-Versprechen zu kämpfen. Nun sitzen sie zusammen, als hätten wir unendlich Zeit", kritisierte sie im Gespräch mit dem RND.

13.41 Uhr: Erstmals Topf für Klimaschäden in armen Staaten geplant

In einem neuen Entwurf für die Abschlusserklärung des Weltklimagipfels wird erstmals die jahrelange Forderung armer Staaten aufgegriffen, einen Topf mit Finanzhilfen nach Schäden und Verlusten durch die Klimakrise einzurichten. Dabei geht es etwa um Zerstörungen und erzwungene Umsiedlungen nach Dürren, Sturmfluten oder Wirbelstürmen, die infolge der Erderhitzung zunehmen. Die Passage findet sich in dem Dokument, das der britische Vorsitz der COP26 am Freitag in Glasgow veröffentlicht hat. Darin werden die Staaten aufgefordert, in diese neu "Fazilität" einzuzahlen. Es gibt aber keine Verpflichtung dazu. Und auch konkrete Summen werden nicht genannt.

Die Dürre und Wasserknappheit bekommen die Menschen aus zahlreichen Ländern schwer zu spüren.
Die Dürre und Wasserknappheit bekommen die Menschen aus zahlreichen Ländern schwer zu spüren. picture alliance / zoonar / marco brivio

Der Klimaexperte von Oxfam, Jan Kowalzig, kritisierte zudem, dass der neue Topf nur technische Unterstützung nach Schadensereignissen bereitstellen, aber nicht den kompletten Schaden begleichen soll. "Das ist so, als wenn der Brandstifter dem Eigentümer des zerstörten Hauses sagt: Ich zahle aber nur den Architekten für den Neubau."

11.52 Uhr: Klimaaktivistin Luisa Neubauer bemängelt fehlende Standhaftigkeit der Regierungen

In einem Interview mit dem Fernsehsender "3 Sat" erklärte die Fridays for Future-Aktivistin Luisa Neubauer, was sie sich von den noch verbleibenden Stunden des UN-Klimagipfels erhoffe: "Ich würde sagen – zu retten, was noch zu retten ist. Mittlerweile ist ja den meisten Menschen, die das ein bisschen verfolgen, klar, dass das hier nicht die Konferenz ist, die es hätte sein müssen." Viel mehr hätte es ein globaler "Turning-Point" sein müssen, wo insbesondere die reichen Industriestaaten hätten "radikal" einlenken müssen. Das sei aber bislang nicht passiert. "Jetzt kann man natürlich probieren, das ein oder andere zu richten. Aber fest steht: Gerade jetzt ist die Lage desaströs. Die Klimakrise eskaliert und die Regierungen haben es bislang nicht geschafft, eine Antwort darauf zu finden."

9.23 Uhr: Abschlusserklärung bei der COP26: Neuer Textentwurf schwächt Forderungen zu Kohleausstieg ab

In einem neuen Entwurf für die Abschlusserklärung des Weltklimagipfels in Glasgow ist die Forderung nach einem Ausstieg aus der Kohle deutlich geschwächt worden. Das geht aus dem am Freitagmorgen von der COP-Präsidentschaft veröffentlichten Dokument hervor.

In einer früheren Fassung war noch davon die Rede gewesen, dass die Staaten den "Ausstieg aus der Kohle und aus Subventionen in fossile Energieträger beschleunigen" sollten. In der aktuellen Fassung heißt es, der Ausbau sauberer Energien solle vorangetrieben werden und die schnelle Abschaltung von Kohlekraftwerken, deren ausgestoßenes Kohlendioxid nicht gebunden wird, beschleunigt werden. Außerdem sollten lediglich "ineffiziente" Subventionen für fossile Energieträger beendet werden.

Am Ende der Weltklimakonferenz, planmäßig für Freitagabend angesetzt, müssen die rund 200 Staaten den finalen Erklärungstext gemeinsam offiziell beschließen. Frühere Konferenzen waren meist ins Wochenende verlängert worden. Erklärtes Ziel des Gipfels ist es, die Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit im Rahmen des Möglichen zu halten.

8.15 Uhr: Ministerin Schulze sieht in Glasgow Weiterentwicklung im Vergleich zu Paris

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat zum geplanten Ende der UN-Klimakonferenz in Glasgow am Freitag die Bedeutung einer Abschlusserklärung betont. "Erstmal ist es wichtig, dass es wieder so ein Abschlussdokument gibt, weil das ist jedes Mal wieder eine Bekräftigung", sagte Schulze dem RBB-Sender Radioeins. Bei der Pariser Klimakonferenz im Jahr 2015 hätten noch "alle davon gesprochen, dass man zwei Grad, besser 1,5 Grad erreicht", sagte die Ministerin mit Blick auf das Ziel, die Erderwärmung entsprechend im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. "Jetzt reden alle schon ganz selbstverständlich von 1,5 Grad, das ist schon eine Weiterentwicklung, dass man sich mehr vorstellt", sagte die SPD-Politikerin.

Schulze lobte zudem, dass auf der Klimakonferenz über konkrete Maßnahmen gesprochen werde. Es gebe "nicht mehr nur Diskussionen über Ziele, sondern: Was machen wir ganz konkret an Maßnahmen, um jetzt das Klimaziel auch zu erreichen", sagte die Ministerin.

Die UN-Klimakonferenz in Glasgow soll nach offizieller Planung am Freitag zu Ende gehen. Bei der COP26 hatten seit dem 31. Oktober Vertreter aus fast 200 Ländern über die konkrete Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015 verhandelt. Eine Verlängerung der Konferenz wie bereits in den vergangenen Jahren wird aber nicht ausgeschlossen.

8.00 Uhr: Ministerin Schulze stellt sich klar gegen grünes Label für Atomkraft

Auf einer noch am Donnerstag eilig einberufenen Pressekonferenz hat Bundesumweltministerin Schulze eine Deklaration vorgestellt, in der sie sich gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus Dänemark, Österreich, Luxemburg und Portugal gegen die Überlegungen in der EU sperrt, Strom aus AKWs zukünftig als grüne Energie anzuerkennen. Der Auftritt war eine deutliche Warnung an die EU-Kommission, die momentan an einer Verordnung arbeitet, die festlegen soll, welche Energiequellen Unternehmen und Investoren sich als nachhaltig anrechnen lassen dürfen. Die sogenannte Taxonomie-Regelung soll in den kommenden Monaten soll vorgestellt werden.

11. November

17.21 Uhr: UN-Klimachefin Espinosa – Glasgow kann Beginn einer neuen Ära sein

UN-Klimachefin Patricia Espinosa hat im Endspurt der Weltklimakonferenz den Druck auf die Verhandlerinnen und Verhandler erhöht. "Wir werden härter arbeiten als jemals zuvor, weil wir es müssen. Wir haben keine andere Wahl", sagte Espinosa am Donnerstagnachmittag in Glasgow. Es brauche die Anstrengungen von Regierungen, aber auch von Unternehmen und aus der Zivilgesellschaft. "Glasgow kann der Beginn einer neuen Ära sein", sagte die UN-Klimachefin. Man habe die Chance, eine bessere, grünere, gerechtere und widerstandsfähigere Welt zu schaffen. Die Weltklimakonferenz COP26 ist in Glasgow in ihre entscheidende Endphase gegangen. Insbesondere bei Fragen der Klima-Finanzierung werden sich die rund 200 Staaten bislang nicht einig. Das geplante Ende der Konferenz ist für Freitag angesetzt.

17.19 Uhr: WHO-Regionalbüro – "Klimawandel bedroht schon heute unsere Gesundheit"

Das Regionalbüro Europa der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält einen entschlossenen Klimaschutz für zentral im Kampf gegen Gefahren für die menschliche Gesundheit. "Der Klimawandel bedroht bereits unsere Gesundheit, unser künftiges Überleben", sagte WHO-Regionaldirektor Hans Kluge am Donnerstag in einer Videobotschaft auf dem Weltklimagipfel. Es könnte zwar mindestens drei Jahrzehnte dauern, ehe man sehe, dass sich die Erderwärmung durch sofortige und nachhaltige Verringerungen des Ausstoßes von CO2 und anderen klimaschädlichen Gasen stabilisiere, sagte Kluge – "Die gute Nachricht ist jedoch, dass eine Reduzierung der Emissionen unserer Gesundheit sofort durch eine verbesserte Luftqualität zugutekommen würde."

In Glasgow machen Aktivisten von Extinction Rebellion durch Protestaktionen auf die tödlichen Folgen des Klimawandels aufmerksam.
In Glasgow machen Aktivisten von Extinction Rebellion durch Protestaktionen auf die tödlichen Folgen des Klimawandels aufmerksam.Bild: dpa / Christoph Soeder

Die Dringlichkeit solcher Maßnahmen sei eindeutig, unterstrich Kluge in seinem COP26-Statement. Überschwemmungen wie diejenigen vor wenigen Monaten in Westeuropa sowie Waldbrände und Hitzewellen seien mit ihren gesundheitlichen Folgen Beispiele dafür, warum die Gesundheit in Europa so abhängig vom Klimaschutz sei. Global betrachtet seien die Gesundheitsfolgen des Klimawandels noch zerstörerischer und katastrophaler.

16.08 Uhr: Klimaforschende drängen COP26 zum sofortigen Handeln

Mehr als 200 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen haben die Entscheidungsträger bei der UN-Klimakonferenz im schottischen Glasgow zum sofortigen Handeln im Kampf gegen die Erderwärmung aufgefordert. "Wir Klimawissenschaftler betonen, dass sofortiges, starkes, schnelles, nachhaltiges und umfassendes Handeln notwendig ist", um die Erderwärmung im Rahmen der Pariser Klimaziele zu halten, heißt es in ihrem am Donnerstag veröffentlichten offenen Brief von Wissenschaftlern aus aller Welt.

Andernfalls drohten "unumkehrbare" Auswirkungen des Klimawandels auf Generationen hinaus. Die COP26 sei "ein historischer Moment für das Schicksal von Klima, Gesellschaften und Ökosystemen", schrieben die Wissenschaftler und verwiesen darauf, dass das menschliche Handeln bereits zu einer Erderwärmung von rund 1,1 Grad Celsius geführt habe. "Künftige Treibhausgasemissionen werden über die künftige Erwärmung entscheiden." Die Forscher verwiesen darauf, dass die Erde durch die Treibhausgasemissionen bereits jetzt "bedeutenden Veränderungen des Klimasystems" ausgesetzt sei, von denen "einige auf Generationen hinaus unumkehrbar" seien.

12.15 Uhr: Papst warnt Verhandler des Weltklimagipfels vor ungenutzter Gelegenheit

Kurz vor dem offiziellen Ende der Weltklimakonferenz in Glasgow hat Papst Franziskus die politischen Entscheidungsträger erneut zum Handeln aufgefordert. "Die Zeit läuft ab. Diese Gelegenheit darf nicht vertan werden", mahnte er in einem am Donnerstag vom Vatikan veröffentlichten Brief. Der 84-Jährige rief darin auch alle Gläubigen auf, "Gottes Gaben der Weisheit und der Kraft" für die Staats- und Regierungschefs bei ihrer Entscheidungsfindung zu erbitten.

10.33 Uhr: Bundesumweltministerin Schulze jetzt auch in Glasgow – Klimaschutz in Städten im Fokus

Am Donnerstag kommen 40.000 Teilnehmer auf der Weltklimakonferenz in Glasgow zusammen, um über den Klimaschutz in Städten zu diskutieren. Erwartet wird dazu eine Erklärung der britischen Regierung als Gastgeber des Mammuttreffens mit gut 40.000 Teilnehmern.

Zudem sollen in der Nacht weitere "fast fertige" Texte zu verschiedenen Themen veröffentlicht werden. Auch die geschäftsführende Bundesumweltministerin Svenja Schulze fuhr am Donnerstag nach Glasgow. Die SPD-Politikerin war wegen der intensiven Verhandlungen über eine Ampelkoalition im Bund seit Beginn der COP26 in Berlin geblieben. Geplantes Ende der Klimakonferenz ist am Freitag, eine Verlängerung war aber in den vergangenen Jahren üblich. Am Mittwoch wurde der erste ausformulierte Entwurf für die Abschlusserklärung veröffentlicht, an der nun weiter gearbeitet wird.

08.45 Uhr: China schließt Klima-Vereinbarung mit den USA und warnt vor Eskalation

Am Mittwochabend gab der chinesische Klimagesandte Xie Zhenhua bekannt, dass China und die USA, die beiden größten Treibhausgasemittenten der Welt, eine Vereinbarung für mehr Klimaschutz geschlossen haben. "Beide Seiten erkennen an, dass es eine Kluft zwischen den gegenwärtigen Bemühungen und den Zielen des Pariser Klimaabkommens gibt", sagte Xie nach Angaben der dpa mit Blick auf die drohende Erderwärmung von 2,7 Grad.

Am Donnerstagmorgen warnte jedoch der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping auch vor einer Eskalation der Spannungen mit den USA. "Die Asien-Pazifik-Region kann und darf nicht in die Konfrontation und Spaltung der Ära des Kalten Krieges zurückfallen", sagte er dazu in einer per Video übertragenen Rede auf einem Forum mit Wirtschaftsführern. Er wies dabei jede Art von Diskriminierung bei einzelnen Ländern zurück.

Vor dem Hintergrund, dass China kurz vor der Weltklimakonferenz mit seinem Klimaziel enttäuscht hatte, erst bis zum Jahr 2060 CO2-Neutralität erreichen zu wollen, kann die Gesprächsbereitschaft beider Staaten trotzdem als positive Entwicklung auf der COP26 gesehen werden.

10. November

18.41 Uhr: "Echter Fahrplan für eine Lösung" - Boris Johnson mit optimistischer Ansage

Der britische Gastgeber Boris Johnson hat die Staatengemeinschaft zu mehr Ehrgeiz bei der Weltklimakonferenz in Glasgow aufgerufen und zugleich die Erwartungen gedämpft. "Wir werden den Klimawandel hier und jetzt nicht einsperren können", sagte der konservative Premier zu Journalisten in Glasgow. "Das ist nicht möglich." Wenn in den nächsten 48 Stunden alles gut laufe, sei es jedoch möglich, einen "echten Fahrplan für eine Lösung" der Klimakrise zu beschließen. Die Verhandlungen von rund 200 Staaten bei der Weltklimakonferenz in Glasgow sind in die heiße Phase eingetreten. Besonders uneinig sind sich die Staaten bei der Zusage von Klima-Geldern an ärmere Länder sowie dabei, wie und wann die Staaten ihre Klimapläne weiter nachschärfen sollen. Bislang reichen diese noch bei weitem nicht aus, um die Erderhitzung wie angestrebt bei 1,5 Grad zu stoppen.

Boris Johnson würde die COP26 in die Verlängerung führen, falls nötig.
Boris Johnson würde die COP26 in die Verlängerung führen, falls nötig.Bild: dpa / Christoph Soeder

"Die Welt ist näher dran denn je, das Ende vom Anfang des menschengemachten Klimawandels einzuläuten", sagte Johnson und rief Staatenlenker aus aller Welt auf, ihre Verhandlungsteams in Glasgow anzurufen und ihnen Spielraum für dringend benötigte Kompromisse zu geben. "Meine Frage ist: Werdet ihr uns helfen? Werdet ihr uns helfen, diese Chance zu ergreifen?" Ein Erfolg in Glasgow wäre das größte Geschenk, das man Kindern und Enkelkindern machen könne. Der Klimagipfel soll laut Zeitplan des Gastgebers am kommenden Freitag enden. Wenn es sein müsse, werde man in die Verlängerung gehen, sagte Gastgeber Johnson. "Aber: Ich will das nicht."

18.32 Uhr: Deutschland trägt Pakt für emissionsärmeren Luftverkehr doch mit

Wie das Bundesverkehrsministerium am Mittwochabend mitteilte, schließt sich Deutschland doch der auf der UN-Klimakonferenz geschlossenen Allianz für mehr Klimaschutz im Luftverkehr an. Die geschäftsführende Bundesregierung hatte zunächst das Signal vermittelt, der Erklärung nicht beitreten zu wollen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gab es noch Abstimmungsbedarf auf EU-Ebene. Der Beitritt werde jedoch "innerhalb der üblichen Fristen" nachgeholt, wann genau sei aber noch unklar, erklärte ein Sprecher des Bundesministeriums auf Anfrage der Nachrichtenagentur.

Bislang haben sich 14 Staaten mit dieser Erklärung dazu bekannt, ihre klimaschädlichen Emissionen in der Luftfahrt so zu reduzieren, dass bis 2050 Klimaneutralität erreicht werden kann.

17.41 Uhr: Trotz Corona - COP26 verzeichnet Rekordzahl an Teilnehmern

Die Weltklimakonferenz in Glasgow dürfte trotz aller Hürden aufgrund der Corona-Pandemie locker den Rekord als größtes derartiges UN-Treffen überhaupt knacken. Registriert wurden in Schottland mehr als 40 000 Teilnehmer, wie das UN-Klimasekretariat mitteilte. Darunter seien 22 274 Vertreter der Staaten, 14 124 Beobachter etwa von Umweltverbänden, sowie 3886 Medienvertreter. Die endgültige Teilnehmerzahl könnte noch etwas sinken, falls nicht alle Registrierten anreisen. Die bisher größte COP war 2015 das Treffen in Paris mit etwas mehr als 30 000 Teilnehmern.

15.42 Uhr: Umwelt-Staatsekretär Jochen Flasbarth findet neue Ziele "gut und richtig"

Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth hat die großen Verursacher von Treibhausgasen dazu ermahnt, ihrer Verantwortung auf der Weltklimakonferenz gerecht zu werden. "Wir sollten nicht so tun, als ob die kleinen Inselstaaten die Aufholjagd in diesem Jahrzehnt gestalten könnten", erklärte Flasbarth zu den bisher bekannten Ergebnissen der UN-Verhandlungen im schottischen Glasgow. Die kleineren Staaten würden kaum Treibhausgase emittieren und damit auch nicht wie Industriestaaten zur Erderwärmung beitragen. Es sei "gut und richtig", dass man sich im neuen Entwurf für die Abschlusserklärung das Ziel gesetzt habe, die globalen Treibhausgasemissionen bis 2030 um 45 Prozent gegenüber 2010 zu senken. Aber eines sei auch klar: "80 Prozent der Emissionen kommen aus den G20-Staaten."Vor allem jene Treibhausgas-Verursacher, die ihre nationalen Klimaziele für 2030 noch nicht ausreichend erhöht hätten, müssten liefern, mahnte Flasbarth. Ihr Beitrag komme bislang auch im Entwurf für das Abschlussdokument zu kurz. Zu den größten Emittenten gehören etwa China, die USA und Russland.

Am Dienstag traf Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth den türkischen Umweltminister Murat Kurum im rahmen der COP26.
Am Dienstag traf Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth den türkischen Umweltminister Murat Kurum im rahmen der COP26.Bild: AA / Abdulhamit Topal

China hat bislang kein Treibhausgasminderungsziel bis 2030 festgelegt. Die Emissionen könnten in dem asiatischen Land bis dahin also weiter steigen. Darüber hinaus äußerte sich Flasbarth zufrieden über die bislang bekannten Ergebnisse der Konferenz. Die 1,5 Grad-Marke als Limit für die globale Erderwärmung sei als "Zielwert" genannt, es gebe auch einen klaren Bezug zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen des Weltklimarats IPCC, sagte er. Das sei "nicht trivial".

15.06 Uhr: Deutschland und andere Staaten wollen grüne Schiffskorridore schaffen

Auf dem Weg zum Null-Emissions-Ziel wollen Deutschland und knapp 20 weitere Staaten ihren Schiffsverkehr in den nächsten Jahren auf ersten Routen klimaneutral gestalten. In der nach dem Glasgower Fluss Clyde benannten Clydebank-Erklärung bekennen sich die Länder dazu, bis zur Mitte des Jahrzehnts mindestens sechs Null-Emissions-Schiffsrouten zwischen verschiedenen Häfen zu etablieren, wie der britische Gastgeber der Weltklimakonferenz am Mittwoch mitteilte. Bis 2030 sollen "viele weitere" hinzukommen. Zu den Unterzeichnern gehören neben Deutschland und Gastgeber Großbritannien etwa auch die USA, Frankreich, Italien, die Niederlande und die skandinavischen Staaten.

Für die sogenannten grünen Schiffskorridore sollen Partnerschaften zwischen den jeweiligen Häfen sowie Reedereien und anderen Beteiligten geschlossen werden, um die gesamte Handelskette zu dekarbonisieren. Die Weltschifffahrtsorganisation IMO, eine Sonderorganisation der UN, peilt bislang an, den Ausstoß des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid bis 2050 zu halbieren. Der Weltreederverband ICS strebt indes an, zum selben Zeitpunkt netto gar kein zusätzliches CO2 mehr in die Atmosphäre zu lassen. Die Schifffahrt, die weltweit um die 90 Prozent aller Waren transportiert, ist nach IMO-Angaben für mehr als 2 Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich.

14.05 Uhr: Deutschland fehlt bei Pakt für klimafreundlicheren Luftverkehr

Deutschland hat sich einer auf der Weltklimakonferenz geschlossenen Allianz für mehr Klimaschutz in der Luftverkehrsbranche nicht angeschlossen. Wie auch beim Pakt zum Ende des Verbrennungsmotors fehlt die Bundesrepublik bislang auf der vom britischen Gastgeber veröffentlichten Liste der 14 Staaten, die sich zu einem Herunterfahren ihrer klimaschädlichen Emissionen und zum Netto-Null-Ziel im Jahr 2050 bekennen. Die Gründe dafür waren zunächst unklar. In der Erklärung der Allianz heißt es, man erwarte in den kommenden 30 Jahren eine erhebliche Zunahme der Zahl der Flugpassagiere. Zu den Unterzeichnern gehören die USA, Großbritannien, Frankreich, Spanien und die Türkei. Die Allianz will auch auf klimafreundlichere Kraftstoffe setzen. Von Greenpeace kam prompt scharfe Kritik. "Diese Ankündigung ist voller Betrug wie Kompensationszahlungen und exzessive Hoffnungen auf sogenannte nachhaltige Kraftstoffe und zukünftige Flugzeug-Designs", sagte die für Verkehr zuständige Sprecherin der Organisation, Klara Maria Schenk.

Um die Erderwärmung wie angestrebt bei 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu stoppen, müssten Flüge reduziert und klimafreundliche Arten des Reisens gestärkt werden. Andere Klimaaktivisten hatten zuvor mit einer gefälschten Internetseite und Pressemitteilung zu der Luftverkehr-Allianz für Verwirrung gesorgt. Darin erklärten sie, eine Reihe von Staaten habe sich dazu entschieden, die Emissionen des Luftverkehrs bis zum Jahr 2030 zu halbieren. Unter dem Namen International Aviation Climate Ambition Coalition - was dem echten Namen der Allianz stark ähnelt - verschickte die Gruppe eine entsprechende Mitteilung an zahlreiche Journalisten. "Wir wollen damit aufmerksam machen, was wirklich notwendig wäre, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen", sagte einer der Fälscher, Ben Meades, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

13.08 Uhr: "Es ist eine historische Chance" – Klimaaktivisten um Luisa Neubauer mit Appell an Bundesregierung

Klima-Aktivisten von Fridays for Future haben sich am Mittwochmorgen auf der Weltklimakonferenz zu einer Protestaktion am Pavillon der Deutschen Delegation versammelt. Mit hochgehaltenen Schildern und aufgemalten Ampeln riefen sie die Koalitionsverhandler von SPD, Grünen und FDP dazu auf, ihre Klima-Versprechen einzuhalten. "Es ist ein historische Chance, weil gerade über eine neue Regierung verhandelt wird. Deutschland hätte die Macht, Dinge voranzubringen und zu liefern", sagte die deutsche Klima-Aktivistin Luisa Neubauer, die die Gruppe von etwa 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus mehreren Ländern anführte.

Fridays for Future hält die aktuellen Klimaschutz-Pläne der Ampel-Verhandler in Berlin für nicht ausreichend, um eine Erderwärmung von mehr als 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu verhindern. Die Aktivistinnen und Aktivisten machten auch auf die Verantwortung der Industriestaaten für die Folgen der Klimakrise im globalen Süden aufmerksam.

Die ugandische Aktivistin Patience Nabukalu sagte, dass Staaten wie Deutschland für die Schäden aufkommen müssten, die sie mit ihrem hohen Anteil an den globalen Emissionen in Entwicklungsländern verursachten. "Wir sind Opfer einer Krise, die wir nicht verursacht haben", rief Nabukalu. "Wir sind euer Nicht-Handeln leid." Am Morgen war bekannt geworden, dass sich Deutschland einer bedeutenden Vereinbarung zum Ende von Verbrennungsmotoren nicht angeschlossen hat.

11.33 Uhr: Nach Kontroverse um Privatjet: Boris Johnson reist im Zug

Der britische Premierminister Boris Johnson ist am Mittwoch mit der Bahn zur Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow gereist. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie der konservative Politiker in London einen Zug bestieg. Johnson war in der vergangenen Woche in die Kritik geraten, weil er nach seinem Auftritt und viel mahnenden Worten an die versammelten Staats- und Regierungschefs bei dem UN-Klimagipfel in einem Privatjet in die britische Hauptstadt zurückkehrte. Einem Bericht zufolge traf er sich dort mit einem bekennenden Klimaskeptiker zum Dinner in einem exklusiven Londoner Club.

Protestierende in London am vergangenen Samstag kritisieren Johnsons Klimapolitik.
Protestierende in London am vergangenen Samstag kritisieren Johnsons Klimapolitik.Bild: SOPA Images via ZUMA Press Wire / Vuk Valcic

Bei seinem zweiten Besuch bei der in dieser Woche zu Ende gehenden Konferenz will Johnson den Verhandlungen nach Angaben der Regierung einen Schub verleihen. Es gebe noch viel zu tun, sagte Johnson der BBC zufolge vor seiner Reise. "Es geht hier um mehr als nur ein einzelnes Land, und es ist Zeit für Staaten, ihre Differenzen zu überwinden und sich zum Wohle des Planeten und unserer Menschen zu einigen", so der Premier laut dem Bericht.

10.53 Uhr: Aufruf zu verstärkter Emissionsminderung ab 2022 in COP-Abschlussentscheidung

Der erste Entwurf der abschließenden Entscheidung der UN-Klimakonferenz in Glasgow (COP26) fordert die Staaten zu einer deutlich früheren Überprüfung ihrer Emissionsminderungsziele auf als bislang vorgesehen. Die Regierungen seien aufgerufen, dies bereits bis Ende 2022 zu tun und nicht wie bisher vorgesehen erst 2025, heißt es in dem am Mittwoch von der britischen COP-Präsidentschaft vorgelegten Textentwurf. Klimaaktivisten sind mit dem vorläufigen Entwurf noch nicht zufrieden und kritisieren ihn als freundliche Handlungsaufforderung an die Staaten statt einem dringend benötigten Aktionsplan. Greta Thunberg teilte dazu bei Twitter den Beitrag von Jennifer Morgan, der Executive Director von Greenpeace.

08.00 Uhr: Mehr als 20 Staaten wollen Verkauf von Verbrenner-Autos beenden

Zwei Dutzend Staaten wollen sich auf der Weltklimakonferenz in Glasgow auf ein Enddatum für Autos mit Verbrennermotor festlegen. Zu der Allianz gehören bislang 24 Staaten, sechs große Auto-Hersteller sowie einige Städte und Investoren, wie der britische Gastgeber des Klimagipfels am Mittwoch mitteilte. Detaillierte Infos zu den Unterzeichnern gab es vorab nicht.

Die beteiligten Regierungen wollen "darauf hinarbeiten, dass alle Verkäufe von neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen bis zum Jahr 2040 weltweit und in den führenden Märkten bis spätestens 2035 emissionsfrei sind". Die Autokonzerne sollen demnach anstreben, spätestens 2035 in führenden Märkten nur noch emissionsfreie Autos und Vans zu verkaufen.

Ob Deutschland die Erklärung unterzeichnen wird, war am Abend noch unklar. Aus dem Umweltministerium hieß es, dass es dazu noch keine endgültige Entscheidung der Bundesregierung gebe. Bis zum späten Dienstagabend berieten die Verhandler auf der Klimakonferenz noch. Der scheidende Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte dem Vorstoß zuvor eine Absage erteilt.

Scheuer sagte vor Journalisten: "Der fossile Verbrenner wird 2035 auslaufen. Die Verbrennertechnologie wird aber weiterhin gebraucht. Wir wollen sie mit synthetischen Kraftstoffen klimaneutral machen und die Vorteile der Technologie erhalten." Die geplante Erklärung berücksichtige den Antrieb mit synthetischen Kraftstoffen aber nicht. Deshalb sei sein Ministerium entschieden dagegen. Aus dem Verkehrsministerium hieß es, das sei auch Linie der Bundesregierung.

9. November

17.30 Uhr: Neue Klimaprognose – Welt steuert bis 2100 auf 2,4 Grad Erwärmung zu

Wenn die Zusagen aller Staaten zum Klimaschutz für das Jahr 2030 umgesetzt werden, klettert die Erderwärmung Forschern zufolge bis zum Ende des Jahrhunderts immer noch auf etwa 2,4 Grad. Das zeigen neue Prognosen des Climate Action Tracker (CAT), die am Dienstag auf der Weltklimakonferenz in Glasgow veröffentlicht wurden. Wenn man nur betrachte, was die Staaten jetzt täten, und weitere Ankündigungen ausblendet, steige die Erderwärmung demnach bis 2100 sogar auf 2,7 Grad, so das Ergebniss der CAT-Forscher.

Zur Halbzeit der Klimakonferenz in Schottland klaffe somit eine "Glaubwürdigkeitslücke" zwischen dem, was gesagt, und dem, was getan werde, so die CAT-Forscher. Auch ein "optimistisches Szenario" von lediglich 1,8 Grad Erwärmung sei denkbar - aber nur, wenn diejenigen Staaten ihre langfristigen Zusagen einhielten, die bis zur Mitte des Jahrhunderts klimaneutral werden wollen. Dazu fehlten aber den meisten Ländern belastbare, konkrete Konzepte. Das im Pariser Klimaabkommen von 2015 vereinbarte Ziel ist aber, den Temperaturanstieg auf unter zwei Grad, möglichst 1,5 Grad, im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Dafür müssten nach Berechnungen des Weltklimarats bis 2030 die Emissionen klimaschädlicher Treibhausgase halbiert werden.

Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan nannte die Prognose erschreckend. "Es ist ein niederschmetternder Bericht, der in jeder gesunden Welt Regierungen dazu veranlassen würde, sofort ihre Differenzen beizulegen und mit kompromisslosem Einsatz einen Deal zur Rettung unserer Zukunft auszuarbeiten", sagte sie laut Angaben der dpa. Stattdessen sehe man auf der COP26 "Subversion, Sabotage und Selbstsucht" der Mächtigen, während verletzliche Staaten um ihr Leben kämpften und junge Aktivisten nach Gerechtigkeit riefen.

15.59 Uhr: Deutschland steigt bis Ende 2022 aus Finanzierung fossiler Energien im Ausland aus

Deutschland schließt sich einer Initiative für den Ausstieg aus der Finanzierung fossiler Energien im Ausland bis Ende 2022 an. Das verkündete Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth am Dienstagnachmittag bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow. Flasbarth erläuterte, Deutschland habe ein paar Tage länger gebraucht, sich der Initiative der britischen COP-Präsidentschaft anzuschließen, da noch einige Einzelheiten zu klären gewesen seien. Der Beitritt sei nun möglich gewesen, weil Deutschland die Bestätigung erhalten habe, dass in Einzelfällen weiterhin Investitionen in Gasinfrastruktur möglich seien.

Dies ist laut Flasbarth sinnvoll als Überbrückung beim Ausstieg aus der Kohle und dem Einstieg in die erneuerbaren Energien. Auch für die Produktion von grünem Wasserstoff werde Erdgas gebraucht. "Das muss natürlich auf die Zukunft gerichtet sein", sagte Flasbarth zu den möglichen Investitionen. Außerdem seien diese nur noch in einem Übergangszeitraum "von wenigen Jahren" nötig. Der Umwelt-Staatssekretär hob zugleich hervor, dass im Falle Deutschlands die Finanzierung von Kohleprojekten im Ausland "schon lange passé" sei.

Der Gesandte der britischen COP-Präsidentschaft, John Murton, äußerte sich "erfreut" über Deutschlands Beitritt. "Warum sollten wir staatliche Gelder im Ausland nutzen, um ein Problem zu verschlimmern, während wir zu Hause versuchen, es besser zu machen?", argumentierte er für den Ausstieg aus den Auslandsinvestitionen in fossile Energien.

14.13 Uhr: US-Sprecherin Nancy Pelosi – Welt braucht die Stimmen von Frauen

Am Dienstag richtet sich der Fokus auf dem Weltklimagipfel in Glasgow auf die besondere Belastung von Frauen in der Klimakrise. "Es sind Frauen, Mädchen und jene, die ohnehin am meisten ausgegrenzt werden, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sein werden", teilte die britische Handelsministerin Anne-Marie Trevelyan am Dienstagvormittag zu Beginn des zehnten Verhandlungstages in Glasgow mit. Sie betonte zugleich, dass aber vor allem Frauen eine "entscheidende Rolle" dabei zukomme, "die Klimakrise anzugehen."

Auch die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, dankte explizit den Frauen und Mädchen, die unzählige Menschen mobilisierten, um Druck auf die Politik aufzubauen. "Wenn Frauen Erfolge haben, hat auch die Welt Erfolg", sagte sie in einer öffentlichen Sitzung am Dienstagmittag.

Bild: PA Wire / Jane Barlow

Die Demokratin Pelosi machte zudem auf die besondere Belastung aufmerksam, die die Folgen des Klimawandels für Frauen darstellt: 80 Prozent der Menschen, die durch die Klimakrise aus ihren Wohnorten vertrieben würden, seien Frauen. Den Vereinten Nationen zufolge sind Frauen unter anderem deshalb stärker von Klimafolgen betroffen, weil sie in den ärmsten Bevölkerungsgruppen der Welt in der Mehrheit sind und oft von kleinen landwirtschaftlichen Betrieben leben.

11.26 Uhr: Deutschland verbessert sich im Klimaschutz-Index von Germanwatch

Am Dienstag zogen die Umweltschutzorganisationen Germanwatch und das NewClimate Institute einen weiteren Realitätscheck für die bisherigen Anstrengungen der deutschen Bundesregierung für internationalen Klimaschutz auf dem Weltklimagipfel. In ihrem neu veröffentlichten Klimaschutz-Index rückte die Bundesrepublik um sechs Plätze vor und liegt nun auf Rang 13.

Deutschland verbesserte sich demnach vor allem wegen sinkender Treibhausgasemissionen und seiner verschärften Klimaziele für 2030 und 2045. Problematisch sei hingegen "der zuletzt massiv stockende Ausbau der Erneuerbaren Energien", heißt es in der Untersuchung. Auch die nationale Klimapolitik bewerten die Klimaschützer bislang noch als "schwach", weil die Bundesregierung nicht ausreichend dargelegt habe, wie sie die verschärften Ziele zu erreichen gedenke.

An der Spitze stehen erneut die nordischen Länder Dänemark, Schweden und Norwegen. Die ersten drei Plätze blieben wegen insgesamt unzureichender Maßnahmen allerdings unbesetzt. Schlusslichter des Rankings sind der Iran, Saudi-Arabien und Kasachstan.

In ihrem diesjährigen Klimaschutz-Index verglichen die Organisationen die Bemühungen der größten Emittenten, den Ausstoß des Treibhausgases CO2 zu drosseln. Zudem wird analysiert, inwieweit die Staaten auf dem richtigen Pfad zum 2015 in Paris vereinbarten Klimaziel sind, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit.

9.30 Uhr: Neubauer fühlt sich nach Obamas Rede in ihrem Engagement bestätigt

Nachdem Barack Obama am Montag den Einsatz von vor allem jungen Klimaaktivistinnen und - aktivisten betont hatte, sieht sich auch die deutsche Klimaschützerin Luisa Neubauer im Engagement ihrer Organisation Fridays for Future bestärkt. Obama habe auf eine „sehr respektvolle“ Art und Weise anerkannt, wie erfolgreich die Klimabewegung im Kampf gegen die globale Erderwärmung gewesen sei, sagte Neubauer nach einem Gespräch mit Obama der Deutschen Presse-Agentur. Der ehemalige US-Präsident hatte sich am Montagabend nach seiner offiziellen Rede bei der Klimakonferenz in Glasgow in einem Universitätsgebäude mit Klimaaktivistinnen und -aktivisten zum Gespräch getroffen, an der auch Neubauer anwesend war.

"Es wäre schon mal ein Anfang getan, wenn zum Beispiel Länder wie die USA anfangen würden, ihre Versprechen einzuhalten", sagte Neubauer am Montag. Obama habe bereits im Jahr 2009 versprochen, dass die Industrieländer 100 Milliarden Dollar jährlich dafür bereitstellen würden. "Bis 2023 wird das nicht passieren."

Dennoch wolle sie jetzt kein "Schwarz-Weiß-Fazit" der Klimakonferenz ziehen, so Neubauer zur dpa. Das zivile Engagement sei "sehr mächtig" und werde immer mächtiger, erklärte sie – es komme nun darauf an, dass auch über die Klimakonferenz hinaus der gesellschaftliche Druck weitergehe, damit die versprochenen Maßnahmen auch umgesetzt würden.

Auch andere Klimaexperten wie Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme in Berlin, äußerten zu Beginn der zweiten COP26 Woche Kritik an nur zögerlichen Schritten seitens der an der COP26 teilnehmenden Staaten. Er forderte die Bundesregierung zum Ausstieg aus der fortlaufenden Finanzierung fossiler Energie-Projekte im Ausland auf.

8. November

15.30 Uhr: Bundesregierung kündigt über 500 Millionen Euro für Klimaanpassung an

Die Bundesregierung hat bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow eine Erhöhung ihrer Hilfen für ärmere Länder bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels angekündigt. Das Bundesumweltministerium plant, seine Unterstützung für den internationalen Anpassungsfonds um 50 Millionen Euro zu erhöhen, kündigte Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth am Montag in Glasgow an. Damit steige Deutschlands Beitrag zu dem Fonds auf 440 Millionen Euro. Der Klimawandel sei „eine solche Realität geworden, dass Klimaanpassungsmaßnahmen unabdingbar sind“, hob Flasbarth hervor. Er verwies auf die bereits drastischen Folgen von Dürren und Stürmen der vergangenen Monate, die zu Ernteverlusten, Verwüstung und großen Schäden an der Infrastruktur vieler Länder geführt hätten. Daher sei "über die Jahre das Thema Anpassung immer wichtiger geworden".

Auch das Bundesentwicklungsministerium werde die formelle Zusage von über 100 Millionen Euro zusätzlich für Anpassungshilfen umsetzen, kündigte Jürgen Zattler, der für Klimaschutz zuständige Abteilungsleiter im Bundesentwicklungsministerium (BMZ), an. Das Geld fließe in einen Fonds für die Anpassung der am wenigsten entwickelten Länder (LDC) an den Klimawandel, den sogenannten LDCF. Der Chef des Anpassungsfonds, Mikko Ollikainen, lobte Deutschland als "den größten und einen der beständigsten Unterstützer" des Fonds.

15.00 Uhr: Obama – "Wenn wir jetzt nicht handeln, ist es zu spät!"

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama hat beim Weltklimagipfel in Glasgow dazu aufgerufen, besonders auf die schon jetzt vom Klimawandel betroffenen Staaten zu hören. "Sie senden eine klare Botschaft: Wenn wir jetzt nicht handeln – und zwar mutig handeln –, dann ist es zu spät", sagte Obama am Montag. Das Pariser Klimaabkommen von 2015 wäre nicht zustande gekommen, wenn kleine Inselstaaten und ärmere Länder nicht das Wort ergriffen und ihre Geschichten hörbar gemacht hätten. Der Ex-Präsident, der sich selbst als "Inselkind" bezeichnete, gestand auch eigene Versäumnisse beim Klimaschutz. "Wir haben nicht genug getan", gestand der Obama, der in Hawaii geboren wurde. Es müsse nun abgesichert werden, dass Versprechen für mehr Klimaschutz auch gehalten würden.

Ex-Präsident Barack Obama rief beim Weltklimagipfel in Glasgow dazu auf, besonders auf die bereits vom Klimawandel betroffenen Staaten zu hören.
Ex-Präsident Barack Obama rief beim Weltklimagipfel in Glasgow dazu auf, besonders auf die bereits vom Klimawandel betroffenen Staaten zu hören.Bild: www.imago-images.de / Jane Barlow

Obama zeigte bei der Konferenz auch Verständnis für die Frustration über mangelnde Klimaschutzbemühungen bei jugendlichen Klimaaktivisten. Sie seien den größten Teil ihres Lebens mit Warnungen "bombardiert worden", was passiere wenn der Klimawandel nicht gestoppt wird, so Obama am Montag. "Und gleichzeitig seht ihr, wie viele Erwachsene so tun, als ob das Problem entweder nicht existieren würde oder sich weigern, die notwendigen harten Entscheidungen zu treffen". Um etwas zu ändern, sollten wahlberechtigte junge Leute zur Wahl gehen, "als ob euer Leben davon abhinge", appellierte er: "Die harte Tatsache ist, dass wir erst dann ehrgeizige Klimapläne bekommen werden, wenn Regierungen Druck der Wähler spüren."

12.12 Uhr: Kritik an großer Zahl von Energie-Lobbyisten auf der COP26

Zu Beginn der zweiten Woche des Klimagipfels kritisieren Klimaschützer die Zahl der anwesenden Lobbyisten für fossile Energieträger bei der UN-Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow. Nach Angaben der Organisation Global Witness ist die Zahl der Öl- und Gas-Lobbyisten größer als jede einzelne Delegation der teilnehmenden Länder. Das geht den Angaben zufolge aus einer Liste der Vereinten Nationen hervor.

Demnach sind bei der Konferenz 503 Lobbyisten der Öl- und Gasindustrie akkreditiert. Die größte nationale Delegation Brasilien hat hingegen nur 479 Mitglieder. Gleichzeitig hätten sich viele Gruppen aus Ländern, die vom Klimawandel besonders betroffen sind, über mangelnden Zugang zu der Konferenz beklagt, hieß es in der Mitteilung weiter. Die Anwesenheit Hunderter Lobbyisten werde "die Skepsis von Klimaschutzktivisten nur noch erhöhen", warnte Murray Worthy von Global Witness der Mitteilung zufolge.

11.30 Uhr: COP26 startet in heiße Phase – Klimahilfen im Fokus

Nach den Großdemos für mehr Klimaschutz in Glasgow am Wochenende startet die Weltklimakonferenz in die zweite Woche. Dazu haben sich am Montagmorgen knapp 30.000 Delegierte in Glasgow versammelt, Bundesumweltministerin Svenja Schulze verspätet sich jedoch aufgrund der Verhandlungen zur Ampel-Koalition von SPD, Grünen und FDP und nimmt erst gegen Ende der Woche an den Verhandlungen in Schottland teil. Das Tagesprogramm für Montag wird dabei vom heiklen Thema Geld für Klimahilfen bestimmt.

Arme Staaten, die schon jetzt unter Dürren, Überschwemmungen und steigendem Meeresspiegel wegen der beschleunigten Erderhitzung leiden, pochen auf Schadenersatz der reichen Industrieländer, die die Zahlungen seit Jahren aufschieben. Die britische Regierung rief die reichen Industriestaaten erneut ausdrücklich dazu auf, vor 2030 mehr Gelder im Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe bereitzustellen.

"Wir müssen nun handeln, um zu verhindern, dass der Klimawandel immer mehr Menschen in die Armut stürzt", sagte Handelsministerin Anne-Marie Trevelyan, die am Montag in Glasgow die Gespräche über entsprechende finanzielle Zusagen leiten sollte. Auch UN-Generalsekretär António Guterres mahnte eine Lösung an: "Die Sirenen heulen", twitterte er am frühen Montagmorgen. "Unser Planet sagt uns etwas, wie auch die Menschen überall. Wir müssen zuhören, wir müssen agieren, und wir müssen uns weise entscheiden". Diese Entscheidung müsse für den zum Schutz der Zukunft und zur Rettung der Menschheit fallen.

7. November

14.50 Uhr: Gegengipfel in Glasgow – Selbsternanntes Tribunal urteilt über Klimasünder

Nach zwei Großdemonstrationen für mehr Klimaschutz mit Zehntausenden Demonstranten hat am Sonntag in Glasgow ein Gegengipfel zur UN-Klimakonferenz begonnen. Der viertägige "People's Summit" startete mit einem "Tribunal der Völker", das über die Klimapolitik der meisten Staaten und der Vereinten Nationen zu Gericht sitzen will. Falsche Lösungen und Ziele im Kampf gegen die Erderwärmung gefährdeten schon jetzt Gesundheit und Heimat von Millionen Menschen, hieß es.

Wie die Proteste an den Tagen zuvor hat auch der Gegengipfel zum Ziel, den Druck auf die Verhandlungsteams der etwa 200 in Glasgow vertretenen Staaten zu erhöhen. Kernforderungen sind radikaler Klimaschutz, eine umfassende Entschuldung aller Entwicklungsländer sowie Reparationszahlungen der Industriestaaten. Die COP26 Coalition – ein Bündnis von Organisationen und Kampagnen – schrieb: "Wir brauchen Klimaschutz, der für alle funktioniert, nicht nur für die Leute mit dem meisten Geld in der Tasche."

08.30 Uhr: Boris Johnson ruft zur Halbzeit des Klimagipfels zu mehr Ehrgeiz auf

Der britische Premier Boris Johnson hat zur Halbzeit der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow zu mehr Ehrgeiz bei den Verhandlungen aufgerufen. "Die COP26 hat noch eine Woche Zeit, um für die Welt zu liefern, wir müssen alle an einem Strang ziehen und die Ziellinie ansteuern", sagte der Gipfel-Gastgeber in London. Es habe in der ersten Woche einige konkrete Ankündigungen gegeben, etwa zum Stopp der Entwaldung oder zur Reduktion des schädlichen Treibhausgases Methan. "Aber wir dürfen die Aufgabe, das 1,5-Grad-Ziel am Leben zu erhalten, nicht unterschätzen", sagte Johnson. Es brauche "große Kompromisse und ambitionierte Verpflichtungen".

Der oppositionelle britische Labour-Politiker Ed Miliband forderte Johnson auf, selbst das Ruder zu übernehmen und die Verhandlungen nach vorne zu bringen. Man sei noch sehr weit davon entfernt, sagen zu können, man habe die großen Schritte unternommen, um das 1,5-Grad-Ziel im Rahmen des Möglichen zu halten. Forscher rechnen bei einer stärkeren Erwärmung des Planeten mit katastrophalen Folgen.

6. November

14.40 Uhr: Neuer Protestmarsch in Glasgow in Bewegung

Tausende Menschen haben sich in Glasgow zu einem großen Protestmarsch für mehr Klimaschutz in Bewegung gesetzt. Ausgestattet mit Bannern, Flaggen und Pappschildern mit Klimabotschaften sowie Regenjacken wegen des Dauerregens begannen die Demonstrantinnen und Demonstranten am frühen Samstagnachmittag, vom Kelvingrove Park im Westen der schottischen Großstadt langsam durch die Stadt zu marschieren. Ziel der Protestteilnehmer war der Park Glasgow Green einige Kilometer weiter südöstlich.

Der Protest zur Halbzeit der COP26 ist Teil eines globalen Aktionstags, der nach Schätzungen der Organisatoren Hunderttausende Menschen weltweit auf die Straße bringen sollte, darunter allein Zehntausende in Glasgow. Mehr als 300 Aktionen waren nach Angaben der Veranstalter rund um den Globus geplant. Auch in Amsterdam, Dublin und vielen britischen Städten kamen viele Demonstranten zu Protesten zusammen. "Systemwandel, nicht Klimawandel!", stand auf einem großen Banner an der Spitze eines Protestmarsches in London.

Bereits am Freitag hatten Tausende Menschen bei einer Klimademo in Glasgow mehr Tempo von den Staaten beim Klimaschutz gefordert.

10.15 Uhr: Entwicklungsminister Müller kritisiert bisherige Ergebnisse der Weltklimakonferenz

Der geschäftsführende Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat die bisherigen Verhandlungsergebnisse bei der UN-Klimakonferenz COP26 scharf kritisiert. "Die sich abzeichnenden Beschlüsse reichen nicht aus, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen", sagte Müller dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Samstagsausgaben). "Auch die Unterstützungsangebote für die Entwicklungsländer, selbst wenn sie voll umgesetzt werden, sind absolut unzureichend zur Anpassung an den bereits stattfindenden Klimawandel", kritisierte Müller zudem. "Notwendig ist ein Klimalastenausgleich von Reich zu Arm."

Die Anhebung des 100 Milliarden-Dollar-Ziels für die internationale Klimafinanzierung auf 150 Milliarden sei ebenso notwendig wie eine private Investitionsoffensive mit Anreizen und Absicherungen für grünes Wachstum und Energiekonzepte in den Entwicklungsländern. Die Industriestaaten hatten sich bereits 2009 dazu verpflichtet, ab 2020 eine jährliche Gesamtsumme von 100 Milliarden Dollar für den Klimaschutz in ärmeren Ländern aufzubringen. Das Ziel wird jedoch verfehlt und auch ein späteres Erreichen der Zielmarke ist nicht gesichert. Das nicht eingelöste Versprechen belastet die Verhandlungen zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens.

10.10 Uhr: Aktivistin Neubauer kritisiert "leere Reden" auf dem Klimagipfel

Nach einer Woche Klimagipfel in Glasgow hat die deutsche Aktivistin Luisa Neubauer eine vernichtende Zwischenbilanz gezogen. "Wie erwartet, dreht sich sehr viel um mehr oder weniger leere Reden", sagte Neubauer der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag). "Das Abkommen zum Schutz der Regenwälder symbolisiert eher, was hier schiefläuft: dass man sich auf Abkommen einigt, deren Ziele viel zu weit in der Zukunft liegen, und ohne konkreten Plan, wie sie eingehalten werden." Das sei "die Klimadiplomatie der vergangenen 40 Jahre", so die 25-Jährige von der Umweltbewegung Fridays for Future. Weitere neun Jahre Rodungen abzunicken sei "lächerlich, denn die Entwaldung muss natürlich sofort gestoppt werden".

Auch die Übereinkunft zur Methan-Reduzierung ist aus Sicht von Neubauer "nicht radikal genug", um die globalen Klimaziele einzuhalten. Sie setze keine Hoffnung in die Regierungen, so Neubauer. "Solange sie zu Hause nicht ihre Hausaufgaben machen, das Vereinbarte nicht umsetzen, so lange bleiben die ganzen Versprechen nutzlos." Die Klimaaktivistin kritisierte weiter: "Der Trend, sich für Ziele feiern zu lassen, die nicht ausreichen, und die Ziele dann nicht einzuhalten und davon abzulenken, indem man wieder neue Ziele vereinbart, der zieht sich seit Jahrzehnten durch die Klimadiplomatie."

10.05 Uhr: Baerbock fordert Klimacheck für alle Gesetze der künftigen Bundesregierung

Grünen-Chefin Annalena Baerbock hat einen Klimacheck für alle Gesetze der künftigen Bundesregierung gefordert. "Wenn eine Bundesregierung beschließt, alles dafür zu tun, dass Deutschland auf einen 1,5-Grad-Pfad kommt, dann kann es ja nicht sein, dass man die Augen zumacht, wenn ein Ministerium Gesetze vorlegt, die sich davon deutlich entfernen", sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Samstagsausgaben).

Sie bezog sich damit auf das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015. Dieses sieht die Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, idealerweise 1,5 Grad, im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter vor. "So wie wir checken, ob Projekte finanzierbar sind, brauchen wir auch einen verbindlichen Klimacheck", fügte sie hinzu. Das Klimaschutzabkommen von Paris zu erfüllen, sei "die Verantwortung aller drei Parteien", sagte sie mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, Grünen und FDP. "Die Aufgabe muss sich quer durch alle Ressorts ziehen. Da darf sich kein Ministerium vor drücken."

Baerbock geht nach eigenen Worten dennoch davon aus, dass sich die Klimaschutzpolitik der neuen Bundesregierung bei den CO2-Emissionen zunächst nicht relevant bemerkbar machen wird. Dies sei "das Ergebnis des Stillstands beim Klimaschutz in den letzten Jahren, zum Beispiel im Verkehrssektor, in dem die Emissionen seit Jahrzehnten nicht gesunken sind", erklärte sie. Man könne sich jedoch "aus Angst vor schlechten Zahlen nicht vor der Verantwortung drücken". Die Grünen hatten am Freitag von Problemen bei den Verhandlungen über eine Ampel-Koalition berichtet. Laut Baerbock gibt es noch erhebliche inhaltliche Differenzen zwischen den Parteien.

5. November

17.20 Uhr: Thunberg – "Die COP hat sich zu einer PR-Veranstaltung entwickelt"

"Es ist kein Geheimnis, dass COP26 ein Misserfolg ist", beginnt Thunberg ihre Rede am Freitag in Glasgow. "Es sollte offensichtlich sein, dass wir die Krise nicht mit denselben Methoden lösen können, die uns überhaupt erst in die Krise gebracht haben." Dabei würden die momentan verhandelnden Regierungsvertreter bereits sehr wohl wissen, in welche konkrete Gefahr sie Menschen weltweit mit ihrem "business as usual" bringen würden. "Die Verantwortlichen schaffen aktiv Schlupflöcher und verschieben die Rahmenbedingungen von Abstimmungen, um weiterhin von diesem zerstörerischen System zu profitieren", sagt sie am Freitag. "Die COP hat sich zu einer PR-Veranstaltung entwickelt, bei der die Staats- und Regierungschefs schöne Reden halten und ausgefallene Verpflichtungen und Ziele ankündigen", kritisiert sie. Sie prangerte an, dass es bereits 26 solcher Klimakonferenzen gegeben habe. "Doch wohin haben sie uns geführt? Mehr als 50 Prozent aller CO2-Emissionen sind seit 1990 ausgestoßen worden, ein Drittel seit 2005."

"Die Stimmen der jungen Generation ertrinken im Greenwashing ihrer Regierungen"
Greta ThunbergKlimaaktivistin

Auch sei dieser COP26 der am meisten exkludierende COP bisher, da die Menschen in den am stärksten betroffenen Regionen, nicht gehört würden. "Die Stimmen der jungen Generation ertrinken in ihrem Greenwashing." Thunberg begründet die Dringlichkeit der Notfallsituation damit, dass die technologischen Lösungen, die nötig wären, um CO2 Emissionen schnell genug zu verringern, noch nicht existierten. "Das bedeutet, dass wir unsere Gesellschaft grundlegend ändern müssen" – das sei das unangenehme Ergebnis des wiederholten Versagens der Regierungen. "Diese Krise basiert auf der Idee, dass einige Menschen mehr wert seien, als andere und daher das Recht hätten, andere auszubeuten und ihr Land und ihre Ressourcen zu stehlen", prangerte sie am Freitag an. Doch das würden die am COP26 teilnehmenden Regierungsvertreter vermutlich ignorieren, um weiterhin in ihrer "Bubble" zu leben.

Auch Klimaaktivistin Greta Thunberg sprach am Freitagnachmittag auf der Großdemonstration in Glasgow.
Auch Klimaaktivistin Greta Thunberg sprach am Freitagnachmittag auf der Großdemonstration in Glasgow.Bild: www.imago-images.de / Ewan Bootman

Auch den Medien gegenüber teilt Thunberg aus: "Die Medien versäumen es immer wieder, die Machthaber für ihr Handeln und Nichthandeln zur Verantwortung zu ziehen", urteilt sie auf der Demonstration am Freitag.

"Einige Leute sagen, wir seien zu radikal - dabei sind sie diejenigen, die radikal sind", entgegnet Thunberg vor den Demonstrierenden. Es sei radikal zu denken, dass unsere Zivilisation eine globale Klimaerhöhung von 2,7 Grad überleben könne, so die Klimaaktivistin.

16.52 Uhr: Umweltstaatssekretär – Verhandlungen zu Klimaabkommen werden schwierig

Nach knapp einer Woche seit Beginn der Weltklimakonferenz in Glasgow sieht Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth noch schwierige Verhandlungen auf die Delegationen zukommen. Vor allem mit Blick auf die finanziellen Mittel für ärmere Staaten oder den umstrittenen Artikel 6 des Pariser Klimaschutzabkommens gebe es noch Klärungsbedarf, erläuterte Flasbarth am Freitag. Beim Artikel 6 geht es um den Handel mit Emissionsminderungen zwischen den Staaten und unter anderem darum, wie die Staaten sich eingesparte Treibhausgase auf ihre Klimabilanz anrechnen lassen können, ohne dass es zu Doppelanrechnungen kommt. Die Verhandler in Glasgow müssen laut Flasbarth auch noch klären, in welchem Zeitrahmen die nationalen Klimaschutz-Ziele überprüft werden sollen - etwa in Fünf-Jahres-Abständen oder alle zehn Jahre und wie sie eine transparente Berichterstattung über die Emissionsentwicklungen in den jeweiligen Staaten garantieren wollen.

Vor allem für ärmere Staaten sei die zusätzliche Bürokratie, die mit Transparenzregeln einhergehe, eine Belastung, sagte Flasbarth. Hier würden die Staatenvertreter darum ringen, wie viel Flexibilität es geben könne und ob etwa besonders belasteten Staaten eine etwas weniger aufwendige Art der Berichterstattung zugestanden werden könne. Ein weiterer Verhandlungsschwerpunkt ist demnach die Klima-Finanzierung, also das Geld, das Industriestaaten ärmeren Staaten jährlich zur Verfügung stellen wollen, um sie bei der Anpassung an den Klimawandel und dem Klimaschutz zu unterstützen.

16.15 Uhr: Indigene Völker fordern Rückgabe ihrer Territorien für wirklichen Klimaschutz

Auf der Klimademonstration in Glasgow am Freitagnachmittag sprechen Klimaaktivisten aus unterschiedlichsten Regionen der Welt, die alle bereits vom Klimawandel betroffen sind – unter anderem auch Vertreter von indigenen Völkern wie den Paiter Suruí aus dem Amazonas-Gebiet in Brasilien. Sie fordern dabei klar: "Gebt uns unsere heiligen Territorien zurück!" Der Anführer der Paiter Suruí betonte in seiner Rede, dass die am COP26 teilnehmenden Regierungen die räuberische Ausbeutung der indigenen Völker des Amazonas dabei wissentlich weiterführen. Sein Volk sowie alle anderen indigenen Stämme seien dabei nicht nur in direkter Lebensgefahr durch den Klimawandel, sondern auch durch gezielte Mordandrohungen durch die brasilianische Regierung.

Das Überleben des Volks der Paiter Surui ist neben vielen anderen indigenen Völkern vom Klimawandel bedroht. Ihre Vertreter sprachen am Freitag auf der Klimademonstration in Glasgow.
Das Überleben des Volks der Paiter Surui ist neben vielen anderen indigenen Völkern vom Klimawandel bedroht. Ihre Vertreter sprachen am Freitag auf der Klimademonstration in Glasgow.Bild: www.imago-images.de / Andrew Milligan

So hatte Angaben der BBC zufolge auch die Klimaaktivistin Txai Suruí, die zum indigenen Volk der Paiter Suruí aus dem Amazonas-Gebiet gehört, eigenen Angaben zufolge nach ihrer Rede bei der Eröffnungszeremonie der Weltklimakonferenz COP26 etliche Todesdrohungen erhalten. "Ich denke, ich habe die richtigen Worte gesagt, weil sie mich attackiert haben", sagte Txai Suruí, die zum indigenen Volk der Paiter Suruí gehört, der BBC am Freitag. Suruí hatte den Teilnehmern der Konferenz davon berichtet, wie der Klimawandel das Leben ihrer Gemeinschaft bedroht und sie zum Handeln aufgerufen. Brasiliens Präsident Jair Bolsanaro bezichtigte sie daraufhin, das Land zu attackieren. Suruí wurde zum Ziel von Anfeindungen und Drohungen in sozialen Medien. "Ich bin nicht hier, um Brasilien zu attackieren, ich bin hier, um die Realität zu bringen", verteidigte sich Suruí in dem BBC-Interview.

15.30 Uhr: Junge Klimaaktivisten fordern in Glasgow konkretere Zusagen von COP26

Nach einem Marsch durch die Innenstadt versammeln sich am Freitagnachmittag die Demonstrierenden auf dem George Square vor einer Bühne, auf der abwechselnd fast nur junge Klimaktivistinnen aus unter anderem Brasilien, Uganda, Argentinien und dem Vereinigten Königreich Reden halten. Nach Angaben des WDR sind inzwischen rund 30.000 Teilnehmende in der Innenstadt von Glasgow anwesend. Solidarisch mit den Demonstranten äußerte sich der frühere US-Vizepräsident Al Gore. "An alle in den Hallen der COP26: Jetzt ist die Zeit auf sie zu hören und zu handeln", schrieb er auf Twitter.

14.13 Uhr: Klimaschützer ziehen verhaltene Halbzeitbilanz zur Weltklimakonferenz

Die auf der COP26 anwesenden Klimaschützer ziehen eine verhaltene Halbzeitbilanz der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow. "Die Regierungen der größten Industrienationen (...) fallen mit großen Ansagen, aber wenig Tatkraft auf", erklärte Sven Harmeling von der Hilfsorganisation Care. Die Umweltorganisation WWF begrüßte weitreichende Verpflichtungen der meisten Länder zum Schutz von Wäldern und anderen natürlichen Lebensräumen, forderte aber eine solidere Finanzierung von Schutzmaßnahmen. "Die in Glasgow versammelten Regierungen haben in den letzten Tagen wichtige Verpflichtungen in Bezug auf Wälder und Landnutzung angekündigt", erklärte Gavin Edwards vom WWF.

Laut einem neuen Bericht der Organisation enthalten nun 92 Prozent der Klimaaktionspläne der Länder Maßnahmen gegen den Verlust von Natur. Im Juli waren es demnach noch 82 Prozent. "Dies ist ein ermutigendes Zeichen dafür, dass mehr Länder die entscheidende Rolle naturbasierter Lösungen bei der Bewältigung der globalen Klimakrise erkennen", erklärte der WWF. "Die Regierungen müssen nun neue und zusätzliche Finanzmittel für naturbasierte Lösungen bereitstellen."

An der Finanzierung hapert es der Hilfsorganisation Care zufolge auch bei der Unterstützung ärmerer Länder im Kampf gegen den Klimawandel. Das nicht eingelöste Versprechen, ab 2020 eine jährliche Gesamtsumme von 100 Milliarden Dollar für den Klimaschutz in ärmeren Ländern aufzubringen, belastet die Verhandlungen zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens. "In der zweiten Woche der Klimakonferenz wird es nun unter anderem darum gehen, mit allen Regierungen konkrete Meilensteine und Maßnahmen bis 2023 zu vereinbaren", erklärte Care im Hinblick auf die noch laufenden Verhandlungen.

13.06 Uhr: Tausende Teilnehmer demonstrieren in Glasgower Innenstadt

Die Demonstration beginnt: Die Teilnehmer in Glasgow ziehen am Freitag in Sprechchören durch die Innenstadt und fordern einen "Systemwechsel" und mehr Klimagerechtigkeit - vor allem für ärmere Staaten. Auf Plakaten sind Slogans zu lesen wie "Kapitalismus killt den Planeten", "Handelt jetzt!" oder "Die Dinosaurier dachten auch, sie hätten Zeit".

Der Marsch der Klimaaktivisten beginnt in Glasgow. Video: YouTube/Reuters

10.35 Uhr: Zehntausende bei Klima-Demo in Glasgow erwartet

Am Freitagmittag werden tausende junge KlimaaktivistInnen in Glasgow konkretere Maßnahmen von den Teilnehmern der Weltklimakonferenz COP26 einfordern. Die Organisatoren von Fridays for Future rechnen nach eigenen Angaben mit zahlreichen Teilnehmern bei der dreistündigen Demonstration am sogenannten "Youth Day" (Jugendtag), die um 12 Uhr Ortszeit mit einem Marsch durch die Innenstadt beginnen soll. Prominente Klimaaktivistinnen aus aller Welt wie Greta Thunberg und Vanessa Nakate aus Uganda haben ihre Teilnahme zugesagt. Sie fordern eine drastische Verringerung von CO2-Emissionen sowie Entschädigungen des Nordens an den Süden für Anpassungsmaßnahmen und für die Bewältigung von Verlusten und Schäden. "Auf diesem UN-Klimagipfel erleben wir wieder einmal Politiker, die große Worte und große Versprechungen aussprechen", sagte Mitzi Joelle Tan, Klimaaktivistin von den Philippinen. "Wir müssen der Industrie mit fossilen Energien ein Ende machen."

Thunberg zeigte sich bisweilen unbeeindruckt von den bisherigen Zusagen auf dem Klimagipfel. "Dies ist nicht länger eine Klimakonferenz. Dies ist ein Festival der Grünfärberei der reichen Staaten", twitterte sie am Donnerstagabend. Sie wird voraussichtlich am Freitagnachmittag um 15 Uhr eine Rede auf der Demonstration halten.

Bereits in den vergangenen Tagen gab es rund um das Konferenzgelände in Glasgow viel kreativen Protest: So demonstrierten Aktivisten der Gruppe Ocean Rebellion am Donnerstag als überlebensgroße, blutige Fische gegen die Verschmutzung der Weltmeere, während riesige Pokémon-Figuren ein schnelles Ende der Kohleverstromung in Japan forderten. Zuvor hatten sich einige Demonstranten bereits als Boris Johnson, Wladimir Putin, Angela Merkel und andere Staatenlenker verkleidet, die im Stil der Netflix-Serie "Squid Game" ein tödliches Spiel mit dem Planeten spielten.

4. November

17.27 Uhr: Indonesische Regierung relativiert Entwaldungsstopp

Zwei Tage nach der Einigung zahlreicher Staaten auf ein Abkommen zum Entwaldungsstopp bis 2030 hat die indonesische Regierung die Tragweite der Vereinbarung relativiert. Das Abkommen als Vereinbarung über einen vollständigen Entwaldungsstopp zu beschreiben, sei "falsch und irreführend", erklärte Indonesiens Vize-Außenminister Mahendra Siregar am Donnerstag. Die Umweltministerin des Landes, Siti Nurbaya Bakar, erklärte, es sei "eindeutig unangemessen und unfair", Indonesien zum vollständigen Stopp der Entwaldung bis 2030 zu "zwingen". Klimaschutz-Vereinbarungen dürften sich zudem nicht negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken. Die "massive Entwicklung" Indonesiens unter Präsident Joko Widodo dürfe nicht "im Name der CO2 -Emissionen oder der Entwaldung gestoppt" werden, betonte sie.

Ein Sprecher der britischen Regierung sagte am Donnerstag, er sehe keinen Widerspruch in der Formulierung der Erklärung und den Äußerungen der indonesischen Regierungsvertreter. "Mein Verständnis ist, dass die indonesische Regierung gesagt hat, dass sie dazu in der Lage sein müsse, weiterhin legale Abholzung und Landwirtschaft zu betreiben, um die wirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen", sagte der Sprecher. Dies stehe "im Einklang" mit der Erklärung vom Dienstag. "Wozu sich die Länder verpflichtet haben, ist die Beendigung von Netto-Entwaldung und die Sicherstellung, dass jeglicher Waldverlust nachhaltig kompensiert wird."

Die Erklärung zum besseren Schutz von Wäldern war am Dienstag bei der Weltklimakonferenz (COP26) in Glasgow unterzeichnet worden von mehr als hundert Staaten unterzeichnet worden, darunter auch Indonesien. Laut der Organisation Global Forest Watch verfügte Indonesien im Jahr 2001 noch über 93,8 Millionen Hektar Primärwaldfläche - ein Gebiet in etwa so groß wie Ägypten. Bis 2020 schrumpfte diese Fläche um rund zehn Prozent. Zwar ist die Abholzung in Indonesien seit 2015 zurückgegangen. Nach wie vor nimmt die Waldfläche in dem Land aber von Jahr zu Jahr ab.

17.01 Uhr: UN-Report – Ärmere Staaten haben zu wenig Geld für Klimaanpassung

Die weltweiten Finanzmittel für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels sind zu niedrig, wie aus dem Adaptation Gap Report 2021 des UN-Umweltprogramms UNEP hervorgeht, der am Donnerstagnachmittag auf der Weltklimakonferenz COP26 vorgestellt wurde. Die geschätzten Kosten für die Klimaanpassung, die Entwicklungsländer demnach zu tragen haben, seien fünf bis zehnmal höher als die Mittel, die sie derzeit dafür haben. "Das Geld fließt immer noch nicht so, wie es fließen sollte", sagte UNEP-Chefin Inger Andersen in Glasgow. Zwar stehe die Anpassung an Klimafolgen wie Stürme, Starkregen oder Hitzewellen immer häufiger auf der politischen Agenda, aber insgesamt sei das Budget zu klein, erklärte Andersen.

Ursprünglich hatten sich die Industriestaaten vorgenommen, bis 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für den Klimaschutz und die Klima-Anpassung in ärmeren Staaten bereitzustellen. Nun soll das Ziel nach Angaben der Geber-Länder erst ab 2023 erreicht sein. Laut OECD liegt die bislang erreichte Summe bei rund 80 Milliarden Dollar pro Jahr. Der Anteil, der für die Anpassung an die Klima-Folgen reserviert ist, liegt nach UN-Angaben bei lediglich 25 Prozent.

Die Staaten des globalen Südens und Umweltorganisationen fordern, dass dieser Anteil für Anpassungsmaßnahmen auf 50 Prozent hochgeschraubt wird. Die Folgen des Klimawandel würden jeden treffen, erklärte UNEP-Chefin Andersen weiter. "Kein Land ist isoliert. Wenn ich Klima-Wandel habe, hast auch du Klimawandel", sagte sie. Die Corona-Pandemie habe die Situation weiter verschärft, vor allem für die ärmsten Staaten, die noch viel mehr von den Folgen des Klimawandels betroffen seien als die Industrienationen. "Wir müssen die Klima-Anpassungsmittel hochschrauben", appellierte auch COP-Präsident Alok Sharma.

12.54 Uhr – Energieagentur: Bisherige Ankündigungen auf COP führen zu 1,8 Grad Erwärmung

Die bisher beim Klimagipfel COP26 gemachten Ankündigungen würden der Internationalen Energieagentur zufolge zu 1,8 Grad Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit führen. Wie der Chef der Behörde, Fatih Birol, am Donnerstag in Glasgow erklärte, würden die neuen Analysen der Agentur zeigen, dass der Pakt zur Reduktion des klimaschädlichen Treibhausgases Methan und die neuen Netto-Null-Ziele – sofern sie eingehalten werden – die Erderhitzung auf 1,8 Grad begrenzen würden. "Das ist ein großer Schritt nach vorne, aber es braucht noch viel mehr", schrieb Birol auf Twitter. Ziel der Weltklimakonferenz in Glasgow ist es, das im Pariser Klimaabkommen bekräftigte 1,5-Grad-Ziel im Rahmen des Möglichen zu halten. Klimaforschern zufolge reicht das weniger ambitionierte "Deutlich-unter-zwei-Grad"-Ziel neueren Erkenntnissen zufolge nicht aus, um katastrophale Schäden abzuwenden. Schon vor der COP hatten die Vereinten Nationen bereits Alarm geschlagen: Demnach führten die bisherigen Pläne der Staaten die Welt zu einer Erderhitzung von 2,7 Grad.

10.42 Uhr: Wichtige Länder fehlen bei Zusage zum Kohleausstieg

Beim Weltklimagipfel hat eine Zusage zum Ausstieg aus der Kohleenergie die Unterstützung wichtiger Länder wie China und den USA nicht bekommen. Trotzdem sprach der britische Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng am Donnerstag von einem "Meilenstein". Er verkündete, "das Ende der Kohle" sei in Sicht. Wie die Regierung des Gastgeberlandes weiter mitteilte, sagten 18 Staaten erstmals zu, den Betrieb ihrer Kohlekraftwerke auslaufen zu lassen und nicht in neue zu investieren. Darunter sind Staaten wie Polen, Vietnam und Chile. Mehr als 40 Länder bekannten sich zu einem kompletten Ausstieg aus der Kohle in den 2030er-Jahren für große Volkswirtschaften und in den 2040er-Jahren im Rest der Welt. Bedeutende Kohle-Nutzer wie China, die USA, Indien und Australien schlossen sich der Vereinbarung jedoch nicht an. Die Energiegewinnung durch Kohle ist der größte Einzelfaktor bei der Klimaerwärmung.

Das Greenpeace-Schiff mit "Rainbow Warrior" mit Klimaaktivisten an Bord traf am Montag in Glasgow ein.
Das Greenpeace-Schiff mit "Rainbow Warrior" mit Klimaaktivisten an Bord traf am Montag in Glasgow ein. Bild: PA Wire / Andrew Milligan

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte die Vereinbarung als unzureichend. "Das Kleingedruckte scheint den Ländern erheblichen Spielraum zu geben, um ihr eigenes Ausstiegsdatum zu wählen, trotz der schillernden Überschrift", sagte Delegationsleiter Juan Pablo Osornion der BBC. Begrüßt wurde hingegen das Vorhaben von mehr als 20 Ländern und Institutionen, die Finanzierung fossiler Brennstoffe zu beenden und stattdessen in grüne Energien zu investieren.

10.19 Uhr: "Genug der Scheinheiligkeit" Mexikos Präsident Obrador kritisiert Mangel an Beschlüssen zum Klimaschutz

Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador hat den Teilnehmern der UN-Klimakonferenz "Scheinheiligkeit" vorgeworfen. Die mächtigsten Staaten der Welt trieben ihre Treibstoffproduktion in die Höhe, während sie gleichzeitig Gipfel zum Umweltschutz abhielten, erklärte López Obrador am Mittwoch (Ortszeit) in Mexiko-Stadt. "Und dann reisen sie auch noch in Privatflugzeugen an." López Obrador selbst nimmt nicht an der Klimakonferenz teil. Der linksgerichtete mexikanische Staatschef verglich die Klimakonferenz mit dem alljährlich im schweizerischen Davos stattfindenden Weltwirtschaftsforum, an welchem "Technokraten und Neoliberale" teilnehmen würden. "Genug der Scheinheiligkeit", forderte López Obrador. Es komme jetzt auf Entscheidungen und Taten an, reden allein reiche nicht mehr. Er forderte auch: "Wir müssen gegen die monströse Ungleichheit in der Welt ankämpfen, und das ist es, was ich der UNO sagen werde." López Obrador, der seit seinem Amtsantritt 2018 nur wenige Auslandsreisen unternommen hat, reist in der kommenden Woche nach New York. Hintergrund ist die Übernahme des Vorsitzes des UN-Sicherheitsrates durch Mexiko.

8.16 Uhr: CO2-Emissionen erreichen laut Bericht in diesem Jahr fast wieder Vor-Corona-Niveau – China für 31 Prozent davon verantwortlich

Die für den Klimawandel hauptverantwortlichen weltweiten CO2-Emissionen werden in diesem Jahr wieder annähernd das Niveau von vor der Corona-Pandemie erreichen. Das geht aus dem Klimabericht des Forschungsprojekts Global Carbon Projekt 2021 hervor, der am Donnerstag anlässlich der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow veröffentlicht wird. China, das sich schneller von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie erholte als der Rest der Welt, war demnach 2020 für 31 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich.

Wenn sich die diesjährigen Trends fortsetzten, sei ein weiterer Anstieg der weltweiten Emissionen im Jahr 2022 nicht auszuschließen, erklärten die Forscher. Dies gelte vor allem, wenn der Straßenverkehr und der Luftverkehr auf ihr früheres Niveau zurückkehrten und der Kohleverbrauch stabil bleibe. Verantwortlich für den starken Anstieg der CO2-Emissionen in China seien die Energiebranche und die Industrie. Weltweit gingen die CO2-Emissionen aus fossilen Energien wegen der Corona-Maßnahmen im Jahr 2020 um 5,4 Prozent zurück. Für dieses Jahr prognostiziert der neue Bericht jedoch einen Anstieg um 4,9 Prozent. Die Emissionen aus der Kohlenutzung werden den Prognosen zufolge im Jahr 2021 über dem Niveau von 2019, aber immer noch unter dem Höchststand von 2014 liegen. Die Emissionen aus der Nutzung von Erdgas werden 2021 voraussichtlich ebenfalls über das Niveau von 2019 ansteigen, womit sich der seit mindestens 60 Jahren anhaltende Aufwärtstrend fortsetze. Nur die CO2-Emissionen aus Erdöl bleiben 2021 deutlich unter dem Niveau von 2019.

"Der schnelle Anstieg der Emissionen durch die Erholung der Wirtschaft von der Pandemie erhöht die Notwendigkeit sofortigen Handelns gegen den Klimawandel", erklärte Pierre Friedlingstein vom Global Systems Institute in Exeter. Er leitete die Studie, an der auch Wissenschaftler der Universität East Anglia, Cicero und der Universität Stanford beteiligt waren. Die Investitionen in grüne Wirtschaft in den Konjunkturprogrammen einiger Länder reichten demnach bisher nicht aus, um die Trendwende zu schaffen. Allerdings scheine der Einbruch der Wirtschaft durch die Corona-Pandemie den Übergang zu erneuerbaren Energien beschleunigt zu haben. Für die EU prognostiziert das Global Carbon Projekt im Jahr 2021 einen Anstieg der Treibhausgasemissionen um 7,6 Prozent im Vergleich zu 2020. Die Emissionen wären dann 4,2 Prozent niedriger als 2019. In Deutschland lagen die Emissionen im Jahr 2020 um 9,7 Prozent unter dem Niveau von 2019.

3. November

19.02 Uhr: Wachsende Kritik an Zugangsbeschränkungen für Experten

Mehrere Umweltschutzorganisationen haben erhebliche Zugangsbeschränkungen für Experten bei der UN-Klimakonferenz COP26 in Glasgow angeprangert. Von den tausenden zivilgesellschaftlichen Vertretern, die nach Glasgow gereist seien, hätten nur vier die Genehmigung bekommen, die internationalen Verhandlungen als offizielle Beobachter zu begleiten, kritisierte Teresa Anderson von Actionaid International. Als "Katastrophe" bezeichnete der Direktor von Power Shift Africa, Mohamed Adow, den Ausschluss zivilgesellschaftlicher Akteure. "Die Zivilgesellschaft davon abzuhalten, die Regierungen zu kontrollieren und sie zur Verantwortung zu ziehen, könnte echte Klima-Konsequenzen für die Gemeinschaften haben, die am meisten unter der Klimakrise leiden", betonte Anderson. Adow, dessen Organisation Power Shift Africa in Kenia ansässig ist, erinnerte an Zusagen der britischen COP-Präsidentschaft im Vorfeld der Konferenz. "Mitgliedern der Zivilgesellschaft aus einigen der ärmsten Länder der Welt wurde gesagt, dass dies die inklusivste COP aller Zeiten sein würde. Also sind sie hergereist, um ihre Gemeinschaften zu vertreten", sagte er.

Nun könnten aber viele der Angereisten die COP-Veranstaltungen nur über eine Online-Plattform verfolgen, "die kaum funktioniert". Gemäß der Regeln der UN-Klimakonvention sind zivilgesellschaftliche Organisationen als beobachtende Teilnehmer bei den Weltklimakonferenzen zugelassen. Dies soll mehr Transparenz schaffen. Allerdings gab es seit Konferenzbeginn am Sonntag eine Reihe an Beschwerden hinsichtlich des Zugangs zur Konferenz. Am Montag sorgte der Fall der im Rollstuhl sitzenden israelischen Energieministerin für Aufsehen, die wegen fehlender barrierefreier Zugänge zunächst nicht an der Konferenz teilnehmen konnte. Unter Vertretern der Zivilgesellschaft in Glasgow herrsche "Empörung" über die Zugangsbeschränkungen, sagte er. "Wir brauchen die Stimmen jener, die unmittelbar vom Klimawandel betroffen sind", sagte er. "Covid-bezogene Beschränkungen können keine Rechtfertigung dafür sein, dass unser gesamtes Netzwerk keinen Zugang zu den Verhandlungen hat." UN-Klimachefin Patricia Espinosa hatte zuvor um Verständnis gebeten, dass es wegen der Pandemie zu Komplikationen in der Organisation gab.

15.44 Uhr: Klimafinanzierung für Entwicklungsländer im Mittelpunkt der Tagungen am Mittwoch

Die Frage der Finanzierung von Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise hat am Mittwoch die UN-Klimakonferenz in Glasgow bestimmt. Großbritanniens Finanzminister Rishi Sunak bekräftigte vor den Delegierten der sogenannten COP26, dass die Industriestaaten künftig ihr Versprechen von jährlich 100 Milliarden Dollar für ärmere Ländern einhalten wollten. Das Geld soll in Klimaschutz und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel fließen. "Wir wissen, dass Sie am Boden zerstört sind wegen der doppelten Tragödie Corona und Klimawandel", sagte Sunak. "Deshalb werden wir das Ziel, 100 Milliarden Dollar an Klimafinanzierung für die Entwicklungsländer bereitzustellen, erfüllen. "Die Finanzzusage geht auf die UN-Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen zurück: Die Industriestaaten wollten ihre Klimahilfen für ärmere Länder demnach kontinuierlich steigern und ab 2020 eine jährliche Gesamtsumme von 100 Milliarden Dollar erreichen. Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) lag das Volumen der Klimahilfen 2019 jedoch unter 80 Milliarden Dollar. Auch 2020 und 2021 wird das 100-Milliarden-Dollar-Ziel nicht erreicht. Das nicht eingelöste Versprechen belastet die Verhandlungen zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens.

Großbritanniens Finanzminister Rishi Sunak bei der COP26.
Großbritanniens Finanzminister Rishi Sunak bei der COP26.Bild: PA Wire / Stefan Rousseau

Die britische COP-Präsidentschaft hatte daher vor der Weltklimakonferenz Deutschland und Kanada damit beauftragt, einen Umsetzungsplan für die Finanzzusage auszuhandeln. Der deutsche Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth sagte am Mittwoch in Glasgow, 2022 würden die Industriestaaten "sehr nah" an das 100-Milliarden-Dollar-Ziel herankommen oder es erreichen. 2023 werde die Vorgabe "definitiv" erreicht und 2024 und 2025 übertroffen, um die vorherige Unterfinanzierung auszugleichen. Die Industriestaaten bewiesen damit, "dass sie sich an ihr Versprechen halten. "Kanadas Minister für natürliche Ressourcen, Jonathan Wilkinson, räumte eine besondere Verantwortung der reichen Industriestaaten ein: "Wir erkennen alle an, dass die eigentliche Ursache des Klimawandels oder der CO2-Emissionen mit den entwickelten Wirtschaften zusammenhängt." Bei der Einhaltung der 100-Milliarden-Dollar-Zusage spielt auch die Privatwirtschaft eine wichtige Rolle, wie Sunak, der COP26-Präsident Alok Sharma und die US-Finanzministerin Janet Yellen am Mittwoch betonten. So steht die Glasgow Financial Alliance for Net Zero (GFANZ), ein Klimabündnis aus mehr als 450 Banken und Vermögensverwaltern, nach eigenen Angaben für Investitionen im Gesamtumfang von 130 Billionen Dollar.

14.40 Uhr: "Diese Schlagzeilen werden nicht den Planeten retten" – Klimaaktivisten kritisieren bisherige Ankündigungen

Klimaschutzorganisationen aus aller Welt haben die bisherigen Ankündigungen der Staats- und Regierungschefs als unzureichend kritisiert. "Diese Schlagzeilen werden nicht den Planeten retten", sagte Harjeet Singh vom Climate Action Network, zu dem mehr als 1500 Organisationen aus aller Welt gehören. Einige der bisherigen Ankündigungen seien ermutigend gewesen, aber alles in allem reichten sie bei weitem nicht aus, um die Welt auf den angestrebten 1,5-Grad-Pfad zu bringen. "Es steckt viel Teufel im Detail", sagte Singh. Mit ihren aktuellen Plänen steuert die Welt den Vereinten Nationen zufolge auf 2,7 Grad Erderwärmung zu. Klimagerechtigkeit müsse im Mittelpunkt der Konferenz stehen. "Die Menschen, die heute schon leiden, brauchen auch heute Unterstützung", sagte Singh. Dabei geht es unter anderem um das im Pariser Klimaabkommen bekräftigte 100-Milliarden-Dollar-Versprechen der reichen Industriestaaten an ärmere Entwicklungsländer. Dieses Geld sollte eigentlich schon seit 2020 jedes Jahr fließen, nun soll die Summe aber erst 2023 erstmals erreicht werden.

Die Aktivistin Greta Thunberg hatte Absichtserklärungen in der Vergangenheit bereits als "bla, blah, blah" kritisiert. Auf Twitter nahm die Schwedin Kritikern den Wind aus den Segeln. "Ich freue mich, mitteilen zu können, dass ich mich entschieden habe, bei Schimpfwörtern netto Null anzustreben", schrieb die 18-Jährige. "Für den Fall, dass ich etwas Unangemessenes sagen sollte, verpflichte ich mich, dies durch nette Worte zu kompensieren." Thunberg ist für ihre eindeutigen Worte im Kampf gegen die Klimakrise bekannt, nicht aber fürs Fluchen. In Glasgow hatte sie in Reden aber gelegentlich Kraftausdrücke benutzt, worauf sie sich dabei beziehen dürfte.

13.31 Uhr: Entwicklungsländer fordern Halbierung der Treibhausgase bis 2030: "Wir haben am wenigstens zu dieser Klimakrise beigetragen"

Vertreter von Entwicklungsländern haben die Industriestaaten dazu aufgerufen, ihre Schadstoff-Emissionen bis 2030 zu halbieren und ihre finanziellen Versprechen zu halten. "Wir können nicht länger warten", sagte Sonam Phuntsho Wangdi, ein Regierungsvertreter aus Bhutan und Sprecher einer Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder, am Mittwoch in Glasgow. "Wir haben am wenigsten zu dieser Klimakrise beigetragen." Die 46 Länder der Gruppe, in denen etwa eine Milliarde Menschen leben, seien für nur ein Prozent der globalen klimaschädlichen Emissionen verantwortlich, betont Wangdi. Gleichzeitig sind sie schon jetzt tagtäglich vom Klimawandel betroffen. "Wir sind abhängig von den Entscheidungen, die hier getroffen werden." Er rief die Staatengemeinschaft auf, sich auf eine Halbierung der Treibhausgas-Emissionen bis 2030 festzulegen.

Der Vertreter der Entwicklungsländer zeigte sich enttäuscht darüber, dass die Industriestaaten ihr im Pariser Klimaabkommen bekräftigtes Versprechen, jedes Jahr 100 Milliarden US-Dollar zur Bewältigung der Klimakrise zur Verfügung zu stellen, erst mit Verspätung erreichen. "Es ist zu wenig und zu spät", stellt Wangdi klar. Eigentlich sollte die Summe bereits seit 2020 jährlich in die stark betroffenen Länder fließen. Nun wird sie voraussichtlich 2023 erstmals erreicht. Die Klimafinanzierung gilt als eine der größten Hürden bei den Verhandlungen. Rund 200 Staaten ringen bei der Weltklimakonferenz COP26 darum, wie das Ziel noch erreicht werden kann, die Erderwärmung auf ein erträgliches Maß von maximal 1,5 Grad zu begrenzen.

12.12 Uhr: China und Russland wehren sich gegen Bidens Kritik

Russland hat Kritik von US-Präsident Joe Biden wegen der Abwesenheit von Staatschef Wladimir Putin beim Weltklimagipfel in Glasgow zurückgewiesen. Man knüpfe den Klimaschutz nicht an irgendwelche Veranstaltungen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge am Mittwoch. Sein Land handele bei diesem Thema durchdacht und konsequent. "Unsere Energiebilanz ist um einiges grüner als die vieler anderer Staaten." Russland sei sich seiner Verantwortung bewusst. Putin hatte selbst nur eine Videobotschaft zu dem Gipfeltreffen geschickt und zugesichert, auch angesichts der schweren Naturbrände in Russland mehr für die Erhaltung der Wälder zu tun. Der 69-Jährige verzichtete aber wegen der Corona-Pandemie darauf, selbst anzureisen. Biden hatte das Fernbleiben der Staatschefs Russlands und Chinas als Fehler bezeichnet. Peskow sagte auch, dass Putin Biden beim nächsten Gespräch Russlands Klimapolitik erklären könne. Das Verhältnis der beiden größten Atommächte gilt als so schlecht wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr.

Wladimir Putin während seiner Video-Ansprache im Rahmen der COP26.
Wladimir Putin während seiner Video-Ansprache im Rahmen der COP26.Bild: Sputnik / Evgeniy Paulin

Auch China lies Bidens Rede nicht unkommentiert. "Taten sprechen lauter als Worte", sagte der chinesische Außenamtssprecher Wang Wenbin am Mittwoch in Peking. Im Kampf gegen den Klimawandel komme es auf "konkrete Taten und nicht auf leere Worte an", fügte er hinzu. "Chinas Maßnahmen als Reaktion auf den Klimawandel sind real." US-Präsident Joe Biden hatte am Dienstag in einer Rede bei der Weltklimakonferenz in Glasgow scharfe Kritik an China und auch an Russland geäußert, da die Präsidenten beider Länder dem Gipfeltreffen fernblieben. Der Klimawandel sei "ein gigantisches Problem, und sie sind einfach weggegangen", sagte Biden. Die Entscheidung des chinesischen Präsidenten Xi Jinping, nicht nach Schottland zu reisen, nannte er einen "großen Fehler". Russland und China seien den Erwartungen, eine Führungsrolle in der weltweiten Klimapolitik einzunehmen, nicht gerecht geworden.

12.09 Uhr: "Schlechtestes Timing aller Zeiten" - Expertin sieht erhöhtes Ansteckungsrisiko im großen Besucherandrang

Aufgrund von großen Menschenmassen, dichtem Gedränge und langen Warteschlangen beim Klimagipfel in Glasgow sorgt sich eine schottische Gesundheitsexperten um ein mögliches Ansteckungsrisiko der Teilnehmer mit dem Coronavirus. "Das ist wirklich besorgniserregend, ich beobachte all das sehr ängstlich, weil ich weiß, wie fragil die Situation ist", sagte die Forscherin Devi Sridhar von der Universität Edinburgh am Mittwoch in einem BBC-Interview. Bei der UN-Weltklimakonferenz mit mehr als 28 000 Delegierten, Beobachtern und Journalisten waren in den vergangenen Tagen am Einlass sehr lange Warteschlangen entstanden.

Die Teilnehmer wurden teils im Zick-Zack-Kurs bis zu den Sicherheitsschleusen geführt. Zeitweise habe es über eine Stunde gedauert, um ins Konferenzzentrum zu gelangen, berichteten Teilnehmer. Am Einlass des Zentrums muss täglich ein negativer Corona-Schnelltest vorlegt werden. Im Vorfeld hatte der Gastgeber zudem eine vollständige Impfung empfohlen. Gesundheitsexpertin Sridhar sprach in dem Interview jedoch vom "schlechtesten Timing jemals" für ein solches Treffen in einer Pandemie, erkannte aber die Dringlichkeit angesichts der drohenden Klimakatastrophe an. Die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Neuinfektionen lag in Großbritannien zuletzt bei 416.

04.48 Uhr: Riesiges Meeresschutzgebiet vor Südamerika geplant

Die Präsidenten der Länder Ecuador, Kolumbien, Costa Rica und Panama haben bekannt gegeben, ein neues Meeresschutzgebiet im Osten des Pazifiks schaffen zu wollen. Das neue Areal soll bestehende Schutzgebiete erweitern und die Galápagos-Inseln in Ecuador mit der Insel Malpelo in Kolumbien sowie den Cocos- und Coiba-Inseln in den Gewässern von Costa Rica und Panama verbinden. Auf den Inseln leben jeweils nur wenige Menschen, aber Hunderte von Meerestier- und Vogelarten. Geplant sind rund 500.000 Quadratkilometer Schutzgebiet, in dem unter anderem Schildkröten und Hammerhaie ungestört leben können. Industrieller Fischfang soll dort künftig verboten sein.

Prinz William und der Präsident von Costa Rica, Carlos Alvarado Quesada, im Gespräch.
Prinz William und der Präsident von Costa Rica, Carlos Alvarado Quesada, im Gespräch. Bild: PA Wire / Alistair Grant

"Wir werden Ökosysteme wie die Galápagos- und die Cocos-Inseln schützen, die zu den wertvollsten Ökosystemen der Welt gehören", sagte Costa Ricas Präsident Carlos Alvarado Quesada. Der kolumbianische Präsident Iván Duque teilte mit, das neue Schutzgebiet sei das größte dieser Art in der westlichen Hemisphäre. Der panamaische Präsident Laurentino Cortizo sagte, es seien "viele Reden über den Klimawandel gehört" worden. Es gebe "viele Zusagen, die nicht eingehalten werden". Das Schutzgebiet sei "eine starke Maßnahme und das ist, was unser Land und die Welt brauchen".

nach ZEIT online

2. November

16.15 Uhr: 100 Staaten schließen Pakt zum Schutz der Wälder ab 2030 – auch Russland und Brasilien mit dabei

Mehr als 100 Staaten haben einen Pakt zum Schutz der Wälder abgeschlossen, der ein Ende der Zerstörung von Wäldern und anderen wertvollen Ökosystemen bis spätestens 2030 vorsieht – darunter auch die waldreichen Staaten Kanada, Russland, Brasilien, Kolumbien, Indonesien sowie China, Norwegen und die Demokratische Republik Kongo. Die beteiligten Länder verfügen über 85 Prozent der weltweiten Waldfläche, also etwa 34 Millionen Quadratkilometer, wie die britische COP26-Präsidentschaft bekanntgab.

Die Umsetzung des Pakts soll mit umgerechnet 17 Milliarden Euro an Finanzzusagen unterstützt werden. Zu den Unterzeichnern zählen auch Brasilien und Russland, die wegen der raschen Abholzung ihrer Wälder in der Kritik stehen. Klimaaktivisten kritisierten das Zieldatum jedoch als zu spät: Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte die Glasgower Initiative als unzureichend. Damit werde praktisch grünes Licht gegeben "für ein weiteres Jahrzehnt der Entwaldung".

15.03 Uhr: Mehr als 80 Staaten besiegeln Pakt gegen Methan-Ausstoß

In Glasgow haben sich mehr als 80 Staaten einer Initiative der EU und der USA angeschlossen, um den Ausstoß von klimaschädlichem Methan zu reduzieren. Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellte den Pakt gemeinsam mit US-Präsident Joe Biden in Glasgow vor. "Das ist die am tiefsten hängende Frucht", die man schnell und effektiv reduzieren müsse, so von der Leyen. Die Initiative beabsichtigt, Methanemissionen bis 2030 um mindestens 30 Prozent gegenüber 2020 zu senken. Methan ist das zweitschädlichste Treibhausgas und verantwortlich für Klimaerwärmung und Luftverschmutzung, der Ausstoß von Methan in die Atmosphäre habe damit einen erheblichen Beitrag zur Erderwärmung. Wenn sie erfolgreich umgesetzt wird, könnte die Klimaerwärmung bis 2050 der EU-Kommission zufolge um rund 0,2 Grad reduziert werden. Mit dabei sind neben Deutschland und den USA unter anderem auch Frankreich, Kanada, Israel und Japan.

US-Präsident Joe Biden und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an der Sitzung über technologische Innovation zum Klimaschutz.
US-Präsident Joe Biden und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an der Sitzung über technologische Innovation zum Klimaschutz. Bild: PA Wire / Jeff J Mitchell

Mit der Reduzierung von Methanemissionen könne das 30-Prozent-Ziel wahrscheinlich sogar übertroffen werden, sagte US-Präsident Joe Biden in Glasgow. Er präsentierte zugleich einen nationalen Aktionsplan zur Reduzierung des Methan-Ausstoßes in den USA. Damit soll unter anderem der Methan-Ausstoß von Öl- und Gasbohrlöchern, von Pipelines und von Mülldeponien deutlich reduziert werden.

14.14 Uhr: Deutschland unterstützt Südafrika beim Kohleausstieg

Deutschland will Südafrika mit knapp 700 Millionen Euro beim Kohleausstieg unterstützen. Zusammen mit Großbritannien, den USA, Frankreich und der EU soll die Transition von Südafrika hin zu erneuerbaren Energien über die nächsten fünf Jahre hinweg mit insgesamt 8,5 Milliarden US-Dollar – 7,3 Milliarden Euro – finanziert werden. Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, sei weltweit eine Energiewende mit Kohleausstieg nötig, erklärte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU).

Demnach erzeugt Südafrika derzeit seinen Strom fast zu 90 Prozent aus Kohle. Unterstützt werden solle durch die Partnerschaft der Einstieg in erneuerbare Energien sowie die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Um den Kohleausstieg in Südafrika sozial verträglich zu gestalten, sind laut dem Bundesumweltministerium "auch Investitionen in die soziale Infrastruktur" nötig: Über 90.000 Minenarbeiter, aber auch für die Berufsausbildung von Jugendlichen, die beruflichen Möglichkeiten von Frauen sowie kleine und mittelständische Unternehmen sollten damit unterstützt werden. Deutschland will zudem die südafrikanischen Bergbauregionen bei der Sanierung der Minenstandorte unterstützen.

13.26 Uhr: US-Präsident Biden: Investitionen für Millionen Jobs in den "Industrien der Zukunft"

Beim Bau neuer Infrastruktur, wie neuer Versorgungsleitungen oder Verkehrswege sollten schon immer die Folgen des Klimawandels mit berücksichtigt werden, forderte US-Präsident Joe Biden am Dienstag. Auch müssten nachhaltige, hohe Standards beim Bauen gelten, um etwa Korruption auszuschließen, die Umwelt nicht zu schädigen und Steuerzahler vor Ort nicht zu überfordern. Um das Ziel einer Klimaneutralität bis 2050 mit Investitionen zu erreichen, müsse auch der private Sektor mobilisiert werden – hier biete die Klimakrise aber auch ökonomische Chancen: Es gehe um Millionen Jobs in den "Industrien der Zukunft". Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Gastgeber Boris Johnson unterstützten den Appell.

13.09 Uhr – UN-Umweltstaatssekretär: Zusammenarbeit nur "ohne Beschiss"

Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth drängt am dritten Tag der Weltklimakonferenz in Schottland auf eine Zusammenarbeit nur "ohne Beschiss": Konkret gehe es darum, Regeln festzulegen, wie Staaten sich etwa die Reduktion von Treibhausgasen anrechnen lassen dürfen, die ein anderer Staat im Rahmen einer Vereinbarung übernimmt. Die Verhandlungen in Glasgow sollten diese Regelwerk-Lücke im Pariser Abkommen jetzt schließen, betonte Flasbarth.

12.10 Uhr – US-Präsident Biden: "Der Erhalt der Wälder ist unverzichtbar, um die gemeinsamen Ziele beim Klimaschutz zu erreichen"

US-Präsident Joe Biden begrüßt und unterstützt den auf der Weltklimakonferenz geschlossenen Pakt von mehr als 100 Staaten, bis 2030 die Zerstörung von Wäldern und anderen Landschaften zu stoppen. Hinzu kommen müssten der Schutz des Wassers, der Artenvielfalt sowie indigener Gemeinschaften, so der US-Präsident. "Der Erhalt der Wälder ist unverzichtbar, um die gemeinsamen Ziele beim Klimaschutz zu erreichen", betonte er am Dienstag in Glasgow auf einer Veranstaltung der britischen Regierung, die der COP26 vorsitzt. Biden sagte, Wälder hätten ein großes Potenzial klimaschädliches Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu holen. Der Schutz der Wälder müsse daher die gleiche Priorität haben wie der klimafreundliche Umbau der Wirtschaft. Die USA wollten der Welt nun helfen, die Entwaldung zu stoppen und bis 2030 darüber hinaus mindestens 200 Millionen Hektar Wald und andere Ökosysteme wiederherzustellen.

11.35 Uhr: Aktivisten küren COP26 und Australien zum "Fossil des Tages"

Die Umweltschützer des Climate Action Networks (CAN) haben die britische Regierung als Ausrichter des Weltklimagipfels zum "Fossil des Tages" gekürt: CAN kritisiert Organisationsmängel bei der Konferenz in Glasgow mit 28.000 Teilnehmern. An den ersten beiden Tagen hatten sich sehr lange Schlangen vor dem Kongresszentrum gebildet. Die Wartezeit betrug damit am Dienstag weit mehr als eine Stunde bis zum Sicherheitscheck. Vertreter der Zivilgesellschaft und Klimaaktivisten müssten als gleichwertige Partner behandelt werden, forderte das Netzwerk. Dieser Negativpreis der COP26-Präsidentschaft soll in dieser Hinsicht ein "Weckruf" sein.

Auch bei der Inklusion von Teilnehmern mit körperlicher Behinderung kam es bereits zu Schwierigkeiten bei der COP26. Die israelische Energieministerin Karine Elharrar hat nach eigenen Angaben aufgrund fehlender Barrierefreiheit zunächst nicht an der Weltklimakonferenz teilnehmen können.

Auch Australien wurde zum "Fossil des Tages" gekürt. Das Land profitiert stark vom Kohleexport, was die COP an einen "Tiefpunkt" führe, stellte CAN besonders hervor. Die australische Regierung habe nicht nur sehr schwache Pläne zum Klimaschutz präsentiert, sondern in den vergangenen Monaten auch noch drei neue Kohleprojekte genehmigt.

09.38 Uhr: Die Stiftung "Bezos Earth Fund" spendet zwei Milliarden Dollar

Die Stiftung "Bezos Earth Fund" von Amazon-Gründer Jeff Bezos hat bei der Weltklimakonferenz angekündigt, zwei Milliarden US-Dollar – 1,72 Milliarden Euro – zu spenden. Damit sollen vor allem Landflächen in den USA geschützt werden sowie die Veränderung landwirtschaftlicher Systeme vorangetrieben werden. Bereits im März 2021 hatte Bezos angekündigt, er wolle insgesamt zehn Milliarden Dollar bis 2030 im Kampf gegen die Klimakrise stiften. Bezos erntete aber auch Kritik: Zur COP26 reiste Bezos mit einem Privatjet nach Glasgow.

08.00 Uhr: 100 Staaten wollen bis 2030 Entwaldung stoppen

Auf dem Weltklimagipfel in Glasgow haben sich mehr als 100 Staaten verpflichtet, die Zerstörung von Wäldern und anderen Landschaften bis 2030 zu stoppen. Dies hat die britische Regierung, die der UN-Konferenz vorsitzt, am späten Montagabend bekanntgegeben. Die beteiligten Länder, darunter Deutschland und die gesamte EU, repräsentieren demnach 85 Prozent der weltweiten Waldfläche, also etwa 34 Millionen Quadratkilometer. Mit dabei sind die Staaten mit den größten Wäldern überhaupt, also Kanada, Russland, Brasilien, Kolumbien, Indonesien sowie China, Norwegen und die Demokratische Republik Kongo. Für das Vorhaben werden demnach bis 2025 etwa 12 Milliarden US-Dollar (rund 10,3 Milliarden Euro) an öffentlichen Geldern mobilisiert. Hinzu kommen 7,2 Milliarden US-Dollar private Investitionen.

Der Präsident Indonesiens, Joko Widodo, will den Regenwald in seinem Land schützen.
Der Präsident Indonesiens, Joko Widodo, will den Regenwald in seinem Land schützen.Bild: picture alliance / Photoshot

Wälder gelten als die Lunge unseres Planeten, sie nehmen etwa ein Drittel der jährlich vom Menschen ausgestoßenen CO2-Emissionen auf. Doch schrumpfen sie bedenklich, wie es in der Mitteilung weiter hieß: Jede Minute gehe eine Fläche von etwa 27 Fußballfeldern verloren.

Der britische Premierminister Boris Johnson sprach der Mitteilung zufolge von Wäldern als "Kathedralen der Natur" und erklärte: "Sie sind unverzichtbar für unser Überleben." Der Präsident Indonesiens, Joko Widodo, sagte laut der Mitteilung, sein Land sei gesegnet mit viel Regenwald. Seine Regierung verpflichte sich, diese als "natürliches Kapital" zu beschützen.

07.00 Uhr: Narendra Modi kündigt "Klimaneutralität bis 2070" für Indien an

Am Montagabend kündigte Premierminister Narendra Modi erstmals ein konkretes Ziel von Indien für Klimaneutralität an: Indien, das drittgrößter CO2-Emittent weltweit ist, will demnach bis 2070 klimaneutral werden. Um das zu erreichen, will Modi den Ausbau von Erneuerbaren Energien vorantreiben und bis 2030 eine Gesamtkapazität durch nicht-fossile Energieträger von 500 statt wie bisher 450 Gigawatt erreichen.

Indiens Premierminister Narendra Modi fordert Klimahilfen der COP26-Mitgliedsstaaten.
Indiens Premierminister Narendra Modi fordert Klimahilfen der COP26-Mitgliedsstaaten.Bild: PA Wire / Phil Noble

Ebenfalls bis 2030 sollen 50 Prozent des Energiebedarfs in Indien aus Erneuerbaren gedeckt werden. Die sogenannte Kohlenstoffintensität der indischen Wirtschaft soll bis zum Ende des Jahrzehnts um 45 Prozent statt bisher 35 Prozent reduziert werden. Indiens CO2 Bilanz will Modi auch mit dem Ausbau eines riesigen Bahnnetzes eindämmen, wofür er auf der COP26 Klimahilfen in Höhe von einer Billion Dollar von den Mitgliedsstaaten forderte.

1. November

17.14 Uhr: Macron fordert mehr Verantwortung der reichen Länder

Emmanuel Macron hat Länder mit besonders hohen Treibhausgasemissionen zu engagierterer Klimapolitik aufgerufen. "Der Schlüssel für die nächsten zwei Wochen ist, dass die größten Emittenten, deren nationale Pläne mit dem 1,5-Grad-Ziel nicht übereinstimmen, ihre Ambitionen höher stecken", sagte der Präsident Frankreichs. Er forderte, es müsse ausreichend Engagement gezeigt werden, um zurück zum Ziel zu gelangen, die globale Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Dabei gehe es vor allem um nationale Strategien.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will reiche Länder stärker in die Pflicht nehmen.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will reiche Länder stärker in die Pflicht nehmen.Bild: abaca / Lafargue Raphael/ABACA

Neben mehr Ehrgeiz verlangte der französische Staatschef Solidarität und Transparenz. Reiche Länder müssten ihrer Verantwortung gerecht werden und ausreichend Gelder für Klimaschutz in ärmeren Regionen zur Verfügung stellen. Die Umsetzung der Versprechen und die Verwendung von Geldern sollten transparent sein. Macron sprach sich zudem dafür aus, wirtschaftliche Entscheidungen mit der Klimapolitik vereinbar zu machen. Verträge müssten Klimaambitionen widerspiegeln.

16.52 Uhr: Thunberg-Brief an Staatsoberhäupter erreicht über eine Millionen Unterschriften

Greta Thunberg hatte gemeinsam mit weiteren Klimaaktivistinnen aus der ganzen Welt einen offenen Brief an die Staatsoberhäupter der Erde verfasst. Am Montagnachmittag hatte der online veröffentlichte Aufruf fast 1,1 Millionen Unterschriften gesammelt. Konkret fordern Thunberg, Vanessa Nakate aus Uganda, die Polin Dominika Lasota und Mitzi Tan von den Philippinen die Länderchefs bei der COP26 auf, der Klimakrise endlich entscheidend und mit sofortigen und drastischen Maßnahmen zu begegnen.

"Verrat. So beschreiben junge Menschen weltweit das Versagen unserer Regierungen bei der Reduzierung der CO2-Emissionen", schreiben sie. Die Welt sei "katastrophal weit" vom entscheidenden Ziel des Pariser Weltklimaabkommens entfernt - der Begrenzung der globalen Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. "Dennoch beschleunigen Regierungen weiterhin die Krise, indem Sie Milliarden in fossile Brennstoffe investieren." Für die Erde bedeute das "Alarmstufe Rot".

16.37 Uhr: Biden betont, die USA wollen mit gutem Beispiel vorangehen

Joe Biden hat die Staats- und Regierungschefs zum Handeln aufgerufen. "Wir stehen an einem Wendepunkt der Weltgeschichte", sagte der US-Präsident. "Wir haben nur noch ein kurzes Zeitfenster vor uns. Glasgow muss der Startschuss für ein Jahrzehnt des Ehrgeizes und der Entschlossenheit sein." Biden warnte vor den Konsequenzen, sollten die Maßnahmen unzulänglich sein. "Mit jedem Tag, den wir warten, steigen die Kosten der Untätigkeit." Der Demokrat sieht im Kampf gegen den Klimawandel auch Chancen wie zum Beispiel gut bezahlte Jobs in neuen Branchen. Dahingehend wollen die USA mit gutem Beispiel vorangehen. "Ich weiß, dass das nicht der Fall war. Deshalb macht meine Regierung Überstunden, um zu zeigen, dass unser Engagement für den Klimaschutz aus Taten und nicht aus Worten besteht."

Nach seinem Amtsantritt hatte Biden die USA zurück zum Klimaschutzabkommen von Paris geführt, aus dem sein Vorgänger Trump ausgestiegen war. Biden versucht derzeit auch im eigenen Land, Gesetzespakete mit ambitionierten Klimaschutz-Vorhaben durchzusetzen. Das war ihm vor der Weltklimakonferenz in Glasgow wegen heftiger Flügelkämpfe in seiner eigenen Demokratischen Partei nicht gelungen.

15.45 Uhr: Merkel mit Plädoyer für CO2 -Bepreisung

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte die Dringlichkeit von konkreten Handlungen von allen Staaten beim Klimaschutz. Im Hinblick auf die neuesten Studienergebnisse, die zeigen, dass auch mit Erreichen einer 1,5 Grad- Grenze die globale Erwärmung trotzdem voranschreiten würde, habe Deutschland seine Klimaschutzziele jetzt nochmals verschärft, so die Bundeskanzlerin. "Bis 2030 wollen wir gegenüber 1990 deshalb 65 Prozent unserer Klimaemissionen einsparen, um bis 2045 klimaneutral zu werden", so Merkel. Das sei nicht allein durch Steuergelder erreichbar, sondern würde auch eine Veränderung unseres Wirtschaftens bedeuten, erklärte sie auf der COP26. Merkel gab deshalb ein klares Plädoyer für die Bepreisung von CO2 -Emissionen: "In der Dekade des Handels müssen wir national ambitionierter sein, aber global Instrumente finden, die auch wirtschaftlich vernünftig sind und nicht nur Steuergelder sind."

15.15 Uhr: Mario Draghi fordert verlässliche Zusagen von der Weltbank

Zur notwendigen Finanzierung der Klimaschutzziele fokussiert sich Italiens Ministerpräsident und ehemaliger Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi auf eine klare Umsetzung durch internationale Banken und Geldinstitute. "Wir brauchen vor allem die Unterstützung und verlässliche Zusagen der Weltbank und aller multilateralen Banken, um gemeinsam mit dem Privatsektor die finanziellen Risiken zu tragen, die die Privatwirtschaft nicht allein tragen kann", sagte Draghi. Dazu schlug er länderspezifische Plattformen vor, auf denen die Risiken gemeinsam getragen werden könnten. "Diese COP26 muss ein Quantensprung in unserem Kampf gegen den Klimawandel sein", betonte Draghi.

14.45 Uhr: Premierministerin von Barbados: "2 Grad wäre ein Todesurteil"

“Our people are watching.” Mia Mottley, Premierministerin von Barbados, betonte eine "Alarmstufe Rot“ für die G7-Länder, für die G20-Länder. Ein Anstieg auf 2 Grad wäre ein Todesurteil für die Menschen in Antigua, Barbuda, auf den Malediven, in Domenika und Fidschi, in Kenia, Mosambik, Samoa und Barbados.

14.30 Uhr: David Attenborough: "Natur ist unser wichtigster Verbündeter"

Auf dem COP26 rief Naturforscher David Attenborough den Länderchefs die Dringlichkeit zu einer Veränderung auf und erinnerte dabei auch an die Stärke der Natur. "Die Natur ist unser wichtigster Verbündeter. Ab dem Zeitpunkt, ab dem wir es schaffen, weltweit natürliche Zustände wiederherzustellen, wird sie Kohlenstoff zurückgewinnen und uns helfen, das Gleichgewicht auf unserem Planeten zu erlangen." Die Motivation der Staaten sollte deshalb nicht Angst, sondern Hoffnung sein. "Diese verzweifelte Hoffnung ist der Grund, warum die Welt auf Sie heute schaut und warum Sie hier sind."

14.10 Uhr: UN-Generalsekretär Guterres ruft zu Koalitionen auf

António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen, rief die anwesenden Staaten zu Koalitionen auf. "Ich fordere die Entwicklungsländer und die Schwellenländer auf, Koalitionen zu bilden, um die finanziellen und technologischen Voraussetzungen für eine beschleunigte Dekarbonisierung der Wirtschaft und den Ausstieg aus der Kohle zu schaffen. Diese Koalitionen sollen die größeren Emittenten unterstützen, die mehr Schwierigkeiten beim Übergang haben", so Guterres.

13.50 Uhr: Boris Johnson will "Klima-Bombe entschärfen"

Boris Johnson eröffnet die Sitzung des zweiten COP26 Tages mit einem Appell an alle Staaten. "Wir fühlen uns vielleicht nicht wie James Bond, aber wir haben die Möglichkeit und die Fähigkeit, diese Klima-Bombe zu entschärfen." Man habe mit dem Pariser Klimaabkommen ein Rettungsboot geschaffen, dem man nun einen Schubs in die Richtung einer grüneren, saubereren Zukunft geben müsse. "COP26 kann und darf nicht das Ende der Geschichte sein."

11.19 Uhr

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat zu Beginn der Weltklimakonferenz in Glasgow von einem "Moment der Wahrheit" gesprochen. Das globale Rennen für Klimaneutralität bis Mitte des Jahrhunderts sei eröffnet, schrieb die deutsche Politikerin auf Twitter.

Europa habe sich dazu verpflichtet, als erster Kontinent der Welt klimaneutral zu sein und sich für einen ehrgeizigen Klimaschutz mit seinen Partnern zusammenzutun. "COP26 ist ein Moment der Wahrheit für unsere Pläne, den Klimawandel zu stoppen", schrieb von der Leyen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen spricht zum Auftakt des Klimagipfels von einem "Moment der Wahrheit".
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen spricht zum Auftakt des Klimagipfels von einem "Moment der Wahrheit".Bild: PA Wire / Phil Noble

Bei der COP26 soll darüber beraten werden, wie das 2015 im Pariser Klimaabkommen beschlossene Ziel, die gefährliche Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf möglichst 1,5 Grad zu begrenzen. Die derzeitigen Ziele der Staaten reichen den Vereinten Nationen zufolge allerdings bei weitem nicht aus, um dem Abkommen gerecht zu werden und die immer katastrophaler werdenden Folgen der Klimakrise abzumildern.

Die Europäische Union hat sich bereits dazu verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent unter den Wert von 1990 zu drücken. Bis 2050 will die Staatengemeinschaft dann klimaneutral sein, also alle Treibhausgase vermeiden oder speichern. Im Gegensatz dazu konnten sich die führenden Wirtschaftsmächte der Welt bei ihrem G20-Gipfel am Wochenende allerdings nicht auf ehrgeizige gemeinsame Klimaziele einigen.

fs/mcm/joe/ mit Material von dpa und afp

Kondome und Tampons in Algen verpackt: Berliner Start-up entwickelt Prototypen

Dass Meeresalgen essbar sind und sogar äußerst schmackhaft sein können, beweist die asiatische Küche, bei welcher die Unterwasserpflanzen als fester Bestandteil des Speiseplans gelten. In Form von Sushi, getrockneten Chips und Suppeneinlage kommt das gesunde Super-Food auch in Europa gern auf den Teller. Wissenschaftler finden gerade heraus, dass Algen jedoch noch viel mehr können als nur lecker zu sein: Sie haben das Potential, Plastik als nachhaltige Variante zu ersetzen (watson berichtete). Diese Entdeckung machen sich bereits einige Unternehmen zu Nutze. So auch das Berliner Start-up Einhorn. Der Kondom- und Periodenartikel-Vertrieb entwickelte kürzlich als Prototyp Verpackungen aus Braunalgen.

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