Mats Hummels (Nummer 5) und Thomas Müller (Nummer 25) gaben ihr Comeback im DFB-Trikot.
Mats Hummels (Nummer 5) und Thomas Müller (Nummer 25) gaben ihr Comeback im DFB-Trikot.Bild: dpa / Federico Gambarini
Analyse

"Radio Müller" sendet auch beim DFB und Hummels mit Licht und Schatten – So lief das Comeback von Thomas Müller und Mats Hummels im DFB-Team

03.06.2021, 06:2603.06.2021, 14:01

Thomas Müller lächelte gewohnt verschmitzt in Richtung Fernseh-Kamera, während Mats Hummels fröhlich mit seinem Dortmunder Vereinskollegen Thomas Delaney auf dem Platz das Trikot tauschte. Beim nicht wirklich überzeugenden 1:1 im Testspiel gegen Dänemark fügten sich die beiden Rückkehrer nach zweieinhalb Jahren Pause im DFB-Trikot wieder gut in das Team ein. "Sie haben eine gute Leistung gezeigt. Es braucht aber noch das ein oder andere Spiel zur Feinabstimmung. Beide waren lange nicht dabei und haben so mit dem ein oder anderen noch nicht zusammengespielt", sagte Bundestrainer Joachim Löw nach dem Spiel bei RTL.

"Es war intensiv. Wir haben viel Gutes gesehen, aber hatten in der zweiten Halbzeit eine Phase, wo wir nicht in die Zweikämpfe gekommen sind", analysierte Thomas Müller nach dem Spiel bei RTL. Auch der DFB-Coach sah bei seiner Mannschaft "Licht und Schatten". Die deutsche Mannschaft verspielte erneut eine 1:0-Führung und schaffte es nicht, eine gewisse Euphorie für das letzte Turnier des Bundestrainers zu entfachen.

Gegen die Dänen bildete Thomas Müller auf ungewohnter Position als zentraler Stürmer gemeinsam mit seinen Vereinskollegen Serge Gnabry und Leroy Sané die offensive Dreierreihe. Dabei waren alle drei viel auf dem Feld unterwegs und versuchten, häufig die Positionen zu wechseln.

Die Laufwege in der Offensive passen noch nicht

Löw forderte vor dem Spiel von seinen Angreifern eine gewisse Tiefenstaffelung. Sie sollen mehrere Ebenen bilden, um Anspielstationen und Räume zu schaffen. Das gelang in der ersten Halbzeit viel zu selten. Anders als im Verein hatte Müller hier keinen Robert Lewandowski vor sich und so stand er häufig mit Gnabry und Sané statisch auf einer Linie. Die gut und dicht gestaffelte dänische Defensive hatte in der ersten Halbzeit kaum Probleme, gegen gegnerische Angriffe zu verteidigen. In den deutschen Offensivaktionen fehlte eine Tempoverschärfung durch eine schnellere Ballzirkulation, Doppelpässe oder Dribblings.

Wie gefährlich Müllers Läufe in die Tiefe sein können, zeigte sich gleichwohl im Laufe der ersten Halbzeit. Der Bayern-Star wurde von Kimmich mit einem überragenden hohen Pass bedient, doch sein Kopfball aus elf Metern landete direkt in den Armen von Dänemarks Schlussmann Kasper Schmeichel.

Doch fast noch wichtiger als Müllers fußballerische Qualitäten waren die verbalen Anweisungen an seine Nebenmänner. Wie beim FC Bayern wurde der 31-Jährige seinem Spitznamen "Radio Müller" gerecht und coachte seine Mitspieler ununterbrochen. Das Pressing der deutschen Mannschaft wirkte wesentlich organisierter und effektiver als noch in den vergangenen Spielen.

Hummels kommt beim Gegentor
Poulsen nicht hinterher

Hummels spielte in einer defensiven Dreierkette überraschenderweise auf der halblinken Seite, während Bayerns Niklas Süle als zentraler Verteidiger auflief. Seine Führungsqualitäten in Drucksituationen konnte der BVB-Verteidiger im Testspiel aber noch nicht endgültig unter Beweis stellen.

Nach den eher naiven Gegentoren bei der peinlichen 1:2-Niederlage gegen Nordmazedonien agierte die DFB-Defensive aber zunächst deutlich sicherer und ohne Probleme. Das lag auch daran, dass die Dänen trotz guter Offensivspieler wie Leipzigs Yussuf Poulsen, Christian Eriksen (Inter Mailand) oder Martin Braithwaite (FC Barcelona) in der ersten Halbzeit im Angriff nicht stattfanden. "Wir haben lange Zeit als Mannschaft gut verteidigt", lobte Joachim Löw sein Team.

"Dass manche Dinge nicht perfekt laufen, war klar."
Bundestrainer Joachim Löw

Doch trotz der 1:0-Führung durch Florian Neuhaus kurz nach dem Seitenwechsel verlor die deutsche Mannschaft mit zunehmender Dauer die Spielkontrolle. Die Dänen agierten offensiv nun mutiger und versuchten es immer wieder mit Angriffen über die halblinke Seite, um Hummels fehlende Schnelligkeit zu nutzen. Zwar verteidigte das DFB-Team weitestgehend konzentriert und fehlerfrei, doch tat sich zunehmend schwerer, den Ball zu halten und für Entlastung zu sorgen.

"Mitte der zweiten Halbzeit haben wir unsere Ordnung verloren und viele Ballverluste gehabt", analyiserte Löw nach der Partie. Müller verlor immer mehr die Bindung zum Spiel, und kam er einmal in Ballbesitz, war es schwer, eine Anspielstation zu finden. Hummels hingegen wurde in der Defensive immer mehr gefordert und sah beim Ausgleichstor durch Yussuf Poulsen nicht ganz glücklich aus.

Bundestrainer Löw gab von der Seitenlinie immer wieder lautstark Anweisungen.
Bundestrainer Löw gab von der Seitenlinie immer wieder lautstark Anweisungen. Bild: GES-Sportfoto / Markus Gilliar

Christian Eriksen spielten einen perfekten Pass zwischen Süle und Hummels, der mit Poulsens Antritt nicht ganz mithalten konnte. Hummels kam mit seiner Grätsche einen Schritt zu spät und konnte den RB-Angreifer nicht am Torschuss hindern. So blieb der 26-Jährige vor Manuel Neuer eiskalt und traf mit dem ersten Torschuss der Gäste zum 1:1. "Das Gegentor ist absolut ärgerlich, aber zeigt, dass du auf diesem Niveau schnell bestraft wirst. Das hat vielleicht auch einen guten Lerneffekt", erklärte Müller. "Dass manche Dinge nicht perfekt laufen, war klar", fügte auch Bundestrainer Löw hinzu.

Unentschieden für Löw kein Rückschlag

Die Dänen schafften es erst in den letzten 25 Minuten, das deutsche Team defensiv zunehmend unter Druck zu setzen, ohne aber zu klaren Abschlüssen zu kommen. Das wird im ersten Gruppenspiel gegen Frankreich mit den schnellen Mbappe, Griezmann und Benzema ganz anders sein.

Dann sollen aber auch die Champions-League-Sieger vom FC Chelsea – Kai Havertz, Timo Werner und Antonio Rüdiger, sowie Finalverlierer Ilkay Gündogan wieder dabei sein, die jetzt erst ins Training kommen. Toni Kroos nach einer Corona-Infektion und Leon Goretzka nach einer Muskelverletzung waren in Innsbruck noch nicht einsatzfähig. "Die Mannschaft wird sicherlich anders aussehen als heute", kündigte Löw bereits vor dem Spiel an. Klar ist jedoch: Müller und Hummels werden ihren Platz in der Startelf behalten.

Das Spiel war laut Löw bei allen Makeln kein Rückschlag in der Vorbereitung. "Wir haben einige Themen, an denen wir weiter arbeiten müssen. Dabei wird es auch darum gehen, eine Partie über 90 Minuten konsequent und konstant zu Ende zu spielen."

Und vielleicht kann dann Thomas Müller nach dem EM-Auftaktspiel gegen Frankreich ähnlich freudig in die Kamera grinsen wie am Mittwochabend in Innsbruck.

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