Borussia Dortmunds Michael Zorc wird am Ende der Saison seine Karriere als Sportchef des Vereins beenden.
Borussia Dortmunds Michael Zorc wird am Ende der Saison seine Karriere als Sportchef des Vereins beenden. Bild: www.imago-images.de / Revierfoto

Nach Transfer-Enttäuschungen: BVB-Boss Zorc bewertet seine Arbeit ungewohnt kritisch und dämpft Erwartungen

22.04.2022, 17:59

Nach 24 Jahren wird der BVB-Sportdirektor Michael Zorc im Sommer sein Amt an Sebastian Kehl abgeben. Doch bevor der 59-Jährige einen neuen Lebensabschnitt antritt, rechnet er mit einigen Bundesliga-Zugängen des BVB ab und warnt seinen Klub vor einer überzogenen Erwartungshaltung.

Im Interview mit der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" kritisierte der scheidende Sportdirektor, dass der BVB es nicht geschafft habe, einige Fußballprofis "auf das nächste Level zu hieven." Zorc nannte dabei zwar keine konkreten Namen, doch es kann davon ausgegangen werden, dass insbesondere die in den vergangenen Jahren verpflichteten Spieler Thorgan Hazard, Nico Schulz und Julian Brandt seine Erwartungen enttäuscht haben.

BVB als Durchgangstation für Top-Spieler: Eine "Win-Win-Situation"

"Schritte nach vorne haben wir eher erreicht über unsere internationalen Top-Talente, die uns nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sportlich geholfen haben", erklärte Zorc im "WAZ"-Interview weiter und bezog sich hierbei direkt auf die Leistungen von Pierre-Emerick Aubameyang, Ousmane Dembélé, Jadon Sancho und Erling Haaland.

Dank einer Ausstiegsklausel von 75 Millionen Euro wird Stürmerstar Haaland aber wohl schon bald zu Manchester City wechseln. Bezüglich des baldigen Abgangs des Norwegers sei man beim BVB laut Zorc "völlig ruhig". Negativ aufgefallen sei ihm jedoch die immer kürzere Verweildauer der Profis in Dortmund. "Es wird für uns eine Herausforderung sein, zu versuchen, solche Top-Jungs länger bei uns zu halten."

Die Tatsache, dass Borussia Dortmund für einige Fußball-Stars nur eine Durchgangstation ist, sieht der BVB-Sportdirektor dennoch nicht allzu kritisch. "Das ist eine Win-Win-Situation. Auch bei Erling Haaland. Er hat sich bei uns entwickelt, und wir haben von ihm profitiert", resümierte Zorc. "Da kann man jetzt zwar sagen, man hätte ihm keine Ausstiegsklausel geben dürfen. Aber dann hätte man ihn gar nicht bekommen."

FC Bayern kann sich "zehn Gnarbys mehr leisten" als der BVB

Was ihm viel größere Sorge bereite, sei die überzogene Erwartungshaltung, die viele Leute an seinen Klub hätten. "Wir werden fast immer Zweiter – und es ist vielen Leuten nicht gut genug", echauffierte sich Zorc und verwies auf die ungleichen Voraussetzungen zwischen den Vereinen – schließlich habe der BVB im vergangenen Geschäftsjahr 285 Millionen Euro weniger Umsatz gemacht, als der FC Bayern. "Dieser Unterschied führt dazu, dass sich die Bayern, was die Gehälter angeht, circa zehn Gnabrys mehr leisten können als wir."

Der 59-Jährige erklärte im Interview weiter, dass einem für den zweiten Platz "keiner mehr auf dem Westenhellweg in Dortmund auf die Schulter" klopfen würde und warnte: "Diese Stimmung ist eine Gefahr für den Klub und seine 800 Mitarbeiter. Wir müssen davon wegkommen, dass man als gescheitert gilt, wenn man nicht Meister wird. Letzteres wird der Normalfall sein, und wir müssen dennoch die Möglichkeit haben, Zufriedenheit zu erreichen."

(fw)

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