Fussball, DFL Saison 2021/22 Sports Innovation Messe in Düsseldorf 11.05.2022, MERKUR-SPIEL-ARENA Düsseldorf DONATA HOPFEN DFL Foto: Herbertz / Nico Herbertz Düsseldorf MERKUR-SPIEL-ARENA Düsseldorf N ...
Donata Hopfen ist seit 2022 Vorsitzende der Deutschen Fußball-Liga (DFL).Bild: www.imago-images.de / imago images
Bundesliga

DFL will "nachhaltigste Liga" der Welt schaffen: Gegenwind kommt von Fans und Sponsoren

16.09.2022, 19:2616.09.2022, 19:59

Das neue Freiburger Stadion soll durch eine große Solaranlage und Fernwärme rechnerisch klimaneutral sein. Die TSG Hoffenheim will den Müll während eines Bundesliga-Spiels reduzieren und zum "Zero Waste Stadion" werden. Beim VfB Stuttgart gab es zuletzt den Aktionstag "Mit dem Rad zum Stadion", um auf den Klimaschutz aufmerksam zu machen.

Noch sind sämtliche Nachhaltigkeits-Aktionen der Bundesligisten freiwillig. Zur neuen Saison wird sich das allerdings ändern. Dann müssen zumindest die Vereine der 1. und 2. Bundesliga Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, um die Lizenzen zu erhalten. DFL-Chefin Donata Hopfen sieht die Bundesliga in der "Vorreiterrolle im Thema Nachhaltigkeit". Dazu war während des Nachhaltigkeitsforums der DFL Ende Juli von der "nachhaltigsten Liga" der Welt die Rede.

Kritik an Ambitionen der Auflagen

Darüber, wie ambitioniert und nachhaltig die neuen Kriterien sind, gibt es verschiedene Meinungen. Grundsätzlich sind sich aber auch Kritiker der neuen Auflagen einig, dass es ein richtiger Schritt sei, die Nachhaltigkeit in die Lizenzierung einzubeziehen.

Um die Kritik zu verstehen, müssen aber erst die beschlossenen Maßnahmen betrachtet werden. Sie unterteilen sich in die Mindestkriterien I und die Mindestkriterien II. Die Mindestkriterien I treten bereits zur nächsten Saison in Kraft, die Mindestkriterien II erst zur Spielzeit 2024/25.

"Es geht in erster Linie ausschließlich darum, ein 'Reporting' aufzubauen. Inhaltliche Ziele, beispielsweise zur Reduktion des Verbrauchs, gibt es nicht."
Anna-Maria Hass vom Fan-Netzwerk "Zukunft Profifußball" kritisiert die Auflagen.

Der erste Kriterienkatalog beinhaltet, dass Nachhaltigkeit grundsätzlich in der Vereinssatzung verankert wird, ein Nachhaltigkeitskonzept und -verantwortliche müssen bestimmt werden. Außerdem müssen die Klubs nachweisen, mindestens zwei Projekte zu fördern, die sich für nachhaltige Fan-Mobilität einsetzen. Gleichzeitig soll eine Messung des Wasser- und CO2-Verbrauchs aufgebaut werden.

Bei den Mindestkriterien II geht es hauptsächlich darum, Fragen zu beantworten. Die Klubs müssen mitteilen, ob der CO2- oder Wasserverbrauch verringert werden soll. Auch der Anteil der vegetarischen und veganen Speisen im Stadion muss angegeben werden, sowie die Anzahl der U17- und U19-Spieler, die einen Schulabschluss erreichen.

Anna-Maria Hass setzt sich für das Fan-Netzwerk "Zukunft Profi-Fußball" ein.
Anna-Maria Hass setzt sich für das Fan-Netzwerk "Zukunft Profifußball" ein.Bild: Privat / Privat

Für Anna-Maria Hass vom Fan-Netzwerk "Zukunft Profifußball" gehen die Mindestkriterien I und II allerdings nicht weit genug. Sie kritisierte gegenüber watson: "Es geht in erster Linie ausschließlich darum, ein 'Reporting' aufzubauen. Inhaltliche Ziele, beispielsweise zur Reduktion des Verbrauchs, gibt es nicht." Sie bemängelte außerdem, dass die gemessenen Zahlen nur der DFL mitgeteilt würden, es aber nicht vorgesehen sei, die Statistiken zu veröffentlichen.

Gleichzeitig ist sie der Meinung, dass durch den "aktuellen Weg" die "große Masse der Vereine, sich erst einmal entspannt" zurücklehnen könne.

Hier kommt ein großes Problem zutragen, das auch in DFL-Kreisen bewusst ist: die unterschiedliche Ausgangslage der Klubs. "Vereine wie Hoffenheim und Wolfsburg sind im Bereich Nachhaltigkeit sehr weit, weil sie den Klubs nahestehende Unternehmen haben, von denen sie die Nachhaltigkeitsstrukturen oft sehr einfach übernehmen konnten", erklärt Hass. Gleichzeitig gibt es Zweitligisten, die sich kaum mit Nachhaltigkeit beschäftigt haben.

DFL will Anforderungen anheben

Deshalb sind die Kriterien aktuell noch relativ niedrig angesetzt. Laut DFL soll eine einheitliche Mindestbasis geschaffen werden. Danach sollen die Anforderungen angepasst werden. Nicht praktikabel sei es aber auch, sofort zu hohe Lizenzauflagen zu stellen und im Zweifel einem Drittel der Klubs die Lizenzen nicht zu erteilen – so erklärten es mehrere DFL-Funktionäre gegenüber watson.

Wie unterschiedlich die Ausgangslagen sind, hat eine ARD-Radio-Recherche von Anfang August ergeben. Von den aktuell 36 Profi-Klubs der 1. und 2. Bundesliga haben 26 Vereine Nachhaltigkeitsbeauftragte. Lediglich zwölf Klubs messen ihren CO2-Fußabdruck und nur vier Vereine haben auch klar das Ziel formuliert, ihre Emissionen zu reduzieren.

Hass vom Fan-Netzwerk sieht es als wichtigen Schritt, dass Nachhaltigkeit zukünftig bei der Lizenzierung eine Rolle spielt, gleichzeitig wäre die Intensität der Bemühungen ausbaufähig: "Wenn die Liga prominent ankündigt, die nachhaltigste der Welt zu werden, und dann aber nur sehr leichte und kleine Schritte geht, kann man einen Widerspruch erkennen." Wenn die Liga wirklich diesen Anspruch hätte, müsse sie den kleineren Klubs direkt helfen "und ihre Ressourcen einsetzen."

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Carsten Cramer ist seit 2018 Mitgeschäftsführer von Borussia Dortmund.Bild: www.imago-images.de / imago images

Schon während des Nachhaltigkeitsforums der DFL Ende Juli reagierte BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer auf den Vorwurf nach zu geringen Klimaschutzmaßnahmen der Fußball-Klubs: "Ich würde sehr dafür werben, dass wir den Fußball nicht überfordern und ihn auch nicht permanent in diesen Situationen politisieren und ihm mehr Aufgaben auferlegen, als das bei anderen der Fall ist."

Dieses Argument kann Hass aber nicht nachvollziehen. Sie erklärt gegenüber watson: "Der Fußball gibt sich gerne selbst eine gesellschaftliche Bedeutung, bezeichnet sich zum Beispiel als letztes Lagerfeuer der Nation oder als Zusammenkunft der gesamten Gesellschaft. In Momenten, in denen diese Darstellung dem Fußball förderlich ist, wird das auch betont." Gleichzeitig würde bei anderen Themen von dieser Rolle Abstand genommen werden.

Kritik auch von Sponsoren-Gruppe

Neben den Vereinen und den Fans sind Sponsoren eine weitere Interessengruppe im Fußball – also privatwirtschaftliche Unternehmen. Sie stehen zwar oft nicht unter dem öffentlichen Druck wie die Sportvereine, zeigen aber meistens beim Thema Nachhaltigkeit ein höheres Bewusstsein.

Auch deshalb sagte Jana Bernhard, Geschäftsführerin der Sponsorenvertretung "S20 – The sponsors' Voice e.V." auf dem Nachhaltigkeitsforum: "Es ist wichtig, dass getan wird, was belegbar ist. Das ist nicht nur ein Tätigkeitsnachweis mit einer Checkbox, bei der man belegt, dass man eine Nachhaltigkeitsstrategie hat oder Nachhaltigkeitsbeauftragte. Das reicht nicht." Es wird klar, dass auch für Bernhard die Mindestkriterien nicht ausreichen.

Während sowohl Bernhard für die Sponsoren und Hass aus Fan-Sicht die Maßnahmen als zu gering kritisieren, verweist die DFL regelmäßig darauf, dass diese ersten Kriterien nur als Basis verstanden werden sollen. In einer Mitteilung der Liga, die kurz nach dem Nachhaltigkeitsforum veröffentlicht wurde, wird von einer "sukzessiven Weiterentwicklung der Richtlinien" gesprochen. Nach Einführung der Mindestkriterien II 2024 sollen sich die Kriterien weiter steigern und anpassen.

"Zu den angedachten Anpassungen der Nachhaltigkeitsauflagen in Zukunft wirkt die DFL noch planlos."
Anna-Maria Hass

Hass sieht diese Ankündigung allerdings kritisch: "Zu den angedachten Anpassungen der Nachhaltigkeitsauflagen in Zukunft wirkt die DFL noch planlos und hat noch nicht angekündigt, inwiefern die Auflagen angepasst und die Anforderungen gesteigert werden sollen." Dabei werden in den nächsten Jahren exakt diese Anpassungen darüber entscheiden, wie ernst die DFL ihre Nachhaltigkeitsoffensive meint.

Weitere Player, die beim Bundesliga-Fußball Emissionen verursachen, sind die übertragenden Sender. In der Bundesliga sind das Sky und Dazn. Wie Charly Classen, Executive Vice President Sports Sky Deutschland, mitteilte, seien da besonders die Transportkosten der Ausrüstung für die Emissionen verantwortlich.

Allerdings hat sich der Fernsehsender verpflichtet, in Zukunft die Spiele klimaneutral zu produzieren. Zunächst sollen die Emissionen ausgeglichen werden. Später soll dann der CO2-Fußabdruck konsequent verringert werden und spätestens 2030 auf Netto-Null reduziert sein. Die verursachten Treibhausgase sollen demnach durch Reduktionsmaßnahmen wieder aus der Atmosphäre entfernt werden.

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