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Nationalelf: Alle Stars fit – aber es gibt zwei Gründe zur Sorge

Luis Reiß, eppan

Das Vorbereitungscamp der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für die WM in Russland ist zu Ende. Zeit für eine erste große Abrechnung.

An den Auftritten von Bundestrainer Jogi Löw ist die Entwicklung während des Trainingslagers der deutschen Fußball-Nationalelf in Südtirol hervorragend abzulesen. Zu Beginn wirkte er motiviert, heiß auf den Titel, aber gleichzeitig auch sehr entspannt und gelassen. Nach der enttäuschenden Testspiel-Niederlage gegen Österreich (1:2) nahm aber auch bei ihm die Anspannung zu. Die Nominierung des WM-Kaders wollte er auf der Pressekonferenz nicht mehr im Detail begründen.

Was macht der Nationalelf Hoffnung – und was ist ein Grund zur Sorge?

Das ist positiv:

Manuel Neuer ist zurück

Der Kapitän absolvierte alle Trainingseinheiten ohne Probleme, er überstand zwei verkürzte Testspiele gegen die eigene U20-Auswahl und 90 Minuten gegen Österreich ohne Probleme. Bei mehreren Untersuchungen seines linken Fußes wurden keine neuen Verletzungen festgestellt. Mit seiner Nominierung zur deutschen Nummer eins geht Bundestrainer Löw nach neun Monaten ohne Spielpraxis zwar ein Risiko, immerhin würde mit Barcelonas Marc-André ter Stegen ein Weltklasse-Ersatz bereitstehen. Doch Neuers Mitspieler betonten immer wieder, wie viel alleine die Ausstrahlung des mehrfachen Welttorhüters bewirkt – bei der Abwehr und den Gegnern.

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Bild: sampics

Der Rauswurf von Leroy Sané aus dem deutschen WM-Kader hat für viel Aufsehen gesorgt.

Jeromé Boateng wird es schaffen

Der Abwehrspieler des FC Bayern ist nach seinem Muskelbündelriss seit dem vergangenen Dienstag wieder im Mannschaftstraining. Etwas später als geplant, aber wohl immer noch rechtzeitig, um zumindest ab dem zweiten oder dritten Vorrunden-Spiel in Russland auflaufen zu können. Warum er so wichtig sein wird, verdeutlichte die Testspiel-Pleite gegen Österreich. Als der Gegner die deutsche Abwehr früh unter Druck setzte, landete die Spieleröffnung der deutschen Innenverteidiger Süle und Rüdiger meistens beim Gegner. Die gefürchteten langen Bälle über 50 oder 60 Meter von Hummels und Boateng können ein enorm wichtiges Mittel werden.

Auch sonst gab es keine schweren Verletzungen

Vor der EM 2016 traf es Verteidiger Antonio Rüdiger, vor der WM 2014 Marco Reus. Beide fielen im Trainingslager mit schweren Verletzungen aus, der Bundestrainer wurde einer Alternative beraubt. Diesmal ist das anders: bis auf leichte muskuläre Probleme bei Mario Gomez konnten alle Spieler alle Trainingseinheiten absolvieren – so gut lief es noch nie. Zuletzt bereitete nur die Knieprellung von Mesut Özil Sorgen – der Mittelfeldspieler fällt im letzten Test gegen Saudi-Arabien aus.

Das ist negativ:

Die Pleite gegen Österreich sorgt für Zweifel

Erschreckend war nicht, dass die deutsche Mannschaft mitten im kräftezehrenden Trainingslager gegen den Nachbarn verlor. Das passierte dem DFB-Team auch schon vor anderen großen Turnieren. Erschreckend war das Wie. Taktische Fehler und leichte Fehlpässe hat eine deutsche Nationalmannschaft in dieser Form lange nicht mehr gezeigt. Dementsprechend unzufrieden war Bundestrainer Löw, der anschließend betonte, dass sich kein Spieler aufgedrängt habe und es so keine Chance bei der WM in Russland geben würde. Auch wenn er immer wieder betont, wie zuversichtlich er im Hinblick auf das Turnier ist. Seine harten Worte zeigen, dass auch im Trainer-Team die Alarmglocken läuten.

Fan-Ärger über Özil und Gündogan lenkt ab

Eine zweite schlechte Nachricht gab es nach dem Test gegen Österreich. Nach ihrem Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan sind die Mittelfeld-Stars Mesut Özil und Ilkay Gündogan konsequent ausgepfiffen worden. Besonders laut wurde es nach Özils Tor und bei seiner Auswechslung. Gündogan bekannte am Medientag der Nationalelf: „Man ist Pfiffe von gegnerischen Fans gewohnt, aber wenn die eigenen Fans pfeifen, dann ist es schwierig damit umzugehen.“ Gündogan hat zumindest seine Sicht der Dinge erklärt, Özil schweigt und nahm am Medientag der Nationalelf als einziger Spieler nicht teil. Es wird sich zeigen müssen, ob der Ärger der Fans durch gute Leistungen bei der WM erlischt – oder ob die Unterstützung aus der Heimat diesmal kleiner sein wird als bei vorherigen Turnieren.

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Bild: Pool Presdential Press Service/A

Wie geht es jetzt weiter?

Die Nationalelf fliegt am Donnerstagnachmittag aus Bozen nach Köln, wo sie übernachtet. Am Freitag bestreitet sie im benachbarten Leverkusen das letzte Testspiel vor der WM gegen Saudi-Arabien (19.30 Uhr/ARD und im Liveticker bei t-online.de). Noch in der Nacht reisen die Spieler einzeln ab. Sie treffen sich erst am Dienstag, 12. Juni, wieder in Frankfurt, bevor es mit dem Flieger nach Moskau geht. In Vatutinki, etwa 20 Kilometer außerhalb der Hauptstadt, bezieht der DFB-Tross dann sein Quartier.

Dieser Texte erschien zuerst auf t-online.de

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