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Rafael van der Vaart sagt am 13. Oktober in Hamburg "Tschüss". bild: imago images / Team 2

Interview

Rafael van der Vaart über seine Karriere, seine Fehler und den miesesten Gegenspieler

199 Mal, so oft lief Rafael van der Vaart für den Hamburger SV auf. Zwischen 2005 und 2008 sowie von 2012 bis 2015 spielte sich der 36-Jährige in die Herzen der Hamburger – und die Hamburger fanden einen Platz im Herzen des Offensiv-Spielers. Nun will "Rafa" die 200 mit seinem letzten Spiel voll machen: Unter dem Motto "Good to be back – Danke HSV! Danke Hamburg" bestreitet er am 13. Oktober mit lauter Weltstars sein Abschiedsspiel im Volksparkstadion.

"Zu Hamburg habe ich eine spezielle Beziehung", sagt van der Vaart, der zuletzt für Esbjerg fB in Dänemark spielte und knapp die Hälfte seiner Profilaufbahn für den HSV auflief. Der niederländische Vizeweltmeister von 2010 blickt im Gespräch mit watson auf seine einzigartige Karriere zurück, spricht über seinen schlimmsten Fehler, das größte Highlight und den unangenehmsten Gegenspieler seiner gesamten Karriere.

watson: War Ihnen beim Gedanken an ein Abschiedsspiel sofort klar, dass es in Hamburg stattfinden soll?

Rafael van der Vaart: Ich musste nicht lange nachdenken, denn zu Hamburg habe ich eine spezielle Beziehung. Trotz meines Wechsels ins Ausland wurde ich bei meiner Rückkehr wieder herzlich aufgenommen – wie in einer Familie. Mein Sohn wohnt auch noch immer hier und ich habe viele Bekannte in der Stadt. Ich komme noch immer gern nach Hamburg.

Ihre Karriere hatte viele Highlights. Gibt es ein Ereignis, das alles überragt?

Ja, da muss ich auch nicht viel nachdenken: Das WM-Finale 2010 in Südafrika war der größte Moment meiner Karriere. Wenn man da auflaufen darf, dann merkt man schnell, dass es das größte Spiel ist, das man als Fußballer spielen kann. Leider war die Niederlage (0:1 gegen Spanien, d. Red.) auch der größte Tiefpunkt meiner Karriere.

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Gab es einen solchen Moment auch beim HSV, den Sie besonders in Erinnerung haben?

Ja, das war 2005 in der Europa League, wo ich auswärts in Kopenhagen in allerletzter Sekunde das Siegtor geschossen habe. Damals haben wir aber auch gegen Bayern München geile Spiele abgerissen und in einer Saison zweimal gegen sie gewonnen. In der Bundesliga sind wir da Dritter geworden. Das sind Emotionen, die man nicht so schnell vergisst.

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Van der Vaart gewinnt mit dem HSV (und Legenden wie van Buyten, Mpenza, Jarolim oder Barbarez) im Jahr 2005 den UI-Cup. Bild: imago images / Miguelez Sports Foto

Ajax Amsterdam, Hamburger SV, Real Madrid oder Tottenham Hotspur – Sie haben bei großen Klubs und internationalen Topadressen gespielt. Gab es einen Verein, bei dem Sie mal gerne gespielt hätten, aber es nie dazu kam?

Nein, eigentlich nicht. Ich bin froh darüber, wo ich überall gespielt habe. Ich wollte immer nach Spanien, weil meine Mutter daherkommt. Es gab Angebote aus Italien, aber dazu ist es nie gekommen. Neben Spanien wollte ich auch in der englischen Premier League spielen – das habe ich geschafft. Die Bundesliga hatte ich nicht eingeplant, aber das ist dann so passiert und es war die beste Entscheidung nach Deutschland zu kommen.

Karriere-Stationen von Rafael van der Vaart

Ajax Amsterdam – 156 Spiele – 63 Tore

Hamburger SV – 199 Spiele – 66 Tore

Real Madrid – 73 Spiele – 12 Tore

Tottenham Hotspur – 77 Spiele – 28 Tore

Betis Sevilla – 9 Spiele

FC Midtjylland – 20 Spiele – 3 Tore

Esbjerg fB​ – 4 Spiele

Niederländische Nationalmannschaft – 109 Spiele – 25 Tore​

Als Sie mit dem HSV so groß aufspielten und auch die Bayern bezwungen haben – gab es da irgendwann eigentlich mal ein Angebot von Uli Hoeneß?

Nein, das hat sich nie ergeben. Natürlich habe ich gemerkt, wenn ich gut spiele, dass die Medien über Bayern-Gerüchte schreiben. Aber da war nie etwas dran.

Rafael van der Vaart (HSV) - Torjubel

2005, als der HSV noch ein Spitzenklub war: Van der Vaart schoss in seiner Karriere insgesamt 66 Tore für die Rothosen. Bild: imago/Team 2

Würden Sie in Ihrer Karriere nochmal alles genauso machen?

Es gibt Momente, in denen ich mir denke: 'Das war nicht gut, dass ich das gemacht habe.' Doch ich würde alles wieder genauso machen. Das liegt daran, dass man aus Fehlern lernt und durch sie größer wird. Am Ende bin ich ein sehr zufriedener Mensch.

Aus welchem Fehler haben Sie denn am meisten gelernt?

Die Valencia-Geschichte beim HSV damals, wo ich unbedingt wechseln wollte und auf dem Foto mit dem Trikot posiert habe, war ein großer Fehler. Ich habe versucht, den Wechsel unbedingt hinzubekommen. Das war eine Art und Weise, die nicht in Ordnung war. Das hätte ich anders machen müssen.

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2007 sehnte sich van der Vaart nach einem Wechsel zu einem Top-Verein in Spanien, dem Heimatland seiner Mutter. Dieses Bild mit einem Trikot des FC Valencia sollte einen Transfer vorantreiben – doch der HSV ließ ihn nicht ziehen. Ein Jahr später wechselte er zu Real Madrid.

Gegen welchen Gegenspieler war es auf dem Platz besonders unangenehm?

Mark van Bommel! Ich habe immer gesagt: 'Van Bommel ist das größte Arschloch, wenn der nicht in deiner Mannschaft spielt. Aber, wenn du mit ihm spielst, ist es das Beste überhaupt!' Er ist ein Gewinner-Typ. Ich habe mit Ajax oft gegen PSV Eindhoven und ihn gespielt, und er musste jedes Mal eigentlich drei Rote Karten bekommen. Doch er hat immer mit dem Schiri geredet und am Ende blieb er auf dem Platz.

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Schmerz! Van Bommel im Bayern-Trikot (l.) hackt van der Vaart um. bild: imago images/baering

Haben Sie auch einen Mitspieler in Ihrer Karriere gehabt, der Vorbild und Mentor war?

Ruud van Nistelrooy war einer, den ich immer für seine Mentalität und seinen absoluten Ehrgeiz bewundert habe. Er hat mir gezeigt, was man tun muss, um Profi zu sein. Dass man das leben muss.

AMSTERDAM, Stadion Amsterdam Arena , 02-06-2012 Oefeninterland Nederland - Noord Ierland 6-0. Rafael van der Vaart wordt geprobeerd als verdedigende middenvelder in de plaats van Mark van Bommel. nederland - noord ierland *** AMSTERDAM Stadium Amsterdam Arena 02 06 2012 Exercise Country Netherlands Northern Ireland 6 0 Rafael van der Vaart is attempted as a defensive midfielder in the place of Mark van Bommel Netherlands Northern Ireland PUBLICATIONxNOTxINxNED

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Rafael van der Vaart (l.) und Mark van Bommel verstehen sich prächtig – wenn sie wie hier in der niederländischen Nationalmannschaft in einem Team spielen. Bild: imago images / Pro Shots

Robben, van Bommel, Sneijder, Kluivert, Seedorf, van Nistelrooy oder Westermann: Sie haben zahlreiche Weltstars zu Ihrem Abschiedsspiel eingeladen. Haben Sie eher an Freunde oder an Vorbilder beim Zusammenstellen der Mannschaften gedacht?

Beides natürlich. Man geht da über eine Liste und denkt sich: 'Wow, stimmt, mit dem habe ich ja auch noch zusammengespielt!' Man vergisst da ja auch viele über die Jahre. Ich wollte einfach eine geile Truppe zusammen bekommen. Ich habe viele eingeladen, und natürlich können einige auch nicht, aber es gab genug Spieler, die richtig Bock auf das Event haben.

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Dutch Connection bei Real Madrid: Rafael van der Vaart im Jahr 2008 mit seinen Landsleuten Ruud van Nistelrooy und Arjen Robben. Bild: imago images / Oliver Hardt

Mussten Sie bei jemandem ein bisschen mehr Überzeugungsarbeit leisten, um ihn nach Hamburg zu lotsen?

Nein, gar nicht, bei niemandem musste ich mehrmals anklopfen. Mark van Bommel hatte ich angerufen, und bevor ich ihn gefragt hatte, hatte er schon ja gesagt. Der hat richtig Bock. Ruud van Nistelrooy war auch einer der ersten, der sofort kommen und seine ganze Familie mitbringen wollte.

Zuletzt sprachen Sie über zwei andere Spieler, die nichts mit Ihrem Abschiedsspiel zu tun haben: Sie wünschten sich, dass Mats Hummels und Jérôme Boateng wieder in der deutschen Nationalmannschaft spielen. Warum?

Ich finde, wenn man einen Umbruch in der Nationalmannschaft herbeiführen will, muss die neue Generation genauso gut beziehungsweise viel besser sein. Und ich habe die Verteidiger beim Spiel gegen Holland gesehen (Süle, Tah und Ginter, d. Red.) und das war nicht so, dass ich 'Wow' gedacht hätte. Hummels spielt noch jede Woche und ich finde, er sollte wieder dabei sein. Er ist immer noch der beste Verteidiger in Deutschland. Ist doch egal, dass er jetzt aussortiert wurde. Man kann doch da sagen: 'Ich habe einen Fehler gemacht, willst du wieder bei uns spielen?'

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Sein letztes Spiel für den HSV bestritt van der Vaart beim Relegationssieg 2015 in Karlsruhe. Bild: imago/MIS

Wie sieht die Zukunft nach Ihrem Abschiedsspiel aus: Streben sie an, Manager oder Trainer zu werden? Gibt es vielleicht sogar Pläne zum HSV zurückzukehren?

Pläne nicht. Ich bin jetzt TV-Experte und habe in dem Bereich viele Angebote, um in Holland, Deutschland oder England zu kommentieren. Das mache ich erst mal weiter. Irgendwann mache ich vielleicht meinen Trainerschein.

Wie fit sind Sie fürs Abschiedsspiel?

Es reicht für 90 Minuten Spazier-Fußball. (lacht)

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