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Das Rheinderby fand als erstes Spiel der Bundesliga vor leeren Rängen statt. Doch Geisterspiele sind noch nicht das Ende des Schreckens, über allem schwebt mittlerweile das Komplett-Aus für den Profi-Fußball. Bild: imago images/ UWE KRAFT

Analyse

DFB sieht Gefahr eines Bundesliga-Abbruchs – Interessanter Vorschlag kommt aus Italien

Am Donnerstag stellte die berühmte NBA den Spielbetrieb vorerst ein, die Deutsche Eishockey Liga (DEL) beendete die Saison sogar vorzeitig ohne Meister.

Das Coronavirus breitet sich rasant aus, dem Weltsport droht das Erliegen. Die Pandemie stoppt auch im Fußball gerade eine Liga nach der anderen.

Drohen solche oder ähnliche Szenarien nun auch den deutschen Profifußball-Ligen?

In der 3. Liga sind die kommenden beiden Spieltage bereits verlegt worden. Der 28. und 29. Spieltag werden frühestens Anfang Mai nachgeholt, hatte der DFB am Mittwoch bekannt gegeben.

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Einsamer Sommer. Bild: imago images / UWE KRAFT

Ob es in dieser Saison Meisterfeiern und Aufstiegspartys geben wird, scheint aktuell ungewiss. Die erste und zweite Bundesliga halten zwar aktuell noch am Spielbetrieb mit Geisterspielen fest, könnten aber ebenfalls kurzfristig unter- oder gar abgebrochen werden.

Aufgrund der Regularien der Gesundheitsämter bleibt das Spielen mit Fans untersagt. Zu hoch ist die Gefahr einer Ausbreitung des Coronavirus, sollten bis zu 80.000 Menschen pro Partie auf engem Raum sein.

DFB sieht Gefahr eines Abbruchs der laufenden Saison

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sieht wegen der raschen Ausbreitung des Coronavirus mittlerweile diese Gefahr eines Abbruchs der laufenden Saison: "Wir müssen uns mit allen Szenarien beschäftigen, um vorbereitet zu sein, wenn der Fall eintreten sollte, dass der Spielbetrieb unterbrochen oder die Saison sogar vorzeitig beendet werden müsste", schrieb DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius in einem Gastbeitrag für das Fachmagazin "Kicker".

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Friedrich Curtius, Generealsekretär des DFB, schaut auf die Meisterschale – wird sie dieses Jahr überhaupt vergeben? Bild: imago images/Kicker/Zink

Ziel bleibe natürlich, die Saison regulär sportlich zu Ende zu spielen: "Das entscheidende Wort aber haben die Gesundheitsbehörden." Diese sollten "klare und verbindliche Entscheidungen" treffen. Das sei "wichtig und grundlegend für uns", so Curtius: "Diesen Vorgaben folgen wir ohne Wenn und Aber, danach richten wir konsequent die Organisation des Spielbetriebs aus, die Kernaufgabe des DFB und seiner Verbände ist."

Am Montag berät die Deutsche Fußball Liga (DFL) über die weitere Vorgehensweise, wie mit den weiteren Spieltagen verfahren werden soll. Dafür wollen der DFL-Ausschuss und die Klubs auf einer außerordentlichen Versammlung in Frankfurt/Main zusammenkommen.

Folgende Optionen scheinen möglich:

  1. Die Saison mit Geisterspielen zu Ende bringen.
  2. Die Tabelle "einfrieren" und den jetzigen Stand als Saison-Ergebnis werten.
  3. Die Saison abbrechen und annullieren. So wie es auch die Deutsche Eishockey Liga beschlossen hat.
  4. Die Saison pausieren und irgendwann, wenn die Corona-Gefahr nicht mehr so groß ist, zu Ende spielen.

Doch längerfristige Unterbrechungen der Ligabetriebe (Punkt 4) wären irgendwann terminlich gar nicht mehr auffangbar. Die Bundesligasaison endet offiziell am 16. Mai. Und im Sommer soll ab 12. Juni, Stand jetzt, eine paneuropäische Europameisterschaft stattfinden. Andererseits ist es derzeit kaum vorstellbar, dass das EM-Turnier tatsächlich stattfindet, da die Veranstaltung in zwölf verschiedenen europäischen Städten stattfinden soll.

Ein Saisonabbruch sowie die Annullierung aller Ergebnisse (Punkt 3) würde vor allem diejenigen Klubs treffen, die aktuell ganz oben in den Ligatabellen stehen. Zum Beispiel Zweitligaspitzenreiter Arminia Bielefeld oder Waldhof Mannheim, das kurz vorm Durchmarsch aus der Regionalliga in die 3. Liga steht. Klubs die auf Abstiegsplätzen stehen, zum Beispiel Erstligist Werder Bremen, könnten sicher damit leben, ebenso jene Teams, die im Niemandsland der Tabellen platziert sind.

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Zweitliga-Spitzenreiter Arminia Bielefeld und Verfolger VfB Stuttgart wären um ihren sportlichen Erfolg der aktuellen Saison gebracht. sollte die Saison annulliert werden... Bild: imago images/Sportfoto Rudel

Ein "Einfrieren" der Tabellen (Punkt 2) und den jetzigen Stand als Saison-Endergebnis zu werten, wäre allerdings schwer vermittelbar für alle Klubs, die beispielsweise in der Bundesliga noch theoretische Chancen auf Europapokalteilnahmen haben beziehungsweise für Mannschaften, die noch einen direkten Aufstiegs- oder Relegationsplatz in Reichweite haben, Beispiel: Die Zweitligisten Hamburger SV und FC Heidenheim.

Die Saison mit Geisterspielen halbwegs geregelt durchzuziehen (Punkt 1), scheint eher unwahrscheinlich. Sie machen erstens nur dann Sinn, wenn die Fans sich nicht vor dem Stadion in großen Gruppen treffen wie am Mittwochabend in Paris beim Champions-League-Spiel gegen Borussia Dortmund oder in Mönchengladbach beim Bundesligaspiel gegen den 1. FC Köln. Zweitens steigt mit den wachsenden Zahlen weltweit infizierter Menschen die rechnerische Wahrscheinlichkeit, dass sich weitere Sportler infizieren und ganze Teams in Quarantäne müssen.

In der 2. Bundesliga ist das bereits der Fall: Beim Zweitligisten Hannover 96 gibt es nun zwei Fälle einer Coronavirus-Infektion. Wie der Klub am Donnerstag mitteilte, wurde nach Timo Hübers auch Jannes Horn positiv getestet.

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Immer schön in die Armbeuge niesen. bild: imago images/action pictures

Als Reaktion darauf stehen alle Spieler der Profimannschaft von Hannover 96 "ab dem heutigen Donnerstag für die nächsten 14 Tage aus Vorsichtsgründen unter häuslicher Quarantäne", hieß es in einer Erklärung. Der niedersächsische Hauptstadtklub beantragte bei der DFL zudem die Absetzung der Zweitligaspiele gegen Dynamo Dresden am Sonntag und eine Woche später beim VfL Osnabrück.

Eine interessante Idee kommt aus Italien: Play-offs um Meisterschaft und Abstieg

Gabriele Gravina, der Präsident des italienischen Fußballverbands schlug Berichten zufolge vor, dass man statt eines kompletten Saisonabbruchs auch über Play-offs nachdenken könnte. Sein Vorschlag lautet: Die Teams, die aktuell auf den ersten vier Plätzen stehen (Juventus, Lazio, Inter, Atalanta), spielen die Meisterschaft aus. Die vier Mannschaften, die die letzten Plätze belegen, könnten untereinander drei Absteiger ausspielen. Dies soll am 23. März diskutiert werden.

Was die deutschen Fußball-Ligen betrifft, werden wir erst am Montag mehr wissen, wie es weitergeht. Hoffentlich werden der DFL-Ausschuss und die Klubs zu einer Entscheidung kommen, die im Sinne aller Vereine ist. Eins ist sicher: Es wird ein moralischer Spagat sein. Aber: Über allem steht natürlich die Gesundheit. Am Ende ist es halt doch nur Fußball.

(as/mit Material von dpa und sid)

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