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King Karol: Sein Youtube-Account Goalkeeperz ist einer der größten Fußball-Channels in Deutschland. bild: michael romacker

Interview

Youtuber Karol: Von der Aldi-Kasse zu einem der bekanntesten Torhüter

King Karol. So heißt Karol auf Instagram. Seine treuen Fans begrüßt er in seinen Stories mit "Kings" und "Queens". Karol ist Torwart. Auch wenn er noch keine Minute im Profifußball gespielt hat, hat er mehr Follower als so mancher Bundesliga-Keeper. Sein Stadion heißt Youtube. Sein Account Goalkeeperz ist dort einer der größten Fußball-Channels in Deutschland. Wenn es nach ihm geht, ist er nicht nur einer der bekanntesten Torhüter Deutschlands, sondern auch einer der besten.

Wenn er das sagt, lacht er. "Ich habe eine sehr große Schnauze", schmunzelt er, als watson ihn in Berlin bei einem Fotoshooting für seinen Ausrüster Adidas trifft. Karol nimmt sich Zeit. Er will seine Geschichte erzählen. Wie er im Alter von fünf Jahren aus Polen in ein kleines Dorf in der Nähe von Stuttgart umsiedelte und seinen Traum Profifußball wegen privater Probleme begraben musste. Doch Karol gab nicht auf. Hinter dem vermeintlich arroganten Youtuber steckt ein Mann, der hart für seinen Traum gearbeitet hat. "Ich war in der Schule faul, aber mittlerweile arbeite ich 365 Tage im Jahr", erzählt er. "Wer das durchgemacht hat, was ich durchgemacht habe, der kann nicht mehr chillen."

Im Interview erzählt Karol, wie ein Dreh mit Hakan Calhanoglu außer Kontrolle geriet, wieso Lukas Podolski ihm auf dem Platz so ähnlich war und warum er seinen Fans vielmehr als nur Videos von gehaltenen Bällen mitgeben will.

Vergangene Saison hattest du dein Comeback in der Kreisliga gegeben – jetzt hast du deine Vereinskarriere endgültig an den Nagel gehängt, warum?
Karol: Ich habe in der Kreisliga B nochmal angefangen, und habe mir vor einigen Monaten eigentlich noch das Ziel gesetzt Profi zu werden. Ich habe nach der einen Saison auch schon Angebote aus der Oberliga gehabt, aber ich habe gemerkt, dass ich das mit vier oder fünf Tagen in der Woche zeitlich einfach nicht schaffe. Deswegen werde ich mich nur noch auf Youtube konzentrieren und nicht mehr im Verein spielen.

Karol erzählt watson-Redakteur Benedikt seine Geschichte. bild: michael romacker

Du nennst dich selbst "King" und behauptest, du seist der beste deutsche Torhüter, der nicht im Verein spielt. Was sagst du zu den Menschen, die dich arrogant finden?
Mein Name heißt auf Russisch König. Aber mal ganz ehrlich: Ich war der allererste Torwart auf Youtube. Und ich bin auch der beste Torwart in Deutschland auf Youtube. Zeig mir einen Torhüter, der besser ist als ich! Nur weil die Wahrheit arrogant klingt, bin ich das nicht. Haben die anderen gegen Lewandowski einen Winkelschuss mit Ansage nur mit einer Hand gehalten? Haben die anderen gegen Balotelli performt? Haben sie so krass gegen Hakan Calhanoglu, den damals wohl besten Freistoßschützen der Welt, gehalten, dass sein Berater sogar nervös wurde? Nein, das war ich.

Was war mit dem Berater von Hakan Calhanoglu?
Ich weiß gar nicht, ob ich das erzählen darf. Aber ich mach es trotzdem, ist ja eine nette Geschichte. Ich kann ein bisschen Türkisch und bei unserem Dreh mit ihm rief der Berater nach einer Stunde, dass er doch endlich mal richtig machen soll. Hakan schrie zurück, dass er schon richtig schießen würde. Er hat dann seine Jacke ausgezogen und hat dann wie ein Verrückter nur noch auf mein Tor geballert. Ich musste irgendwann mit einem Krampf aus dem Tor gezogen werden. Ich wollte und will einfach jedem zeigen, dass ich der Beste bin. Das habe ich an dem Tag gezeigt. Da gehört mal solch ein Glanztag dazu, aber auch mal, dass man auf die Fresse bekommt und an seine Grenzen gebracht wird.

Wer brachte dich denn von den ganzen Profis an deine Grenzen?
Julian Weigl vom BVB. Mit dem habe ich noch eine Rechnung offen. Beim Elferschießen hat er mich mit zwei Chips alt aussehen lassen. Aber das gehört dazu. Ich sage trotzdem, dass ich der Beste bin. Das wissen alle Zuschauer. Das klingt wieder arrogant, aber ich wünschte mir, dass noch mehr Torhüter auf Youtube zeigen, was sie können. Mein Ziel ist: Ich will der bekannteste Torhüter der Welt werden, der nicht im Verein spielt. In meinem Kopf bin ich das schon. Jetzt heißt es, weiter dran zu bleiben und Fakten zu schaffen.

Welcher Spieler hat dich sonst noch krass herausgefordert?
Jeder Dreh war besonders, ob Profi oder nicht. Aber der Drehtag mit Hakan war der heftigste.

bild: michael romacker

Wer war der lustigste Profi?
Ganz klar Balotelli. Der hat nur Späße gemacht und einfach auf vieles geschissen. Der Berater meinte, er soll jetzt aufhören zu schießen und dann habe ich ihn ein wenig angestachelt, dass er doch noch mal treffen solle. Und er hat dann einfach weiter gezockt. Aber auch Lewandowski und Podolski waren cool, weil wir uns auf Polnisch unterhalten konnten. Poldi ist eins zu eins Karol: große Schnauze und der beste Spieler auf dem Feld.

Konntest du von Manuel Neuer noch was lernen, als du mit ihm gedreht hast?
Es war cool, mit dem wohl besten Torhüter der Welt zu spielen. Mit Neuer bin ich aber nicht warm geworden, weil er sehr sehr professionell war. Ist ja gar nicht verwerflich, war ja auch beruflich. Aber auch deswegen sind die coolsten Drehtage eher mit den Jungs von Adidas Glitch (Eine Fußballschuhkollektion des Sportartikelherstellers, d. Red.) wie Robin Hack oder Valentino Lazaro. Das sind Jungs in meinem Alter, wir sind vom Slang und den Interessen einfach sehr ähnlich und wir befinden uns auf Augenhöhe.

Du bist auch auf Instagram sehr aktiv und schon lange nicht mehr nur ein Torhüter. Was willst du deinen Fans mitgeben?
Ich weiß, dass ich verfickt viel Einfluss habe und kriege jeden Tag Nachrichten von Fans. Ich bin Trainer, Mentor, Entertainer, TEAMFK-Member (Der Youtube-Channel Freekickerz, d. Red.) und ab und an fühl ich mich wie ein großer Bruder für manche Zuschauer. Das ist viel Verantwortung, das weiß ich. Aber ich weiß auch, dass ich viel bewegen kann. Ich will Mädchen und Jungs ein Vorbild sein und sie nicht nur als Torhüter besser machen, sondern auch als Menschen weiterentwickeln, sie motivieren und unterstützen. Ich will den Kindern was zurückgeben, fußballerisch und menschlich. Sie haben mir geholfen, mein Hobby zum Beruf zu machen und das will ich zurückgeben.

bild: Michael Romacker

Wie hoch ist der Druck für dich?
Der Druck ist enorm. Einerseits wegen der Verantwortung: Ich will für die Kinder da sein und ihnen helfen. Andererseits schwingt bei mir als Youtuber auch immer ein bisschen die Angst mit, ob ich morgen noch aktuell und cool bin. Aber ich habe keine Angst davor. Ich denke mir: Ich bin Karol, ich habe es bis hier geschafft und ich will dieses Leben nicht wegwerfen. Ich weiß, wer ich bin und was ich kann, deswegen mache ich mir keinen Kopf mehr.

Du hast auf deinen Händen ein christliches Kreuz und den islamischen Halbmond tätowiert. Was steckt dahinter?
Fußball verbindet und ich versuche das auch. Ich bin mit beiden Religionen groß geworden. Mein Vater ist Moslem, meine Mutter Christin. Meine Uroma war sogar Jüdin und hat das KZ überlebt. Meine wunderbaren Eltern haben mich so erzogen, dass ich frei wählen durfte, was ich glaube. Mir ist es wichtig, dass die Leute verstehen, dass jeder Glaube auf seine Art und Weise speziell ist, aber trotzdem können wir gemeinsam in Harmonie leben, ohne Angst zu haben. Auch deshalb mögen mich viele meiner Zuschauer, weil jeder sich in mich hineinversetzen kann und umgekehrt: Ich kenne das Temperament der Araber, ich weiß, wie die Menschen im Ostblock ticken, aber am Ende bin ich auch Deutscher, weil ich hier groß geworden bin. Ich bin Multikulti.

Karols Leben ist auf seinen Händen verewigt: Kreuz, Halbmond, "GKZ" und die Krone. bild: michael romacker

Du warst vor Youtube auf dem besten Weg zum Profi. Warum hast du es nicht gepackt?
Ich habe in der Jugend bei Sonnenhof-Großaspach gespielt, die spielen in der dritten Liga. Mein Torwarttrainer war Georg Koch, der früher in der Bundesliga gespielt hat, und er meinte zu mir, dass ich Minimum Regionalliga spielen kann. Die U19 von Polen hatte mich gescoutet und ich wurde zum Sichtungstraining der U21 geladen. Aber dann habe ich Anfang 2016 den Fußball, meinen Ausbildungsjob bei Aldi und mein Fachabi hingeschmissen. Und ich bin zu Hause rausgeflogen.

Warum?
Da war zu der Zeit ein sehr großes Familiendrama. Meine Eltern haben sich getrennt. Ich bin der Älteste in der Familie und habe drei kleinere Geschwister. Ich habe mir da den Druck gemacht, dass ich das alles auffangen muss. Es gab viel Streit. Nachdem meine Mutter gemeinsam mit meiner kleinen Schwester ausgezogen ist, war ich gemeinsam mit meinen zwei kleinen Brüdern bei meinem Vater, jedoch nicht lange, da ich zu dem Zeitpunkt zu den Freekickerz gekommen bin und mein Geld durch Youtube verdienen wollte beziehungsweise verdient habe. Das hat meinen Vater, glaube ich, in der Situation in der wir uns befunden haben, nicht gepasst. Für ihn war es schwer verständlich, dass ich diesen speziellen Weg gehen will.

Wo bist du hin, nachdem du rausgeflogen bist?
Ich hab mir meinen PC und zwei Taschen gepackt und habe meinen besten Freund angerufen. Er bot mir an, dass ich auf seiner Couch pennen kann. An diesem Punkt wusste ich, dass ich das jetzt durchziehen muss. Ich habe damals bei Aldi an der Kasse gearbeitet und habe da mit breiter Brust gekündigt, weil ich mit großen Tönen angekündigt habe, mit Fußball mein Geld zu verdienen. Ich wollte da nie wieder hin zurück. Und Konzi hat mir damals vor allem geholfen...

bild: michael romacker

Konzi von den Freekickerz, einem der größten Fußball-Youtube-Accounts der Welt, hat dich da zu Videodrehs mitgenommen...
Ja, er hat mich supportet und mir die Möglichkeit gegeben, immer in Videos mitzuspielen. Ich liebe diesen Typen bis heute und danke ihm, dass er mich da so unterstützt hat. Ich wusste, dass das hart wird und ich auf vieles verzichten musste. Ich hab in der Zeit von 150 Euro im Monat durch ein paar Einnahmen von Youtube gelebt, konnte bei meinem Kumpel nicht mal Miete zahlen. Ich wusste, ich muss alles dafür tun, Youtube-Star zu werden. Ich habe selbst an Silvester die ganze Nacht über Videos geschnitten. Konzi hat mich zu so vielen Drehs mitgenommen und ich habe selbst so viel produziert. Ich bin 2017 mit 30.000 Followern gestartet und mein Ziel waren 100.000 am Ende des Jahres – doch ich habe sogar die 190k geknackt. Da wusste ich: Arbeit lohnt sich!

Hast du durch Konzi erst mit Youtube angefangen?
Ja, irgendwie schon. Ich habe früher mal mit zwölf Jahren angefangen auf Youtube Pokémon Let's Plays hochzuladen, aber dann aufgehört, weil es damals peinlich war. Als ich 16 war, hat ein Mannschaftskollege mich dann unter einem Beitrag von Konzi und den Freekickerz markiert, der nach Torhütern gesucht hat. Ich kannte den Channel gar nicht und wohnte auch auf der ganz anderen Seite von Stuttgart, aber ich wollte den Tausenden Leuten, die diesem Typen folgen, zeigen, dass ihn schlagen kann. Ich habe geschrieben: "Ich bin der Beste, ich halte jeden Ball." Das würde ich heute noch immer so schreiben.

Wie ging es weiter?
Zeitlich haben wir uns immer wieder verpasst, aber irgendwann habe ich mich vom Arzt krank schreiben lassen und eine Woche lang jeden Tag mit denen gedreht. Nach einem Jahr und vielen Drehs meinte Konzi zu mir, dass ich einen Torwartkanal aufbauen solle. Ich habe meine letzten 350 Euro von meinem letzten Aldi-Gehalt genommen, um mir eine Kamera zu kaufen. Und dann ging es los.

Was hast du dir von deinem ersten großen Gehalt gekauft?
Mitte 2017 hatte ich das allererste Mal einen lila Schein mit meinem Kanal durch Werbung und Productplacement verdient. Ich habe das in meinen Kanal investiert, das mache ich immer noch mit meinem meisten Geld. Neue Kameras, Equipment, neue Klamotten und so weiter. Ich will ja auch vor der Kamera gut aussehen und die Kids verbinden auch Style mit Fußball mittlerweile. Erst seit diesem Jahr wohne ich auch nicht mehr auf der Couch von meinem Kumpel. Klar, man verdient gutes Geld als Influencer, aber finde mal im Schwabenländle eine Wohnung ohne geregeltes Einkommen. Die Vermieter geben dir da nicht viel, wenn du sagst, dass du dein Geld mit Youtube verdienst. Irgendwann hat aber auch der schwäbische Vermieter verstanden, dass das ein richtiger Job ist.

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