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Sami Khedira stand am Dienstag das erste Mal bei Hertha BSC auf dem Trainingsplatz. Bild: imago images / Matthias Koch

Analyse

"Er ist nicht der Retter": Hertha-Experte über den Wechsel von Sami Khedira

Sami Khedira hat in seiner Karriere als Fußballer eigentlich schon alles erreicht. Deutscher Meister, spanischer Meister, italienischer Meister, Weltmeister und Champions-League-Sieger – doch vor seiner wohl härtesten Aufgabe steht der 33-Jährige nun bei seinem neuen Verein Hertha BSC. Statt Europapokal-Ambitionen stecken die Berliner auf Platz 15 mitten drin im Abstiegskampf. Ob Khedira bereits am Freitagabend im Heimspiel gegen den FC Bayern auf dem Feld stehen wird, ließ Trainer Pal Dardai noch offen, formulierte jedoch klar seine Erwartungen.

"Er ist nicht der große Retter. Man kann nicht erwarten, dass er das Team um 180 Grad dreht. Aber er kann das wichtige Puzzleteil sein, das gefehlt hat", erklärt Hertha-Experte Marc Schwitzky gegenüber watson. Der 25-jährige Sportjournalist ist Gründer der "HerthaBase", dem größten Blog über den Berliner Verein. Seit sechs Jahren begleitet er den Klub durch alle Höhen und Tiefen.

Umbruch bei der Hertha ist gescheitert

Die Hoffnungen in den Weltmeister von 2014 sind enorm groß. Er soll der dringend benötigte Führungsspieler werden und der jungen und inkonstanten Mannschaft mit seiner Erfahrung die nötige Stabilität verleihen. "Khedira ist aber auch ein Eingeständnis dafür, dass der Umbruch im vergangenen Jahr gescheitert ist", ordnet Marc Schwitzky ein. Im Sommer 2020 verließen mit Salomon Kalou, Vedad Ibisevic, Thomas Kraft und Per Skjelbred gleich vier wichtige Führungsspieler den Verein. Den Verlust konnte Ex-Manager Michael Preetz trotz zahlreicher Einkäufe nicht auffangen.

"Es wurde kein Spieler geholt, der in ihre Fußstapfen treten konnte und kein Akteur aus dem aktuellen Kader konnte diese Rolle einnehmen. Khedira hat schon alles gesehen und erlebt und soll die Mannschaft jetzt in der Kabine und auf dem Feld anleiten", erklärt der Hertha-Experte. "Aber so eine Hierarchie muss organisch wachsen und dafür ist ein bisschen wenig Zeit."

Khediras Erfahrung wollte Hertha-Trainer Pal Dardai bereits am Freitagabend gegen den FC Bayern nutzen und ihn mindestens 45 Minuten einsetzen, erklärte er auf der Pressekonferenz zum Spiel am Mittwoch. "Aber mal sehen, ob ich das mache. Er hat lange nicht gespielt und wir wollen keine muskulären Probleme verursachen", erklärte der Ungar. Sein Fitnesszustand sei "vielleicht noch nicht so weit, aber wenn der Moment kommt, dann muss er als Organisator viel leisten", forderte Dardai.

Khedira ist seit einem Jahr ohne Spielpraxis

Und die körperliche Verfassung ist bei Khedira wohl das größte Fragezeichen. Seine letzte Partie für seinen Ex-Klub Juventus Turin absolvierte er am 12. Juni 2020. Bei seiner Vorstellung am Dienstag erklärte Khedira aber, dass er durch das tägliche Training in Turin mit beispielsweise Cristiano Ronaldo fit sei. Aber: "Spielpraxis hat er nicht und es wird spannend, wie schnell er sich akklimatisieren kann. Man sollte keine Wunderdinge erwarten", sagt Schwitzky.

Db Torino 19/10/2019 - campionato di calcio serie A / Juventus-Bologna / foto Daniele Buffa/Image nella foto: Cristiano Ronaldo-Sami Khedira PUBLICATIONxNOTxINxITA

Gemeinsam mit Cristiano Ronaldo spielte er bei Real Madrid und Juventus Turin: Sami Khedira (l.). Bild: imago images / www.imagephotoagency.it....

Ein Punkt lässt Khediras Hertha-Wechsel plötzlich fragwürdig erscheinen

Neben seiner Fitness ist vor allem Herthas Personalplanung ein großer Punkt, der Khediras Verpflichtung fragwürdig erscheinen lässt. Mit Vladimir Darida, Santiago Ascacibar, Lucas Tousart, Matteo Guendouzi, Eduard Löwen und Niklas Stark stehen bereits sechs zentral-defensive Mittelfeldspieler im Kader der Berliner. "Es wird schwierig, das zu moderieren und spannend, wie Dardai ihn taktisch einbinden wird", erklärt der Hertha-Experte.

Bayern-Trainer Hansi Flick freut sich

Bayern Münchens Trainer Hansi Flick hat sich auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Hertha BSC ebenfalls lobend über Sami Khedira geäußert. "Ich freue mich für ihn und die Liga. Es ist schön, dass er zurückgefunden hat." Der Bayern-Coach kennt Khedira aus der Nationalmannschaft, gemeinsam wurden sie 2014 in Brasilien Weltmeister, doch der Kontakt riss auch im Anschluss nicht ab. "Der Kontakt war immer sehr gut. Wir haben uns oft ausgetauscht und getroffen", erzählte der 54-Jährige. Besonders hob er dabei seine Leader-Fähigkeiten hervor. "Er kann eine Mannschaft führen."

Bei Real war er der unermüdliche Arbeiter und hat Cristiano Ronaldo den Rücken freigehalten, während er bei Juventus Turin eine offensivere Rolle einnahm und sogar torgefährlich wurde.

Sportlich können die Berliner vom 33-Jährigen eigentlich beides gebrauchen. Zweikampfstärke in der Defensive und auch immer wieder Torgefahr aus dem Mittelfeld. Denn aktuell ist Matteo Guendouzi der einzige Mittelfeldspieler der Hertha, der überhaupt Tore (2) erzielt hat. Auch ein Grund, warum Hertha auf Platz 15, punktgleich mit Arminia Bielefeld auf Relegationsrang 16 steht.

"Jetzt geht es ums Überleben, wir müssen gewinnen, kämpfen, Mentalität und Leidenschaft zeigen", sagte Khedira auf der Klub-Internetseite und dabei wolle er "mit meinen Charaktereigenschaften helfen".

Zunächst hat der 77-malige deutsche Nationalspieler nur einen Vertrag bis zum Sommer unterschrieben, doch ein Verbleib scheint durchaus möglich. "Hertha bekommt durch Khedira noch mehr Aufmerksamkeit. Die Dinge werden kritischer gesehen und das Potenzial, sich lächerlich zu machen, kann nur gesteigert werden", sagt Marc Schwitzky.

Besonders die vergangenen eineinhalb Jahre hätten gezeigt, dass prestigeträchtige Namen eben nicht automatisch dazu führen, dass Hertha um die europäischen Plätze mitspielt. "Hertha würde guttun, perspektivischer zu denken. Klar, es gehören ein, zwei große Namen dazu, aber das kann nicht das entscheidende Kriterium sein", erklärt der Experte.

Doch zunächst machte Pal Dardai klar, worum es für die Hertha in den kommenden Wochen im Abstiegskampf gehen wird: "Punkten, punkten, punkten." Mit dieser Herausforderung kann sich Sami Khedira anfreunden. "Egal, ob du um Titel spielst oder im Abstiegskampf steckt – was zählt, sind Siege."

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