Der dänische Reporter Rasmus Tantholdt berichtete live aus Doha, Katar.
Der dänische Reporter Rasmus Tantholdt berichtete live aus Doha, Katar.bild: screenshot / tv 2 nyhederne
WM 2022

WM 2022: Dänischer Reporter von Sicherheitskräften in Katar bedroht

16.11.2022, 13:35
Helen Kleinschmidt
Helen Kleinschmidt
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Katar erwartet für die diesjährige Fußball-Weltmeisterschaft hunderttausende Fans aus aller Welt. Bei solch einem Großturnier werden auch zahlreiche Journalist:innen und Reporter:innen vor Ort sein – gerade, weil die WM 2022 so umstritten ist, dürfte vermehrt über die Gegebenheiten und Missstände in dem Wüstenemirat berichtet werden.

Für Katar sollte das nach eigenem Empfinden kein Problem sein. Auf der offiziellen Website der WM wird vor allem die Gastfreundschaft des Landes betont: "Katar ist ein relativ konservatives Land – aber äußerst gastfreundlich. Gastfreundschaft ist ein Eckpfeiler der lokalen Kultur, und jeder wird während der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar willkommen sein."

Ein dänisches Kamerateam wurde nun allerdings kurz vor Turnierbeginn im Gastgeberland am Drehen gehindert und bedroht.

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Katar gibt sich als gastfreundliches Austragungsland der WM.Bild: dpa / Federico Gambarini

WM 2022: Katarische Offiziere drohen Dänen-Reporter

Am Dienstag sendete der dänische Sender TV2 live in Doha vor einem Kreisverkehr, als katarische Offiziere die Aufnahme störten. Sie hielten das Objektiv der Kamera zu, woraufhin Reporter Rasmus Tantholdt seine Akkreditierung und seine Drehgenehmigung zeigte. Er fragte die Sicherheitskräfte:

"Sie haben die ganze Welt hierher eingeladen. Warum dürfen wir nicht filmen? Es ist ein öffentlicher Ort."

Die Offiziere ließen allerdings nicht locker und drohten daraufhin, die Kamera zu zerstören, wenn sie nicht aufhören würden zu filmen. Tantholdt wurde wütend: "Sie können die Kamera zerstören. Sie wollen sie zerstören? Dann nur zu. Ihr bedroht uns, dass ihr die Kamera zerstört."

WM 2022: Katar entschuldigt sich für Vorfall

Auf Twitter veröffentlichte der Reporter das entsprechende Video und gab die Neuigkeit bekannt, dass sie eine Entschuldigung vom katarischen Büro für internationale Medien und vom Obersten Gerichtshof erhalten hätten. Trotzdem stellte er die Frage in den Raum: "Aber wird es auch anderen Medien passieren?"

Im Gespräch mit dem norwegischen Sender NRK bestätigte Tantholdt die Entschuldigung ebenfalls, teilte aber auch seine Sorgen nach der Attacke mit:

"Ich glaube nicht, dass die Botschaft von oben in Katar alle Sicherheitsbeamten erreicht hat. Daher kann man argumentieren, dass einige die Situation falsch verstanden haben, aber gleichzeitig sagt es auch viel darüber aus, wie es in Katar aussieht."

Wenn man als freies Medium vor Ort über die WM berichte, könne man "angegriffen und bedroht werden". Es handle sich um "kein freies und demokratisches Land".

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