Stephanie Müller-Spirra wird bei der Handball-WM die Spieler der ARD moderieren.
Stephanie Müller-Spirra wird bei der Handball-WM die Spieler der ARD moderieren.Bild: mdr / mdr
Handball-WM

"Gibt zwei Seiten": ARD-Moderatorin Müller-Spirra über Zwiespalt bei Einsatz während Handball-WM

Ganze zehn Tage liegen zwischen der Verkündung und ihrem Einsatz bei der Handball-WM. Stephanie Müller-Spirra vertritt am Sonntag ARD-Moderator Alexander Bommes. Im watson-Interview hat die Moderatorin die gemischten Gefühle, die ihr Einsatz auslöst, gesprochen.
15.01.2023, 15:24

watson: Stephanie, am 5. Januar wurde verkündet, dass du für Alexander Bommes bei der Handball-WM als Moderatorin einspringst. Sonntag moderierst du dein erstes Spiel. Daher die Frage: Reichen exakt zehn Tage, um sich auf eine Handball-Weltmeisterschaft vorzubereiten?

Stephanie Müller-Spirra: Intern wusste ich es schon etwas eher. Dazu musste ich mich nicht völlig neu ins Thema einarbeiten. Auch für andere Sendungen, für die ich arbeite, hatte ich die Handball-WM auf dem Schirm. Außerdem berichten wir beim MDR auch viel über den SC Magdeburg und den SC DHfK Leipzig.

Du bist also schon im Thema…

Richtig. Im Oktober habe ich auch eine Dokumentation über das Coming out von Leipzigs Lucas Krzikalla gemacht. Natürlich ist eine WM etwas anderes, aber ich komme nicht zu einer Sportart, mit der ich mich noch nie befasst habe. Ergänzend habe ich einen ausgezeichneten Experten an meiner Seite.

Dominik Klein, Ex-Nationalspieler und Weltmeister 2007.

Er ist Mister "Handball". Ich kann ihn alles fragen. Das beruhigt. Außerdem habe ich eine gute Freundin als Telefonjoker (lächelt), die langjährige Handball-Nationalspielerin war.

Du vertrittst Alexander Bommes, der aus gesundheitlichen Gründen absagen musste. Wie waren deine ersten Gedanken, als du gehört hast, dass du nach Polen fahren sollst?

Das ist schwierig zu sagen, weil es zwei Seiten der Medaille gibt. Zuerst dachte ich, "okay, offensichtlich geht es Alex leider immer noch nicht gut". Das tut mir sehr leid. Es kann jeden von uns raushauen und man wird sich bewusst, wie wichtig es ist, gesund zu sein und seinen Job machen zu können. Auf der anderen Seite ist es natürlich eine spannende Aufgabe für mich. Aber es ist schwierig, sich wirklich zu freuen.

Jetzt wird es am Sonntag für viele Handball-Fans nicht das Duo aus Bommes und Klein geben, sondern Müller-Spirra und Klein. Wie gehst du das an?

Alex Bommes zu ersetzen, ist eine Riesenaufgabe – vor allem beim Handball. Er hat selbst als Profi auf der Platte gestanden und war wie ein zweiter Experte. Er weiß durch seine Erfahrungen, was in einem Spieler während des Spiels vorgeht. Diese Expertise kann ich nicht erreichen und muss ich auch nicht.

"Das Duo Bommes-Klein bleibt ein super Duo und ich und Dominik machen es einfach ein bisschen anders."
Stephanie Müller-Spirra über die Aufgabe, Alexander Bommes zu ersetzen.

Aber?

Ich werde das Turnier aus einer anderen Perspektive betrachten, mehr beobachtend und dann aus Dominik alles rausquetschen. Gerade für Menschen, die vielleicht nicht jede Woche in der Handball-Halle sind und nicht genau über alles Bescheid wissen, möchte ich Euphorie aufbauen. Das Duo Bommes-Klein bleibt ein super Duo und ich und Dominik machen es einfach ein bisschen anders.

Die ARD wird das Vorrunden-Spiel gegen Serbien übertragen, hat dazu zwei Partien in der Hauptrunde. Wie wahrscheinlich bewertest du, einen vierten Einsatz, den es bei einem Halbfinal-Einzug des DHB-Teams gäbe?

Ich bin immer Team "Zuversicht" und klar, soll man an Dinge realistisch rangehen. Aber: Wann ist denn bitte Zeit für Träume, wenn nicht bei einer Weltmeisterschaft? Deshalb bin ich optimistisch und gehe davon aus, dass wir ein deutsches Halbfinale haben werden, live in der ARD.

Hast du im Hinterkopf, dass ein mögliches Finale bei der Konkurrenz im ZDF laufen würde?

Das ist eben so. Mal übertragen die einen das Finale, mal die anderen. Wichtiger ist es für mich, dass es einen Titel für das deutsche Team gibt. Oder eine Medaille.

Wann wäre für dich die Handball-WM ein Erfolg?

Es gibt zwei Seelen in mir. Natürlich bin ich dort, um den Weg des deutschen Teams zu verfolgen. Ich hoffe, dass die Träume der Spieler in Erfüllung gehen. Philipp Weber oder Andreas Wolff nehmen auch ganz leise das Wort "Medaille" in den Mund.

Welche zweite Perspektive gibt es noch?

Es soll auch für das Duo Klein und Müller-Spirra gut laufen. Ich möchte den Flow von der Platte aufnehmen und den Zuschauerinnen und Zuschauern Handball auf eine informative und unterhaltsame Weise präsentieren.

Stephanie Müller-Spirra moderiert nicht nur die Handball-WM sondern ist auch regelmäßig für die Sportschau im Einsatz.
Stephanie Müller-Spirra moderiert nicht nur die Handball-WM, sondern ist auch regelmäßig für die Sportschau im Einsatz.Bild: mdr/Spirra privat / mdr/Spirra privat

Schon vor der Handball-WM bist du als Moderatorin und Reporterin herumgekommen. Du hast von den Olympischen Spielen 2018 und 2022 berichtet und die Paralympics moderiert.

Die Olympischen Spiele sind immer ein Highlight, das gilt auch besonders für die Paralympics.

Warum?

Das gibt es viele Gründe, aber es war alleine eine große Ehre, mit dem gesamten Team für die beste Sportsendung 2022 beim Deutschen Fernsehpreis nominiert gewesen zu sein.

Neben deinen Moderationen machst du auch Doku-Filme. Beispielsweise über den schon angesprochenen Lucas Krzikalla mit dem Film "Aus der Deckung" über sein Coming Out.

Das sind auch wichtige Bestandteile meiner Arbeit und für mich persönlich. Ich habe auch eine Doku über die ehemalige Bahnradfahrerin Kristina Vogel gedreht, die nach einem Trainingsunfall gelähmt ist und nun ein neues Leben führt. Für mich sind solche Filme wichtig.

Weshalb?

Weil sie einerseits enorm wichtige, gesellschaftliche Themen behandeln. Andererseits möchte ich auch nicht so wahrgenommen werden, als versuchte ich vor der Kamera nur ein bisschen über Sport zu sprechen.

"Ich habe häufiger das Gefühl, dass ich mich als Frau mehr beweisen muss und kritischer gesehen werde."

Hast du das Gefühl, dass dir oft nicht mehr zugetraut wird?

Ich habe schon häufiger das Gefühl, dass ich mich als Frau mehr beweisen muss und kritischer gesehen werde. Es gibt einfach manche Menschen, die bestimmte Stereotype nicht aus dem Kopf bekommen. Aber natürlich werde ich von vielen Menschen, Sportlern und Sportlerinnen auch ganz normal wie jeder männliche Kollege wahrgenommen.

Welche Reaktionen zeigen dir, dass du als Frau manchmal noch kritischer gesehen wirst?

Es kommt durch Bemerkungen vor. Beispielsweise wenn mein Outfit kritisiert wird, obwohl ein Moderator deshalb nie kritisiert werden würde. Genauso wurde auch schon einmal ganz überrascht festgestellt, dass ich studiert habe. Alles in allem wird es aber immer besser.

Mit dem Film über Lucas Krzikalla hast du auch über die Landesgrenzen hinaus für Gesprächsstoff gesorgt. Wie kam es dazu, dass er sich in deiner Doku outete?

Wir kennen uns beide länger, haben über den Sport Berührungspunkte und gehen oft und gerne ins gleiche Café. Ich wusste schon von seiner Homosexualität. Es war unausgesprochen und trotzdem klar und wir hatten gehört, dass er den Schritt an die breite Öffentlichkeit machen will.

Welche Schritte folgten dann?

Wir hatten ein langes Gespräch mit ihm. Offen und klar. Sehr schnell hat er zugesagt und wollte sich in aller Ausführlichkeit bei uns äußern. Ich finde es total mutig, dass er diesen Schritt gegangen ist.

Wie schnell hat er sich getraut, dazu vor der Kamera zu sprechen?

Es ging relativ schnell, obwohl es natürlich auch nicht nach unserem ersten gemeinsamen Kaffee war. Ein paar Mal haben wir uns getroffen und auch während des Drehs viel Zeit zusammen verbracht, sodass er Vertrauen zu mir hatte. Am Ende hat sich Lucas sehr wohl mit dem Film gefühlt. Das war uns enorm wichtig.

Stephanie Müller-Spirra mit Handball-Profi Lucas Krzikalla.
Stephanie Müller-Spirra mit Handball-Profi Lucas KrzikallaBild: mdr/Spirra privat / mdr/Spirra privat

Im Film werden auch seine Ängste vor Reaktionen thematisiert. Weißt du, wie die Resonanz war?

Wenn man Lucas fragt, würde er sicherlich von einem Happy End sprechen. Er hat viele positive Reaktionen bekommen, ganz viel Zuspruch und Support. Sogar in Amerika wurde er thematisiert als ein Leistungssportler, der noch aktiv ist und dadurch zum Vorbild wird. Es gab leider auch blöde Kommentare, aber weil das Positive so sehr überwogen hat, konnte er damit sicherlich gut umgehen.

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