Sport Bilder des Tages MANCHESTER, ENGLAND - DECEMBER 04: manager Ralf Rangnick of Manchester United, ManU and Cristiano Ronaldo of Manchester United during the Premier League match between Manchester ...
Ralf Rangnick (l.) trainiert Cristiano Ronaldo seit Anfang Dezember. Bild: www.imago-images.de / Sebastian Frej
Analyse

"Beziehung recht angespannt": Diese Probleme hat Ralf Rangnick mit Cristiano Ronaldo

22.01.2022, 11:0422.01.2022, 14:10
constantin eckner

Am vergangenen Mittwoch gab es wieder Grund zum Jubeln für Manchester United. Die "Red Devils" konnten nach zwei sieglosen Spielen in Folge Brentford in einer Nachholpartie mit 3:1 besiegen. Doch nicht jeder hatte ein Lächeln auf den Lippen.

Als Cristiano Ronaldo zur 71. Minute ausgewechselt wurde, schmiss der Portugiese seine Jacke auf den Boden und forderte von Rangnick eine Erklärung für seine Entscheidung. Die beiden diskutierten rege noch während des laufenden Spiels. Am Ende schien Ronaldo mit der Erklärung des Trainers zufrieden.

"Böse Zungen in Manchester behaupten, dass einige Spieler schlicht keinen Bock auf Rangnicks taktische Vorstellungen haben und lieber ihr eigenes Ding machen."

Es spricht sicherlich für die Situation von Rangnick bei seinem neuen Klub und auch den besonderen Status von "CR7", dass diese Konversation so zivilisiert ablief. Oder dass überhaupt eine Konversation zustande kam. Manch anderen hätte Rangnick sofort in die Stadionkatakomben gejagt und wohl später noch einmal zusammengefaltet. Aber der 63-jährige Deutsche ist auf Ronaldo ein Stück weit angewiesen.

Brentford v Manchester United - Premier League - Brentford Community Stadium. Manchester United's Cristiano Ronaldo after being replaced as manager Ralf Rangnick looks on during the Premier League mat ...
Cristiano Ronaldo ist selten erfreut, wenn er ausgewechselt wird.Bild: PA Wire / Mike Egerton

Erwartungen nicht erfüllt

Als Rangnick Anfang Dezember das Traineramt von Manchester United interimsweise übernahm, waren die Hoffnungen im und um den Verein riesig. Rangnick galt als Visionär, als Taktikfuchs, als Ziehvater der in der Premier League erfolgreichen Jürgen Klopp und Thomas Tuchel. Was sollte schon schief gehen mit solch einem "Mastermind"? Bereits eineinhalb Monate später hat sich die Stimmung gewandelt.

Rangnicks Fußballfachkompetenz wird nicht per se infrage gestellt, aber ein unumstrittener Heilsbringer ist er auch nicht. Schon recht frühzeitig musste sich der frühere Leipzig-Trainer von seinem 4-2-2-2-System verabschieden, nachdem er gemerkt hatte, dass es mit diesem Team nicht funktionieren würde. Böse Zungen in Manchester behaupten, dass einige Spieler schlicht keinen Bock auf Rangnicks taktische Vorstellungen haben und lieber ihr eigenes Ding machen.

Ihr eigenes Ding war aber in der jüngeren Vergangenheit nicht von Erfolg gekrönt. United spielt seit längerem keine Rolle im Meisterschaftsrennen. Aktuell steht der so stolze Club auf Rang sieben und immerhin in Schlagweite zu den Champions-League-Rängen. Die Ansprüche sind natürlich ganz andere. Doch auch Rangnick wird diesen wohl in seiner noch verbleibenden Amtszeit nicht gerecht.

Ronaldo passt nicht in Rangnicks
Pressing-System

Abseits der Trainerpersonalie mangelt es United mittlerweile an Führungspersönlichkeiten. Die Kapitänsbinde trägt Harry Maguire, der aufgrund seiner Leistungen nicht einmal unumstrittener Stammspieler ist. Ansonsten stehen auf dem Feld viele Mitläufer und auch solche, die mit ihren Leistungen immerzu hadern. Der Einzige, der zumindest nach außen hin weiterhin vor Selbstvertrauen strotzt, ist Cristiano Ronaldo.

Er feierte im August des vergangenen Jahres seine Rückkehr zu jenem Verein, bei dem er einst seinen internationalen Durchbruch feierte. Natürlich waren sich die meisten bei United darüber im Klaren, dass der 36-Jährige keine langfristige Lösung sein kann. Aber wenigstens einen kurzfristigen Push hatten sich viele erhofft. Ronaldo ist immer noch einer für die wichtigen Tore – insgesamt 14 hat er in seinen bisher 22 Pflichtspielen in dieser Saison erzielt.

Brentford v Manchester United - Premier League - Brentford Community Stadium. Manchester United's Christiano Ronaldo during the Premier League match at Brentford Community Stadium, London. URN:6484738 ...
Ronaldo ist wettbewerbsübergreifend Uniteds bester Torschütze.Bild: PA Images Contributor / Mark Pain

Aber er kann sein divenhaftes Verhalten nur schwerlich ablegen. Nachdem es die ersten Partien so ausgesehen hatte, als integriere er sich gut in Rangnicks Pressingsystem, ist Ronaldo nun wieder Solist wie eh und je.

Sein Anlaufverhalten gegen den Ball lässt zu wünschen übrig, in einer Zweierspitze bewegt er sich nicht wie üblich von innen und nach außen und insgesamt wirkt es so, als sei der Portugiese immer noch davon überzeugt, dass auch das Spielsystem von United um ihn herum gebaut sein muss. Dabei gibt es andere Spieler wie beispielsweise Bruno Fernandes, die dies auch einfordern könnten, aber natürlich nicht tun.

Ronaldo möchte Glückseligkeit vermitteln

Quellen aus Manchester berichten davon, dass die Beziehung zwischen Rangnick und Ronaldo doch recht angespannt sein soll. Ronaldos Berater versuchen jedoch alles, um gerade die britischen Medien davon zu überzeugen, dass ihr Star glücklich bei United ist. Darüber hinaus hat der Portugiese kürzlich Sky Sports ein Interview gegeben, in welchem er Rangnick sein Vertrauen aussprach.

Doch alle PR-Maßnahmen nützen nichts, wenn Ronaldo auf dem Platz für alle sichtbar die Anweisungen des Interimstrainers nicht befolgt und sich dann auch noch nach einer Auswechslung echauffiert. Rangnick wird es nicht wagen, Ronaldo zu degradieren. Das kann sich der ansonsten so dominante Trainer dieses Mal beim Umgang mit einer Diva nicht erlauben.

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