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Max Eberl war von 2008 bis Januar 2022 Sportdirektor bei Gladbach.Bild: www.imago-images.de / imago images
Bundesliga

Alles andere als glaubwürdig und authentisch – Weshalb Eberls Leipzig-Job nichts mit Liebe zum Fußball zu tun hat

In seiner wöchentlichen Kolumne schreibt der Fanforscher Harald Lange exklusiv auf watson über die Dinge, die Fußball-Deutschland aktuell bewegen.
05.09.2022, 09:01
Harald Lange

Geld, Tore und Titel sind im Fußball nur dann wertvoll, wenn sie von der Masse bejubelt werden können. Der aktuelle DFB Pokalsieger Rasenballsport Leipzig vermag das Fach-, aber auch das fußballbezogene Laienpublikum nur bedingt in den Bann ziehen. In der ersten Runde des DFB Pokal zog das im ZDF live übertragene Heimspiel der Leipziger gerade mal 2,77 Millionen Menschen vor den Bildschirm. Ein Minusrekord bei der Übertragung von Spielen im DFB Pokal.

Stattdessen zieht das Konstrukt aus der Getränkeindustrie Kritik an. Nicht nur Fans, sondern auch die Kollegen aus der Bundesliga grenzen sich offen und direkt ab. "Euch wollen wir hier nicht haben!" Denen bei RB fehlt neben der Tradition vor allem eines: die echte Liebe zum Fußball. Diese wächst auf einem Fundament an Glaubwürdigkeit in einem funktionierenden Vereinswesen heran. Überall im Fußballland. Nur nicht bei dem Verein mit den 21 Mitgliedern und diesem seltsamen Namen, der offensichtlich nur die Funktion erfüllen muss, dass man ihn mit RB abkürzen kann: Rasenballsport.

Fanforscher Harald Lange
Kolumnist Harald Lange ist seit 2009 Professor für Sportwissenschaft.null / Uni Würzburg

Über den Autor

Harald Lange ist seit 2009 Professor für Sportwissenschaft an der Universität Würzburg. Er leitet den Projektzusammenhang "Fan- und Fußballforschung" und gilt als einer der bekanntesten Sportforscher in Deutschland. Der 53-Jährige schreibt und spricht täglich über Fußball, auch in seinem Seminar "Welchen Fußball wollen wir?"

Da die Fußballmannschaft des Konstrukts inzwischen zu den ersten Bayernverfolgern in der Liga zählt, wahrscheinlich auch weitere Titel gewinnen kann und die Bundesliga wohl auch regelmäßig auf der internationalen Bühne in den Uefa-Wettbewerben vertreten wird, muss allein aus Marketinggesichtspunkten eine Lösung zum Imageproblem her. Ansonsten wird es fraglich sein, ob und wie die in den Fanszenen ausgelöste Anti-Haltung gegen Rasenballsport Leipzig dazu beitragen kann, so etwas wie einen Return of Invest für die österreichische Brausefirma herbei zu führen.

Seit einigen Jahren erleben wir das Gegenteil. Der sportliche Erfolg macht den Club und die Marke einerseits sichtbar, provoziert andererseits aber auch eine Abgrenzung, die den Leipzigern offensichtlich weh tut.

Da liegt es nahe, weitere Millionen auf den Tisch zu legen, um mit Max Eberl einen Sportdirektor für den Club zu gewinnen, der genau das mitbringt, was dem Konstrukt fehlt: Herzblut, Leidenschaft, Aufopferungsbereitschaft, Hingabe, Kontinuität und Fußballliebe. Genau damit bringt die Fußballwelt den ehemaligen Sportdirektor von Borussia Mönchen Gladbach in Verbindung.

Der hatte sich in einer legendären Pressekonferenz vor einem halben Jahr vom Fußball und der Bundesliga verabschiedet. Sehr persönlich, authentisch und demütig. Er schmiss seinen Job bei Gladbach hin und stellte bewegende Sätze in den Raum: „Ich will mit dem Fußball nichts mehr zu tun haben“; „Ich bin erschöpft, ich habe keine Kraft mehr“. Die Reaktionen waren nahezu einhellig: Das ist ein echter Typ in diesem seelenlosen Fußballgeschäft. Authentisch, weil er offen sagt, was ihn fertig und müde macht. Glaubwürdig, weil er die Konsequenzen aus der Leidensgeschichte zieht und trotz der Erfolgsbilanz als Fußballmanager seine Karriere beendet.

Und jetzt das: Die Verantwortlichen aus dem Red-Bull-Fußballkonzern kaufen sich diesen Typen mit Rückgrat ein. Nach gerade mal einem halben Jahr Auszeit geht Max Eberl, der 23 Jahre loyal und aufopferungsvoll für die Borussia gearbeitet und gelebt hat, wohl nach Leipzig. Welch ein Coup!

Allerdings nur dann, wenn es gelingen sollte, die kritische Fußballbasis davon zu überzeugen, dass mit Eberl auch dessen Authentizität und Glaubwürdigkeit von Gladbach nach Leipzig wechseln sollte. Egal wie hoch die Ablösesumme für Max Eberl, der tatsächlich noch einen Vertrag bei Gladbach hat, ausfallen wird, das viele Geld wird sich für den Rasenballsport in Leipzig lohnen.

"Dass so ein Typ nach einem halben Jahr zum Gegenmodell unserer gewachsenen Fußballkultur wechselt, ist alles andere als glaubwürdig und authentisch."

Es sei denn, das Denkmal, das sich dieser Top-Manager in seiner Abschiedspressekonferenz in Gladbach selbst gebaut hat, würde in den kommenden Tagen und Wochen in sich zusammenfallen. Dass so ein Typ nach einem halben Jahr zum Gegenmodell unserer gewachsenen Fußballkultur wechselt, ist alles andere als glaubwürdig und authentisch und mit Liebe zum Fußball hat das auch nichts zu tun. Aber es ist OK, denn es passt zu diesem Geschäft, in dem Begriffe wie „Seele“ oder „Fußballliebe“ offensichtlich nur noch Folklore sind.

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