Die Bayernspieler feiern den 2:1-Führungstreffer von Robert Lewandowski.
Die Bayernspieler feiern den 2:1-Führungstreffer von Robert Lewandowski.Bild: imago images/ANE Edition/takis sagias

Verletzte und Frust nach Bayern-Sieg gegen Piräus – aber es gab auch einen Lichtblick

23.10.2019, 15:4823.10.2019, 16:22

Neue Verletzungssorgen trüben die Stimmung beim FC Bayern. Die bittere Bilanz nach dem mühsamen 3:2-Sieg des Rekordmeisters in der Champions League gegen Olympiakos Piräus lautet: Drei Punkte gewonnen, zwei Spieler verloren. Javi Martínez musste zur Halbzeit wegen muskulärer Probleme ausgewechselt werden, und auch Rekordneuzugang Lucas Hernández humpelte, gestützt von einem Betreuer und Mannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt, vom Platz. Der Franzose verließ das Stadion am späten Dienstagabend auf Krücken.

Ein Schock für die Bayern: Erst fällt Chef-Innenverteidiger Niklas Süle monatelang wegen eines Kreuzbandrisses aus, und jetzt brechen auch noch zwei Alternativen für seine Position vorerst weg. Den Spanier Martínez hat es allem Anschein nach nicht so schlimm erwischt. Aber Lucas Hernández wird wohl ein paar Wochen ausfallen. "Wie lange, werden wir sehen. Es ist sicherlich ein Band angerissen", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic nach den ersten Untersuchungen.

Die Diagnose am Mittwoch brachte traurige Gewissheit:

Teilruptur des Innenbandes am rechten Sprunggelenk. Wie lange Hernández ausfallen wird, teilte der Verein nicht mit.

Lucas Hernández muss mit schmerzverzerrtem Gesicht den Platz verlassen.
Lucas Hernández muss mit schmerzverzerrtem Gesicht den Platz verlassen. Bild: imago images/ANE Edition/takis sagias

Salihamidzic sprach auch die Leistung der Münchener an, die trotz langer Ballbesitzphasen wenig zustande brachten: "Man wird verrückt, wenn man so ein Spiel anschaut. Es muss alles besser werden", schimpfte der Ex-Profi am Sky-Mikro ungewohnt heftig.

Noch finsterer sah der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge die Darbietung des Teams bei seiner Bankett-Ansprache: "Ich glaube nicht, dass diese Leistung, die wir gebracht haben, uns in diesem Jahr große Erfolge bescheren wird, wenn wir nicht langsam die Kurve kriegen."

Die Bayern schieben Frust. Doch trotz aller Verletzungs- und Leistungssorgen beim FC Bayern gab es auch einen kleinen Lichtblick. Der Hoffnungsschimmer am grauen bayerischen Fußballhorizont heißt: Thomas Müller.

Es lief nicht alles rund, aber es müllerte.
Es lief nicht alles rund, aber es müllerte.bild: imago images/focus images

Um eine Sache kurz vorwegzunehmen: Der Ur-Bayer, nach sechs Spielen erstmals wieder in der Startelf, machte zwar kein überragendes Spiel. Nachdem Trainer Niko Kovac ihn in der 86. Minute für Ivan Perisic vom Platz nahm, standen für den Ex-Nationalspieler 42 Ballkontakte, 31 Prozent gewonnene Zweikämpfe und eine Passquote von 71 Prozent zu Buche.

Aber in den entscheidenden Situationen machte Müller wieder das, was Müller auszeichnet. Er bereitete beide Tore von Robert Lewandowski vor. Beim ersten feuerte Müller per unkonventionellem Scherenschlagschuss auf den Kasten, Olympiakos-Keeper José Sa konnte diesen nicht festhalten, Lewandowski staubte ab. Beim zweiten Tor des polnischen Stürmers nach einem Eckball, stand Müller goldrichtig, konnte Lewandowski den Ball per Kopf auflegen.

bild: imago images/ane edition

Und auch am dritten Bayern-Tor durch Corentin Tolisso ließ der "Raumdeuter" endlich mal wieder aufblitzen, dass er das Spiel vorhersehen kann, eine Art siebten Fußballsinn hat. Er setzte auf dem linken Flügel Serge Gnabry mit einem simplen Pass in Szene. Der Nationalstürmer hatte dort viel Platz und Zeit, in den Rückraum zu passen, wo sich Philippe Coutinho zwar erst verhedderte, aber dann auf Corentin Tolisso ablegte. Der Franzose wuchtete den Ball von der Strafraumkante in den Winkel.

Anerkennung gab es von Bayern-Kapitän und Nationaltorwart Manuel Neuer. Der lobte Müllers Qualitäten nach dem Spiel bei Sky: "Müller ist einer, der Lücken füllt, viel redet und organisiert."

Müller hat zwei schlechte Jahre hinter sich. Diese Saison spielt er in der wenigen Zeit, in der Kovac ihn bislang einsetzt, sehr unauffällig, aber er liefert verlässlich Scorerpunkte: In 546 Spielminuten gelangen ihm schon sieben direkte Torbeteiligungen. Durchschnittlich alle 78 Minuten.

Müller macht Müllersachen: Hier stakst er in unverkennbarer Manier über den Platz.
Müller macht Müllersachen: Hier stakst er in unverkennbarer Manier über den Platz.bild: imago images/ane edition

In den vergangenen Wochen war Müller das Münchener Dauerthema: Geht er? Bleibt er? Wann spielt er wieder? Auf Nachfragen dazu reagierte der Spieler selbst am Dienstagabend genervt: "Langsam kann die Diskussion zu Ende gehen. Wir müssen schauen, dass wir unsere Spiele gewinnen", sagte er.

Müller darf sich nach seiner Leistung gegen Piräus dennoch Hoffnungen machen, bald wieder regelmäßiger in der Startelf zu stehen. Philippe Coutinho, für den Müller in den vergangenen sechs Spielen weichen musste, glänzte nämlich am Dienstagabend auch nicht besonders.

Die gute Nachricht nach einem irgendwie verkorksten Sieg in Griechenland: Es müllert wieder in München.

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(as/mit Material von dpa)

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