Marcus Rashford of England reacts after failed a penalty during the UEFA EURO, EM, Europameisterschaft,Fussball 2020 Final football match between Italy and England at Wembley stadium in London England, July 11th, 2021. Photo Andrea Staccioli / Insidefoto andreaxstaccioli

Marcus Rashford verzweifelt an seinem verschossenen Elfmeter. Bild: www.imago-images.de / Andrea Staccioli

EM-Finale: Nach rassistischen Beleidigungen gegen England-Stars – eine Festnahme

Stell dir vor, du bist 19 Jahre alt und erklärst dich in einem EM-Finale bereit, den letzten Elfmeter zu schießen. Der Druck ist enorm. In genau dieser Situation war Englands Bukayo Saka gegen Italien. Der Spieler vom FC Arsenal verschoss den entscheidenden Strafstoß. Die Italiener gewannen 3:2 n.E. und jubelten über den Titel.

Doch statt den jungen Spieler aufzubauen und lobende Worte wegen seines Mutes zu finden, kam es zu rassistischen und diskriminierenden Kommentaren unter dem jüngsten Bild von Saka auf Instagram.

Immer wieder wurden die Affen-Emojis genutzt, um Saka zu beleidigen. Mehrere User schrieben "F*uck you" unter sein Bild. Ein weiterer Nutzer schrieb: "Einer der schlechtesten Spieler, der je einen Fuß auf einen Fußball-Platz setzte." Keine aufmunternden Worte, die Saka nun eigentlich bräuchte. Stattdessen sogar Aufrufe zu Gewalt.

Auch Rashford und Sancho wurden beleidigt – Rashford meldet sich auf Instagram

Auch Marcus Rashford und Jadon Sancho, die beiden anderen englischen Schützen, die ihre Elfmeter nicht verwandeln konnten, erfuhren rassistische Anfeindungen – und Unterstützung. Rashford meldete sich am Dienstagabend mit einer emotionalen Nachricht zu Wort. Auf Instagram entschuldigte sich der 23-jährige Stümer von Manchester United für seinen verschossenen Elfmeter, bezog aber zugleich Stellung zu den Anfeidungen, die er und seine Teamkollegen in den letzten Stunden erfahren hatten.

Rashford schrieb, dass er zwar mit Kritik an seiner Leistung leben könne, er sich aber niemals dafür entschuldigen werde, wer er sei und wo er herkomme. "Ich bin Marcus Rashford, 23 Jahre alt, ein schwarzer Mann aus Withington, Süd-Manchester. Auch wenn ich sonst nichts habe, werde ich immer das haben." Er betonte die Gemeinschaft, die das englische Team in diesem Sommer geschaffen habe, und fügte an "Euer Erfolg ist mein Erfolg. Euer Scheitern mein Scheitern." Ein klares Statement an all die, die nun ausschließlich die drei Fehlschützen für die Final-Niederlage verantwortlich machen.

Rashfords stolzester Moment sei der, wenn er im England-Trikot von seiner Familie inmitten von Tausenden anderen angefeuert werde. Er schrieb, dass die meisten Nachrichten, die er bekommen habe, ihn positiv überwältigt hätten und er beim Empfang in seiner Heimatstadt nahe den Tränen war. Rashford, der in den Monaten zuvor auch für sein karitatives Engagement in den Medien Thema war, bedankte sich für all die netten Nachrichten und versprach, dass er stärker zurückkommen werde. Er postete dazu Bilder von Briefen mit Trostbotschaften, die er von Kindern bekommen habe.

Aufmunterung auch für Saka

Positive Kommentare gab es für den 19-Jährigen Saka zum Glück auch. Arsenal-Teamkollege Pierre-Emerick Aubameyang schrieb: "Ich bin stolz auf meinen kleinen Bruder. Darauf wird dein Erfolg aufbauen." Auch England-Legende Steven Gerrard sprach Saka Mut zu, veröffentlichte ein Foto von ihm und schrieb darunter: "So mutig, Junge."

Royals reagieren auf rassistische Beleidigungen

Auch das englische Königshaus reagierte. Prinz William veröffentlichte ein Statement auf Twitter. Darin heißt es: "Ich bin über die rassistischen Beleidigungen gegenüber den englischen Spielern nach dem Spiel gestern enttäuscht. Es ist absolut unakzeptabel, dass Spieler so ein abscheuliches Verhalten ertragen müssen. Es muss aufhören und alle, die involviert sind, müssen verantwortlich gemacht werden."

William war mit seiner Frau Kate und Sohn George im Stadion. Gemeinsam mussten sie die Niederlage der Engländer im Elfmeterschießen angucken. Gegen die rassistische Hetze ging William nun vor.

Mittlerweile hat auch die Metropolitian Police Ermittlungen aufgenommen, um die Täter ausfindig zu machen.

Johnson kündigt Konsequenzen für rassistische Beleidigungen an

Auch Englands Premierminister Boris Johnson verurteilte die rassistischen Beleidigungen gegen Sancho, Rashford und Saka scharf. "Diese englische Mannschaft verdient es, als Helden gewürdigt und nicht, in den sozialen Medien rassistisch beleidigt zu werden", schrieb Johnson bei Twitter: "Diejenigen, die für diese entsetzlichen Beleidigungen verantwortlich sind, sollten sich schämen."

Einige Tage später kündigte Johnson Stadionverbot für die Menschen an, die im Internet rassistische Beleidigungen äußern. Johnson erklärt: "Wenn jemand wegen rassistischer Beleidigungen im Internet schuldig befunden wurde, wird er nicht zum Spiel gehen. Kein Wenn und Aber, keine Ausreden." Grundsätzlich werden in Großbritannien bei Vergehen, die mit dem Fußball in Verbindung stehen schnelle Stadionverbote erteilt, als Abschreckungsmaßnahmen. Schon am 14. Juli scheinen die Konsequenzen erste Ergebnisse gebracht zu haben. Wie die "Greater Manchester Police" mitteilte, nahm sie einen Mann fest, der strafrechtlich relevante Beleidigungen im Netz geäußert hatte. Allerdings hatte sich der 37-Jährige selbst gestellt. Er befindet sich nun vorläufig in Gewahrsam.

Johnson kündigte auch an, gegenüber sozialen Netzwerken energischer vorzugehen, wenn sie nicht gegen den Hass in den eigenen Foren ankämpfen würden.

Der englische Verband reagierte ebenfalls in einer Pressemitteilung: "Wir könnten nicht deutlicher machen, dass jeder, der hinter solch widerlichem Verhalten steckt, als Anhänger unseres Teams nicht willkommen ist. Wir werden tun, was wir können, um die betroffenen Spieler zu unterstützen, und drängen zugleich auf die härtest möglichen Strafen für jeden, der verantwortlich ist."

Die Premier-League-Klubs boykottierten bereits Anfang Mai für vier Tage alle Sozialen Netzwerke, da es zuvor immer wieder zu rassistischen Beleidigungen gegen einzelne Spieler kam.

Auch in Deutschland solidarisierten sich viele mit den englischen Spielern. So schrieb Tänzerin Motsie Mabuse auf Twitter: "Beschützt diese Jungs!"

Es bleibt nur zu hoffen, dass sich Saka, Rashford und Sancho nur die aufmunternden Kommentare anschauen werden und sich durch die negativen nicht herunterziehen lassen, schließlich erfordert es auch großen Mut, in solch einer Druck-Situation zu den Strafstößen anzutreten.

(fgr/stu/lgr)

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