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ARCHIV - 29.02.2020, Nordrhein-Westfalen, K

Es geht um viel Geld für Michael Wendler. Bild: dpa / Rolf Vennenbernd

Analyse

Für den Wendler platzen reihenweise Werbedeals – PR-Experten erklären, was er noch tun kann

Endlich lief alles so, wie Michael Wendler es sich all die Jahre gewünscht hatte. Der Schlagersänger, der so lange nicht ernstgenommen und stattdessen immer verlacht wurde, zog plötzlich die dicken Fische im Entertainment-Teich an Land.

RTL verpflichtete ihn als Juror neben Dieter Bohlen bei "Deutschland sucht den Superstar", die Hochzeit mit Laura Müller sollte groß im Fernsehen ausgestrahlt werden, sogar eine eigene Musik-Show sollte der Wendler bei RTL bekommen. Daneben wurde auch die Werbeindustrie aufmerksam auf den Schlagerbarden. Kaufland verpflichtete den Wendler für einen Online-Werbespot.

Doch mit der Verkündung seines selbstgewählten "DSDS"-Ausscheidens und seinen Verschwörungsmythen, die er nun auf Instagram verbreitete, hat sich der Wendler mächtig ins Knie geschossen.

"Im ersten Moment wirkt der Schaden immens und irreparabel", erklären die Experten von der PR-Agentur "Griffel & Co Kommunikation" gegenüber watson.

Denn für den Wendler geht es nun ans Geld: "RTL und Kaufland haben sich von den Aussagen deutlich distanziert und die Zusammenarbeiten beendet. Nach Medienberichten bewegen sich allein diese vereinbarten Kooperationen im siebenstelligen Bereich."

Ein Überblick.

Kaufland-Werbedeal geplatzt

Tatsächlich: Für den nun geplatzten Werbedeal mit Kaufland waren einem Bericht der "Heilbronner Stimme" zufolge ursprünglich 200.000 Euro Gage vereinbart worden. Informierte Kreise bestätigten der dpa am Freitag die Summe.

Ein Teil des Geldes sei auch geflossen. Ob er das zurückzahlen muss, blieb zunächst unklar. Denn Kaufland löschte prompt das Werbe-Video. Der Image-Schaden ist bereits da. Kaufland prüft Medienberichten zufolge rechtliche Schritte.

Bares Geld hat sie Sache den Wendler aber ohnehin bereits gekostet: Die geplante Ausdehnung der Kampagne aufs Fernsehen, was dem Wendler-Manager zufolge bereits geplant war, hätte dem Sänger noch zusätzliches Geld reingespült.

RTL: Hochzeit abgesagt, Klage gegen Wendler angekündigt

RTL will sein bisheriges Aushängeschild nun verklagen. "Michael Wendler hat ohne Rücksprache unseren Vertrag gekündigt und verunglimpft RTL. Wir werden alle uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel prüfen und ausschöpfen", erklärte RTL-Chef Jörg Graf. Die Live-Hochzeit? Gestrichen!

Auch hier geht es um richtig viel Geld. Wie die "Bild" berichtet, ist der bis Ende 2021 laufende Exklusiv-Vertrag mit mehr als einer Million Euro dotiert. Neben "DSDS" und der TV-Hochzeit mit Laura Müller seien darin eine Musikshow und weitere Dokusoaps enthalten gewesen.

Rechtsanwalt Christian Solmecke sagte zu watson: "Meiner Auffassung nach ist die Klage berechtigt, da RTL Schadensersatzansprüche gegen den Wendler hat." Der plötzliche Ausstieg beziehungsweise die Kündigung vom Wendler sind seiner Ansicht nach nicht rechtmäßig und stellen eine solche Pflichtverletzung dar.

Weiterer lukrativer Werbevertrag geplatzt: Es geht um 250.000 Euro

Wie die "Bild" weiter berichtet, soll auch die Modemarke "Uncle Sam" bereits 250.000 Euro an den Wendler überwiesen haben. "Uncle Sam" ist eine Bekleidungsmarke, die Robert Geiss einst mit seinem Bruder gemeinsam gegründet hat. Kurios: In seinem Instagram-Video, in dem sich der Wendler als Corona-Leugner outete, trug er selbst noch ein solches T-Shirt (mehr dazu hier).

"Wir haben den Vertrag mit sofortiger Frist gekündigt und versuchen jetzt unser Geld wiederzukriegen", sagte Roberts Bruder Michael Geiss, der Geschäftsführer von "Uncle Sam", der "Bild".

Juwelier Rausch-mayer hatte dem Wendler und Laura Müller die Eheringe gesponsert. Auch dieses Unternehmen hat den entsprechenden Beitrag auf seiner Homepage mittlerweile entfernt.

Wie geht es mit dem Wendler weiter?

"Es haben sich bereits große Kooperationspartner zurückgezogen und vorstellbar ist auch, dass diesen weitere folgen werden", erklären die Experten von der PR-Agentur "Griffel & Co Kommunikation" gegenüber watson.

Die PR-Agentur sieht nur eine Möglichkeit, wie der Wendler weiter Werbegesicht sein könnte – und die ist unschön: "Es könnte allerdings durchaus sein, dass er neue Kooperationen mit Brands, die Corona-Leugnern nahestehen, eingeht." Damit wäre der Wendler medial vermutlich endgültig verbrannt.

Hat der Wendler denn überhaupt noch irgendeine Chance, sein Image noch zu retten? Schwierig, sagen die Marken-Experten. "Möglichkeiten, den Schaden einzudämmen, wären konkrete, nicht monetär motivierte Aktionen, mit denen deutlich wird, dass er nicht an Corona zweifelt." Zum Beispiel das Sammeln von Spenden für Betroffene.

Dafür müsste der Wendler jedoch erst einmal mit den Verschwörungsmythen brechen. Anzeichen dafür gibt es keine. Kein Wunder, dass sogar sein Manager sich sicher ist: Wendlers Karriere ist vorbei.

(hau)

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