Die Luftqualität verschlechtert sich stetig, Hitze und Feinstaub belasten unsere Lungen.
Die Luftqualität verschlechtert sich stetig, Hitze und Feinstaub belasten unsere Lungen. Bild: iStockphoto / Daniiielc

Klimakrise verschlechtert Luftqualität – Lungenarzt warnt vor Ozonbelastung

08.09.2022, 17:58

Längere und stärkere Hitzewellen sowie damit einhergehende Waldbrände wie in diesem Sommer verschlechtern nach einem Bericht der Weltwetterorganisation (WMO) die Luftqualität. Weil der Klimawandel mehr und intensivere Hitze- und Dürreperioden verursacht, dürften hunderte Millionen Menschen in Mitleidenschaft gezogen werden, berichtete die WMO in Genf zum Tag der sauberen Luft Mitte der Woche.

Nach Angaben des europäischen Erdbeobachtungsdienstes Copernicus lagen die Emissionen durch Waldbrände in diesem Sommer in Europa so hoch wie seit 2007 nicht mehr.

So gefährlich ist Feinstaub für den Menschen

Die atmosphärischen Bedingungen, Sonneneinstrahlung und schwacher Wind führten zu hohen Schadstoffwerten, sagte WMO-Chef Petteri Taalas.

Er ergänzt:

"Wir haben es bei den Hitzewellen in Europa und China in diesem Jahr gesehen. Dies ist ein Vorgeschmack auf die Zukunft, denn wir erwarten eine weitere Zunahme der Häufigkeit, Intensität und Dauer von Hitzewellen, was zu einer noch schlechteren Luftqualität führen könnte."

Wie gefährlich Feinstaub wirklich ist, erklärt auch das Umweltbundesamt. Demnach können feine Partikel bis in die Lunge vordringen, ultrafeine Partikel gelangen sogar bis in tiefe Zellebenen der Lunge und können von dort ins Blut oder das Lymphsystem gelangen. Je kleiner die Partikel sind, umso schädlicher sind sie auch für unsere Gesundheit.

Laut Europäischer Umweltagentur ist die Luftverschmutzung in Europa das größte Umweltgesundheitsrisiko. Bis zu 96 Prozent der europäischen Stadtbevölkerung sind Luftschadstoffkonzentrationen ausgesetzt, die über den Luftqualitätsrichtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegen.

Mehr als 300.000 vorzeitige Todesfälle werden jährlich allein auf die chronische Belastung durch Feinstaub zurückgeführt.

Ozon in Bodennähe kann lebensbedrohlich werden

Hohe Lufttemperaturen und intensive Sonneneinstrahlung begünstigen nach Angaben des Umweltbundesamtes die Bildung von Ozon in Bodennähe.

Ozon führt in höheren Konzentrationen zu Tränenreiz, Atemwegsbeschwerden und Kopfschmerzen. Bei erhöhtem Atemvolumen, etwa durch körperliche Anstrengung, könne es auch tief in das Lungengewebe vordringen, das Gewebe schädigen und Entzündungen hervorrufen.

Kai-Michael Beeh ist Internist und Pneumologe in Wiesbaden.
Kai-Michael Beeh ist Internist und Pneumologe in Wiesbaden. bild: © Flashfotos.de / Daams Naber GBR / Random House

Der Pneumologe Kai-Michael Beeh erklärt im Interview mit der Nachrichtenagentur "spot on news", dass erhöhte Ozonkonzentrationen in erster Linie zu Irritationen der Schleimhäute führen können. Diese äußern sich in Tränen, Nasen- und Rachenbeschwerden sowie Husten und Atemproblemen. Auch Kopfschmerzen treten dabei häufig auf.

"Hohe Ozonbelastungen sind vor allem für empfindliche Menschen problematisch. Hierzu zählen in erster Linie Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen, insbesondere Asthma oder COPD", sagt der Pneumologe. "Bei diesen Patienten können Ozonbelastungen akute Anfälle beziehungsweise Verschlechterungen auslösen, die in seltenen Fällen auch lebensbedrohlich sein können."

Aber wie können wir uns davor am besten schützen?

Beeh rät dazu, die örtlichen Ozonwerte im Auge zu behalten und bei erhöhten Werten Aufenthalte und körperliche Aktivität im Freien zu vermeiden – vor allem in den Mittagsstunden.

Asien ist besonders betroffen

Nach Angaben der WMO wird die Entwicklung besonders Asien betreffen, wo rund ein Viertel der Weltbevölkerung lebt.

In Bangladesh ist die Feinstaubbelastung besonders schwerwiegend.
In Bangladesh ist die Feinstaubbelastung besonders schwerwiegend. Bild: imago images / aal.photo

Wenn der Ausstoß an Treibhausgasen nicht drastisch eingedämmt werden kann und die globale Durchschnittstemperatur um drei Grad steigt, dürfte die Ozon-Konzentration in den Regionen Pakistan, Nordindien und Bangladesch um 20 Prozent steigen. Im Osten Chinas um 10 Prozent, wie die WMO mitteilte.

Ein Großteil davon wäre dort auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe zurückzuführen, aber 20 Prozent auch auf die Effekte des Klimawandels, die die Ozonbildung in Bodennähe begünstigen.

(sb/dpa)

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