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EM 2024: Ballack nach DFB-Aus wegen Elfmeterszene nicht zu beruhigen

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Michael Ballack ist Experte für Magenta TV.Bild: Imago Images / Chai v.d. Laage
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EM 2024: Ballack platzt bei Elfmeter-Diskussion nach DFB-Aus der Kragen

06.07.2024, 12:34
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Der Traum vom Titel im eigenen Land ist geplatzt. Das DFB-Team ist am Freitagabend trotz guter Leistung an Spanien gescheitert. Florian Wirtz hatte die deutsche Elf mit seinem späten Ausgleichstreffer noch in die Verlängerung gerettet, in dieser gelang dann aber den Iberern der Lucky Punch.

Der Treffer zum 2:1 kam durchaus überraschend, denn die Mannschaft von Julian Nagelsmann schien dem Siegtreffer etwas näher zu sein, scheiterte etwa einmal am Pfosten. Und dann war da auch noch die Szene in der 106. Minute.

Jamal Musiala zog von der Strafraumkante ab, die Kugel flog verheißungsvoll Richtung spanisches Tor. Dort kam der Ball aber nicht an, denn Marc Cucurella stellte sich dem Schuss entschlossen entgegen. Er blockte ihn – mit dem weit abgespreizten linken Arm.

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Marc Cucurella wehrt den Schuss von Jamal Musiala per Handspiel ab.Bild: IMAGO images / Jan Huebner

Der Aufschrei war groß, sowohl die DFB-Profis als auch die deutschen Fans forderten vehement einen Elfmeter. Die Pfeife von Schiedsrichter Anthony Taylor aber blieb stumm, die Kommunikation mit dem VAR fiel kurz aus. Die Partie lief weiter.

EM 2024: Michael Ballack schimpft über Handspiel von Cucurella

Das Thema war damit aber noch lange nicht abgehakt. Vor allem bei der Übertragung von MagentaTV wurde die strittige Szene noch lange diskutiert. Wobei sich die Experten Michael Ballack und Shkodran Mustafi sowie Moderator Johannes B. Kerner schnell einig waren.

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"Wahrscheinlich wäre der reingegangen. Für mich ist das eine klare Fehlentscheidung, da nicht Elfmeter zu geben. Der Arm ist abgespreizt, klare Vorteilsnahme. Dennoch wird es Schiedsrichterexperten geben, die das anders bewerten", befand Ballack und erhielt dabei Zuspruch von Mustafi: "Der Ball geht direkt aufs Tor. Da ist es mir egal, ob er den Arm noch wegnehmen will."

Ballack betonte in der Folge mehrmals, dass es "eine klare Fehlentscheidung" gewesen sei. Warum der Elfmeterpfiff ausblieb, konnte er sich nicht erklären, spekulieren konnte er aber sehr wohl. "Ich weiß nicht, ob es Angst ist, ob es Respekt ist, ob das Spiel zu groß ist. Ob es der Zeitpunkt in der Verlängerung ist, dass der VAR acht Augen zudrückt, dass man das Spiel so nicht entscheiden möchte."

EM 2024: Patrick Ittrich erklärt Dilemma bei Handspiel

Aus dem Studio von MagentaTV meldete sich anschließend auch Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich zu Wort. Er versuche, die Szene möglichst nüchtern zu analysieren, erklärte er eingangs, auch wenn er sich ein deutsches Weiterkommen gewünscht hätte. Dann setzte der Unparteiische zu einem langen Monolog an:

"Aus Sicht des Schiedsrichters zieht der Spieler den Arm zurück, so könnte man es interpretieren. Aus diesem Grund hat der VAR den Schiedsrichter nicht rausgeschickt. Welche anderen Bilder soll er ihm zeigen? Dann steht er draußen und sagt, das ist 50:50. Dieses Handspiel macht das ganze Dilemma der Handspielregel deutlich. Wir haben einen Interpretationsraum in der Regel. Ich bin auch eher bei Handspiel, aber man kann ihm draußen keine anderen Bilder zeigen. Gibt er ihn, bleibt der Elfmeter auch stehen – das ist das Dilemma."

Trotz dieser umfangreichen Erklärung war das Thema damit keinesfalls beendet. Kerner haderte sichtlich mit den Worten Ittrichs. "Das kann ich nicht hören", ließ er seinem Unmut schließlich Luft. "Es kann doch nicht sein, dass wir eine Regel haben: Er pfeift Elfmeter und der kann nicht revidiert werden. Oder er pfeift keinen Elfmeter und das kann auch nicht revidiert werden", schimpfte der Moderator.

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Es handle sich aber eben um "Ermessensspielraum", hielt Ittrich dagegen. "Come on", erwiderte Kerner genervt. Der Schiedsrichter wollte dies nicht unkommentiert stehen lassen: "Nicht 'come on'! Was soll ich denn machen, ich kann auch nichts dafür."

Tabea Kemme tröstet Ittrich in Debatte ums Handspiel

Tabea Kemme, die als Expertin ebenfalls im Studio zugegen war, grinste ob des Schlagabtauschs zwischen ihren Kollegen bereits. Mustafi hingegen war gar nicht nach Lachen zumute. Der frühere Verteidiger verwies darauf, dass es auch Elfmeter gebe, wenn ein Verteidiger im letzten Moment das Bein wegzieht, den Gegner aber trotzdem trifft.

"Wir dürfen Äpfel nicht mit Birnen vergleichen", meinte Ittrich. "Ein klareres Handspiel gibt es nicht mehr im Fußball", warf der aufgebrachte Ballack ein. Ittrich, mittlerweile sichtlich genervt von der Debatte, rollte mit den Augen. Kemme tätschelte ihm einmal aufmunternd die Schulter.

Die Diskussion hielt an, einig wurden sich die Protagonisten nicht mehr. Sinnbildlich dafür stand noch ein Gedankenspiel des Schiedsrichters. "Was hätten denn die Spanier gemacht, wenn er Elfmeter gepfiffen hätte?", fragte Ittrich. Ballacks trockener Konter: "Die hätten gar nichts gemacht, weil das ein Handspiel ist."

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