Analyse

Wo Frauen nicht in den Ring dürfen – so rückständig war das WWE-Event in Saudi Arabien

29.04.2018, 19:3725.05.2018, 19:25

Regenbogenfarben beim Event des Jahres und mehr Frauenkämpfe – zuletzt zeigte die World Wrestling Entertainment (WWE), wie fortschrittlich sie sein kann. Beim "WWE Greatest Royal Rumble" in Saudi-Arabien warf sie aber alle Werte über den Haufen und bot statt einer spektakulären, eine traurige Show.

Eigentlich sollte im saudi-arabischen Dschidda alles gigantisch werden: 60.000 Zuschauer, ein Käfig-Kampf oder der Undertaker. Die WWE hatte alle ihre Unterhaltungsklassiker im Gepäck und wollte den neuen Partner Saudi-Arabien begeistern.

Was du wissen musst:

Die WWE hatte einen zehn Jahre laufenden Vertrag über eine "strategische Multi-Plattform-Partnerschaft" unterschrieben, – und macht somit Werbung für das autoritäre Land. Damit dürfte das Unternehmen ziemlich viel Geld verdienen. ("Sport1"/"Forbes")

Die WWE gehört zu einem neuen Programm des islamisch-autoritären Landes: Der saudi-arabischen Kronprinz Mohammed bin Salman versucht das Land mit dem Reformprogramm "Saudi Vision 2030" weniger abhängig von Öleinnahmen zu machen und neue Wirtschaftszweige aufzubauen, wie zum Beispiel die Unterhaltungsindustrie. Dafür ist das Land für Veränderungen bereit: Der Prinz erkannte zuletzt das Existenzrecht Israels an. Und im Januar durften Frauen erstmals in der Geschichte des Landes ein Fußballspiel besuchen – wenn auch nicht alleine. ("Zeit"/"Spiegel"

Warum war das Spektakel in Saudi-Arabien so fragwürdig?

Die WWE entschloss sich in Saudi-Arabien zu einigen Änderungen, die mit westlichen Werten wenig zutun haben:

  • Die WWE-Frauen durften in Saudi Arabien nicht auftreten. In dem Land gilt ein öffentliches Sportverbot für Frauen.

    Dabei hatte das WWE Frauenwrestling zuletzt immer mehr in den Fokus gestellt. Im Zuge der sogenannten "Women's Revolution" wurde immer häufiger auf das "sexy Diva-Rangeln" zur voyeuristischen Unterhaltung verzichtet. Die Frauen-Kämpfe entwickeln sich zu sportlichen Highlights, die oftmals sogar unterhaltsamer sind als die der Männer. Zuletzt durfte dann sogar der neue WWE-Star Ronda Rousey den altehrwürdigen Triple H vermöbeln, sodass die Halle tobte. ("ABC"/"Sportbibel")
  • Ein männlicher Topstar durfte ebenfalls aus politischen Gründen nicht in Saudi-Arabien antreten: Sami Zayn. Der syrischstämmige Kanadier engagiert sich humanitär im Syrien-Konflikt. Das war in Saudi-Arabien offenbar nicht in Ordnung.

    Die WWE erklärte auf Medienanfragen nur: "WWE setzt sich dafür ein, Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zu unterstützen und gleichzeitig lokale Bräuche und kulturelle Unterschiede auf der ganzen Welt zu respektieren."("bleacherreport"/"wrestlingnews.com")

    Der Muslim Zayn war Initiator der Aktion "Sami for Syria", die (auch über die WWE-Kanäle) mit der syrisch-amerikanischen Hilfsorganisation SAMS (Syrian American Medical Society) Geld für Kriegsopfer in Syrien sammelt. ("Sport1")
  • Finn Balor lief zuletzt aus Solidarität für Homosexuelle mit Regenborgenfarben in den Ring, bei WrestleMania in New Orleans begleiteten ihn sogar Mitglieder der lokalen LGBT-Community. In Saudi-Arabien tat er das nicht. Homosexualität ist in dem Land verboten und kann mit der Todesstrafe bestraft werden. ("queer.de"/"Sport1")

    Dafür wurde er auch von Fans kritisiert. Balor sagte dazu, dass er das Regenbogen-Outfit auch schon bei anderen Shows nach Wrestlemania nicht getragen hätte und dies nichts an seinem Engagement ändere. 
  • Die WWE hatte zwar alles dafür getan, damit der Bündnispartner keine Frauen zu sehen bekommt (sic!), doch eine weitere Kontroverse gab es trotzdem: Auf den Leinwänden während der Show lief ein Promo-Video mit der knapp gekleideten WWE-Star Carmella:

Die saudische Regierung nahm die kurze Szene zum Anlass, um sich bei seinem Volk für die "unanständigen Szenen" zu entschuldigen. ("BBC")

Auch im Ring gab es Pannen

Jinder Mahal machte sich etwa extrem lächerlich, als er offenbar von Jeff Hardy getroffen werden sollte, aber falsch stand. Hardy flog vorbei, aber Jinder tat trotzdem so, als ob er schmerzhaft getroffen wurde. Schauspielerisch eher so RTL-Nachmittagsprogramm. 

Beim 50-Mann-Hauptkampf landete Titus O'Neil beim Einlaufen sofort mal unterm Ring, nachdem er gestolpert war. Das war offensichtlich so nicht geplant, die Szene wurde erst in einer Wiederholung gezeigt.

Was sagt die WWE zu der weltweiten Kritik?

"Jede Kultur ist anders", sagte Triple H, selbst Kämpfer und nebenbei auch im WWE-Vorstand, vor dem Event auf einer Pressekonferenz. "Auch wenn man damit nicht einverstanden ist: Man kann einem anderen Land, einer anderen Religion nicht diktieren, was sie zu tun haben."

Anschließend sagte er auch, dass dies nichts am Anspruch des Unternehmens ändere, "vorn dabei zu sein bei einer weltweiten Evolution der Frauen. Denn man kann nirgendwo Veränderung bewirken, wenn man nicht dort ist."

Triple H fügte hinzu: "Wir hoffen, dass es in den nächsten Jahren möglich sein wird. Es gibt hier große kulturelle Veränderungen. Und wir hoffen, sie mitgestalten zu können."("Sport1"/"The Independet") Das verpasste die WWE in diesem Jahr schon einmal. 

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