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Luisa Neubauer, Greta Thunberg: Warum Klimaproteste ein weibliches Gesicht haben

BERLIN, GERMANY - SEPTEMBER 24: German Climate activist Luisa Neubauer speaks at a large-scale climate strike march by Fridays for Future in front of the Reichstag on September 24, 2021 in Berlin, Ger ...
Sie sind jung. Sie sind weiblich. An der Spitze zahlreicher Klimabewegungen stehen junge Frauen, wie etwa Luisa Neubauer bei Fridays for Future in Deutschland.Bild: Getty Images Europe / Maja Hitij
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Warum die Klimaproteste ein weibliches Gesicht haben

03.03.2023, 08:53
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Da ist Fridays for Future mit Luisa Neubauer, Annika Rittmann und Pauline Brünger.

Da ist die Letzte Generation mit Carla Hinrichs.

Da ist Ende Gelände mit Kathrin Henneberger und Sina Reisch.

Und auch in Polen mit Dominika Lasota, den USA mit Sophia Kianni, Belgien mit Anuna De Wever und Großbritannien mit Anna Taylor sind es allesamt Frauen, die an der Spitze der Klimabewegung stehen. Die Gesichter des Klimaprotests sind weiblich. Und jung.

Das gilt nicht nur für bekannte Sprecherinnen unterschiedlichster Bewegungen und Organisationen, sondern offenbar auch für die Mehrheit derer, die weltweit für den Klimaschutz demonstrieren.

BERLIN, GERMANY - SEPTEMBER 25: Climate activists gather on a "Global Day of Action" organized by the 'Fridays for Future' climate change movement during the coronavirus pandemic o ...
Allem voran junge Frauen engagieren sich weltweit für mehr Klimaschutz.Bild: Getty Images Europe / Omer Messinger

Woran aber liegt es, dass die Klimaproteste allem voran von jungen Frauen geprägt sind? Watson hat bei bekannten Aktivistinnen nachgefragt, was sie antreibt – und ob der sogenannte "Greta-Effekt" sie gepusht und motiviert hat, sich für mehr Klimagerechtigkeit einzusetzen.

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Sophia Kianni, Klimaaktivistin aus den USA

"Christiana Figueres war als damalige Chefin des UN-Klimasekretariats die treibende Kraft hinter dem Pariser Klimaabkommen", erzählt Sophia Kianni gegenüber watson.

"Viele der herausragenden Führungspersönlichkeiten in der Klimabewegung sind junge Frauen."
Klima-Aktivistin und Gründerin Sophia Kianni

Sophia ist Studentin, Klimaaktivistin, Gründerin und vertritt die USA als jüngstes Mitglied in der Jugendberatungsgruppe der Vereinten Nationen zum Klimawandel. Sie ist das Gesicht der Klimabewegung in den USA. "Und schon Christiana hat oft über die Rolle gesprochen, die Frauen in der Klimabewegung spielen."

Sophia Kianni ist in den USA ein prominentes Gesicht der Klimabewegung.
Sophia Kianni ist in den USA ein prominentes Gesicht der Klimabewegung. bild: watson / privat

Weil Frauen kooperativer sind als die meisten Männer. Und weil es bei der Bewältigung der Klimaherausforderung eben darum geht: um radikale Zusammenarbeit.

"Christiana ist der Meinung, dass Frauen eher langfristig denken und die Rolle der Regie und Verwaltung leichter übernehmen als Männer", sagt Sophia. Das hätte sich auch beim Zustandekommen des Pariser Klimaabkommens gezeigt. Sophia sagt:

"Frauen wie Laurence Tubiana, Rachel Kyte, Hindou Ibrahim, Tessa Khan und Mary Robinson – um nur einige zu nennen – haben entscheidend dazu beigetragen, ein ehrgeiziges Klimaabkommen zwischen allen 197 Ländern zu erreichen. Diese Frauen waren und sind Heldinnen."

Und wenn man sich die Klimabewegung ansehe, würde sich die Annahme Christiana Figueres nur bestätigen: "Viele der herausragenden Führungspersönlichkeiten in der Klimabewegung sind junge Frauen."

Das mache Mut.

Darya Sotoodeh, Sprecherin von Fridays for Future

"Mich hat es inspiriert, eine junge Schülerin zu sehen, die so viel Mut aufbringt", sagt Darya Sotoodeh, Sprecherin von Fridays for Future Deutschland gegenüber watson.

Die Rede ist von Greta Thunberg.

Von ihren anfangs einsamen Streiks vor dem schwedischen Parlament.

Von ihrem Durchhaltevermögen.

Darya ergänzt:

"Gerade als junge Frau hat man mit vielen Vorurteilen zu kämpfen, wird nicht ernst genommen. Greta und die Arbeit anderer Aktivistinnen hat mir geholfen, unsere Ziele selbstbewusster zu vertreten. Wir unterstützen und motivieren uns auch gegenseitig, das macht viel aus."

Und das wolle Darya bei Fridays for Future auch weitertragen. "Wir möchten Menschen, die strukturell benachteiligt sind, mehr Raum geben und arbeiten daran, besonders Menschen für uns sprechen zu lassen, die oft weniger Aufmerksamkeit und Gehör bekommen."

TOPSHOT - Swedish climate activist Greta Thunberg (C) marches during a "Friday for future" youth demonstration in a street of Davos on January 24, 2020 on the sideline of the World Economic  ...
War es das Durchhaltevermögen und der Mut Greta Thunbergs, der so viele Frauen auf die Straße getrieben hat?Bild: AFP / FABRICE COFFRINI

Das betreffe nicht nur Mädchen und Frauen, sondern FLINTA-Personen generell – also Frauen, Lesben, intersexuelle, nicht-binäre, trans und agender Personen.

Dominika Lasota, Klimaaktivistin aus Polen

Auf die Frage, warum es vor allem junge Frauen sind, die sich für mehr Klimagerechtigkeit engagieren hat Dominika Lasota eine klare Antwort: "Weil es unser Platz ist." Seit Generationen stünden Frauen im Zentrum ökologischer und sozialer Gerechtigkeitskämpfe – und jetzt eben an der Spitze. Dominika sagt gegenüber watson:

"Einer der wichtigsten Faktoren ist meiner Meinung nach, dass von Frauen erwartet wird, dass sie sich um andere kümmern und Verantwortung für sie übernehmen. Deshalb stürzen wir uns bei der Klimakrise oder auch dem Einmarsch der Russen in die Ukraine automatisch darauf, Lösungen anzubieten – um unsere Zeit, Fürsorge und Führungsrolle in diesen verschiedenen Kämpfen anzubieten."

Tagtäglich würden Frauen auch heute noch Möglichkeiten genommen, Kompetenzen abgesprochen – "Nein" gesagt zu ihren Ideen und Vorschlägen. "In der Klimabewegung nehmen wir diesen Raum einfach ein, erheben unsere Stimme und schaffen neue Regeln dafür, wie unsere Gemeinschaften und die Gesellschaft funktionieren könnten."

Regeln, die alle Menschen auf eine Stufe stellen, Ungerechtigkeiten beseitigen, Frauen aus der Opferrolle heben. Dominika ergänzt:

"Wir stehen auf und erheben unsere Stimme, weil wir es können, weil wir das Recht dazu haben und weil wir wissen, dass die Ideen und Visionen, die wir haben, in den derzeit schwierigen Zeiten dringend gebraucht werden."
TOPSHOT - Youths show their hands bearing the inscriptions "Our future in your hands" during the "Fridays For Future" movement on a global day of student protests aiming to spark w ...
Weltweit erheben Frauen im Kampf gegen die Klimakrise ihre Stimme, setzen sich ein für mehr Klimagerechtigkeit.Bild: AFP / TOBIAS SCHWARZ

Hinter weiblichen Klimaprotesten steckt mehr als nur der "Greta-Effekt"

Dominika glaubt zwar, dass Greta einen großen Einfluss auf sich fürs Klima engagierende Frauen hat und hatte – auch für sie selbst. Aber das sei längst nicht alles gewesen. "Für viele junge Menschen, die Greta in den sozialen Medien folgen, war sie eines der ersten Beispiele dafür, dass sie mit so wenig Mitteln so viel bewirken konnte."

Gepusht werde der "Greta-Effekt" aber vor allem von den Medien – in jedem Land fand man plötzlich ein junges Mädchen wie Greta. Dominika sagt dazu:

"Ich denke, das vereinfacht oft, wie Bewegungen aussehen. Bewegungen sind so vielfältig. Ihre Kraft liegt gerade darin, dass wir so viele starke Geschichten von Einzelpersonen haben, die sich für einen gerechten Übergang, den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und Ähnliches einsetzen."
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