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Oliver Henrich wurde Zweiter bei

Oliver Henrich wurde Zweiter im Finale von "The Voice of Germany". Bild: ProSiebenSat.1/Claudius Pflug

Analyse

"The Voice"-Talent verpasst Sieg – dank Yvonne Catterfeld und Stefanie Kloß

Bei "The Voice of Germany" wurde am Sonntagabend wenig überraschend und mit gewaltigem Vorsprung Paula Dalla Corte zur Siegerin gekürt – spätestens seit den Sing-Offs war sie die große Favoritin gewesen. Auf dem zweiten Platz landete Oliver Henrich, der der Gewinnerin unter anderen Voraussetzungen aber noch viel gefährlicher hätte werden können.

Von allen männlichen Kandidaten im Finale brachte Oliver nämlich die beste Stimme mit. Gerade in den letzten Shows stand ihm allerdings die Auswahl der Songs im Weg. Im Nachhinein ist ziemlich deutlich, dass ihm Stefanie Kloß und Yvonne Catterfeld als Coaches nicht gerade gut getan haben.

Oliver ist ins falsche Team gerutscht

Oliver hat bei "The Voice of Germany" ein einziges Auf und Ab erlebt. Der Sänger einer Bon-Jovi-Coverband fand in "SamuRea" zunächst sein ideales Zuhause, wurde von den beiden Rockern dann aber in den Battles abserviert. Mit Kloß/Catterfeld und Nico Santos drückten gleich zwei Teams die Buzzer, um ihn direkt zurückzuholen. Hier stand Oliver also vor einer Wahl und entschied sich vermutlich falsch. Denn er siedelte zu "Catterkloß" über und die Probleme begannen.

In den darauf folgenden Sing-Offs sang er "Warrior" von Demi Lovato und damit einen Song, der seine Stärken nicht richtig zur Geltung kommen ließ. Schnell wurde klar, dass Catterfeld und Kloß mit dem Sänger und seinem Stil nicht viel anfangen konnten. Die Konsequenz: Sie ließen ihn gleich wieder fallen, hier war also Endstation... eigentlich.

Nominell hätte für das Team Noah Sam Honegger im Halbfinale antreten sollen, der jedoch sagte krankheitsbedingt ab. Jetzt nominierte das Coaching-Duo Oliver nach. Wie Kloß in der Live-Show selbst zugab, spiele ein Grund dabei eine gewisse Rolle. Der 39-Jährige hatte in den sozialen Netzwerken mittlerweile nämlich eine große Fan-Gemeinde hinter sich versammelt. Daher versprach die Rückholaktion Erfolg, zumal von jetzt an ja die Zuschauer abstimmen durften.

Und tatsächlich ging die Rechnung auf, denn Oliver erhielt im Halbfinale mehr Stimmen als sein Kontrahent Juan Geck, der offensichtliche Lieblingssänger von Yvonne. Die Behauptung, dass Oliver bei "The Voice of Germany" Pech hatte, scheint auf den ersten Blick daher widersinnig. Schließlich durfte er gleich zwei Comebacks feiern und landete am Ende auf dem Silbertreppchen.

Ein großer Wermutstropfen blieb allerdings bis zum Schluss: Unter Catterfeld und Kloß durfte er sein Potenzial nicht mehr ganz entfalten. Im Halbfinale performte er mit "Before You Go" von Lewis Capaldi gleich den nächsten Song, der nur bedingt zu ihm passte. Wäre es so schwierig gewesen, ihn zur Abwechslung mal eine echte Rockballade mit Pathos und großen Emotionen schmettern zu lassen?

"The Voice" verkauft Oliver unter Wert

Der Endspurt am Sonntag verdeutlichte dann noch einmal besonders, dass Oliver trotz seiner Beliebtheit eine Art Fremdkörper war. Als Duett-Partnerin für ihn fungierte hier Zoe Wees aus "The Voice Kids", die ihn zuvor auch für den gemeinsamen Auftritt coachte.

Oliver sang

Oliver sang "Control" im Duett mit Zoe Wees. Bild: ProSiebenSat.1

Das hinterließ jedoch einen befremdlichen Beigeschmack, denn Oliver macht schon länger Musik als Zoe überhaupt auf der Welt ist. Trotzdem sollte die 18-Jährige ihm nun Dinge beibringen. An der Stelle muss die Frage erlaubt sein, ob Oliver vielleicht nicht ernst genug genommen wurde.

Bei "Control" auf der Bühne schrie Zoe Oliver förmlich an die Wand, so als wäre sie die Kandidatin, die das Publikum beeindrucken muss. Wie es anders und besser geht, zeigten später Rea Garvey und Samu Haber, die Paula bei "Someone Better" weitgehend das Rampenlicht überließen und sich nur einmal beim Refrain einschalteten. Catterfeld und Kloß dagegen (vor allem erstgenannte) hätten wohl lieber jemand ganz anderen als ihren Schützling im Finale gesehen:

Der charismatische Oliver trat bereits als gestandene Persönlichkeit bei "The Voice" an, in eine Richtung biegen ließ er sich kaum. Das mochten zwar viele Zuschauer, zugleich machte ihn das aber auch grundsätzlich zu einem eher schwierigen Teilnehmer für eine klassische Casting-Show. Nico Santos bewies im Verlauf des Wettbewerbs dennoch ein besseres Gespür für seine Schützlinge als Kloß und Catterfeld, mutmaßlich wäre Oli bei ihm besser aufgehoben gewesen.

Die gute Nachricht bei all dem: Oliver wird seinen Weg gehen, denn er sieht nicht nur aus wie ein Rockstar, sondern klingt auch so – sogar vor "The Voice" tat er das schon. Ein großer Plattenvertrag für ihn würde vermutlich bedeuten, dass er es künftig noch mehr Menschen recht machen muss als seinen überforderten Coaches. Und dass das nicht gutgehen kann, hat "The Voice of Germany" eindrucksvoll gezeigt.

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