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Bayern Trainer Hansi Flick bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Bielefeld. bild: fcbayern.de/screenshot

Analyse

"Die Art und Weise war völlig daneben": Bayern-Kenner kritisiert Flick-Aussagen deutlich

Nach seinem aufsehenerregenden Auftritt bei der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen Arminia Bielefeld steht Bayern-Trainer Hansi Flick weiter in der Kritik. In einem über vier Minuten langen Monolog hatte sich Flick gegen die Vorwürfe der Sonderbehandlung des Fußballs gewehrt. Er ging vor allem Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hart an, den er als "sogenannten Experten" bezeichnete. Lauterbach hatte zuvor die Heimreise des Corona-infizierten Thomas Müller aus Katar als unter normalen Umständen "natürlich undenkbar" kritisiert.

Dass sich Hansi Flick in dieser Deutlichkeit zu dem Thema äußerte, überrascht auch den Bayern-Experten Justin Kraft, wie er gegenüber watson sagt. "Ich war sehr überrascht, dass ausgerechnet jemand wie Hansi Flick, der eher als besonnener und ruhiger Mensch gilt, sich so aufgebracht geäußert hat", sagt Kraft, der als freier Journalist und Autor unter anderem für den größten deutschsprachigen Bayern-Blog "Miasanrot.de" schreibt. In seinem Buch "Generation Lahmsteiger" analysierte er zudem die vergangenen zehn Jahre des FC Bayern.

Zwar gebe es grundsätzlich den ein oder anderen Punkt, den auch er nachvollziehen könne, doch "die Art und Weise war völlig daneben. Wer sich so äußert, darf nicht erwarten, dass inhaltlich mit ihm diskutiert wird." So sagte der Bayern-Coach: "Der Herr Lauterbach hat immer zu allem einen Kommentar abzugeben. Wenn ich nicht in der Verantwortung stehe und mir nur das Ergebnis anschaue, kann ich das immer leicht bewerten." Zudem bezeichnete er Lauterbach als "sogenannten Experten".

Dabei ist sich Kraft gar nicht mal so sicher, ob sich Flick der Tragweite seiner Aussagen zu diesem Zeitpunkt bewusst war. "Ob Flick das genauso wollte, wage ich zu bezweifeln, aber das nun abgegebene Bild ist leider nicht gut."

Flick sät Misstrauen in die Wissenschaft

Die Aussagen des Triple-Trainers trügen so nicht zu einer angemessenen Diskussion bei. "Mit der Formulierung 'sogenannte Experten' entzieht er beispielsweise einem Experten wie Karl Lauterbach die Bedeutung für den öffentlichen Diskurs und sorgt dafür, dass Misstrauen in die Wissenschaft gesät wird", so Kraft.

"Gerade auch im Kontext mit den Rummenigge-Aussagen, der zwar nicht, wie vielerorts fälschlich behauptet wird, eine vorgezogene Impfung der Profi-Fußballer gefordert hat, sich und den FC Bayern aber durchaus in Position brachte. Und da kann ich auch alle verstehen, die nach solchen Aussagen die Lust am Profifußball und seiner privilegierten Sonderrolle in der Gesellschaft verlieren."

Zumal es ausgerechnet Karl-Heinz Rummenigge war, der zum Wiederbeginn der Bundesliga im vergangenen Jahr immer wieder eine gewisse Demut vom Fußball forderte. Justin Kraft merkt an: "Wir erleben eine Zeit, in der sich viele Verantwortliche insbesondere in der Spitze des Profi-Fußballs immer weniger demütig und dankbar dafür zeigen, dass sie ihren Berufen weiterhin nachgehen können. Es scheint mir, als hätten viele von ihnen den Kontakt zu dem verloren, was in der Gesellschaft aktuell wirklich passiert." Viel mehr müsse es jetzt darum gehen, dass sich auch der Klub fragt, was er zum jetzigen Zeitpunkt beitragen kann.

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