In typischen Gasthöfen auf dem Dorf gibt es, neben Bier, oft traditionelle Küche – und die ist meist fleischlastig.
In typischen Gasthöfen auf dem Dorf gibt es, neben Bier, oft traditionelle Küche – und die ist meist fleischlastig. Bild: iStockphoto / ViewApart
watson-Kolumne

Im Dorfgasthof gibt's nur Beilagen: Warum mir mein Wohnort das vegane Leben schwer macht

"As vegan as possible" – die watson-Kolumne zu vegetarischem und veganem Leben
24.03.2021, 18:5911.05.2021, 16:37
theresa schwab

Als ich mich zum ersten Mal mit veganer Ernährung beschäftigte, lebte ich in München. Und München machte es mir leicht – mit zahlreichen veganen Restaurants und sowieso einer großen Anzahl an healthy Food Spots, die mindestens ein veganes Gericht auf ihrer Menükarte hatten. Bedienungen waren daran gewöhnt, eine Zutat wegzulassen oder auszutauschen. Und mehrere große Bio-Supermärkte direkt bei mir um die Ecke hatten sämtliche Zutaten im Sortiment, die ich fürs Kochen veganer Gerichte benötigte. Ließ ich mir Essen liefern, war die Auswahl vielfältig.

Inzwischen wohne ich in der Nähe von Frankfurt, aber eben nur in der Nähe. Korrekterweise handelt es sich um eine Kleinstadt, für mich fühlt es sich aber eher wie ein großer Ort an. Weil es hier – gerade mal 25 Minuten von der nächsten Metropole entfernt – nichts gibt, was einem Veganer das Leben ein bisschen schmackhaft machen würde. Unter den Restaurants befinden sich Italiener, Mexikaner, Kroaten, Inder, klassische Burgerläden oder eben alteingesessene Gaststätten, die hessische Hausmannskost anbieten. Eine wirkliche Auswahl an leckeren veganen Gerichten hat keiner davon auf der Speisekarte.

"Das gesamte vegane Angebot bündelt sich ausschließlich in den großen Städten."

Nun hätte ich beim Inder noch die besten Chancen, ein fleischloses Linsengericht zu bekommen, aber das reicht mir häufig nicht mehr. Ich möchte nicht nur Gerichte ohne tierische Produkte konsumieren, sondern Kreationen, die pflanzliche Zutaten innovativ kombinieren und mich geschmacklich staunen lassen. Das kann ein Kohlrabi-Schnitzel mit einer Kräuter-Nuss-Panade oder auch einfach nur eine Gemüse-Quiche mit ausgefallener Salat-Beilage sein. Denn eine vegane Ernährung lebt von Vielfältigkeit, von Kreativität und gesunden Zutaten.

grafik: emmy lupin studio
Über die Autorin
As vegan as possible – das beschreibt Theresa Schwab am besten. In ihrer Kolumne berichtet die freie Journalistin über positive Erkenntnisse, über Anstrengungen und darüber, warum es okay ist, manchmal im Alltag an einem nicht-tierischen Lebensstil zu scheitern.

Rückständig finde ich auch, dass auf 25.000 Einwohner ein einziges Café kommt, das für den Kaffee eine Kuhmilch-Alternative anbietet. Ebenso gibt es nur einen kleinen Bio-Supermarkt, der häufig meine Rettung ist, wenn ich eine spezielle Zutat benötige. Seit Essen gehen nicht mehr möglich ist, ich die meiste Zeit Zuhause verbringe und das Highlight darin besteht, den Lieferdienst zu kontaktieren, ist mir noch stärker bewusst geworden, wie kulinarisch unterentwickelt diese Region hinsichtlich veganer Ernährung ist. Das gesamte Angebot bündelt sich ausschließlich in den großen Städten.

Berlin ist auch Vegan-Hauptstadt

Das zeigt sich auch deutlich im Ranking der zehn veganfreundlichsten Städte Deutschlands, das Myprotein im Rahmen einer Studie kürzlich veröffentlicht hat. Platz 1 belegt natürlich Berlin – mit 86 rein veganen Restaurants und 313 veganfreundlichen. Es folgen München, Köln, Frankfurt, Hamburg, Stuttgart, Düsseldorf, Essen, Leipzig und Dresden. Erst neulich erzählte mir meine Berliner Freundin, die im Prenzlauer Berg arbeitet, um sie herum gäbe es fast nur noch vegan-asiatische Restaurants. Klingt für mich wie das Paradies. Und ich finde es großartig, dass sich in Städten wie Berlin in den letzten Jahren so viel entwickelt hat, bis hin zu komplett veganen Supermärkten.

"Bratwürste, Schweinshaxe oder Sauerbraten sind hier die Stars. Für mich bleiben Sauerkraut, Kartoffeln und im besten Fall Wirsinggemüse."

Muss ich also ein paar Kilometer weiter in Frankfurts Innenstadt ziehen oder mich am besten gleich in Berlin niederlassen? Ich stelle mir aber auch noch eine ganz andere Frage: Warum nimmt das vegane Angebot und demnach auch das Interesse an diesem ab, je ländlicher die Gegend wird?

Fahre ich nämlich 50 Kilometer weiter zu meinen Eltern aufs Land, ist es vollkommen vorbei. Restaurants heißen hier Wirtschaften und wenn ich nach veganen Gerichten frage, stoße ich zum Teil auf völliges Unverständnis, weil das Wissen bei dem Begriff vegetarisch endet. Bestelle ich dann wirklich nur die Beilagen, schickt der Koch die Bedienung noch mal extra zu mir, um nachzufragen, ob das wirklich so gewollt sei. Bratwürste, Schweinshaxe oder Sauerbraten sind hier die Stars. Für mich bleiben Sauerkraut, Kartoffeln und im besten Fall Wirsinggemüse – ob mit oder ohne Sahne, das getraue ich mich schon gar nicht mehr, zu hinterfragen.

Würde ich hier leben, hätte das definitiv Auswirkungen auf meinen Lebensstil. Ich würde einmal die Woche zu einem etwas entfernteren Bio-Supermarkt oder Reformhaus fahren und müsste jeden Tag selbst kochen. Denke ich jedoch an meine veganen Restaurantbesuche in sämtlichen Städten dieser Welt zurück, weiß ich, dass mir einzigartige Geschmackserlebnisse entgehen würden. Vegan kochen kann extrem lecker sein, vorausgesetzt man hat die Zeit und die Muße dazu. Mit dem dritten Lockdown vor Augen fehlt mir gerade mal wieder beides.

Autobahn aus gebrauchtem Altpapier: Spanien startet umweltfreundliches Straßenbauprojekt

Nach Angaben des Marktforschungsportals Statista misst das deutsche Autobahnnetz 2020 an die 13.200 Kilometer. Nur das Autobahnnetz Spaniens übertrifft das noch, mit einer Gesamtlänge an betonierten Straßen von 15.300 Kilometern. Diese hohen Kilometerwerte bedeuten im Umkehrschluss, dass viel Fläche unter einer dicken Zementdecke verschwindet, um Autos oder Lastkraftwagen den Weg zu ebnen. Um dem umweltfreundlich entgegenzuwirken, wird in Spanien aktuell an einer Autobahn aus verbranntem Recyclingpapier gebaut. Das Pilotprojekt "Paperchain" ist damit nicht nur ein klimafreundlicherer Baustoff als Zement, sondern senkt auch die CO2 -Emissionen um 75 Prozent.

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