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EM 2024: Fußball-Fans mit hartem Urteil über Deutsche Bahn: "Katastrophe"

Die Deutsche Bahn bewegt zur EM viele Tausende Fans zwischen den Austragungsstätten.
Die Deutsche Bahn bewegt zur EM viele Tausende Fans zwischen den Austragungsstätten. bild: watson
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EM 2024: Fans verärgert über Bahn-Chaos – "Die Deutsche Bahn is' so im Oasch"

02.07.2024, 07:4402.07.2024, 10:41
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Die Fans sind teils kaum zu unterscheiden vom Bahnhofspersonal, das in roten DB-Shirts oder orangefarbenen Warnwesten den Touris Weganweisungen gibt und gratis Chipstüten verteilt. Doch es gibt sie: grell orangefarbene Trikots bei den Fans aus den Niederlanden, tiefrote bei denen aus Österreich.

Es ist 14.27 Uhr. Geschäftiges Treiben am Berliner Hauptbahnhof, wenn auch nicht so geschäftig, wie man es von der Hauptstadt eines EM-Gastgeberlandes vielleicht erwarten würde.

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Die Fans aus Österreich und den Niederlanden haben viele Stunden Zug hinter sich. Heute, als wir unterwegs sind, freuen sie sich auf das Spiel im Olympiastadion, auf die Fan-Feier davor und danach. Was sie noch wissen: Am heutigen Dienstag werden beide Teams im Achtelfinale stehen, die Niederlande in München, die Österreicher in Leipzig.

Doch jetzt sind sie erst einmal hier, am Hauptbahnhof, nach ihrer Reise mit der Deutschen Bahn. Und watson hat sie gefragt, wie sie es im Zug so fanden.

Mit diesem Plakat begrüßt der Berliner Hauptbahnhof die EM-Fans.
Mit diesem Plakat begrüßt der Berliner Hauptbahnhof die EM-Fans.bild: watson

Deutsche Bahn bringt EM-Fans nach Deutschland

Es sind herausfordernde Tage für die Deutsche Bahn. Zu oft läuft es nicht wie geplant und die europäischen Fans sind genervt: Sie berichten von Bahn-Chaos, überfüllten Zügen, langen Wartezeiten. Ein Journalist aus Spanien sprach nach einer Zugfahrt von einem "organisatorischen Desaster". Und sogar die "New York Times" hat sich in einem Artikel lustig gemacht über die Deutschen Bahn. "Effizienz. Zuverlässigkeit. Funktionalität. Das ist es, was viele Menschen am meisten mit Deutschland assoziieren, doch bei der Europameisterschaft 2024 hat sich bisher keines dieser Klischees bewahrheitet", steht da. Und: Fans hätten eine Anreise mit der Bahn unter "erbärmliche Bedingungen ertragen" müssen.

Davon ist an diesem Nachmittag am Berliner Hauptbahnhof nichts zu sehen. Die Stimmung scheint entspannt.

Bis man in der Bahnhofshalle auf eine Gruppe junger Österreicher trifft. Einer von ihnen, Mathias, zeigt auf seinem Handy ein Bild aus dem Zugabteil. Es zeigt einen Bildschirm, auf dem steht: "Heute Sauna im Wagen 24. Wasser für den Aufguss erhalten Sie im Abteil im Wagen 23." Er kann über den Witz der DB gar nicht lachen: Das sei heute auf seiner Hinfahrt nach Berlin gewesen: weil die Klimaanlage nicht funktioniert habe.

Mathias (links) aus Österreich hatte nicht die beste Zeit mit der Deutschen Bahn.
Mathias (links) aus Österreich hatte nicht die beste Zeit mit der Deutschen Bahn.bild: watson

"Kaltes Bier hat es auch nicht gegeben. Kein Essen, nur Süßigkeiten", beschwert er sich. "Die Verspätung von 20 Minuten, die wir hatten, kann man akzeptieren. Dass die Klimaanlage ausgefallen ist und es keine kalten Getränke gab, das ist leider eine Niederlage." Seine Freunde nicken zustimmend.

Und es ist nicht das erste Mal bei dieser EM, dass das Bahn-Chaos Österreich-Fans trifft.

Österreich-Fans verärgert über Bahn in Passau

Wegen einer Baustelle zwischen Passau und Regensburg waren schon in der ersten Woche zahlreiche Fans am Bahnhof in Passau gestrandet. Sie wurden per Schienenersatzverkehr weiter zum Spiel nach Düsseldorf transportiert, viele verpassten deshalb die erste Halbzeit des Spiels gegen Frankreich.

Miriam aus Österreich hat sich gleich für eine Alternative entschieden für ihre Anreise: "wegen dem Ruf, den die Deutsche Bahn eben hat". Die Gruppe ist mit dem Flugzeug gekommen.

Sie hat Freund:innen, die mit der Bahn in Passau festsaßen. "Die fahren nie wieder mit der Deutschen Bahn", sagt sie. "Die hatten Tickets für Berlin und haben sie verkauft."

Miriam ist mit ihren Freunden Harald, Dani, Michi und Heiko (von links nach rechts) angereist.
Miriam ist mit ihren Freunden Harald, Dani, Michi und Heiko (von links nach rechts) angereist.bild: watson

Ein Österreicher, der mit seinen Freunden auf ein Taxi wartet, war selbst einer der – wie er selbst sagt – "Gestrandeten" von Passau. Ihre Namen sollen anonym bleiben.

Doch er erinnert sich: "Eine Katastrophe!" 300 Euro hättee er für ein Taxi nach Regensburg gezahlt. Nur deshalb hätte er es noch zum Anpfiff geschafft. Und ganz scheint der Ärger darüber auch eine Woche später nicht weg zu sein.

Zwei seiner Freunde haben gerade ihre eigene Deutsche-Bahn-Geschichte erlebt: Beim Umstieg in Nürnberg habe es gehießen, sie müssten ihren Anschlusszug wieder verlassen. Offenbar war er überfüllt.

Die Freunde treffen sich für das Österreich-Niederlande-Spiel in Berlin.
Die Freunde treffen sich für das Österreich-Niederlande-Spiel in Berlin. bild: watson

Es habe zwar einen Alternativzug gegeben, in Berlin angekommen seien sie trotzdem erst mit einer DreiviertelStunde Verspätung. "Solche Verspätungen kennen wir in Österreich nicht", behauptet er. "Eure deutsche Pünktlichkeit, die vermiss ich."

Natürlich ist die Bahn bei Fans auch auf Social Media ein Thema. Es finden sich zahlreiche Kommentare, aber auch ein Video vom Weg der Österreicher ins Olympiastadion. Darin kann man Sprechchöre gegen die Deutsche Bahn hören. "Die Deutsche Bahn is so im Oasch", heißt es unter anderem.

Niederlande-Fans weitgehend zufrieden mit der Deutschen Bahn

Positiver fällt das Feedback aus den Niederlanden aus. Gliech in der ersten EM-Woche hatten Verbindungen in Westdeutschland für Frust gesorgt. So mussten in Gelsenkirchen Tausende Stadionbesucher:innen bis weit nach Mitternacht auf Bus und Bahn warten. Doch zwei niederländische Fans, die über die Hansestadt Emmerich am Rhein sechs Stunden nach Berlin gereist sind, haben gute Erfahrungen gemacht. Sie loben die "deutsche Pünktlichkeit": "In Holland ist die Bahn immer zu spät", meinen sie. "Hier gab es gute Drinks, gutes Essen, nur das Bier war nicht so kalt."

Die beiden Niederländer waren die Woche zuvor bereits zum Spiel nach Hamburg gereist.
Die beiden Niederländer waren die Woche zuvor bereits zum Spiel nach Hamburg gereist.bild: watson

Der bescheidene Ruf der Deutschen Bahn scheint es nicht über die West-Grenze hinaus geschafft zu haben. Laura, die nur kurz dahinter in den Niederlanden wohnt und ebenfalls über Emmerich nach Berlin gereist ist, wirkt zumindest überrascht, als sie davon erfährt: "Das höre ich zum ersten Mal."

Ihr Zug sei lediglich von einem anderen Bahnsteig, aber pünktlich gestartet. Sie und ihre Freundin Flor sind sich sicher: Kommen die Niederlande im Turnier weiter, fahren sie gerne auch noch weiter mit der Bahn.

Laura (links) und Flor (rechts) wohnen nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt.
Laura (links) und Flor (rechts) wohnen nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt. bild: watson

Johannes und Nathalie haben im österreichischen St. Pölten dagegen über Social Media schon von der Meme- und Scherz-Potenzial um die Deutsche Bahn gehört. Sie blicken dennoch pragmatisch darauf. "Das ist mit der ÖBB (Österreichische Bundesbahnen) genau das Gleiche, damit habe ich viel schlechtere Erfahrungen gemacht. Ich glaube, man jammert da immer", meint Johannes.

Johannes und Nathalie aus Österreich sind zufrieden mit ihrer Anreise.
Johannes und Nathalie aus Österreich sind zufrieden mit ihrer Anreise.bild: watson

Wie die Deutsche Bahn auf das Chaos reagiert

Die DB hatte sich anlässlich des Abschlusses der ersten EM-Woche für die "Geduld und Umsicht" der Fans bedankt. Und für das Passauer Bahn-Chaos hat der Konzern sich sogar entschuldigt. "Wir haben alles versucht, die Fangruppe rechtzeitig ins Stadion zu bringen. Dies ist uns leider nicht gelungen", erklärte ein Sprecher auf Anfrage von watson.

Heute werden wir sehen, ob Österreich und die Niederlande ins Viertelfinale einziehen werden. Dann gibt's für die Fans noch eine Reise mit der Deutschen Bahn.

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