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Karl-Heinz Rummenigge äußert sich im "Aktuellen Sportstudio" zu der Kritik, die es am Verhalten der Bayern in der Pandemie gab. bild: screenshot zdf

Rummenigge verteidigt Kritik am FC Bayern: "Sind überhaupt nicht arrogant"

Der Auftritt von Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF wurde mit Spannung erwartet. Nach der 2:1-Niederlage bei Eintracht Frankfurt und dem 3:3-Unentschieden aus letzter Woche gegen Arminia Bielefeld stand zunächst die sportliche Mini-Krise der Bayern im Mittelpunkt. Das Rennen um die deutsche Meisterschaft scheint plötzlich wieder spannend zu werden – und so musste sich Rummenigge zunächst für die schwache Form der Bayern rechtfertigen. Die Spieler seien natürlich beansprucht, argumentierte Rummenigge, allerdings sei auch auffällig, dass die Münchner in letzter Zeit vor allem in der ersten Halbzeit unkonzentriert spielten.

Von der sportlichen Krise ging es dann aber recht schnell zu den brisanten Themen, die der FCB in den letzten Tagen und Wochen selbst losgetreten hatte: Rummenigges Aussagen über mögliche Impfprivilegien für Fußballprofis, die überheblichen Auslassungen über das Nachtflugverbot der Bayern vom Berliner Flughafen, der spitze Kommentar von Bayern-Trainer Hansi Flick über den "sogenannten" Corona-Experten Karl Lauterbach und nicht zuletzt die Reise nach Katar zur Klub-WM mitten in der Pandemie. Überhaupt ist Katar für die Bayern ein Reizthema: das Land, mit dem der FC Bayern in Sachen Sponsoring eng zusammen arbeitet und das gleichzeitig für zahlreiche Menschenrechtsverletzungen verantwortlich ist.

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Karl-Heinz Rummenigge musste sich den kritischen Fragen von Jochen Breyer stellen. bild: screenshot zdf

Die Liste der unangenehmen Themen für Rummenigge war lang. Moderator Jochen Breyer arbeitete diese Liste geduldig ab und hakte immer wieder kritisch nach. Die Kritik an den Bayern, die Bodenhaftung verloren zu haben, war in den letzten Tagen gewachsen. Dementsprechend formulierte Breyer seine erste Frage. "Wo ist die Demut hin?", wollte er von Rummenigge wissen. Doch der Bayern-Boss ist ein Profi im Umgang mit kritischen Fragen und wich immer wieder aus. "Wir sind überhaupt nicht arrogant, wir verlangen überhaupt keine Sonderrolle. Der Fußball hat nach wie vor Demut", behauptete Rummenigge.

Rummenigge: "Habe mich missverständlich ausgedrückt"

Auch seine Aussage zum Impfen von Profifußballern klang plötzlich harmloser, also zuvor. Er habe sich offenbar "missverständlich ausgedrückt", betonte Rummenigge. Er habe lediglich gesagt, "wenn mal genug Impfstoff da wäre, wäre es gut, wenn Fußballer sich impfen ließen". Das war ein entscheidender Halbsatz, den Rummenigge zuvor nicht gesagt habe, stellte Breyer fest.

Die Frage nach der Notwendigkeit von Spielen im Ausland parierte Rummenigge, indem er die Verantwortung von sich wies. Dass Spiele im europäischen Wettbewerb trotz der Pandemie stattfinden und die Mannschaften quer durch den Kontinent reisen, schob Rummenigge auf die UEFA, die dazu die Vorgaben mache. Dagegen könne man sich nicht widersetzen, betonte er. Außerdem gebe es Hygienekonzepte, die gut funktionieren, was Breyer mit dem Verweis auf regelmäßige Corona-Infektionen von Fußballern anzweifelte.

Breyer: "Menschenrechts-verletzungen sind keine Kultur"

Bei Thema Katar geriet Rummenigge dann jedoch ins Straucheln. Wieso die Bayern noch immer die Partnerschaft mit dem Emirat pflege, obwohl die Menschenrechtsfragen dort längst bekannt sind, wollte Breyer wissen. Rummenigge argumentierte, dass Katar noch ein recht junger Staat sei und dass dort eine andere Kultur, eine andere Religion herrsche. Breyer grätschte dazwischen: "Menschenrechtsverletzungen sind keine Kultur", warf er berechtigterweise ein.

11.02.2021, Katar, Ar-Rayyan: Fußball: Club-WM, FC Bayern München - Tigres UANL, Education City Stadium, Finale: Die Spieler des FC Bayern München feiern mit der Trophäe. Foto: Mahmoud Hefnawy/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Bayern feiern den Sieg bei den Klub-WM in Katar. Bild: dpa / Mahmoud Hefnawy

Die Situation habe sich dort erheblich verbessert, warf Rummenigge ein und nannte den Mindestlohn als Beispiel. Breyer hakte nochmal nach: "Warum leistet sich der reiche FC Bayern nicht mehr Moral?" Rummenigge holte wieder zu einem Ausweichmanöver aus, sagte dann aber einen entscheidenden Satz: "Der Fußball kann die Welt nicht in Gänze verbessern."

Kritiker könnten sich durch Rummenigges Auftritt in ihrer Meinung bestätigt gefühlt haben. So ist im Profifußball momentan wenig Bereitschaft zu erkennen, mit gutem Beispiel voranzugehen.

(lau)

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