Oliver Kahn ist seit Januar 2020 im Bayern-Vorstand.
Oliver Kahn ist seit Januar 2020 im Bayern-Vorstand. Bild: FC Bayern München/Pool/Pressefo / imago images

Bayern-Boss Kahn über Depressionen als Profi: "Ich war einfach erschöpft"

20.10.2021, 12:2920.10.2021, 12:39

Mit dem Spieler Oliver Kahn verbinden wohl viele Fußball-Fans den langjährigen Anführer der Bayern, der auch mal zur Konkurrenz einen markanten Spruch brachte, um sie zu verunsichern und die Vormachtstellung der Münchner zu sichern. Auch Entgleisungen kommen in den Kopf, wie beispielsweise den Kung-Fu tritt gegen Heiko Herrlich 1999 oder den Nacken-Greifer gegen Thomas Brdaric 2002.

In der neuen, sechsteiligen Bayern-Dokumentation von Amazon (Bayern – Behind the Legend, ab 2. November) lernen die Fans aber auch einen anderen Oliver Kahn kennen. Offen wie selten, spricht der heutige Bayern-Vorstand über mentale Probleme, Depressionen und Burnout, die er während seiner Karriere hatte.

Tiefpunkt für Kahn Ende der 1990er Jahre

"Depressionen und Burnout, das sind alles Dinge, die zusammenspielen", erzählt Kahn, ehe er spezifisch auf seine Probleme eingeht. "Ich war einfach erschöpft. Das war Ende der 90er Jahre. Ich glaube, wenn man die eigene Treppe zu Hause nicht mehr hochkommt, ohne dass man oben erschöpft umfällt, dann fängt man an, sich Gedanken zu machen."

Kahn, der in seiner Spielerzeit als sehr ehrgeizig galt, hat seinem Körper wohl zu viel abverlangt. Sein Vorstands-Kollege Hasan Salihamidžić sagt über Kahn als Spieler: "Der Oli war im positiven Sinne besessen vom Erfolg und von Arbeit."

"Wenn man es nicht mehr schafft, diese Regelmäßigkeit zwischen An- und Entspannung hinzubekommen, ist es auch ein Signal des Körpers, dass jetzt Schluss ist und man nicht mehr kann."
Oliver Kahn über mentale Probleme

Genau das sieht Kahn allerdings problematisch: "Man sieht, wo es einen hinbringen kann, dieses immer höher und immer weiter und noch weiter und nochmal einen draufsetzen und immer noch nicht zufrieden sein. Wenn man es nicht mehr schafft, diese Regelmäßigkeit zwischen An- und Entspannung hinzubekommen, ist es auch ein Signal des Körpers, dass jetzt Schluss ist und man nicht mehr kann. Es ist eben nicht alles machbar."

Es ist nicht das erste Mal, dass Kahn über die mentalen Probleme während seiner Karriere spricht. Bereits 2017 erzählte er in der WDR-Sendung "Ich stelle mich" bei Sandra Maischberger von einem Burnout. Auslöser sei dabei das dramatisch verlorene Champions-League-Finale 1999 gewesen, das der FC Bayern 1:2 gegen Manchester United verlor.

Besonders pikant dabei: Beide Treffer erzielten die Engländer in der Nachspielzeit. Über seine damalige Situation sagte Kahn 2017: "Geistig und körperlich ging gar nichts mehr. Ich bin morgens aufgewacht und wusste nicht mehr, wie komme ich jetzt eigentlich zum Training? Wie schaffe ich es überhaupt, im Haus die Treppe runterzukommen."

Er habe gemerkt, dass er etwas ändern müsste. Viele Gespräche mit der Familie seien besonders wichtig gewesen für ihn.

(stu)

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Im Topspiel am Samstag bei Borussia Dortmund reichte es für Niklas Süle nur für einen Kurzeinsatz über 16 Minuten. Dennoch ist der Innenverteidiger unter Trainer Julian Nagelsmann eine feste Größe in der Defensive und liegt im teaminternen Ranking der Spielminuten auf Platz 9.

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