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DFL-Chef Christian Seifert am Donnerstag während der Video-Pressekonferenz. screenshot twitter/dfl

Profifußball für Start am 9. Mai bereit – Pleiten vorerst abgewendet

Christian Seifert zog erst die Augenbrauen hoch, dann legte der Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL) Nachdruck in seine Stimme. "Wir werden auf einem Spielfeld nicht 1,5 Meter Abstand halten können. Dennoch wollen wir das bestmögliche Maß an Sicherheit gewährleisten", sagte Seifert bei der Vorlage des umstrittenen Plans zum Saison-Neustart inmitten der Corona-Pandemie: "Wenn man dieses Konzept ablehnt, dann ist klar, dass man wahrscheinlich auch in einigen Monaten nicht spielen kann. Dann wäre die Bundesliga ein Kollateralschaden der Coronakrise."

Klubs sind für Wiederbeginn am 9. Mai bereit – Rechte-Inhaber werden Mediengelder im Mai überweisen

Obwohl Seifert dieses düstere Bild bei einer negativen Entscheidung der Politik malte, konnte der 50-Jährige nach der virtuellen Krisensitzung der 36 Klubchefs am Donnerstag auch positive Nachrichten verbreiten: Die Klubs wären für einen Neustart am 9. Mai bereit – und die finanziell angeschlagene Vereine sind nicht mehr akut von der Pleite bedroht, da die Rechte-Inhaber die Mediengelder im Mai überweisen werden. Ob es tatsächlich die rund 300 Millionen Euro werden, ist allerdings nicht sicher.

"Wir haben Vereinbarungen mit fast allen Medienpartnern erzielt. Damit ist die Liquidität der Klubs bis zum 30. Juni gesichert. Wenn die Saison nicht zu Ende gespielt werden kann, wird es um Rückzahlungen gehen. Dann wird es wirtschaftliche Engpässe möglicherweise später geben", äußerte Seifert: "Ob es Abschläge gibt, hängt davon ab, wie die Saison zu Ende gespielt werden kann und ob es Effekte auf die Wertigkeit gibt."

Kommenden Donnerstag entscheidet die Politik – Seifert stellt Fans auf Geisterspiele auch in der kommenden Saison ein

Den Klubs bleibt im Kampf um die Existenz sowieso nur die Rolle des Bittstellers, die Entscheidung fällt am Donnerstag kommender Woche in Berlin. Ob sich die Befürworter oder die Gegner einer Fußball-Sonderrolle durchsetzen, ist vor der Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Länderchefs offen.

Seifert hat die Fußball-Fans in Deutschland außerdem auf mögliche Geisterspiele auch in der kommenden Saison eingestellt. "Wir wissen nicht, ob Geisterspiele nicht im Februar, März noch stattfinden. Wir haben die Vereine gebeten, den ersten Teil der nächsten Saison ohne Zuschauereinnahmen zu planen", sagte er. Über den Saisonstart der Spielzeit 2020/21 mache man sich aktuell noch keine Gedanken. Derzeit sei es der richtige Ansatz, "in kürzeren Etappen" zu planen.

Mit Blick auf die anvisierten Geisterspiele in dieser Saison können die Vereine auf das Wohlwollen zahlreicher Ministerpräsidenten und des Gesundheitsministers Jens Spahn (CDU) bauen. "Ich kann mir vorstellen, dass wir uns von Spieltag zu Spieltag entwickeln", hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder vor den Gesprächen der Vereinsbosse gesagt. Der CSU-Politiker machte aber klar, dass er dem Fußball trotz des "detaillierten Konzepts" keinen "Blankoscheck" inmitten der Corona-Pandemie ausstellen will.

Es gibt Kritik aus anderen Sportarten und auch von Fußball-Fans: Viele fürchten eine "Lex Fußball" – Seifert wehrt sich

Die Liste der Bedenkenträger ist ohnehin lang. So steht hinter der Unterstützung durch das Robert Koch-Institut ein Fragezeichen, zahlreiche Gesundheitsexperten sind skeptisch. Ein gerichtliches Vorgehen anderer Sportarten gegen die "Lex Fußball" scheint möglich, verschiedene Interessengruppen sehen ein gesellschaftliches Konfliktpotenzial. Die Sicherheitsbedenken sind nicht ausgeräumt, und selbst große Teile der Fans sehen einen Wiederbeginn kritisch.

Gegen die Kritik an den Neustart-Plänen des deutschen Profifußballs hat sich Seifert gewehrt. Wie auch andere Firmen in der Corona-Krise sei die Deutsche Fußball Liga ein Unternehmen, "das zurückkehren möchte und irgendwann zurückkehren muss", sagte Seifert am Donnerstag in Frankfurt am Main. Um das Produkt Fußball herzustellen, brauche es eben "gewisse Rahmenbedingungen". Dafür lege die DFL nun ihre Pläne vor.

Wenn es nicht gelinge, ein umsetzbares und genehmigungsfähiges Konzept zu präsentieren, "dann ist das eben so und dann wäre das auch zu akzeptieren", sagte Seifert. Die öffentliche Kritik beschrieb der 50-Jährige als "Missgunst", die ihn überrascht habe. Die Liga müsse sich fragen, warum es bei einigen Menschen wenig guten Willen gegenüber dem Profifußball gebe.

Pikante Details in DFL-Papier

Um die Zweifel zu beseitigen, hat sich die DFL-Taskforce unter Leitung von Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer mächtig ins Zeug gelegt. Auf 41 Seiten wurde das Prozedere zur Saison-Fortsetzung geregelt. Maximal circa 300 Menschen auf dem Stadiongelände, Einteilung in Zonen, Fragebögen zur Risikominimierung – all diese Vorschriften sind enthalten.

Einige Details sind pikant. So werden die Profis darauf vorbereitet, dass ihr Auftreten von großer Bedeutung ist. "Wir bitten dringend um vorbildliches Verhalten bezüglich der Hygiene- und Isolierungsmaßnahmen außerhalb des Spielfeldes", heißt es in dem Entwurf. Zudem wird aufgeführt, wie sich die Vereine bei einem positiven Test verhalten sollen: "Keine automatische Meldung eines positiven Falles an die Presse, da Krankheitsverifizierung sowie die klare Dokumentation der vermutlichen Übertragungswege im Vordergrund stehen."

(as/sid/dpa)

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