Timo Werner geht nicht zum FC Bayern München, sondern verlängert seinen Vertrag in Leipzig.
Timo Werner geht nicht zum FC Bayern München, sondern verlängert seinen Vertrag in Leipzig.
Bild: imago images / ULMER Pressebildagentur

FC Bayern verzockt sich bei Timo Werner – dabei soll alles schon klar gewesen sein

28.08.2019, 20:20

Es kam überraschend und schnell: Timo Werner wechselt nicht, wie seit Monaten vermutet wurde, von RB Leipzig zum FC Bayern. Stattdessen verlängert er seinen Vertrag in Leipzig. Sonntagmittag unterschrieb Werner im Büro von Sportdirektor Markus Krösch seinen neuen Vertrag bis 2023. Damit endet das monatelange Transfer-Tauziehen von RB Leipzig und Bayern München um den 23-jährigen Nationalspieler. Das lag wohl auch am Scheitern eines Bayern-Plans.

Ein paar Stunden nach seiner Unterschrift zeigte Werner schon, warum ihn so viele Teams verpflichten wollen. Noch vor dem Spiel von RB gegen Eintracht Frankfurt sagte Trainer Julian Nagelsmann: "Das ist eine sehr gute Nachricht, denn er ist ein sehr wichtiger Spieler für den Klub", freute sich der neue RB-Coach bei "Sky" vor Anpfiff und wünschte sich: "Hoffentlich kann er die Vertragsunterschrift heute mit ein, zwei Toren krönen."

Schon in der zehnten Spielminute ging der Wunsch von Nagelsmann in Erfüllung: Werner traf zum 1:0. Nach einer Ecke von Sabitzer und einer Kopfball-Verlängerung von Poulsen drehte sich Werner geschickt am zweiten Pfosten um die eigene Achse und drückte den Ball per Volley ins Tor. RB gewann am Ende mit 2:1 und Werner wurde bei seiner Auswechslung zehn Minuten vor Schluss von den Leipziger Fans gefeiert.

Werner hat Ausstiegsklausel im Vertrag

Nach dem Spiel musste Werner den Reportern dann natürlich vor allem Fragen zur Vertragsverlängerung beantworten. "Im Endeffekt habe ich mir lange Zeit gelassen und lange nichts gesagt. Am Ende habe ich mich nach einer langen Überlegungszeit dazu entschlossen, hier zu verlängern."

Die Gründe der Verlängerung ließ er jedoch nur ansatzweise durchscheinen: "Ich glaube, dass mir in Leipzig bisher nur Gutes widerfahren ist. Im Endeffekt hat man mit den Saisons, die man hier gespielt hat, geguckt, was man machen kann", sagte Werner. "Für mich war dann die Entscheidung einfach, nochmal den Schritt hier in Leipzig zu gehen. Ich fühle mich wohl und ich hoffe, dass sich viele Leute darüber freuen."

Alles klar: Timo Werner bleibt in Leipzig.
Alles klar: Timo Werner bleibt in Leipzig.
Bild: Hartmut Boesener / imago-images

Doch natürlich sind nicht nur die netten Menschen in Leipzig für den Verlängerung verantwortlich. So soll Werner durch den neuen Vertrag ein weit höheres Gehalt verdienen und mit einer Ausstiegsklausel belohnt worden sein. Diese würde einen Wechsel in den kommenden Jahren erheblich erleichtern. Die Ablöse soll nach diversen Medienberichten zwischen 30 und 47 Millionen Euro liegen und mit zunehmender Vertragslaufzeit fallen. Vorstandschef Oliver Mintzlaff dementierte die Klausel ausdrücklich nicht. Der Deal kam wohl auch nur zustande, weil der FC Bayern sich verzockt hatte.

Bayern spekulierte auf ablösefreien Wechsel

Noch in den vergangenen Monaten schien ein Wechsel von Werner zum FC Bayern nur noch reine Formsache. Als deutscher Nationalspieler und Offensiv-Kicker passte der junge Werner perfekt ins Beuteschema des Rekordmeisters, der ohnehin bis vergangene Woche in der Offensive unbedingt noch neue Spieler brauchte.

Auch Werner flirtete intensiv mit den Münchnern. Ende 2018 sagte er: "Wenn man in Deutschland bei RB Leipzig spielt und in Deutschland bleiben will, gibt es nur einen Verein, zu dem man wechseln kann."

Werner traf bisher in beiden Bundesliga-Spielen der neuen Saison.
Werner traf bisher in beiden Bundesliga-Spielen der neuen Saison.
Bild: imago images / Jan Huebner

Nun kam jedoch alles anders. Das habe mit der Transfer-Taktik der Bayern zu tun, berichtet der stets gut informierte und seriöse "Kicker". So habe der FC Bayern zuletzt keine Anstalten gemacht, den Nationalspieler diesen Sommer zu kaufen. Werner sei von diesem zaghaften Vorgehen der Bayern abgeschreckt worden sein. Der Klub sei hingegen fest davon ausgegangen, dass Werner im nächsten Sommer ablösefrei zum Rekordmeister wechselt. Die Taktik der Bayern schlug jedoch fehl.

Nach "Sky"-Informationen soll es zwischen den Bayern und Werner sogar schon einen ausgehandelten Vertrag gegeben haben. Offen sei lediglich die Frage gewesen, wann Werner nach München wechselt. Die wahrscheinlichste Variante sei ein ablösefreier Wechsel im nächsten Jahr mit Handgeld für den Spieler gewesen. Die guten Gespräche sollen Werner auch dazu veranlasst haben, dass alle anderen Angebote und Anfragen für den Stürmer nie eine Option gewesen seien. Doch laut "Sky" habe sich der FC Bayern dann nicht mehr gemeldet – zum Unmut seines Umfelds.

Werner entschied sich für die Leipziger, die ihren Schützling die ganze Zeit umgarnten.

Werner findet Gefallen an Nagelsmann

Anders als der FC Bayern buhlte Leipzigs neuer Trainer intensiv um Werner: "Timo hat mit Julian Nagelsmann einen Trainer, der unbedingt wollte, dass wir mit ihm verlängern", erklärte RB-Boss Mintzlaff. Die Ambitionen und Visionen des aus Hoffenheim gekommenen Trainers scheinen den Spieler ebenfalls zu überzeugen. Werner verlängerte.

Julian Nagelsmann buhlte lang um Timo Werner.
Julian Nagelsmann buhlte lang um Timo Werner.
Bild: imago images / Picture Point LE

Für Leipzig ist die Verlängerung von Werner auch ein wichtiges Zeichen an die Konkurrenz aus München und Dortmund: "Das ist ein klares Signal, dass wir kein Ausbildungsverein sind und uns die Spieler nach zwei, drei Jahren verlassen, sondern das wir auf Nachhaltigkeit und Kontinuität setzen", sagte Mintzlaff und betonte die Stellung von Timo Werner: "Timo Werner ist hier Nationalspieler geworden, hat weit über 150 Spiele gemacht und über 60 Tore geschossen. Er ist für uns ein wichtiger Spieler, deshalb haben wir lange um ihn gekämpft."

Braucht Bayern Werner überhaupt?

Für Werner dürfte neben dem neuen Gehaltscheck und den Qualitäten seines Trainers auch die Aussicht auf Spielzeit in der Nationalmannschaft einer der Hauptgründe für einen Verbleib gewesen sein.

Im kommenden Sommer findet die Europameisterschaft statt. Anders als in der (mittlerweile) starbesetzten Bayern-Offensive ist der gebürtige Stuttgarter bei RB gesetzt. Nachteile hat er, im Vergleich zu München, hier kaum: In der Champions League kann Werner sich auf internationalem Top-Niveau beweisen und bei Bundestrainer Joachim Löw empfehlen.

Beim FC Bayern hätte es der variable Werner mit all der Konkurrenz schwerer gehabt, um an Spielzeit zu kommen: Torschützenkönig Robert Lewandowski ist in der Spitze gesetzt, neben dem etablierten Kingsley Coman und Serge Gnabry scharren der neue Flügelspieler Ivan Perisic und Offensiv-Star Philippe Coutinho mit den Hufen. Dazu kommen noch Urgestein Thomas Müller und Weltmeister Corentin Tolisso.

Die ausgeliehenen Perisic und Coutinho sind nach der Saison aber vielleicht schon wieder weg und Robert Lewandowski forderte schon in dieser Transferperiode einen weiteren Stürmer. Ganz vom Tisch ist ein Wechsel also nicht. Da der FC Bayern neben dem Polen keinen weiteren "echten" Stürmer hat, könnte der Rekordmeister im kommenden Sommer wieder bei Werner anklopfen. Der Klub müsste dann aber nicht nur eine Ablöse zahlen, sondern auch ein wenig Überzeugungsarbeit leisten.

(bn)

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