Jamal Musiala debütierte erst im März für die deutsche Nationalmannschaft.
Jamal Musiala debütierte erst im März für die deutsche Nationalmannschaft.
Bild: Sven Simon / Frank Hoermann/SVEN SIMON
Analyse

Shootingstar Jamal Musiala: Ein entscheidender Faktor für das DFB-Team auf dem Weg in ein mögliches EM-Finale

24.06.2021, 12:3324.06.2021, 16:14

Es war die 84. Spielminute: Jamal Musiala ging ins Dribbling gegen drei ungarische Gegenspieler, zog in den Strafraum und legte den Ball zurück auf Leon Goretzka. Ein paar Sekunden später zappelte der Ball im Netz und die DFB-Elf steht nach dem glücklichen 2:2 gegen Ungarn im letzten Vorrundenspiel der EM im Achtelfinale.

Der erst 18-jährige Musiala hatte daran einen großen Anteil. Das sah auch Kapitän Manuel Neuer so: "Gerade die Einwechselspieler, die kamen, das war nochmal entscheidend. Jamal über außen, Leon im Zentrum. Wahnsinn, dass die Spieler, die von Jogi Löw eingewechselt wurden, das Spiel entschieden haben."

"Er war frech, seine Leistung war sehr ansprechend"
Bundestrainer Jogi Löw über Shootingstar Musiala

Der Bundestrainer bewies ein glückliches Händchen. Die eingewechselten Musiala, Werner und Goretzka waren alle am 2:2-Ausgleichstreffer beteiligt. Besonders der erst 18-jährige Jamal Musiala machte einen frischen Eindruck. Mit seiner unbekümmerten Spielweise und seinen dynamischen Dribblings brachte er ein fehlendes Element in das Spiel der DFB-Elf.

"Musiala hatte einige gute Situationen. Gerade wenn es ein wenig eng ist, hat er seine Stärken. Für einen so jungen Spieler hat er es gut gemacht. Er war frech, seine Leistung war sehr ansprechend", sagte Löw nach dem Spiel.

Musiala jetzt jüngster deutscher Turnierspieler

Musiala erlebte bislang keine ereignisreiche Europameisterschaft. Die Spiele gegen Frankreich und Portugal schaute er von der Tribüne aus. Der Bundestrainer fand keinen Platz für den 18-Jährigen im 23-Mann-Kader. Jetzt durfte er in den Spieltagskader, wurde prompt eingewechselt und verhalf der deutschen Mannschaft zum Remis gegen Ungarn.

Mit der Einwechslung gegen Ungarn wurde er zum jüngsten deutschen Spieler bei einem Turnier. Erst im Februar entschied sich Musiala für die deutsche Nationalmannschaft. Zuvor durchlief er alle Jugendnationalteams von England. 2019 wechselte er vom FC Chelsea zum FC Bayern und kommt da in 38 Spielen mittlerweile auf sieben Tore und eine Torvorlage. In der vergangenen Saison überzeugte er in seinen Auftritten, dass ihn im März auch der Bundestrainer zu den Länderspielen nominierte. Musiala ist offensiv flexibel einsetzbar. Besonders in engen Räumen, die gegen Gegner wie Ungarn üblich sind, kann er glänzen und im weiteren Turnierverlauf noch ein entscheidender Faktor werden.

Bis zur beschriebenen 84. Minute gab es viele Parallelen bei der DFB-Elf zum Ausscheiden bei der WM 2018. Eine knappe Auftaktniederlage, dann der Sieg im zweiten Spiel und alle gingen euphorisiert in das letzte Gruppenspiel. Und plötzlich lag die DFB-Elf nach elf Minuten mit 0:1 hinten: Der Mainzer Adam Szalai hatte die ungarische Nationalmannschaft in Führung geköpft.

Und danach war die Verunsicherung im Team spürbar. Die deutsche Nationalmannschaft rannte an, doch kam aus dem Spiel heraus kaum zu Torchancen. Viel Ballbesitz, aber zu wenig Torgefahr. Auch das kannte man aus den vergangenen Jahren von der Nationalelf.

Kimmich sah den zweiten Treffer kritisch

Der zwischenzeitliche Ausgleichstreffer von Kai Havertz wurde zur Randnotiz, denn 15 Sekunden danach lag Deutschland erneut mit einem Treffer hinten. "Das darf einfach niemals passieren, wenn du bei so einem Turnier was erreichen willst", sagt Leon Goretzka. Auch Joshua Kimmich sah den erneuten Gegentreffer kritisch: "Gerade nach dem 1:1, da denken wir, dass wir es jetzt drehen – und dann kriegst du 20 Sekunden später das 1:2. Wir machen einfach zu viele Fehler."

Die DFB-Elf rannte weiter unermüdlich an. Den Willen konnte man der Mannschaft von Joachim Löw nicht absprechen – und dann kam Jamal Musiala und leitete den Ausgleichstreffer ein. Eine große Erleichterung für alle.

Leon Goretzka mit seinem Torjubel nach dem 2-2 Ausgleichstreffer und einer Botschaft an die ungarischen Fans
Leon Goretzka mit seinem Torjubel nach dem 2-2 Ausgleichstreffer und einer Botschaft an die ungarischen Fans
Bild: dpa / Lukas Barth

Im Achtelfinale wartet nun England. Joachim Löw erwartet ein völlig anderes Spiel. Die Engländer müssten offensiver spielen und dann würden sich mehr Räume für die deutsche Mannschaft ergeben: "Das wird ein absolutes Highlight. Wir werden anders auftreten als heute, so viel kann ich versprechen", so Löw nach dem Unentschieden gegen Ungarn.

"Aber Wembley: Geil, ein schöneres Spiel gibt es fast nicht!"
Kimmich freut sich auf das Achtelfinale gegen England

Die Engländer setzten sich in einer Gruppe mit Kroatien, Tschechien und Schottland als Gruppenerster durch. Doch so richtig überzeugend war dabei kein Spiel. Zwei 1:0-Siege gegen Tschechien und Kroatien und ein torloses Remis gegen Nachbar Schottland. Klingt auf dem Papier souverän, doch besonders die spielerische Leistung war bislang nicht überzeugend. Dabei hat England in Rashford, Sterling oder auch Sancho überragende Einzelspieler, die können das aber bislang noch nicht auf den Platz bringen.

Ehemalige englische Nationalspieler sprechen sich für Sancho aus

Für Dortmund erzielte Sancho in der vergangenen Saison 16 Tore und 20 Assists, in Englands Team ist aber scheinbar kein Platz für ihn. Der 21-Jährige durfte bislang sechs Minuten spielen. Zum Auftakt gegen Kroatien wurde er von Teammanager Gareth Southgate nicht mal in den Kader berufen. Das ist auch für den ehemaligen englischen Nationalspieler Rio Ferdinand nicht zu erklären: "Er ist einer unserer kreativsten Spieler und hat noch nicht gespielt." Auch der frühere Torjäger Wayne Rooney hatte sich für Sancho ausgesprochen.

Der weitere Turnierbaum verspricht für den Sieger der Partie England-Deutschland eine gute Ausgangsposition. Zumindest auf dem Papier. Im Viertelfinale wartet der Sieger aus Schweden/Ukraine und im Halbfinale ein Team aus Niederlande, Tschechien, Dänemark oder Wales. Die andere Turnierhälfte verspricht schwieriger zu werden: Belgien, Italien, Spanien, Kroatien, Frankreich, Schweiz, Portugal und Österreich.

Nach dem Krimi gegen Ungarn und der Angst vor dem erneuten Ausscheiden, blickte Joshua Kimmich voller Vorfreude auf das Achtelfinale: "Ich hoffe, dass wir jetzt im Turnier angekommen sind. Das wollen wir gegen England zeigen, gerade nachdem wir jetzt drei verschiedene Spiele gesehen haben. Aber Wembley: Geil, ein schöneres Spiel gibt es fast nicht!"

(drob)

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