Darts-Profi Peter Wright steht im Finale der Weltmeisterschaft.
Darts-Profi Peter Wright steht im Finale der Weltmeisterschaft.Bild: imago images / Shaun Brooks
Analyse

Darts-Insider erklärt, warum kein Deutscher im WM-Finale steht und das auch noch so bleiben wird

04.01.2022, 10:53

Zweimal in der 1. Runde ausgeschieden und zweimal Aus in der 3. Runde – auf den ersten Blick wirkt das Abschneiden der vier deutschen Darts-Spieler bei der WM in London sehr enttäuschend. Und dennoch: Wenn heute Abend der Schotte Peter Wright auf den Engländer Michael Smith trifft, wird in Deutschland das Duell um den WM-Titel von einem Millionenpublikum verfolgt werden.

Dass es auch dieses Jahr wieder kein deutscher Spieler über die 3. Runde hinaus geschafft hat, ist für Berliner Darttrainer Oliver Kaiser nicht verwunderlich.

Eine wirklich nachhaltige Verbesserung erwartet Kaiser, der seit zehn Jahren als Darts-Trainer arbeitet, frühestens in zehn Jahren. Doch es gibt eine Sache, die dem Randberliner im Gespräch mit watson für die kommenden Jahre Hoffnung macht: die zunehmende Professionalisierung des Sports.

Einer, der den Darts-Hype in Deutschland besonders befeuerte, war WM-Debütant Florian Hempel, der überraschend in die 3. Runde einzog und zuvor den Weltranglistenfünften Dimitri van den Bergh besiegte.

"Wir haben richtig gute Spieler, die sicherlich in den nächsten Jahren richtig was reißen können", sagte Hempel dem Sport-Informations-Dienst. Eine richtig große Leistung zu bringen, stecke "in jedem von uns".

Dieses Potenzial sieht auch Darts-Trainer Kaiser, der besonders Florian Hempels Performance als eine "grandiose Leistung" bewertete und den Auftritt des 16-jährigen deutschen Jungstars Fabian Schmutzler lobte.

Schmutzler muss "mental stabil bleiben"

Schmutzler war mit 16 Jahren der zweitjüngste WM-Teilnehmer aller Zeiten. Zwar schied er in der 1. Runde aus, doch "er ist mit 16 Jahren im Kopf schon extrem weit", bewertet Kaiser. Der Frankfurter hat dabei einen klaren Karriereplan im Kopf: Schule, Abitur und dann Studium. Fraglich, wie viel Zeit da noch für professionellen Darts-Sport bleibt.

Fabian Schmutzler während der Darts-WM im Londoner Alexander Palace
Fabian Schmutzler während der Darts-WM im Londoner Alexander PalaceBild: imago images / Shaun Brooks

"Dann kann es in die eine oder andere Richtung gehen. Man muss sich eigentlich auf eine Sache fokussieren, wenn man in die Weltspitze will", erklärt Oliver Kaiser. Aber fügt auch hinzu, dass er die Entscheidung hervorragend findet.

"Dadurch ist er abgesichert und hat nicht diesen Druck, wenn es nicht so läuft." Nun würde es vor allem darauf ankommen, dass er sich mental stabilisiert und er sich motorisch weiterentwickelt, um wirklich nachhaltig Erfolge zu feiern.

Zwischen Kneipen- und Leistungssport

Damit es künftig aber noch weitere deutsche Darts-Spieler bei einer WM gibt, muss sich im deutschen Darts-Sport laut Dartstrainer Kaiser die Jugendförderung grundlegend ändern, "dann kann sehr, sehr viel passieren."

Doch dazu muss der Darts-Sport in Deutschland seinen Ruf als Kneipensport weiter abbauen und eine gewisse Balance zwischen geselligem Freizeitspiel und Leistungssport finden.

"Wenn irgendwann die Struktur so ist, dass die Grundlagen gerettet werden können, werden auch immer mehr junge Leute und vielleicht auch Kinder in die Sportvereine."
Darts-Trainer Oliver Kaiser

Daher warnt Kaiser, der auch einen Spieler aus der deutschen Nationalmannschaft betreut: "Wenn man ein gewisses seriöses Angebot gibt, darf man natürlich die andere Seite, die das gemütliche Spielen in der Kneipe bevorzugt, nicht außer Acht lassen."

Trainingsangebot wird verbessert

Damit das seriöse Angebot aber künftig noch besser ausgebaut wird, gebe es durch den Deutschen Darts-Verband aktuell eine intensivere Trainerausbildung. Dass diese aber schon in den kommenden Jahren zum Erfolg führen, glaub Kaiser nicht. Viel mehr könne man damit frühestens in zehn Jahren rechnen.

Dass es bisher deutsche Spieler wie Clemens, Hempel, Martin Schindler oder Max Hopp regelmäßig zu Turniersiegen und WM-Teilnahmen geschafft haben, liegt laut Kaiser vor allem an ihrem Talent. Denn das Training sei noch zu viel Spielerei und zu wenig Fokus auf die motorische Entwicklung.

"Wenn irgendwann die Struktur so ist, dass die Grundlagen gerettet werden können, werden auch immer mehr junge Leute und vielleicht auch Kinder in die Sportvereine kommen." Besonders in Brandenburg und Leipzig gäbe es einige Vereine, die dort eine gute Jugend- und Nachwuchsarbeit leisten würden. Und fordert: "Es muss aus den Köpfen heraus, dass Darts nur werfen ist."

Diese Änderung der Strukturen könnte auch dazu führen, dass künftig Spielerinnen wie die beiden Britinnen Fallon Sherrock und Lisa Ashton, die bei der WM in Runde 1 rausflogen, keine Seltenheit mehr sind. Aber auch hier sei es wieder wichtig, dass der Darts-Sport in Deutschland strukturierter sei und nicht nur in Kneipen stattfinde. Denn genug gute Spieler hätte Deutschland laut Kaiser allemal.

Noch 2020 schaltete Deutschlands bester Dartsspieler Gabriel Clemens (r.) Peter Wright in Runde 3 aus. Am Montag steht Wright im WM-Finale.
Noch 2020 schaltete Deutschlands bester Dartsspieler Gabriel Clemens (r.) Peter Wright in Runde 3 aus. Am Montag steht Wright im WM-Finale. Bild: www.imago-images.de / Nigel Keene

Experte erwartet enges Finale

Wenn am Montagabend Peter Wright auf den Engländer Michael Smith trifft, sei besonders deutlich zu erkennen, wie wichtig auch die mentale Stärke im Darts-Sport ist.

1500 Fans werden am Montagabend beim Finale für eine ausgelassene Stimmung sorgen.
1500 Fans werden am Montagabend beim Finale für eine ausgelassene Stimmung sorgen. Bild: dpa / Steven Paston

So erkennt Kaiser, der ausgebildeter Sport-Mentaltrainer ist, besonders bei Smith eine enorme Wandlung im Vergleich zu den vergangenen Jahren.

"Das ist nicht mehr der Michael Smith, den man die Jahre vorher gesehen hat. Er hat im positiven Sinne eine extreme Leistungsentwicklung hinter sich."

Daher erwartet der Darts-Insider eine enge Partie, an dessen Ende Peter Wright Weltmeister wird.

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