Union Berlins Taiwo Awoniyi startet mit den Eisernen in der Conference League.
Union Berlins Taiwo Awoniyi startet mit den Eisernen in der Conference League.
Bild: www.imago-images.de / Matthias Koch
Analyse

Start der Conference League mit Union Berlin: So viel Geld steckt im neuen europäischen Wettbewerb

20.08.2021, 20:22

Nach 20 Jahren ist Union Berlin zurück im internationalen Geschäft: Mit 4:0 gewinnen die Eisernen souverän beim finnischen Verein Kuopion Palloseura und machen damit einen großen Schritt in Richtung Gruppenphase. Für die Mannschaft von Trainer Urs Fischer ist diese Erfahrung nur möglich, weil die Conference League neu geschaffen wurde. Sie ist der dritte europäische Wettbewerb nach der Champions League und der Europa League. Die Berliner sind der einzige deutsche Teilnehmer.

"Der neue Uefa-Klub-Wettbewerb macht die Wettbewerbe inklusiver als jemals zuvor."
Uefa-Chef Aleksander Čeferin
wirbt für die Conference League

Doch wie dringend braucht es die Conference League? Viele deutsche Fans nehmen sie als reine Aufblähung des Fußball-Kalenders wahr. Das Ziel: Mehr TV- und Sponsoren-Einnahmen sollen generiert werden. Uefa-Präsident Aleksandr Čeferin sieht das anders.

Er will durch den neuen Wettbewerb mehr europäischen Verbänden den Zugang zum internationalen Fußball ermöglichen. Die offizielle Website der UEFA zitiert Čeferin mit diesen Worten: "Der neue Uefa-Klub-Wettbewerb macht die Wettbewerbe inklusiver als jemals zuvor. Es wird mehr Spiele mit mehr Klubs geben und mit mehr nationalen Verbänden in den Gruppenphasen."

Uefa-Boss Aleksander Čeferin.
Uefa-Boss Aleksander Čeferin.
Bild: www.imago-images.de / www.imagephotoagency.it

Der Aufbau der Conference League

Soweit hat Čeferin auch recht. Durch die Conference League wird es 16 Startplätze mehr in den Gruppenphasen geben. Die werden mit Klubs besetzt, die vorher nicht im europäischen Wettbewerb gespielt haben. Dadurch erhöht sich die Anzahl der Verbände, die in der Champions League, Europa League und Conference League vertreten sind, von 26 auf 34. Das heißt: acht Länder fiebern künftig auch im europäischen Geschäft mit. Das macht die Uefa als Werbepartner langfristig interessanter.

Und das kommt auf kurz oder lang auch der Uefa zugute. Denn: Von den 3,5 Milliarden Euro, die der europäische Spitzenverband als Werbeeinnahmen erhält, verteilt er zwar einen großen Anteil an die teilnehmenden Klubs. 190 Millionen Euro kassiert er allerdings selbst. Dieser Wert richtet sich anteilig nach den Einnahmen – er kann also bei einem Erfolg der Conference League auch steigen.

Wie attraktiv ist der Wettbewerb für Klubs?

Das hängt stark vom Heimat-Verband ab, in dem der Verein spielt – und von seiner finanziellen Situation. Heißt: Für Teams aus den großen Ligen wie England, Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland winkt nicht das große Geld. VfB Stuttgart-Sportdirektor Sven Mislintat sagte schon im März, als die Prämien für die Conference League noch nicht bekannt waren: "Finanziell scheint es nicht lukrativ, außer man kommt weit. Aber es geht gar nicht allein ums Geld verdienen. Wenn man sich für Europa qualifiziert, dann spielt man da auch und freut sich darauf." Die Conference League also als Wettbewerb, bei dem die Freude im Vordergrund steht?

VfB-Sportdirektor Sven Mislintat hat mit Stuttgart die Conference League knapp verpasst, dafür startet Union in den neuen Wettbewerb.
VfB-Sportdirektor Sven Mislintat hat mit Stuttgart die Conference League knapp verpasst, dafür startet Union in den neuen Wettbewerb.
Bild: www.imago-images.de / Cathrin Mueller

Nicht nur. Was für deutsche Klubs finanziell wenig attraktiv ist, wird es zum Beispiel für Unions Gegner Kuopion sein. Würden sich die Finnen gegen Union durchsetzen, bekämen sie für die Teilnahme an der Gruppenphase 2,94 Millionen Euro. Für jeden Sieg winken zusätzlich 500.000 Euro.

Zur Einordnung: Laut der Online-Plattform "transfermarkt.de" ist der Kader von Kuopion 5,95 Millionen Euro wert. Unions Spieler sind mehr als zehnmal mehr wert (80 Millionen Euro). Der wertvollste Spieler von Kuopion (Paulo Ricardo) ist 550.000 Euro wert: Diese Zahlen zeigen, dass für die Finnen alleine der Einzug in die Gruppenphase ein finanzieller Erfolg wäre.

Große Klubs müssen weit kommen, damit es sich lohnt

Daraus folgt: Für Klubs wie Union Berlin, AS Rom, FC Basel oder FC Kopenhagen könnte der Wettbewerb erst lukrativ werden, wenn sie weit kommen. Schließlich bringt der Wettbewerb auch zusätzliche Ausgaben mit sich: für einen größeren Kader, für die Reisen zu den Auswärtsspielen im europäischen Ausland. Diese Kosten müssen erst einmal ausgeglichen werden. Für das Halbfinale erhält ein Verein beispielsweise zwei Millionen Euro, für das Viertelfinale eine Million Euro. Bis zum Endspiel zwischen 12 und 13 Millionen Euro einplanen kann. Für einen Final-Sieg kämen noch zwei Millionen obendrauf.

Das heißt: Die großen finanziellen Profiteure dieses Wettbewerbs heißen nicht Rom, Basel oder Kopenhagen, sondern Shakhter Karagandy, FC Flora Tallinn oder Anorthosis Famagusta. Zumindest, wenn sie die Gruppenphase erreichen.

Die 15 Millionen Euro, die der Sieger am Ende des Wettbewerbs erhält, erscheinen allerdings wie Peanuts im Vergleich zu den Einnahmen, die den Vereinen in der Champions League winken. Nur für die Teilnahme an der Gruppenphase – und ohne auch nur ein Spiel bestritten zu haben – erhalten die Klubs dort schon 15,64 Millionen Euro.

Der Ablauf des neuen Wettbewerbs

Die Conference League läuft ähnlich wie die Champions League ab. In acht Gruppen à vier Mannschaften spielen die Teams um das Weiterkommen. Allerdings: Um in die Gruppenphase zu kommen, muss eine Playoff-Runde mit Hin- und Rückspiel überstanden werden. So wie es Union Berlin jetzt gegen Kuopion machen will.

Nach der Gruppe steht der Erste im Achtelfinale, während der Zweitplatzierte in einer Zwischenrunde gegen einen Gruppendritten aus der Europa-League antreten muss. Wer sich hier in Hin- und Rückspiel durchsetzt, kommt ebenfalls ins Achtelfinale. Im Anschluss werden über das Achtel-, Viertel- und Halbfinale die Finalisten erspielt.

Bayern ist der unbeliebteste Club und RB hat die meisten rechten Fans (sagt eine Studie)

Wer hätte das nur gedacht: Der FC Bayern München ist der unbeliebteste Club in Deutschland – noch vor RB Leipzig. Und der SC Freiburg wird von den meisten Fans in Deutschland als "bodenständig" beschrieben. Das sagt zumindest eine aktuelle Studie des Instituts "Statista", für die im Juni 3030 Fans aus Deutschland befragt wurden. Obacht: Die Studie ist nicht repräsentativ.

Rekordmeister Bayern München und Borussia Dortmund sind demnach die Clubs mit der größten Strahlkraft in der …

Artikel lesen
Link zum Artikel