Ex-Schalke-Profi Julian Draxler nimmt 2013 ein Medikament ein, während er am Spielfeldrand behandelt wird.
Ex-Schalke-Profi Julian Draxler nimmt 2013 ein Medikament ein, während er am Spielfeldrand behandelt wird.
Bild: imago images / Mika Volkmann

"Ibuprofen wie Smarties": Medikamentenkonsum im deutschen Fußball ist massiv

09.06.2020, 08:1409.06.2020, 09:37

Von der Bundesliga bis in die Kreisklasse: Im deutschen Fußball ist Medikamentenmissbrauch offenbar an der Tagesordnung. Zu diesem Schluss kommt die ARD-Doku "Geheimsache Doping – Hau rein die Pille" (Dienstag, 22.45 Uhr/ARD).

1147 Fußballerinnen und Fußballer, darunter elf Profis und 1096 Aktive unterhalb der Regionalliga, nahmen an der Umfrage von ARD-Dopingredaktion und dem Recherchezentrum "Correctiv" teil. Darüber hinaus hat das Rechercheteam nach eigenen Angaben mit 150 Bundesliga-Spielern, Ex-Profis, Trainern, Teamärzten, Wissenschaftlern und Funktionären gesprochen.

47 Prozent der Teilnehmer nehmen mehrmals pro Saison Schmerzmittel, 21 Prozent gar einmal pro Monat oder öfter. Als Grund gaben sie nicht nur die Bekämpfung akuter Schmerzen an, fast 42 Prozent der Teilnehmer wollen mit den Pillen Einfluss auf ihre Leistung nehmen. Konkret wollen sie die Belastbarkeit erhöhen, an Sicherheit gewinnen und den Kopf frei bekommen. Einige erklärten in der Befragung auch direkt, ihre Leistung steigern zu wollen.

Union-Profi Subotic: "Ibuprofen werden wie Smarties verteilt"

Neven Subotic vom Bundesligisten Union Berlin nahm als einer von wenigen Profis vor der Kamera Stellung. Der Verteidiger erklärte: "Was ich in den letzten 14 Jahren mitbekommen habe, ist, dass Ibuprofen wie Smarties verteilt wird. Für jedes kleine Aua gibt es quasi pauschal Ibuprofen." Für die Spieler sei es "nicht offensichtlich, welche Folgen es haben kann, darüber werden sie in der Regel auch nicht informiert".

Subotic weiter: "Von den Vereinen gibt es da auch nach meinem Wissen keine große Aufklärungsarbeit, weil sie eben auch unter Druck stehen, den Spieler so schnell wie möglich fit zu kriegen." Der Ex-BVB-Profi spricht von einem System, das "einfach eine Weitergabe von Druck" sei: "Der gibt's auf den Nächsten, auf den Nächsten und den Nächsten. Und am Ende hat der den meisten Druck, der am meisten zu verlieren hat."

Schmerzmittel zu nehmen ist nicht untersagt

DFB-Präsident Fritz Keller zeigte sich "schockiert" und kündigte eine Reaktion an: "Da müssen wir unbedingt an unsere Landesverbände gehen und über Trainer eine Sensibilisierung hinkriegen." Der Sport im Amateurbereich, so Deutschlands ranghöchster Fußball-Vertreter, sei "zur Gesunderhaltung gedacht und nicht dafür, dass man sich kaputt macht".

Schmerzmittel zu nehmen, ist im Sport nicht untersagt und steht nicht auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur. Dabei erfüllen die Mittel laut Experten zwei Kriterien, die für eine Aufnahme in die Liste sprechen. "Die Kriterien Leistungssteigerung und Gesundheitsgefährdung sind erfüllt", urteilte Hans Geyer, Biochemiker im Doping-Analyselabor in Köln. "Nach meiner Auffassung widerspricht es auch der Ethik des Sports, wenn man nur mit Schmerzmittel Sport treiben kann."

(as/sid/dpa)

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