Rick Goldmann (l.) mit dem ehemaligen Eishockey-Profi Basti Schwele.
Rick Goldmann (l.) mit dem ehemaligen Eishockey-Profi Basti Schwele.Bild: imago sportfotodienst / osnapix
Analyse

Ex-Nationalspieler Goldmann sieht deutsches Eishockey-Team bei Olympia "unter den Top 8"

11.02.2022, 15:15

Mit großen Erwartungen und Hoffnungen ist das deutsche Eishockey-Team in die Olympischen Spiele in Peking gestartet. Als Silbermedaillengewinner von 2018 und Halbfinalist bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr hatte das Team von Trainer Toni Söderholm allen Grund dafür. Trotzdem ging der Start ins Turnier schief.

1:5 verlor die deutsche Mannschaft gegen den Weltranglistenersten aus Kanada. Schon nach dem ersten Drittel stand es 0:3. Deutschlands Torschütze Tobias Rieder versuchte die Niederlage im Nachhinein zu erklären: "Es ist natürlich schwierig, wenn man drei schnelle Gegentore bekommt, gegen so eine Mannschaft zurückzuschlagen. Am Ende war nicht mehr drin."

Olympiamodus gut zum Einspielen

Trotz der Auftaktniederlage ist für das deutsche Team aber noch alles offen. Das weiß auch ARD-Experte und Ex-Nationalspieler Erich "Rick" Goldmann. Er weist gegenüber watson auf den Modus des olympischen Turniers hin: "Richtig entscheidend wird es erst in den K.O.-Spielen. Theoretisch könntest du als Vierter in der Gruppe, wenn du kein Spiel gewonnen hast, noch Olympiasieger werden."

Denn: Alle zwölf Teams aus den drei Gruppen kommen auch in die K.O.-Phase. Der Vierte einer Gruppe hätte dann einen schweren Weg ins Finale, trotzdem ist eine Medaille möglich. Dennoch sind gute Ergebnisse in der Gruppe und vor allem am Samstag gegen China (9.40 Uhr) aus Goldmanns Sicht wichtig:

"Als deutsche Mannschaft willst du von Beginn an Schwung und Selbstvertrauen aufbauen."
Rick Goldmann über die Bedeutung der Gruppenphase

Dabei sollte eigentlich helfen, dass das Team eingespielt ist, viele Spieler kennen sich aus vorangegangenen Turnieren. "Letztes Jahr bei der WM waren 19 Spieler dabei, vom Olympiakader von Pyeongchang sind noch zehn Spieler in Peking. Die Jungs, die auf dem Eis stehen, kennen sich."

Grundsätzlich traut Goldmann dem deutschen Team mindestens das Viertelfinale zu. "Wenn man sich die Kader anschaut, steht das deutsche Team definitiv unter den Top 8. Für den Schritt ins Halbfinale oder darüber hinaus gehört Glück dazu und es muss einfach viel passen", erklärt der 126-fache deutsche Nationalspieler.

Das deutsche Team könnte auch ein wenig davon profitieren, dass die Spieler aus der amerikanischen NHL nicht am olympischen Turnier teilnehmen dürfen. Die Angst vor der Verletzungsgefahr der Klubs ist zu hoch. Und die zahlen am Ende das Gehalt.

Top-Star Draisaitl fehlt dem Team

Zwar fehlen Deutschland dadurch Topstar Leon Draisaitl oder Talente wie Tim Stützle oder Moritz Seider. Goldmann schätzt die Situation für das deutsche Team aber nicht so dramatisch ein. "Bei den Top-Nationen fehlt die Qualität. Dadurch sind sehr viele Teams auf einem ähnlichen Niveau. Ich erwarte deshalb sehr, sehr spannende Olympische Spiele."

Ein Umstand, der während des Turniers wichtig werden könnte, ist die enge Taktung der Spiele. "Die deutsche Mannschaft spielt innerhalb vier Tagen drei Spiele in der Vorrunde", erklärt Goldmann. Die anschließenden vier Runden von der Viertelfinal-Qualifikation bis zum Finale erstrecken sich über sechs Tage. Auch kaum Zeit, um durchzuatmen.

"Die Belastung ist eine Kopfsache. Grundsätzlich haben sie alle Teams und müssen damit klarkommen."
Eishockey-Experte Rick Goldmann über die Belastung bei Olympia

Goldmann, der sich schon vor Olympia auf die Übertragungen gemeinsam mit Tom Scheunemann für die ARD gefreut hat, erklärt: "Die Belastung ist eine Kopfsache. Grundsätzlich haben sie alle Teams und müssen damit klarkommen."

Die Spieler aus der deutschen Liga spielen meistens freitags und sonntags. Manchmal kommt noch ein Mittwochsspiel obendrauf. "Für Eishockeyspieler in Nordamerika ist es durchaus üblich, mehrere Spiele in so kurzer Zeit zu haben. Aber sie müssen sehr, sehr auf ihren Körper achten", ergänzt Goldmann.

Goldmann selbst hat diese Belastung auch schon erfahren. 2002 bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City war er im Kader. Das Team absolvierte da ebenfalls drei Vorrundenspiele in vier Tagen. Er kann deshalb auch den besonderen Reiz von Olympischen Spielen bestens beschreiben:

"Der größte Unterschied zu einer WM ist die Vermischung der Nationen und der Sportarten. Es entsteht im Olympischen Dorf ein "Wir-Gefühl" unter den Sportlern. Wir haben uns in die Kantine gesetzt und saßen neben Sportlern und Sportlerinnen aus verschiedensten Ländern. Das hast du sonst nicht."
Rick Goldmann im Trikot der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2010.
Rick Goldmann im Trikot der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2010.null / imago images

"Olympia in Peking wegen Corona anders"

Auch die Eröffnungsfeier sei ein emotionaler Moment, den er sein "ganzes Leben nicht" vergesse. Trotzdem seien die Spiele in Peking alleine wegen Corona anders.

Kurz nach der Ankunft gab es beim Eishockey-Team Corona-Verdachtsfälle, die sich später als falsch herausgestellten. Dass dieser Vorfall negative Auswirkungen auf die Mannschaft haben könne, glaubt Goldmann nicht, weil "sehr schnell klar war, dass alle negativ sind."

Gleichzeitig dürfen sich die Spieler laut Goldmann nicht zu sehr mit Corona beschäftigen. "Aber sie müssen sich an die Regeln halten und versuchen, den Kopf freizukriegen." Man werde erst während des Turnierverlaufs wissen, "ob die Sportler von Corona-Fällen verschont bleiben."

Er habe allerdings die Hoffnung, "dass alle Vorkehrungen etwas bringen und nicht die Mannschaft Olympiasieger wird, die am gesündesten geblieben ist."

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