Schalke-Spieler Amine Harit (r.) an Jordan Torunarighas Seite.
Schalke-Spieler Amine Harit (r.) an Jordan Torunarighas Seite.Bild: imago images / Nordphoto

Rassistische Beleidigungen gegen Hertha-Spieler überschatten Pokalabend

05.02.2020, 15:4605.02.2020, 16:12

Es war ein hitziger Pokalfight am Dienstagabend in der Schalker Veltins-Arena. Nach der 2:0-Halbzeitführung für Hertha BSC kamen die Schalker in der 82. Minute zum 2:2-Ausgleich. In der Verlängerung setzte sich Schalke dann mit 3:2 durch und schaffte den Einzug ins Viertelfinale.

Doch der Triumph wurde von einer Situation aus der 100. Spielminute überschattet.

Nach einem Zweikampf mit Omar Mascarell an der Seitenlinie stieß Herthaner Jordan Torunarigha mit Schalke-Trainer David Wagner zusammen. Daraufhin verlor der gebürtige Chemnitzer die Fassung, griff sich einen Wasserkasten und warf diesen zu Boden. Schiedsrichter Harm Osmers warf Torunarigha mit Gelb-Rot vom Platz. David Wagner wurde mit glatt Rot auf die Tribüne geschickt.

100. Minute: Torunarigha fällt auf David Wagner
100. Minute: Torunarigha fällt auf David Wagnerbild: imago images / Pakusch

Torunarigha weinte auf dem Platz

"Ich habe null Erklärung für die Rote Karte", sagte Wagner in der Pressekonferenz, als er nach den Gründen gefragt wurde. "Der Schiedsrichter hat mir erklärt, dass ich den Spieler am Nacken gepackt habe. Aber ich wollte nur dafür sorgen, dass er die Balance wiederfindet."

Erst nach dem Spiel wurde bekannt, dass Torunarigha von einigen Schalkefans mehrfach rassistisch beleidigt worden war. Nach Abpfiff der ersten 90 Minuten soll Torunarigha geweint haben, erklärte hinterher Hertha-Kapitän Niklas Stark.

Chefcoach Klinsmann verteidigt seinen Schützling auf der Pressekonferenz nach dem Pokalspiel.
Chefcoach Klinsmann verteidigt seinen Schützling auf der Pressekonferenz nach dem Pokalspiel.bild: imago images / Nordphoto

Trainer Jürgen Klinsmann verteidigte seinen Schützling. "Der Junge ist beleidigt worden und war aufgepusht. Da braucht man dann Fingerspitzengefühl und muss ihm nicht später in der Situation noch die zweite Gelbe Karte geben."

Auch Kapitän Niklas Stark äußerte sich. Im ARD-Interview ergänzt er: "Sowas geht gar nicht. Da stehen wir als Mannschaft, als Verein hinter Jordan".

Auf der Internetseite von Hertha legte Stark nach: "Wenn ich mich da auch nur ein bisschen hineinversetze, kommt mir schon alles hoch und ihn trifft es noch viel mehr."

Und: "Da müssen wir als Mannschaft, als Verein, eigentlich die ganze Bundesliga hinter ihm stehen! Man muss sich ganz klar davon distanzieren, das ist kein Verhalten."

Der FC Schalke positionierte sich im Anschluss klar gegen Rassismus und entschuldigte sich bei Torunarigha. Der Verein will alles dafür tun, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Das Internet reagierte mit Verständnis für den jungen Hertha-Profi und mit Wut gegenüber den rassistischen Fans. Viele fordern konsequenteres Handeln gegen Rassismus in den Schalker Reihen.

Twitter-Reaktionen zu rassistischen Beleidigungen:

Viele Zuschauer verwiesen auch auf die Posse um Schalke-Boss Clemens Tönnies, der im vergangenen Jahr mit rassistischen Aussagen aufgefallen war:

(vdv)

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