Laut Kai Ebel erinnert ihn Mick Schumacher (r.) an Sebastian Vettel in dessen jungen Jahren.
Laut Kai Ebel erinnert ihn Mick Schumacher (r.) an Sebastian Vettel in dessen jungen Jahren.Bild: James Moy Photography/PA Images / James Moy
Interview

Formel-1-Reporter Kai Ebel über Mick Schumacher: "Ähnlich wie Sebastian Vettel"

Der 57-jährige RTL-Reporter spricht im Interview über die Regeländerungen der Formel 1 in der neuen Saison, Mick Schumacher und die schrillen Outfits, durch die er bei den Fans bekannt wurde.
21.03.2022, 12:43

1992 fing Kai Ebel an bei RTL am Mikrofon über die Formel 1 zu berichten. Am Sonntag startet die insgesamt 73. Saison der Königsklasse im Rennsport. Ebel ist schon 30 Jahre dabei und hat die größten Fahrer der letzten Jahrzehnte kennengelernt und interviewt.

Im Gespräch mit watson erklärt der gebürtige Gladbacher, weshalb ihn Mick Schumacher an Sebastian Vettel erinnert und weshalb Michael Schumacher mal ein Interview mit ihm abbrechen wollte.

"Ich denke, dass sie einen Schritt nach vorne gemacht haben. Haas arbeitet sehr eng mit Ferrari zusammen und der Informationsaustausch ist groß."
Kai Ebel über das Haas-Team und Mick Schumacher und das neue Auto.

watson: Herr Ebel, Sie sind lange Zeit im Formel-1-Zirkus dabei. In diesem Jahr gab es viele technische Neuerungen. Der Spiegel schrieb darüber zuletzt "Alles außer dem Lenkrad ist neu". Wie sehr wird die Rennserie dadurch verändert?

Kai Ebel: Das ganze Feld soll dadurch enger zusammenrücken. Dass sich die Rangordnung grundlegend ändert, glaube ich nicht. Allerdings gibt es jedes Jahr die Hoffnung, dass so etwas passiert. Richtig bewerten kann man das erst nach den ersten drei bis vier Rennen.

Welche Aussagekraft haben die Testfahrten in Bahrain und Barcelona? Zuletzt wurde Mick Schumacher ja sogar Zweiter beim Samstagstest vor einer Woche.

Für mich sind die Tests ein bisschen wie Schattenboxen. Es wird viel getestet, die Autos verändern sich selbst in dieser einen Woche vor dem Start noch einmal und vermutlich können nur die besten Ingenieure wirklich einschätzen, was dieser zweite Platz von Mick bedeutet.

Kai Ebel begleitet die Formel-1-Rennen auf RTL seit 30 Jahren.
Kai Ebel begleitet die Formel-1-Rennen auf RTL seit 30 Jahren.Bild: www.imago-images.de / kolbert-press/Burghard Schreyer

Er geht in seine zweite Saison. Im letzten Jahr konnte er mit dem Haas nur hinterherfahren. Wie sieht das jetzt durch die Neuerungen aus?

Ich denke, dass sie einen Schritt nach vorne gemacht haben. Haas arbeitet sehr eng mit Ferrari zusammen und der Informationsaustausch ist groß. Das ist kein Geheimnis. Der Ferrari scheint sehr gut zu funktionieren, also habe ich auch die Hoffnung für Haas.

"Dann kam Michael Schumacher zum Interview und sagte, dass er das Interview abbrechen müsse, weil meine Jacke in der Sonne so grell war."
RTL-Reporter Kai Ebel über eine besondere Begegnung aufgrund seines schrillen Outfits

Woran liegt diese Verbesserung?

Beide Teams haben im letzten Jahr sehr früh angefangen, das Auto für diese Saison zu bauen. Die Saison war für beide früh gelaufen, während Mercedes und Red Bull bis zur letzten Kurve mit der Saison beschäftigt waren. Das kann jetzt ein kleiner Vorteil sein.

Können Schumacher-Fans die Hoffnung haben, dass Mick in diesem Jahr hin und wieder in die Punkte fährt?

Die Hoffnung kann man natürlich immer haben. Ich sehe aber nicht, dass er aus eigener Kraft aufs Podium fährt. Mit Kevin Magnussen hat er jetzt als Teamkollegen einen Gradmesser. Das ist eine bekannte Größe und jeder weiß, was Magnussen leisten kann. Wenn er den im Griff hat, wäre es der nächste Schritt.

Welche Auswirkung kann es für Mick haben, einen erfahreneren Teamkollegen zu haben, bei dem die Streitereien, die er mit Mazepin hatte, vermutlich wegfallen?

Sie können sich gegenseitig ergänzen. Trotzdem: Das erste Ziel ist es immer, seinen Teamkollegen zu schlagen. Da muss man abwarten, wie es sich zwischen Mick und Magnussen entwickelt. Ich gehe aber davon aus, dass es gut laufen wird. Mick ist kein Hitzkopf und behandelt die Menschen immer fair.

Sie haben sowohl Mick als auch seinen Vater und Rekordweltmeister Michael während Ihrer Zeit in der Formel 1 kennengelernt und darüber sogar ein Buch geschrieben. Worin unterscheiden sich beide? Was sind Gemeinsamkeiten?

Der Vergleich ist gegenüber Mick ein bisschen unfair. Der Schatten von Michael mit seinen sieben Weltmeisterschaften ist sehr, sehr lang. Deshalb habe ich noch mehr Respekt vor Mick, dass er sich den Schritt in die Formel 1 getraut hat.

Das Buch von Kai Ebel über dessen Zeit in der Formel 1.
Das Buch von Kai Ebel über dessen Zeit in der Formel 1.Bild: Privat / Privat

Dennoch werden sich beide ja doch auch unterscheiden, oder?

Ein großer Unterschied: Michaels Karriere begann mit einer großen Lüge. Sein damaliger Manager Willi Weber hatte gesagt, dass Michael die Strecke in Spa auswendig kenne. Er ist dort aber vorher nie gefahren und war trotzdem brutal schnell und ist dann direkt ins nächste Team zu Benetton gewechselt. Michael war von Anfang an ein sehr schneller Fahrer auf höchstem Niveau.

Wie schaut es bei Mick aus?

Er hat eine nicht ganz so steile Lernkurve. Dafür ist sie aber bei ihm kontinuierlich. Er braucht mehr Zeit. Für mich ist er ähnlich wie Sebastian Vettel. Auch bei Sebastian wurde im Fahrerlager gesagt, dass er zu langsam sei und am Ende ist er viermal Weltmeister geworden. Mick strahlt mehr Ruhe aus als Michael. Er geht das Ganze langsamer an.

Kai Ebel war auch bei den Erfolgen von Michael Schumacher Anfang der 2000er-Jahre hautnah dabei.
Kai Ebel war auch bei den Erfolgen von Michael Schumacher Anfang der 2000er-Jahre hautnah dabei.Bild: imago sportfotodienst / Jan Huebner

In Ihrer langen Zeit als Formel-1-Reporter sind Sie den Fans besonders durch ausgefallene Outfits aufgefallen. Wie oft wurden Sie dafür im Fahrerlager komisch angeguckt?

Sehr regelmäßig. Aber an einen Spruch kann ich mich noch gut erinnern.

Welchen?

Ich hatte in Spa mal eine gelbe Lederjacke an, weil ich davon ausgegangen war, dass es regnet. Es hat aber die Sonne geschienen. Dann kam Michael Schumacher zum Interview und sagte, dass er das Interview abbrechen müsse, weil meine Jacke in der Sonne so grell war und er es ohne Sonnenbrille nicht aushalten würde.

Gibt es noch weitere Anekdoten, die Sie in der Formel 1 erlebt haben?

Da gibt es viel zu viele, deswegen bin ich im nächsten Jahr auch mit einem Bühnenprogramm unterwegs, um da noch ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern und auch Geschichten von abseits der Strecke zu erzählen.

"In der Formel 1 ist das Problem das kommerzielle Interesse von Liberty Media."
Kai Ebel darüber, weshalb es 25 Rennen pro Saison geben soll

In der heutigen Formel 1 gibt es nun eine Kostenobergrenze (Cost Cap) und die Zeit im Windkanal wird nach Abschneiden in der Konstrukteurs-WM vergeben. Das schlechteste Team erhält die meiste Zeit. Das sind Dinge, die an den US-Sport erinnern. Findet eine Amerikanisierung der Formel 1 statt?

Die Formel 1 wollte schon lange Geld sparen, deshalb ist die Obergrenze eine Folge davon. Aber die amerikanischen Besitzer von Liberty Media drücken natürlich ein wenig den Stempel auf, wenn es um die Show rund um ein Wochenende geht.

Ein anderes großes Thema, gerade bei jungen Menschen, ist die Nachhaltigkeit. Wie sehen Sie da die Formel 1 aufgestellt?

Motorsport hat generell ein bisschen etwas Anarchisches und sollte es sich meiner Meinung nach auch erhalten. Was die Autos während eines Rennens in die Luft ausstoßen, ist nicht das Problem. Jeder Hauptsponsor, Zuschauer oder Ausrichter, der mit seinem Privatjet angeflogen kommt, ist da viel schlimmer.

Während des Rennens ist der CO-Ausstoß relativ gering. Das zeigt eine Studie der Formel 1 selbst. Die große Kritik richtet sich aber an die vielen Rennen auf der ganzen Welt und die damit verbundenen Reisen.

Dann müsste die Formel 1 in Europa bleiben, da würde es kurze Wege geben. Aber das wollen die Veranstalter nicht. Die Formel 1 ist eine Weltmeisterschaft und soll überall stattfinden. Ich glaube auch, dass das eine sehr deutsche Perspektive ist. Mittlerweile fährt die Formel 1 auch in Ländern wie Saudi-Arabien oder Katar. Ich glaube nicht, dass es dort Diskussionen über die Nachhaltigkeit gibt.

Aber gerade auch diese Rennen stehen in der Kritik. Es heißt, solche Länder nutzen weltweite Sport-Events, um von der schlechten Menschenrechtssituation im Land abzulenken.

Aber die Kritik verpufft ja. Am Ende passiert nichts. Alle nehmen an den Veranstaltungen Teil und vor Ort sind alle ruhig. Auch die Fußball-WM in Katar findet statt.

Wie könnte man aus Ihrer Sicht Rennen in solchen Ländern in der Formel 1 verhindern?

In der Formel 1 ist das Problem das kommerzielle Interesse von Liberty Media. Sie sagen: 'Das Ziel ist es, 25 Rennen in allen Regionen zu fahren'. Aktuell sind es 23 Rennen. Als ich angefangen habe, waren es nur 16. Man muss auch mal Stopp sagen und an die Mechaniker denken, die manchmal gar nicht aus der Garage kommen und ihre Familien kaum sehen. Sie haben praktisch keine Möglichkeit, mal durchzuschnaufen.

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