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Özdemir und Lemke wollen klimafreundliche Deals für Bauern schaffen

Cem Özdemir und Steffi Lemke fordern auf der Messe Grüne Woche mehr Kooperation beim Klimaschutz in der Landwirtschaft.
Cem Özdemir und Steffi Lemke fordern auf der Messe Grüne Woche mehr Kooperation beim Klimaschutz in der Landwirtschaft.Bild: privat / Miriam Meyer
Vor Ort

Özdemir und Lemke wollen klimafreundliche Geschäftsmodelle für Landwirte schaffen

25.01.2023, 19:12
Mehr «Nachhaltigkeit»

Auf der Internationalen Grünen Woche, der weltgrößten Messe für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau, haben sich Landwirtschaftsminister Cem Özdemir und Umweltbundesministerin Steffi Lemke für neue Geschäftsmodelle von Landwirt:innen bei der Transformation hin zu einer klimafreundlichen Landwirtschaft ausgesprochen.

Özdemir kündigte dazu mehr Unterstützung für sogenannte "klimafreundliche Businesscases" für Landwirt:innen an, die bei einer grünen Transformation der deutschen Landwirtschaft nicht im Stich gelassen werden dürften. Er wolle damit mehr wirtschaftliche Anreize für Landwirt:innen schaffen, um von einer konventionelle hin zur klimafreundlicheren ökologischen Landwirtschaft zu wechseln.

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Landwirt:innen bei Transformation nicht im Stich lassen

"Es ist ganz entscheidend, dass wir unsere Klimaschutzziele erreichen", sagte er am Mittwoch. Er erklärte jedoch:

"Aber aus Sicht der Landwirte will ich ein bisschen für sie werben: Sie haben über Generationen hinweg unter härtester Arbeit unsere Erde für ertragreiche Landwirtschaft, für Milchkühe und Schweine nutzbar gemacht. Mit dem Wissen von heute sagen wir ihnen aber jetzt 'Klimaschutz hat Vorrang, wir müssen das jetzt wieder rückgängig machen. Wir müssen eure Felder wieder vernässen.'"

Damit dieser Wechsel nun auf Akzeptanz stoße und damit die Landwirte mitgenommen würden in dieser Transformation, sei es Özdemir zufolge daher "ganz wichtig, dass wir auch darauf achten, wie da ein neues Geschäftsmodell aussehen kann."

Die gute Nachricht dabei: "Gerade hier in Deutschland sind wir darin führend", sagte Özdemir auf der Messe. So sei beispielsweise die Universität Greifswald die weltweit führende Universität, die zum Thema Paludikulturen und deren Potenzial, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte in wiedervernässten Landschaften anzubauen, forscht.

Paludikultur
Unter einer Paludikultur versteht man die land- und forstwirtschaftliche Nutzung nasser Moorstandorte, wie sie schon vor tausenden Jahren in südostasiatischen Ländern für den Reis- und Gemüseanbau genutzt werden.

Wiedervernässung als Klimaschutz soll wirtschaftlich nutzbar werden

Das Vorhaben, die Landwirtschaft noch deutlich mehr in Richtung Klimaschutz zu bewegen und mehr Naturschutzräume zu schaffen, fußt auf dem Beschluss der vergangenen Biodiversitätskonferenz in Montreal, Kanada. Hier hatten sich die Mehrheit der Umweltminister:innen aller Staaten weltweit darauf geeinigt, für einen effektiven Klima- und globalen Naturschutz 30 Prozent aller weltweiten Flächen an Land und auf den Meeren unter Schutz zu stellen.

Flooding in the wet meadows of the Bünde district of Hüffen in East Westphalia.
Nass-Wiesen wie hier in Nordrhein-Westfalen würden mit der neuen Strategie nicht mehr zur Bewirtschaftung trockengelegt werden.Bild: iStockphoto / Edda Dupree

"Gerade in diesen international schwierigen Zeiten war es ein unglaublich positives Zeichen, dass die Staatengemeinschaft handlungsfähig gewesen ist und sich für den globalen Naturschutz ausgesprochen hat", sagte Lemke am Mittwoch. Um das Klima noch effektiver zu schützen, sei es daher auch weiterhin nötig, mehr Landschaftsschutzgebiete in Deutschland zu begründen, auch wenn sie in direkter Konkurrenz mit landwirtschaftlich nutzbaren Flächen stehen.

Mit dem neuen Förderansatz des Landwirtschaftsministeriums zusammen mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) sollen damit Landwirt:innen neue Chancen zur klimafreundlicheren Umstrukturierung ihrer Betriebe gegeben werden sowie dazu anregen, innovative Anbaumaßnahmen von pflanzlichen Produkten zu finden.

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