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Marco Reus (l.) und Edin Terzic, der Interimstrainer von Borussia Dortmund. Das Foto ist aus dem Jahr 2018. Bild: imago sportfotodienst / Eibner

Edin Terzics Taktikkniff mit Marco Reus: BVB-Star glänzt auf neuer Position

Drei kleine Veränderungen in der Startelf, drei Punkte mehr auf dem Konto. So könnte man das Debüt von Edin Terzic als Interimstrainer von Borussia Dortmund zusammenfassen.

Viel Zeit hatte der 38-Jährige nicht, sich auf das Spiel am Dienstagabend gegen Werder Bremen (2:1) vorzubereiten. Terzic wurde quasi über Nacht zum Nachfolger von Cheftrainer Lucien Favre ernannt, der am Sonntag, einen Tag nach der 1:5-Schlappe gegen den VfB Stuttgart, beurlaubt worden war.

Das Spiel im Schnelldurchlauf:

Der BVB erwischte einen guten Start und ging früh durch Raphael Guerreiro in Führung (12. Minute). Trotz Dortmunder Dominanz traf Kevin Möhwald zum 1:1 (29.). BVB-Kapitän Marco Reus scheiterte nach der Pause mit einem Foulelfmeter zunächst an Werders Keeper Jiri Pavlenka, nutzte aber den Nachschuss zum 2:1.

Doch offenbar traf Terzic innerhalb dieser kurzen Zeit genau die richtigen Entscheidungen, die am Ende zum Sieg gegen die Bremer führten.

BVB-Sieg gegen Werder: Systemumstellung – Can raus, Moukoko rein – Reus auf die Acht

Eine Glanzleistung der Borussia war es nicht, vielmehr ein Arbeitssieg. Trotz spielerischer Überlegenheit tat sich der Vizemeister gegen die Norddeutschen lange schwer. Der BVB legte dabei aber wieder Tugenden an den Tag, die Terzic schon bei seiner offiziellen Vorstellung am Montag versprach: "Glaube", "Mut", Willen", "sich gemeinsam wehren".

Edin Terzic

"Konnten einigermaßen wettmachen, was Samstag schiefgelaufen ist", sagte Edin Terzic. Bild: www.imago-images.de / Revierfoto

"Ich fand es sehr gut und ich bin stolz drauf, dass wir von Anfang bis Ende alles gegeben haben, das gehört dazu", sagte Terzic nach Abpfiff bei Sky: "Spielerisch war es nicht so, wie wir uns das bis zum Ende vorstellen. Wir haben es phasenweise ganz ordentlich gemacht, aber viel wichtiger war heute, dass wir eine Reaktion gezeigt haben als Mannschaft. Wir sind stolz darauf, dass wir das einigermaßen wettmachen konnten, was Samstag schiefgelaufen ist."

Terzic schickte nach dem Stuttgart-Debakel eine Startelf auf den Platz, die nicht viel anders aussah, als jene, die sein Vorgänger zuletzt wählte. Aber der neue Trainer justierte drei Dinge: Er stellte um auf Viererkette, Defensivspezialist Emre Can setzte er auf die Bank, dafür nominierte er erstmals das erst 16 Jahre alte Talent Youssoufa Moukoko im Sturmzentrum.

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Youssoufa Moukoko (r.) im Duell mit Werder-Verteidiger Ömer Toprak. Bild: www.imago-images.de / nordphoto

Der Teenager konnte zwar nicht sein Tordebüt feiern, bekam aber nach Abpfiff ein Sonderlob vom Coach: "Youssoufa hat das super gemacht für die Mannschaft. Es ging nicht darum, dass er das Siegtor schießt, sondern dass er für die Mannschaft arbeitet."

Und besonders wichtig war Terzics Schachzug, Kapitän Marco Reus im Mittelfeld etwas defensiver aufzustellen, als er es gewohnt ist.

Marco Reus als Achter: Glanzleistung auf ungewohnter Position

Der Offensivallrounder bekleidete in Terzics Premierenspiel die für ihn ungewohnte Achterposition im Mittelfeld neben Jude Bellingham, dahinter spielte Axel Witsel auf der Sechs und sicherte ab. Das Trio machte einen guten Job, übte viel Druck auf die Werder-Spieler im Mittelfeld aus.

Terzic sagte dazu: "Wir wollten mit Ballpressing aktiv auf den Gegner einwirken. Marco [Reus] haben wir auf diese Position gestellt, damit wir die Wege für ihn so klein wie möglich halten. Der Weg bei Balleroberungen ist dadurch kürzer."

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Zwei Torschützen im Zweikampf: BVB-Kapitän Marco Reus (l.) ringt mit Bremens Kevin Möhwald. Bild: www.imago-images.de / nordphoto

Kapitän Reus suchte von seiner zurückgezogenen Position aber auch oft den Weg in die Offensive und unterstützte die drei Stürmer Jadon Sancho, Youssoufa Moukoko und Giovanni Reyna.

Reus zeigte dabei eine seiner besten Saisonleistungen, wirbelte phasenweise wie in besten Zeiten. In der 78. Minute schoss er Borussia Dortmund per Strafstoß-Nachschusstor zum Sieg: "Mein Elfmeter war schlecht geschossen", gab der 31-Jährige zu. "Ich habe mich im letzten Moment noch umentschieden. Ich bin glücklich, dass es im Nachschuss geklappt hat und wir gewonnen haben." Sechs Minuten zuvor hatte Reus schon eine gute Tormöglichkeit per Flugkopfball.

BVB: Terzic lobt Reus, Reus lobt Terzic

Terzic war zufrieden mit der Leistung von Marco Reus, sagte nach der Partie bei Sky: "Marco ist ein extrem wichtiger Spieler, nicht nur für uns, sondern für ganz Deutschland. Er hat heute unglaublich viele Meter und das Siegtor gemacht, wir sind extrem zufrieden."

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Marco Reus verwandelt seinen "schlecht geschossenen" Elfmeter im Nachschuss. Werder-Keeper Jiri Pavlenka hat das Nachsehen. Bild: www.imago-images.de / Revierfoto

Zufrieden war auch Marco Reus. Zu den drei Änderungen, die Terzic in der Staraufstellung vorgenommen hat, erklärte er: "In erster Linie haben wir in einer anderen Grundformation gespielt, dass die Abläufe da noch nicht so stimmen, ist normal. Aber einfach der Glaube, dass wir eine gute Mannschaft sind, wenn wir alles zusammen machen, defensiv und offensiv."

Ein Kompliment für den neuen Coach gab's vom Kapitän obendrein: "In der kurzen Zeit ist es extrem schwierig für ihn, großes Kompliment an ihn, wie er das in den letzten zwei, drei Tagen gemeistert hat."

Am Freitag geht es für den BVB schon gegen Union Berlin weiter

Und auch bis zum nächsten Spiel bleibt nicht viel Zeit. Bereits am Freitag gastiert der BVB bei Union Berlin, zwei Tage vor Weihnachten steht noch ein Pokalspiel beim Zweitliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig an, und schon am 3. Januar geht es in der Liga mit einem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg weiter.

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Jubelnde Dortmunder: Die Aufgabe gegen Werder Bremen hat der BVB gemeistert. Bild: www.imago-images.de / Revierfoto

Terzic soll im Eiltempo den BVB wieder in die Erfolgsspur bringen. Die Niederlage gegen Stuttgart, die Favre den Job kostete, sitze "bei den Jungs irgendwo noch tief drin", erklärte Terzic, "da ist auch eine Form von Druck da, das hat man auch gemerkt. Aber viel wichtiger ist, dass wir das Spiel heute nicht nur gewonnen, sondern auch verteidigt haben." Gegen Werder zeigte das Team immerhin, dass es die fußballerischen Primärtugenden immer noch auf den Rasen bringen kann: "Glaube", "Mut", Willen", "sich gemeinsam wehren". Tugenden, die unter Favre nicht immer erkennbar waren.

(as)

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