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Kommentar

Liebe Deutsche: 5 Fragen, die ich als Schweizer mal an euch hätte

Da hieß es von den Chefs plötzlich "Jodok, du gehst zu den deutschen Kollegen". Brav, wie es sich für einen Schweizer gehört, habe ich das getan. Und jetzt stelle ich mir so einige Fragen.

Jodok Meier
Jodok Meier

Seit dem Launch unserer deutschen Schwester watson.de hört man in der Schweizer Redaktion immer mal wieder etwas von diesen Deutschen. Die Deutschen haben das, die Deutschen tun dies, die Deutschen kommen. Zu uns in die Schweiz. In die Redaktion. Alles gut. Nun wurde mir die Ehre zuteil, nach Berlin zu reisen, um dort in der Redaktion von watson.de für Recht und Ordnung zu sorgen. Oder so etwas in der Art.

Fünf Tage Berlin mündeten in fünf Fragen an Deutschland.

+++ Disclaimer +++

Berlin ist natrülich nicht gleich ganz Deutschland, fünf Tage sind nicht alle Welt und überhaupt: Was weiß denn als Schweizer schon! (Ein wenig vielleicht)

Wieso wollt ihr unbedingt wissen, woher ich denn wirklich komme?

Eine urdeutsche Frage scheint es zu sein, woher man denn wirklich stammt. Wer Jodok heißt, der ist ganz sicher nicht nur einfach aus der Schweiz.

"Ne, sach' doch ma, woher biste denn wirklich?"

"Aus der Schweiz."

"Ne, also so wirklich wirklich."

"Zürich?"

"Nein, also dein Hintergrund mein ich. Balkan, ne?"

Nein, Deutschland: Ein Eidgenosse aus dem Buche bin ich. So sehr ich mir auch einen multikulturellen Hintergrund wünsche, ich bin nicht mehr als ein Schweizer. Und viele Deutsche kommen da offenbar nicht darauf klar. Muss wirklich alles kategorisch katalogisiert werden? Alles klar schubladisiert und systematisch hergeleitet werden? Was ist los bei euch? 

Symbol-Bild für die Lockerheit, mit der sich solche Menschen die Welt zurechtlegen:

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Ohnehin: Was wäre der Unterschied?

Wie exotisch stellt ihr euch die Schweiz denn bitteschön vor?

"Also bei euch in der Schweiz ist es ja bestimmt so, dass ihr ..."

"Ihr in der Schweiz kennt das ja nicht so, wenn ..."

"Habt ihr das bei euch in der Schweiz?" 

Nein, doch und ja.

Wir sind keine Kuhglocken-Tragende-Käsemenschen, die ihren Geldkoffer mit sich rumtragen und Schokoladenuhren verkaufen, weil wir das in der heilen "Schwiiz" einfach nur geil finden, die für viele Deutsche offenbar ein gesellschaftliches und politisches Disneyland darstellt.

So, wie die Schweiz nun mal ist:

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Um es verständlich zu beschreiben: Wir sind Deutschen gar nicht unähnlich, vielleicht malen wir die Welt weniger (und in einer anderen Sprache) schwarz an. Fertig.

Wieso wollt ihr mit mir immer übers Geld sprechen?

Hoppla. Dritte Frage und die Büchse der Pandora ist bereits geöffnet. Aber es muss ja getan werden.

"Für dich is' hier ja alles gratis, ne?"

Klar, in Berlin kriegst du derartig gutes Essen, für das du in der Schweiz dein Erstgeborenes hergeben musst. Und du bekommst es zu sehr vernünftigen Preisen. Es stimmt auch, dass das Durchschnittsgehalt in der Schweiz höher ist.

Dennoch ist es nicht der Fall, dass "der Schweizer" nach Deutschland kommt und nichts dafür zahlen muss. Die preislichen Unterschiede sind zwar ganz klar da, aber die sind bei Weitem nicht so frappant, als dass man in der Schweiz arm und Deutschland reich wäre. Wer sich in der Schweiz kein Bier in einem Club leisten kann, kann dies in Berlin sicherlich eher. Aber deswegen kauft er nicht gleich den Club auf.

Wie sich Deutsche (offenbar) die Schweizer in Deutschland vorstellen:

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Und sowieso ... Als altes Ehepaar können wir doch über was Geistreicheres als Geld sprechen, oder?

Wieso so extrem?

Deutschland pendelt zwischen den Extremen. Nicht politisch, sondern ganz allgemein. Konstant und überall.

Übersteigerter Nationalstolz mündet im nächsten Satz gerne mal in eine brutale, schonungslose Selbstkasteiung. Im einen Moment steht man turmhoch über den kleinen "Schwiizerli", im nächsten redet man deutsche Schwächen groß; Nationalelf das Beste, Nationalelf eine Katastrophe; Rauswurf oder Beförderung.

Die zwei grundlegenden Einstellungen:

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Der Mittelweg bleibt jungfräulich unberührt. 

Wieso trinkt ihr so schlechten Kaffee?

Ich mag meinetwegen an den falschen Ecken gewesen sein. Aber ich habe echt keine hohen Ansprüche. Ich negiere gar all diese bitteren Hipster-Plörren, nach denen viele geifern.

Aber: Fünf Tage, fünf verschiedene Morgen-Kaffees (schwarz, ohne Zucker oder sonst was) von Bäckerei-Ketten und Imbiss-Ständen querbeet, fünf absolut katastrophale Geschmackserfahrungen. Das Niveau des Durchschnittskaffees ist beschämend. Ihr habt mehr verdient. Besseres verdient.

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Und nur noch mal um es festzuhalten: Dies ist eine subjektive Momentaufnahme eines Landes, das ich extrem mag!

Bald ist es wieder so weit: Der Winter in Deutschland

"In Deutschland kann man nirgendwo mit Karte zahlen"

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Video: watson/Yasmin Polat, Marius Notter, Lia Haubner

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