Nachhaltigkeit
Domestic life with pet. Feeding hungry labrador retriever. Owner gives his dog bowl of granules.

"Komm her Paule, gibt Fresschen. Ob es von einem Biohof mit guter Ökobilanz stammt?" Wohl eher nicht. Und das geht zulasten das Klimas. Bild: Getty Images

Studie zeigt, wie viel CO2 ein Hund in seinem Leben erzeugt

Bei vielen Dingen wissen wir bereits, wie umweltbelastend sie sind. Autos, Flugzeuge, Plastik, Massentierhaltung, die Liste könnte sich ĂŒber mehrere Seiten ziehen. Allerdings sind andere Bereiche noch nicht allzu gut erforscht. Wie ist es etwa mit Haustieren, genauer: Hunden? Immerhin besitzen hierzulande mehr als acht Millionen Menschen einen Hund.

NatĂŒrlich ist das Thema unangenehm. Kein Hundehalter möchte hören, dass sein Liebling umweltbelastend ist. "Oh, wie niedlich" und "Mensch, der ist aber groß geworden" passt. "Oh, so eine Umweltsau" wohl weniger. Ob die Tiere sich das PrĂ€dikat ĂŒberhaupt verdient haben, hat eine Forschungsgruppe der TU-Berlin untersucht.

Spoiler: Wir Menschen sind hauptsĂ€chlich fĂŒr die nicht so schöne Ökobilanz verantwortlich.

13 Hin- und RĂŒckflĂŒge zwischen Berlin und Barcelona

Fangen wir mit den Zahlen an: Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass ein durchschnittlicher 15 Kilogramm schwerer Hund innerhalb von 13 Lebensjahren 8,2 Tonnen CO2 ausstĂ¶ĂŸt. UngefĂ€hr so viel wiegen Corgis oder französische Bulldoggen. NatĂŒrlich ist das Gewicht sehr individuell, aber wir können festhalten, dass es sich bei dem Gewicht um eher kleine Hunderassen handelt. Der Hauptautor der Studie sagt dazu:

"Die 8,2 Tonnen CO2 entsprechen 13 Hin- und RĂŒckflĂŒgen von Berlin nach Barcelona oder fast der Menge, die bei der Produktion eines Luxusautos der Mittelklasse, wie zum Beispiel eines Mercedes C250, emittiert wird."

Bevor jetzt Hundesportvereine geharnischte Mails schreiben: Wir Menschen produzieren natĂŒrlich mehr CO2 im Laufe unseres Lebens, etwa durchs Fliegen, durch unseren Fleischverzehr oder den Kauf eines SUV.

Die Autoren der Studie erstellten eine Ökobilanz zum gesamten Lebensweg eines Hundes. Vom Tierfutter bis zu den Exkrementen. Auch die Rohstoffe fĂŒr die Erzeugung des Hundefutters sowie dessen Verpackung und Transport bezogen sie ein. Und hier ist die Krux.

Was gibt es zu fressen?

Unser allerbester Freund wird in der Regel mit Fleisch aus Massentierhaltung gefĂŒttert. Nicht das Beste vom Besten, nicht das Fleisch vom Brandenburger Biohof mit den glĂŒcklichen KĂŒhen auf der Weide. Nun ist es heute kein Geheimnis mehr, wie stark die sozialen und ökologischen Auswirkungen solcher Massentierhaltungen ausfallen.

In der Studie heißt es, dass in den 15 untersuchten Umweltwirkungskategorien, etwa Klimawandel, Ozonabbau, Smog oder VersĂ€uerung der Böden, das Futter den Löwenanteil der Belastung ausmacht. Die Exkremente von Hunden spielen jedoch ebenfalls eine Rolle. So untersuchten die Autoren auch, inwiefern ein Hund zur ÜbersĂ€ttigung von SĂŒĂŸwasseranlagen – in der Fachsprache: Eutrophierung – beitrĂ€gt.

Hier waren Kot und Urin ausschlaggebend, nicht die Massentierhaltung. Die SĂŒĂŸwasservergiftung wird zur HĂ€lfte durch ihren Kot verursacht. Allerdings geht es hier nur um Hunde und die mit ihnen verbundenen Faktoren. Das bedeutet, dass die Autoren die Auswirkungen von Hundeexkrementen mit anderen Faktoren wie der Futterherstellung verglichen. Das SĂŒĂŸwasser wird nicht insgesamt zur HĂ€lfte von Hunden vergiftet. Dennoch ist der Effekt nicht ohne. In der Studie heißt es:

"Die zusĂ€tzliche Umweltbelastung, die durch die Herstellung des PlastiksĂ€ckchens fĂŒr den Kot entsteht, ist deutlich geringer als der Schaden, der entsteht, wenn der Kot direkt in die Umwelt eingetragen wird. Auch das sagen unsere Zahlen aus."

Fun Fact: In der Studie ermittelten die Autoren auch, wie viel Exkremente ein Hund produziert. Ein 15-Kilo-Hund scheidet demnach in 13 Jahren rund 2000 Liter Urin und eine Tonne Kot aus. Da wir schon mal beim Thema sind, wĂ€re es doch interessant, zu erfahren, wie viel Ausscheidungen ein Mensch in der Zeit produziert. Laut "Apotheken Umschau" sind es tĂ€glich zwischen 100 und 200 Gramm Kot. Nehmen wir mal 150 Gramm – so als Mittelwert. Umgerechnet wĂ€ren das in 13 Jahren 711,75 Kilogramm. NatĂŒrlich kann der Wert schwanken, interessant ist er allemal.

Das VerhÀltnis zum CO2-Budget der Menschen

8,2 Tonnen CO2 in 13 Jahren. Das ist durchaus nicht wenig, wenn man bedenkt, dass die Schmerzgrenze bei Menschen pro Kopf etwa bei zwei Tonnen CO2 in einem Jahr liegt. 630 Kilogramm gingen demnach bereits fĂŒr seinen Hund drauf.

Ob das ein Grund ist, keinen mehr zu halten, liegt bei einem selbst. Im Grunde könnte sich ein Halter in anderen Punkten zurĂŒcknehmen, um seine Bilanz auszugleichen.

(tkr)

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