Young man buying fresh groceries at farmer's market.
Wie gut sind Bio-Lebensmittel wirklich? Wir beantworten die wichtigsten Fragen. Bild: iStockphoto / nortonrsx
Nachhaltig leben

Was bedeutet eigentlich Bio? So erkennst du gute Lebensmittel

25.01.2023, 17:27

Die Preise für Lebensmittel steigen – und immer weniger Menschen greifen beim Einkauf zu Bio-Lebensmitteln. Denn sie sind meist teurer als herkömmliche. Nach einer kürzlich veröffentlichten Studie der Verbraucherorganisation Foodwatch, der zufolge die Zahl kranker und verletzter Tiere auf Bio-Höfen kaum niedriger ist als auf konventionellen, ist eine neue Debatte darüber entbrannt, wie gut "bio" eigentlich wirklich ist.

Was bedeutet "bio" eigentlich genau? Schließlich gibt verschiedene Siegel und Zertifikate, da fällt es schwer, den Durchblick zu behalten.

Wir beantworten euch die wichtigsten Fragen rund um das Bio-Siegel und seine Bedeutung. Außerdem geben wir euch Tipps, wie ihr wirklich gute Lebensmittel erkennen könnt.

Was sagen die verschiedenen Bio-Siegel aus?

Verschiedene Produkte zeigen unterschiedliche Bio-Siegel – aber was genau unterscheidet sie? Und sind sie alle vertrauenswürdig? Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zeigt mit einer Grafik, welche Siegel es gibt und wie empfehlenswert sie sind.

Die Infografik vom BUND gibt einen schnellen Überblick.
Die Infografik vom BUND gibt einen schnellen Überblick.bild: bund

Das bekannteste Bio-Siegel ist das sechseckige Zeichen mit dem Schriftzug "Bio". Das Siegel existiert bereits seit 2001, es steht für die Kriterien der EG-Öko-Verordnung und definiert Mindestkriterien. Den Bewertungen des BUND zufolge ist es im Wesentlichen vertrauenswürdig.

BUND empfiehlt Bio-Produkte der deutschen Bioverbände

Den deutschen Bioverbänden ging dieses Siegel aber nicht weit genug – sie haben zusätzliche Kriterien entwickelt, die weit über die Standards des EU-Bio-Siegels hinausgehen. Der BUND empfiehlt deshalb, die Bio-Produkte der Anbauverbände zu kaufen, wie etwa Demeter, Bioland oder Naturland.

Ihre Kriterien umfassen beispielsweise:

  • Der Betrieb muss komplett ökologisch arbeiten; einzelne Betriebszweige (z.B. Tierhaltung) können nicht ausgenommen werden.
  • Es werden wesentlich weniger Tiere je Hektar erlaubt.
  • Konventionelle Futtermittel dürfen gar nicht oder nur in einem sehr begrenzen Rahmen zugefüttert werden.

Setzen sich Bio-Betriebe für Tierschutz ein?

Laut Stiftung Warentest folgen Bio-Betriebe strengeren Kriterien in Bezug auf Tierschutz. Masthühner beispielsweise haben mehr Platz in ihren Ställen und müssen Auslauf im Freien haben. Außerdem schreiben Bioverbände Scharr­räume und Sitz­stangen vor. Zudem leben Bio-Mast­hühner mit bis zu 90 Tagen länger als herkömm­lich gehaltene.

Auch in Bio-Betrieben werden Tiere qualvoll getötet.
Auch in Bio-Betrieben werden Tiere qualvoll getötet.Bild: BananaStock RF / Jupiterimages

Biobetriebe setzen sich für stärker für eine "artgerechte" Haltung der Tiere ein als herkömmliche. Zudem werden die Tiere in Bio-Höfen nur mit ökologischem Futter gefüttert. Trotzdem: Selbst die Bio-Haltung erlaubt es, ein bis zu 110 Kilogramm schweres Schwein auf einer Stall- und Außenfläche von insgesamt 2,3 Quadratmetern unterzubringen. Die Tierschutzorganisation Peta betont deshalb, dass so eine Haltung niemals artgerecht oder ethisch vertretbar sein kann.

Die Art und Weise, wie die Tiere getötet werden, unterscheidet sich übrigens auch oft nicht. Wer sicherstellen will, dass für den eigenen Konsum kein Tier leiden musste, muss im besten Fall auf eine vegane Ernährung umsteigen. Bio-Produkte zu kaufen, reicht längst nicht aus.

Ist Bio automatisch regional und nachhaltig?

Ganz klar: nein. Es gibt Bioprodukte, die von sehr weit her kommen und dadurch eine miese Ökobilanz haben. Denn ein langer Transport erzeugt viele CO₂-Emissionen. Auch wie viel Wasser etwa in der Herstellung verwendet wird, ist bei den Standard-Biolabeln kein Kriterium.

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Regionalität ist ein wichtiger Faktor für die Klimabilanz eines Produktes.bild: imago / mis

Wer also Lebensmittel regional und saisonal einkauft, tut dem Klima mitunter einen größeren Gefallen als mit Bio-Lebensmittel vom anderen Ende der Welt. Denn das Bio-Siegel sagt nicht zwingend etwas über die Nachhaltigkeit des Produkts aus.

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Ist Bio gesünder?

Die Frage lässt sich nicht pauschal mit "Ja" oder "Nein" beantworten. Sicher ist allerdings, dass Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft weniger stark mit Pestiziden belastet sind. Das zeigt beispielsweise das Ökomonitoring 2020. Die geringere Pestizidbelastung lässt sich dadurch erklären, dass im Öko-Landbau auf den Gebrauch von chemisch-synthetischem Düngemittel verzichtet wird.

Zwar ist in Deutschland genau geregelt, wie Pestizide in der Landwirtschaft eingesetzt werden dürfen, Rückstände davon finden sich in Obst, Gemüse, Getreide und Produkten tierischer Herkunft aber trotzdem immer wieder. Vor allem bei schnell verderblichen Lebensmitteln wie Beeren und Tomaten werden oft Pestizid-Rückstände festgestellt.

Harvesting homegrown produce. Top view
Bio-Lebensmittel sind weniger stark durch Pestizide belastet. Bild: iStockphoto / Zbynek Pospisil

Dass Bio-Lebensmittel weniger stark belastet sind, bringt nicht nur für unsere Gesundheit Vorteile, sondern auch für die Umwelt und die Tiere. In einem früheren Gespräch erklärte Ernährungsexpertin Astrid Donalies gegenüber watson: "Der Verzicht von Pestiziden trägt zu einer geringeren Umweltbelastung und einer positiven Artenvielfalt bei. Auch die Tiere profitieren von einer biologischen Landwirtschaft, da weniger Antibiotika verwendet werden und auf eine artgerechte Tierhaltung geachtet wird."

Schmecken Bio-Lebensmittel besser als konventionelle?

Manche Menschen beschwören, dass Obst und Gemüse in Bio-Qualität besser schmeckt, doch die Stiftung Warentest konnte das in insgesamt 44 Tests nicht belegen. Bei Blindverkostungen, die im Jahr 2015 durchgeführt wurden, ließ sich die Bio-Qualität nicht herausschmecken.

Egal ob Hackfleisch, Oliven, Gouda, oder Salami Pizza – die Bio-Produkte schmeckten den Tester:innen nicht besser als die konventionellen Produkte. Bei Kartoffel-Chips waren die Bio-Produkte sogar klare Geschmacksverlierer.

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