Nachhaltigkeit
Underwater concept of global problem with plastic rubbish floating in the oceans. Hawksbill turtle in caption of plastic bag

Bis zu 12 Millionen Tonnen Plastik landen jedes Jahr im Meer. Bild: iStockphoto / Jag_cz

Interaktive Karte zeigt, wie verbreitet Plastikmüll im Meer ist

Wer in der Nord- oder Ostsee schwimmen geht, wird sich vielleicht über die ein oder andere Qualle ärgern, die dort umherdümpelt. Plastiktüten, -flaschen oder -becher begegnen uns bei unserem Bad im Meer aber eher selten – zum Glück. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Plastikverschmutzung der Ozeane eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit ist. Denn zum einen ist da das Mikroplastik, das für das menschliche Auge zwar unsichtbar ist, aber trotzdem existiert. Und zum anderen landet unser Plastikmüll hauptsächlich dort im Meer, wo wir ihn nicht sehen.

Schätzungen zufolge gelangen jährlich bis zu 12 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Ozean. Etwa zehn Prozent davon sind verloren gegangene Netze aus dem Fischfang, der Rest ist Verpackungsmüll, der über die Flüsse irgendwann seinen Weg ins Meer findet. Schuld daran ist oft eine schlecht funktionierende Abfallwirtschaft. Wind und Strömungen sorgen dann dafür, dass sich der Müll im ganzen Meer verbreitet und schließlich in gigantischen Plastikstrudeln umherzieht.

Um das sichtbar zu machen, hat der WWF jetzt eine interaktive Karte veröffentlicht. Sie zeigt, wo besonders viel Plastik im Ozean treibt – und welche Länder dafür verantwortlich sind, dass es dort landet. Auf verschiedenen Ebenen veranschaulicht der Global Plastic Navigator die Bedrohung, die von Plastikmüll ausgeht. Unter anderem wird das Abfall-Missmanagement an Land beleuchtet, die Einträge durch Flüsse und die Konzentration von an der Meeresoberfläche treibenden Plastikteilen.

Bei letzterem zeigt sich, dass besonders in Flussnähe oder in Meeren, die vom freien Ozean abgeschottet sind, viel Plastik im Küstenbereich treibt – etwa im südlichen Mittelmeer. Bei der mangelhaften Entsorgung von Plastikmüll und dem Plastikeintrag in die Ozeane über Flüsse liegt der Brennpunkt dagegen in Südostasien. Die Daten dazu stammen aus verschiedenen wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Thema.

Internationales Abkommen gefordert

"Die Karte visualisiert die aktuellsten Daten aus der Wissenschaft. Die Plastikflut wird so mit bloßem Auge verständlich – vom globalen Blick auf die Weltmeere bis hin zu lokalen, oberflächlichen Plastikeinträgen über einzelne Flüsse", so Bernhard Bauske, Projektkoordinator Plastikmüll bei WWF Deutschland. "Das Ergebnis ist erschreckend: Plastik ist bis in den letzten Winkel unserer Ozeane vorgedrungen."

Auch die Ebene der Politik wird betrachtet: So zeigt die Karte beispielsweise, welche Länder sich dafür aussprechen, ein neues international verbindliches Abkommen zur Reduzierung von Plastik in den Weltmeeren zu verhandeln. Der WWF schreibt dazu:

"Der WWF ist der Überzeugung, dass es sich bei dieser Thematik um ein globales Problem handelt, das dringend einer globalen Antwort bedarf und dass dieses nicht durch Regelungen auf nationalstaatlicher oder regionaler Ebene und auch nicht durch verbindliche, freiwillige Initiativen allein gelöst werden kann. Vielmehr erfordert dies ein koordiniertes Handeln auf internationaler Ebene, die gemeinsame Übernahme von Verantwortung und eine verbindliche gemeinsame Herangehensweise. Es muss ein neues, verbindliches Abkommen verhandelt werden."

Mit einer weltweiten, rechtlich bindenden Konvention will der WWF die Plastikkrise stoppen. Und erinnert daran: Je weniger Plastikmüll wir im Alltag verursachen, desto weniger kann am Ende im Ozean landen.

(ftk)

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