Nachhaltigkeit
Cheerful young travelers waiting at the railway platform and making selfies

Wenn du einen Tapetenwechsel brauchst, musst du nicht gleich ins Flugzeug steigen: Viele schöne Orte sind auch mit dem Zug oder Bus erreichbar. Bild: E+/getty

Wann wohin in den Urlaub – ohne Flugzeug? Der alternative Reisekalender für 2020

Urlaub machen wollen wir alle. Zumindest hin und wieder. Für den Tapetenwechsel ist es allerdings nicht immer notwendig, in den Flieger zu steigen: Europa hat zahlreiche Ecken zu bieten, die traumhaft schön sind – und gut zu erreichen mit Bahn und Bus.

Wenn du also möglichst nachhaltig in den Urlaub fahren willst und keine Lust hast, zu googeln, wann du am besten wohin fährst: Wirf einen Blick auf den alternativen Reise-Kalender von watson. Hier haben wir eine Liste von Orten zusammengestellt, die du gut mit dem Zug (und Bus) erreichen kannst. Mit dabei sind ein paar Klassiker – aber auch Reise-Tipps, von denen du vielleicht noch nicht gehört hast.

Eine Anmerkung: Natürlich musst du für eine Anreise mit Bahn und Bus etwas mehr Zeit einplanen. Dafür siehst du mehr von der Landschaft, kannst Zwischenstopps einlegen – und tust der Umwelt etwas Gutes.

Februar: Filme gucken auf der Berlinale

Mal ehrlich: In Europa ist es im Februar irgendwie überall... meh. Bis du irgendwo angekommen ist, wo es nicht nur grau und kalt ist, dauert es wirklich sehr lange mit Zug und Bus. Warum dann nicht einfach drin bleiben und Filme gucken?

Das kann durchaus spannender sein, als es klingt – wenn du auf die Berlinale fährst (vom 20. Februar bis 1. März). Den Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk wird Schauspielerin Helen Mirren erhalten, das genaue Programm wird am 11. Februar bekannt gegeben. Tickets gibt es ab dem 17. Februar um 10 Uhr – dann heißt es: Schnell sein!

So kommst du hin:

Nach Berlin kommst du eigentlich von überall in Deutschland gut hin. Sogar weiter entfernte Städte wie München sind mittlerweile gut angebunden – in nur 4 Stunden kannst du in der Hauptstadt sein.

März: Wandern in Südtirol

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Die Schatzerhütte, die du von Brixen aus erreichst, liegt am Berg Peitler Kofel. Bild: imago images / Südtirolfoto

Wenn du dich nicht entscheiden kannst, ob du wandern oder Skifahren willst, kannst du in Südtirol im März noch beides, wenn du Glück hast: Während es in den Tälern meist schon warm genug ist, um draußen spazieren oder wandern zu gehen, liegt auf den umliegenden Bergen noch Schnee.

Von Brixen aus zum Beispiel kannst du mit dem Bus zur Schatzerhütte fahren, die ein guter Startpunkt für Wander-, aber auch Skitouren ist – je nach Wetterlage. Von knapp über 2000 Metern Höhe kannst du dort die Aussicht genießen.

So kommst du hin:

Zum Beispiel nach Brixen: Mit den Zug brauchst du von Berlin etwa 9 Stunden; von Frankfurt ab 7 Stunden; von München aus kannst du schon in 3.30 Stunden da sein.

April: Tulpen bei Amsterdam, Niederlande

Amsterdam ist immer einen Besuch wert: Selbst wenn es kalt ist, kannst du Stunden in den zahlreichen Museen verbringen – zum Beispiel im Van Gogh Museum oder bei Madame Tussauds, wer mit zu Wachs erstarrten Promis posieren will.

Im April lohnt sich ein Trip in die niederländische Hauptstadt aber um so mehr, weil dann Tulpen-Saison ist: In der Gartenanlage Keukenhof (Nähe Amsterdam) zum Beispiel kannst ganze Felder der blühenden Blumen besichtigen. Geöffnet ist der Hof vom 21. März bis zum 10. Mai.

So kommst du hin:

Von Berlin aus kannst du in 6 Stunden in Amsterdam sein, von Frankfurt aus schon in 4. Von München musst du mit 8 Stunden Anfahrt rechnen. Von Amsterdam fährt ein Bus zum Keukenhof (Fahrtdauer: ca. 30 Minuten).

Mai: Seen-Tour in Slowenien

Slowenien ist ein kleines, aber wunderschönes Land, das viel zu oft als Urlaubsziel übersehen wird: Zahlreiche Seen, Wälder, Berge, aber auch Orte wie die Hauptstadt Ljubljana oder die historische Stadt Maribor bieten viele, leicht mit Zug und Bus zu erreichende Aktivitäten.

Nachhaltigkeit wird in Slowenien übrigen groß geschrieben: Deswegen wird das Land regelmäßig von der internationalen Organisation Green Destinations für nachhaltigen Tourismus ausgezeichnet.

Für den Urlaub am See empfehlen wir Bled – die Stadt ist innerhalb von weniger als zwei Stunden von Ljubljana aus zu erreichen. Einen Abstecher wert ist auch der Bohinj See. Er soll der schönste See Sloweniens sein, munkelt man.

So kommst du hin:

Von Berlin nach Ljubljana dauert es eine Weile mit dem Zug: 11 Stunden solltest du einplanen. Von Frankfurt aus sind es fast 10 Stunden, von München aus kannst du schon in 6 Stunden da sein. In Slowenien kannst du dann Zug und Bus nutzen – oder mit Freunden zusammen ein Auto mieten, um die Seen zu erkunden.

Juni: Strand-Urlaub in Rijeka, Kroatien

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Der Strand Pecine in Rijeka. Bild: imago images / Pixsell

Schön, nah dran, verhältnismäßig günstig: Kroatien erfreut sich als Urlaubsland in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit. Falls du es noch nicht getan hast, wird es Zeit, Kroatien für einen Strandurlaub zu besuchen.

Rijeka bietet sich dafür besonders an: Die Strände sind zu Fuß vom Stadtzentrum aus erreichbar, das Wasser ist besonders sauber und wenn dir nicht nach Baden ist, kannst du durch die malerische Altstadt spazieren. Nicht umsonst wurde Rijeka zu Europas Kulturhauptstadt 2020 ausgezeichnet. Die Badesaison beginnt übrigens schon im Frühling und dauert bis zum Herbst an.

So kommst du hin:

Am besten, du fährst erst einmal nach München. Von da aus nimmst du den Nachtzug, dann kannst du die 10-stündige Fahrt durchschlafen.

Juli: Lavendelfelder in Aix-en-provence, Frankreich

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Lavendelfeld bei Sonnenuntergang in der Provence. Bild: imago images / Westend61

Violett, wohin das Auge reicht: Wenn du das sehen willst, solltest du zur Lavendel-Saison nach Aix-en-provence in Südfrankreich fahren. Von der Studentenstadt aus kannst du nämlich Tagestouren zu den Lavendelfeldern machen, deren Blütezeit von Ende Juni bis Mitte/Ende August andauert.

Im Juli findet außerdem das Festival d'Aix-en-provence statt, bei dem klassische Konzerte und Opern unter freiem Himmel aufgeführt werden. Wer sich so gar nicht für klassische Musik begeistern kann, kann durch die mittelalterliche Altstadt schlendern und Spezialitäten wie Calisson genießen: Süßes Konfekt aus Mandeln mit Orange und kandierten Melonen.

So kommst du hin:

Von Frankfurt aus bist du mit unter 10 Stunden Bahnfahrt am schnellsten da. Von München aus musst du mit knapp über 12 Stunden rechnen, von Berlin sogar 14 Stunden. Am besten einen Zwischenstopp in Strasbourg oder Paris einlegen, da ist's auch schön.

August: Ostsee-Feeling in Kopenhagen, Dänemark

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Den Amager Strandpark auf der Insel Seeland erreichst du vom Kopenhagener Stadtzentrum aus mit der U-Bahn. Bild: imago images / imagebroker

Für den Strandurlaub musst du nicht immer in den Süden fahren: Probier's doch mal mit Dänemark. Selbst in der Hauptstadt Kopenhagen findest du schöne Strände und Badestellen, zum Beispiel den Amager Strandpark oder den Svanemølle Strand. Einen Städte-Trip kannst du gleich mit dran hängen.

In Kopenhagen empfehlen wir, ein Fahrrad zu leihen: Das Rad ist dort Fortbewegungsmittel Nummer 1. Solltest du bei längeren Strecken aus der Puste kommen, kannst du den Drahtesel kostenlos mit in die Metro und S-Bahn nehmen.

So kommst du hin:

Von Berlin aus brauchst du etwa 8 Stunden nach Kopenhagen, von Frankfurt aus eine Stunde länger. Von München solltest du mindestens 11 Stunden einplanen – ein Zwischenstopp in Hamburg lohnt sich!

September: Wandern im Allgäu

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Die Breitachklamm im Allgäu ist die tiefste Felsenschlucht Europas. Bild: imago images / Kraft

Der Spätsommer ist wohl die schönste Zeit zum Wandern: Es ist nicht mehr so heiß, sodass du auch anstrengendere Routen machen kannst, und die Wälder erstrahlen in den schönsten Farben. So auch im Allgäu: Die Region in Bayern kannst du prima mit Zug und S-Bahn erreichen und von da aus in die Berge starten.

Ein beliebtes Ausflugsziel ist zum Beispiel die Breitachklamm – eine Schlucht, die du bis Anfang November durchlaufen kannst. Von Oberstdorf aus kommst du easy mit dem Bus zum Startpunkt.

So kommst du hin:

Von Berlin aus brauchst du nach Oberstdorf etwa 7 Stunden mit dem Zug. Von Frankfurt brauchst du etwas mehr als 4 Stunden, von München aus ist es ein Katzensprung von nur 2.30 Stunden. Würde sich also auch für einen Tagestrip anbieten!

Oktober: Whisky probieren in Warschau, Polen

Bei Polen denkst du wahrscheinlich erst einmal an Wodka. Aber auch Whisky-Fans kommen bei einer Reise in die polnische Hauptstadt auf ihre Kosten:

Vom 2. bis zum 3. Oktober hast du Gelegenheit, dich bei der "Whisky Live" durch eine große Auswahl von Whisky für einen relativ niedrigen Preis (etwa 30 Euro pro Ticket) durchzuprobieren. Hier lernst du viele neue Sorten kennen, die du als Whisky-Liebhaber noch nicht auf dem Schirm hattest – zum Beispiel von Destillerien aus Japan. Im Jahr 2019 gab es auch Gin-Sorten zu probieren.

Mal abgesehen vom Whisky-Festival ist Warschau an sich auch eine Reise wert. Solltest du also hinfahren, plan ein paar Tage mehr ein, um durch die Altstadt zu schlendern, die traditionellen Märkte zu besuchen und Pierogen zu essen (gefüllte Teigtaschen, ähnlich wie Maultaschen).

So kommst du hin:

Von Berlin aus bist du in knapp unter 6 Stunden mit dem Zug in Warschau. Von Frankfurt aus brauchst du 10 Stunden, von München aus etwas länger – wir empfehlen, einen Zwischenstopp in Berlin einzulegen.

November: (Fast) Touri-freie Romantik in Venedig, Italien

Venedig ist schön. Aber immer überfüllt. Wenn du dir die Stadt mal mit etwas mehr Ruhe anschauen möchtest, ohne von einem aggressiven Reisegruppen-Führer mit dem Schirm aufgespießt zu werden, solltest im späten Herbst hinfahren: Der November ist in Venedig immer noch verhältnismäßig warm und etwas leerer.

Falls es regnen sollte: Bis zum 29. November kannst du dir auch noch die Architektur-Biennale anschauen (Start ist bereits am 23. Mai). Ansonsten ist das Peggy Guggenheim Museum immer einen Abstecher wert.

So kommst du hin:

Am besten einen Zwischenstopp in München einlegen. Von da aus gibt es einen Nachtzug nach Venedig. Die 9 Stunden Fahrt kannst du dann durchschlafen.

Dezember: Brügge sehen... und Bier trinken in Belgien

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Mit der weihnachtlichen Beleuchtung kommt Brügge besonders zur Geltung. Bild: imago images / robertharding

Wer glaubt, Belgien kann nur Bier und Fritten, irrt sich (obwohl die Belgier das schon seeehr gut können). Nimm Brügge als Beispiel: Auch im Winter lohnt sich ein Besuch der malerischen, mittelalterlichen Stadt mit zahlreichen Kanälen. Nicht umsonst wird Brügge auch das Venedig des Nordens genannt.

Im Dezember erstrahlt die Stadt in weihnachtlicher Beleuchtung. In der Altstadt kannst du sogar im Freien Schlittschuhlaufen. Wenn dir das zu kalt ist, sind Craft-Bier-Trinken und Pommes natürlich ebenso eine Option.

Zum Einstimmen auf Brügge empfehlen wir übrigens den Film "Brügge sehen... und sterben" mit Colin Farrell. Gibt's auf Netflix.

So kommst du hin:

Am besten erst einmal nach Brüssel fahren und dort einen Zwischenstopp machen – von da ist es zwar nur noch eine Stunde nach Brügge, aber die Hauptstadt ist auch einen Abstecher wert. Von Berlin nach Brüssel sind es knapp 7 Stunden, von München ebenfalls, von Frankfurt aus sind es nur 3 Stunden.

Januar: Skifahren in Arosa, Schweiz

Wer nachhaltig Urlaub machen, aber nicht aufs Skifahren verzichten will, sollte sich den Schweizer Urlaubsort Arosa anschauen: Das Skigebiet ist besonders gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen – mit deinem Skipass ist der Bus, der dich zu den Pisten fährt, sogar gratis. Seit 2006 gehört Arosa übrigens zu den Alpine Pearls, die besonders umweltfreundliche Urlaubsorte in den Alpen auszeichnen.

Warum sich ein Besuch im Januar besonders lohnt: In der Zeit findet die Arosa Gay Ski Week statt, eine Pride-Woche mit Veranstaltungen wie Drag-Races und Gay Après Ski.

So kommst du hin:

Erst geht's mit dem Zug nach Chur (von Berlin aus: 10 Stunden Fahrt; Frankfurt: 6 Stunden; München: 5 Stunden). Dann mit dem Regionalzug nach Arosa (eine Stunde Fahrt).

Was sind deine besten Urlaubs-Tipps? Lass es uns wissen in den Kommentaren!

(ak)

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