Turid Knaak (l.) absolvierte 16 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft
Turid Knaak (l.) absolvierte 16 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaftbild: IMAGO / HMB-Media
Analyse

"Mittlerweile Alltag": Ex-Nationalspielerin Turid Knaak über Corona beim DFB-Team und Gruppengegner Spanien

12.07.2022, 15:34

Die Stimmung im deutschen Frauen-Nationalteam war nach dem überragenden 4:0-Auftaktsieg gegen Dänemark am Freitag enorm euphorisch. Die Vorfreude auf das Top-Spiel gegen Spanien am Dienstagabend in Brentford riesig. Bis Montagmittag. Dann kommunizierte der DFB, dass Nationalstürmerin Lea Schüller positiv auf Corona getestet wurde.

"Nach zwei Jahren Pandemie ist es ein bisschen Alltag geworden. Man kennt die Situation und weiß damit umzugehen. Der Rest der Mannschaft scheint negativ zu sein, daher können die Spielerinnen sich auch ganz gut auf das Spiel fokussieren", beruhigt Ex-Nationalspielerin Turid Knaak im Gespräch mit watson.

"Wenn es in die Gruppenphase geht, will man sowieso Erster werden."
Ex-Nationalspielerin Turid Knaak über den Anspruch an das DFB-Team

Die 31-Jährige absolvierte 16 Länderspiele und gewann in der abgelaufenen Saison die Deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal mit dem VfL Wolfsburg. Im Sommer beendete sie unter anderem nach Stationen in Wolfsburg, bei Atlético Madrid und dem FC Arsenal ihre Karriere.

Schon vor dem positiven Test von Schüller war das DFB-Team in Bezug auf Corona enorm vorsichtig und hatte sogar einen separaten Flügel im Hotel in Brentford angemietet. Dennoch treffen die Spielerinnen natürlich auch Familie und Freunde vor Ort oder wollen für Fans nahbar sein. "Das muss sich in solchen Zeiten immer ein bisschen die Waage halten. Aber man kann während des Turniers nicht komplett den Kontakt nach außen verlieren", sagt Knaak, die 2019 bei der WM dabei war.

Und auch Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg verdeutlichte: "Wir wissen, dass wir in öffentlichen Bereichen unterwegs sind und natürlich war uns klar, dass wir nur eingeschränkt eine Blase aufrechterhalten können."

Turid Knaak (Nummer 22) und Melanie Leupolz (l.) bekommen Anweisungen von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg (r.).
Turid Knaak (Nummer 22) und Melanie Leupolz (l.) bekommen Anweisungen von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg (r.).bild: IMAGO / ActionPictures

Voss-Tecklenburg kritisiert Uefa für Corona-Regelung

Dass Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg die Uefa am Montag deutlich kritisierte, dass bei den Frauen lediglich ein 23er-Kader erlaubt ist, während die Männer 26 Spieler für die WM nominieren dürfen, kann die ehemalige Stürmerin gut nachvollziehen.

"Man hätte sicherlich andere Regelungen finden können als diesen festen Kader, weil Corona eine besondere Situation ist", sagt Knaak, die während des Turniers als ZDF-Expertin im Einsatz ist.

Der DFB hatte im Vorfeld des Turniers sogar einen Sonderantrag bei der Uefa gestellt, der jedoch abgelehnt wurde.

"Vielleicht trafen Menschen die Entscheidung, die gar nicht daran gedacht haben, dass Corona im Sommer noch ein Thema ist", fügt sie hinzu.

Alexandra Popp wird Schüller im Sturmzentrum ersetzen

Die Bundestrainerin wollte auf der Pressekonferenz nochmal bewusst "den Finger in diese Wunde legen", da die aktuellen Regelungen "nicht dem Fair-Play-Gedanken" entsprechen.

Einen großen Qualitätsverlust sollte der Ausfall von Schüller nicht bedeuten. Die Stürmerin des FC Bayern wird, wie schon im ersten Gruppenspiel, durch Kapitänin Alexandra Popp ersetzt. Für das DFB-Team ändert sich laut Knaak dadurch nicht viel. Beide seien ähnliche Typen und absolute Straftraumstürmerinnen, die per Flanken in Szene gesetzt werden können, aber durch ihre körperliche Präsenz auch Bälle festmachen.

Vielmehr gehe es laut Knaak darum, den "Schwung mitzunehmen, die gleiche Leistung wie gegen Dänemark zu bringen und gar nicht die Welt verändern zu wollen."

Spaniens Trainer Vilda will DFB-Team zum ersten Mal schlagen

Kleine Anpassungen werden aber dennoch nötig sein. Denn Spanien wird sich durch das deutsche Pressing wohl nicht so schnell verunsichern lassen wie Dänemark im Auftaktspiel. Daher erklärt die ehemalige Nationalspielerin:

"Spanien ist auf jeden Fall in der Lage, sich aus dem Pressing spielerisch zu lösen und da muss das deutsche Team etwas bedachter vorgehen und die Räume noch enger machen."

Neben der spielerischen Qualität zeigen die Spanierinnen bei diesem Turnier eine bisher unbekannte Standardstärke. Beim 4:1-Auftaktsieg gegen Finnland trafen sie nach ruhenden Bällen dreimal per Kopf und einmal per Elfmeter.

"In den letzten Jahren hat der spanischen Mannschaft eigentlich immer genau das gefehlt: Sie haben oft gut gespielt, aber am Ende vergessen, die Tore zu schießen", kommentiert Knaak.

Nationaltrainer Jorge Vilda nutzt das, um direkt eine Kampfansage an das DFB-Team zu schicken. Seit seinem Amtsantritt 2015 konnte er noch keine seiner sechs Partien gegen die deutsche Mannschaft gewinnen. "Ich denke, dass es jetzt die beste Gelegenheit ist, Deutschland zum ersten Mal zu schlagen", glaubt er.

Durch ihre Zeit bei Atlético Madrid weiß auch Turid Knaak, "dass den Spanierinnen sehr viel daran liegt, endlich die Deutschen zu schlagen. Sie brennen und möchten das bei der EM auf jeden Fall schaffen."

Turid Knaak absolvierte 26 Spiele für Atlético Madrid.
Turid Knaak absolvierte 26 Spiele für Atlético Madrid.bild: IMAGO / Poolfoto

Gruppensieger geht England im Viertelfinale aus dem Weg

Ein Sieg ist eigentlich für beide Nationen Pflicht. Denn als Gruppenerster geht man einem Duell mit England im Viertelfinale aus dem Weg. Der 8:0-Sieg gegen Norwegen am Montagabend hat mächtig Eindruck hinterlassen.

Das DFB-Team freut sich über das zwischenzeitliche 2:0 gegen Dänemark.
Das DFB-Team freut sich über das zwischenzeitliche 2:0 gegen Dänemark. bild: IMAGO / Michaela Merk

Dass das für zusätzlichen Druck im DFB-Team sorgt, glaubt Turid Knaak hingegen nicht. "Im Unterbewusstsein realisiert man das vielleicht schon ein bisschen, aber es ist nicht der primäre Gedankengang. Wenn es in die Gruppenphase geht, will man sowieso Erster werden."

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