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Lange machte sich unsere Autorin keine Gedanken darüber, welches Tierleid ihre Kleidung verursacht. Bild: www.imago-images.de / Lars Zahner

watson-Kolumne

"Hätte den Kauf am liebsten rückgängig gemacht": Ich liebte meine Daunenjacke – bis ich erfuhr, wie Tiere dafür leiden müssen

"As vegan as possible" – die watson-Kolumne zu vegetarischem und veganem Leben

theresa schwab

Ich schlief jahrelang in einem Daunenfederbett. Ich trug einen Daunen-Parka mit Pelz besetzter Kapuze. In meinem Schrank stapelten sich Woll- und Kaschmirpullover für den Winter. Ich besaß Lederschuhe, Lederhandtaschen und ein Lederportemonnaie. Ich fuhr Autos mit Ledersitzen und im Wohnzimmer lag lange ein Kuhfell. Für mein Kind dann bitte nur Wollwalkanzüge, ein Schaffell im Kinderwagen und Bodys aus einem Woll-Seiden-Mix.

Ich wurde in dem Glauben erzogen, Turnschuhe seien schlecht, weil man von Kunststoff Schweißfüße bekäme. Ein Lederschuh dagegen bedeutete gute Qualität, weshalb ich bis zur Pubertät nicht einen einzigen Sneaker besaß. Diese Überzeugung hatte sich jahrelang in meinem Kopf manifestiert. Eine Handtasche aus Kunstleder war für mich billiger Schrott, da sparte ich lieber eine Weile, um mir die Echtleder-Variante leisten zu können.

"Eine Handtasche aus Kunstleder war für mich billiger Schrott, da sparte ich lieber eine Weile, um mir die Echtleder-Variante leisten zu können."

Seit ich regelmäßig hinter die Kulissen der Tierindustrie blicke, sehe ich meine Garderobe mit anderen Augen. Und trotzdem fällt mir das Bekleidungsthema am schwersten. Weil es eben nicht, wie bei Kuhmilch, zehn einfache Alternativen gibt. Die Entwicklung von veganen, qualitativ anspruchsvollen, optisch ansprechenden und bezahlbaren Mode- und Schuhkollektionen ist im Vergleich noch immer in der Minderzahl.

Doch wo genau liegt die Problematik bei Daunen, Wolle und Leder, die als hochwertige Naturmaterialien bekannt sind? Davon abgesehen, dass Tiere extra gezüchtet und unter qualvollen Bedingungen gehalten werden, sind es die grausamen Methoden der Materialgewinnung.

Bild

bild: emmy lupin studio

Über die Autorin

As vegan as possible – das beschreibt Theresa Schwab am besten. In ihrer Kolumne berichtet die freie Journalistin über positive Erkenntnisse, über Anstrengungen und darüber, warum es okay ist, manchmal im Alltag an einem nicht-tierischen Lebensstil zu scheitern.

Angora, Alpaka, Merino, Mohair oder Kaschmir: Deutschland gehört inzwischen zu den vier größten Abnehmern mongolischer Kaschmirwolle weltweit. Dass die Wollgewinnung äußerst schmerzhaft für die Tiere ist, wissen die wenigsten.

Früher dauerte die Prozedur, einer mongolischen Kaschmirziege das wärmende Unterfell auszukämmen, fünf bis sechs Stunden. Inzwischen wurde der Arbeitsaufwand auf 50 Minuten pro Tier reduziert. Die Tierschutzorganisation Peta Asia dokumentierte im Oktober 2019, wie Tiere gewaltsam zu Boden gedrückt werden und ihnen das Unterfell mit spitzen Metallkämmen ausgerissen wird. Blutende Verletzungen sind die Folge. Bei anderen Wollsorten sieht es nicht besser aus.

Das grausame Mulesing in Australien

Etwa 90 bis 95 Prozent der Merino-Schafswolle dagegen stammen aus Australien, wo Mulesing weit verbreitet ist. Das bedeutet: Um noch mehr Wolle zu erzeugen, wird den Schafen eine besonders faltige Haut angezüchtet. In den Hautfalten am Hinterteil sammelt sich jedoch Urin, der wiederum Fliegen anlockt, die dort ihre Eier ablegen. Um zu vermeiden, dass die geschlüpften Larven die Tiere lebendig auffressen, wird bei 90 Prozent der Schafe Mulesing angewandt. Den Lämmern werden dann meist ohne Betäubung die Hautfalten rund um den After weggeschnitten. Abgesehen von der schmerzhaften Prozedur bleiben die Wunden offen und es entstehen Infektionen.

Weiter geht es mit Schafen, Ziegen, Alpakas oder Kaninchen. Fluchttiere, die bei der Schur auf dem Boden fixiert werden. Die Folge: panische Angst, extremer Stress und Schnittwunden. Lässt die Wollproduktion nach etwa sechs Jahren nach, wandern die Tiere ins Schlachthaus.

Vorher geht es jedoch meistens auf lange Reisen unter schlimmsten Bedingungen. Australien hat 2019 über eine Million Schafe nach Afrika oder den Mittleren Osten verschifft, wo die Tiere auf Art und Weisen getötet werden, die in Australien illegal wären.

sheep shearing in Ohai, Southland, New Zealand *** sheep shearing in Ohai Southland New Zealand

Das Scheren der Schafe ist oft gewaltvoll. Bild: imago stock&people / Joana Kruse

Daunenjacke? Nur mit schlechtem Gewissen

Wie sieht es mit Daunenjacken aus? Ich muss zugeben, ich habe in meinem Daunenparka noch nie gefroren, weshalb für mich jahrelang nichts anderes infrage kam. Bis ich eine Reportage über die Gewinnung von Daunenfedern sah. In dem Moment hätte ich den Kauf am liebsten rückgängig gemacht.

"Ich hätte den Kauf meiner Daunenjacke am liebsten rückgängig gemacht."

Denn die meisten Daunen stammen aus China, wo "Lebendrupf" zum Standard gehört. Bis zu viermal pro Jahr werden die Gänse fixiert, um ihnen die Federn aus der empfindlichen Haut zu reißen. Angstzustände, Brüche und Wunden, die ohne Betäubung genäht werden, sind regelmäßige Begleiterscheinungen.

Und Leder? Kuhleder, Büffelleder und Kalbsleder sind am stärksten verbreitet. Nun mag sich manch einer denken, Leder sei sowieso ein Abfallprodukt der Fleischindustrie. Das Problem ist, dass ein Großteil des Leders aus Billiglohnländern wie China, Indien, Brasilien oder Bangladesch ohne entsprechende Tierschutzgesetze stammt. Daher sind die Haltung und der Tötungsprozess häufig sehr brutal. Und auch die Weiterverarbeitung in den Gerbereien ist höchst problematisch: enormer Wasserverbrauch, der Einsatz von krebserregendem Chrom, verseuchte Abwässer, Arbeiter ohne Schutzkleidung.

Ja, es gibt für all die genannten Tiermaterialien Alternativen. Ananasleder, Kork, Pilzleder oder eben Kunstleder. Davon abgesehen, dass bei der Herstellung von Kunstleder meistens Rohöl zum Einsatz kommt, fehlt mir häufig das innovative und trendorientierte Design. So konnte ich diesen Winter keine Boots mit der (etwas sinnlosen) Bezeichnung "veganes Leder" finden, die mir optisch entsprochen hätten.

Auch Wolle lässt sich durch Bambus, Hanf, Leinen oder Cellulosefasern wie Viskose ersetzen. Aber natürlich ist selbst ein enger Baumwollstrick nie so kuschelig warm wie ein Wollpullover. Eine Möglichkeit wäre, auf Siegel wie "Responsible Wool Standard" zu achten, bei dem zum Beispiel Mulesing verboten ist. Und dennoch decken Tierschutzorganisationen selbst bei diesen Labels Verstöße auf.

Beim Thema Daunen hat mich das Label Pangaia überzeugt, dass seine farbigen Pufferjacken mit natürlichen Wildblumen füllt, sogenannten Blumendaunen. Angeblich haben sie die gleichen thermischen Eigenschaften und die natürliche Flauschigkeit wie tierische Daunen. Und auch die Marke Embassy of Bricks and Logs setzt auf eine wärmende Fütterung mit recycelten PET-Flaschen.

Ich habe mich jedoch entschieden, meinen Daunenparka, den ich seit sieben Jahren besitze, solange zu tragen, bis er sich auflöst. Lediglich den Pelzbesatz am Kragen habe ich entfernt. Einfach, um keine lebendige Werbung für Grausamkeit zu sein.

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