Lucas Hernández ist seit Juli Profi beim FC Bayern München.
Lucas Hernández ist seit Juli Profi beim FC Bayern München.
Bild: imago images / Sven Simon / frank hoermann

Weshalb Hernández zu Bayern wechselte – und warum jetzt ein Streit eskalieren könnte

15.10.2019, 13:1215.10.2019, 15:53

Er ist der teuerste Neuzugang der Bundesliga aller Zeiten. Für 80 Millionen Euro wechselte Lucas Hernández im Sommer von Atlético Madrid zum FC Bayern München. Mit dem französischen Fußballmagazin "France Football" sprach der 23-jährige Weltmeister nun unter anderem über seinen Transfer zum deutschen Rekordmeister.

"In Madrid hatte ich alles, was ich brauche", sagt der vielseitige Abwehrspieler, "doch es ist eine Verbesserung, wenn man zu Bayern geht. Ich wollte einen Schritt nach vorne machen." Bayern sei einer der besten Klubs der Welt, eine "Siegermaschine", Hernández habe sich mit dem Wechsel selbst etwas unter Druck setzen wollen: "In einen anderen Klub kommen, in dem die Sprache und Kultur anders sind, mich in Gefahr begeben und nicht in meiner kleinen Komfortzone in Madrid bleiben."

Seit rund 14 Wochen ist der Franzose, der in seiner bisherigen Karriere nur in Spanien spielte und auch einen spanischen Pass besitzt, nun in München. Und es läuft gut für beide Seiten – zumindest sportlich. Bayern ist, bis auf kleine Ausnahmen, erfolgreich in alle Wettbewerbe gestartet, Hernández gehört zum Stammpersonal, und er fühlt sich wohl in Bayern: "Die Verantwortlichen und die Spieler sagten mir, dass ich einer Familie beitreten werde. Das ist die Wahrheit", sagt er im Interview mit "France Football".

"90 Prozent der Vereine hätten mich nicht gekauft"

Er habe schon vor der Vertragsunterschrift absolutes Vertrauen des FC Bayern gespürt: "Sie hatten es (das Vertrauen, d. Red.) bereits bewiesen, indem sie mich gekauft haben, als mein Knie in schlechter Verfassung war. 90 Prozent der Vereine hätten keinen verletzten Spieler gekauft. Die Bayern waren aber überzeugt. Sie wussten, dass meine Verletzung nicht ohne war, aber wenn ich mich gut erholte und alles richtig machte, wäre es in Ordnung."

Der FC Bayern: Familie und "Siegermaschine".
Der FC Bayern: Familie und "Siegermaschine".
Bild: imago images / kolbert-press

Die von Hernández zitierte Bayern-Familie sorgt und kümmert sich allerdings so sehr um ihre Schützlinge, dass bereits vor der Länderspielpause ein Streit zwischen Klub und französischem Fußballverband (FFF) entbrannte. Der FC Bayern hatte dem Verband nach der 1:2-Niederlage am vergangenen Spieltag gegen die TSG Hoffenheim mitgeteilt, dass Hernández aufgrund seiner Blessur in München bleiben müsse.

Der Franzose hatte das Hoffenheim-Spiel und das gegen Tottenham in der Champions League zuvor verpasst. Das im Frühjahr operierte Knie machte laut Angaben der Münchner die Pause notwendig, Sportdirektor Hasan Salihamidzic sprach von einer "Stressreaktion".

Gegen den Willen des Klubs war Hernández dann aber zur Nationalmannschaft gereist und dort vom Ärzteteam der Équipe Tricolore an seinem verletzten Knie untersucht worden. Das ist deshalb möglich, weil die Vereine Nationalspieler in den Länderspielpausen abstellen müssen.

Hernández spielt 90 Minuten gegen die Türkei – gegen den Bayern-Willen und trotz der Warnung von Müller-Wohlfahrt

Münchens Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hatte sich sogar eingeschaltet und eine Mail an die Franzosen geschrieben, in der er dringend davor warnte, den Innenverteidiger nach seinen jüngsten Knieproblemen spielen oder unter Wettkampfbedingungen trainieren zu lassen. Viel zu groß sei die Gefahr einer erneuten Verletzung.

Am Freitagabend, gegen Island, spielte Hernández dann zunächst nicht. Doch jetzt hat dieser Streit zwischen Bayern München und dem FFF wieder neue Nahrung erhalten: Denn Hernández stand, trotz der Warnung von "Mull", dann am Montagabend in der Startelf des Weltmeisters im EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei (1:1), spielte 90 Minuten als linker Verteidiger.

Lucas Hernández (vorn) im Spiel gegen die Türkei am Montagabend.
Lucas Hernández (vorn) im Spiel gegen die Türkei am Montagabend.
Bild: imago images/PanoramiC/federico pestellini

"Ich bin irritiert", hatte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bereits vor der Länderspielreise über das Verhalten des französischen Verbandes gesagt und sich von den Franzosen "wegen des großen Risikos mehr Verständnis erwartet".

Sollte das 80-Millionen-Euro-Knie von Hernández nach dem Spiel gegen die Türkei und vor dem nächsten Bundesligaeinsatz auch nur ein kleines bisschen zwicken, könnte der Streit zwischen Klub und Verband eskalieren. Denn Bayern will bei seinem Rekordmann kein Risiko eingehen – verständlich bei einer solch großen Investition in zwei Fußballerbeine, von denen eines noch vor ein paar Wochen lädiert war. Zudem ist Hernández neben dem deutschen Nationalspieler Niklas Süle nur einer von zwei Innenverteidigern mit internationaler Spitzenklasse.

(as/mit sid und dpa)

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