ARD/WDR MAISCHBERGER.DIE WOCHE, FOLGE 651, am Mittwoch (17.02.21) um 22:50 Uhr im ERSTEN.
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Maischbeger geht mit ihrer Sendung in die Sommerpause. Bild: WDR/Markus Tedeskino

Wie sinnvoll ist die lange Sommerpause im Wahljahr? ARD-Sprecher erklärt, warum beliebte Polittalks bis Ende August pausieren

2021 steht die Bundestagswahl an – in einigen Bundesländern wird zudem gleich mehrfach zur Wahlurne gebeten: Die Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen stehen bevor, zudem finden in Niedersachsen Kommunalwahlen statt. In Berlin ist am 26. September zusätzlich die Wahl zum Abgeordnetenhaus und die Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung.

Ereignisreich ist dieses Jahr aus politischer Sicht also allemal, der Wahlkampf der Parteien ist längst in die heiße Phase gegangen und wird sich auch unter anderem aufgrund der sich stetig weiterentwickelnden Corona-Situation den Sommer über noch intensivieren. Gerne lassen sich Wähler die teils komplexen Situationen noch einmal in Talkrunden genau erläutern, bei Talkmasterin Anne Will oder Sandra Maischberger bekommen Spitzenpolitiker Redezeit.

Doch wie in jedem Sommer gehen die Shows trotz des Wahljahres in eine mehrwöchige Pause. Und das, obwohl offensichtlich Interesse der Zuschauer besteht. Als Anne Will beispielsweise Bundeskanzlerin Angela Merkel Ende März zum Einzelinterview lud, schalteten über fünf Millionen Zuschauer ein. Warum aber nicht nur "Anne Will", sondern auch die Talkformate "Maischberger" und "Hart aber fair" wieder pausieren, erklärte ein ARD-Sprecher nun gegenüber watson.

28.03.2021, Berlin: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist zu Gast in der ARD-Talksendung

Angela Merkel war im März bei Anne Will zu Gast. Bild: dpa / Wolfgang Borrs

Darum gehen die beliebten ARD-Talkformate in die Sommerpause

"Anne Will" lief vorerst letztmalig am 6. Juni und kommt erst am 29. August wieder – elf Sonntage müssen die Zuschauer also insgesamt auf die Moderatorin und ihr beliebtes Format verzichten. Ähnlich sieht es bei Sandra Maischberger aus: Der letzte Sendetermin war der 9. Juni, am 4. August begrüßt sie erst wieder Gäste. "Hart aber fair" lief zuletzt am 14. Juni und kehrt am 23. August aus der Pause zurück.

Anne Wills Sommerunterbrechung ist damit die längste, trotz des Quotenerfolgs mit Merkel. Ein ARD-Sprecher erklärte dazu auf Nachfrage von watson, dass der Sender die Produktionsfirmen der Shows nur für eine bestimmte Anzahl von Sendungen im Jahr beauftragt. Im Sommer und in der Weihnachtszeit sind stets Unterbrechungen eingeplant. Daran ändert auch der Wahlkampf nichts. Aber:

"Die Abend-Gesprächsrunden gehen ja nicht gleichzeitig in die Pause, sondern jeweils versetzt, und der 'Presseclub' pausiert gar nicht. Die Redaktionen sind zudem jederzeit in der Lage, flexibel auf die aktuelle Lage zu reagieren."

Sandra Maischberger, Journalistin, Autorin, Fernsehmoderatorin, Maischberger - die Woche, WDR, Koeln, 02.12.2020, pictures taken by Stephan Pick / Weiterer Text

Auch "Maischberger – die Woche" läuft erst im August wieder. Bild: dpa / Stephan Pick

Über die Wahlen und den Bundestagswahlkampf sind zahlreiche Sondersendungen, Dokumentationen, Reportagen, Gesprächsrunden und Townhall-Formate abseits der Talkshows geplant. "Die Zuschauerinnen und Zuschauer werden über den (Vor-) Wahlkampf im Ersten umfassend informiert", fasst der ARD-Pressesprecher zusammen.

Auch beim ZDF gibt es die Sommerpause – sie ist aber nicht so lang

Im ZDF laufen regelmäßig die Talkrunden "Markus Lanz" und "Maybrit Illner". Beide gehen zu unterschiedlichen Zeitpunkten, aber weitaus später als gewöhnlich in die Sommerpause. Während Illner sich am 15. Juli in die Pause verabschiedet, pausiert Lanz erst Anfang August – und dann lediglich für zwei Wochen. Illner kehrt nach sechs Wochen am 26. August zurück.

Festzuhalten bleibt, dass beide ZDF-Formate später und kürzer in die Sommerpause gehen und die Zuschauer somit offenbar regelmäßiger mit abendlichen Polit-Talks versorgt werden. Dennoch wurde auch hier in den wichtigen Wochen vor dem Wahlkampf nicht gänzlich auf eine Pause verzichtet, obwohl bereits seit Langem klar war, dass der Sommerzeitraum bedeutsam für die Formate sein würde.

Wild diskutierten an diesem Abend die Gäste bei

Maybrit Illner pausiert später, als in den Jahren zuvor. Bild: screenshot zdf

Wie sinnvoll ist es, 2021 keine Ausnahme zu machen?

Fraglich bleibt, wie sinnvoll es ist, die Sendungen trotz des anhaltenden Erfolgs gerade jetzt in die Sommerpause zu schicken. Die Quoten sind durch die Corona-Pandemie im vergangenen Jahr schon nach oben geschnellt und bis jetzt sind die Zuschauer drangeblieben. Kein Wunder, immerhin sorgen unter anderem Maskenaffären, Lebenslaufänderungen und die allgemeine Diskussion um die Kanzlerkandidaten für Gesprächspotenzial.

Das Interesse des Publikums spiegelt sich in den Einschaltquoten vor der Sommerpause wider: Die letzten beiden Ausgaben von "Hart aber fair" erreichten 1,99, beziehungsweise 1,97 Millionen Zuschauer. Bei Anne Will sah es Ende Mai sogar noch besser aus: 14,9 Prozent Marktanteil und damit stolze 3,73 Millionen Fernsehzuschauer sahen am 30. Mai zu.

Damit konnte Will ihre Spitzenwerte von 2020 nicht ganz halten, seit März 2020 sahen im Schnitt über vier Millionen Menschen ihre Show. Dennoch liegen die Quoten vor der Sommerpause noch immer über dem Schnitt von 2019, damals sahen lediglich 3,26 Millionen Menschen ihre Sendung.

HANDOUT - 09.05.2021, Deutschland;2021, Berlin: Armin Laschet (CDU), Kanzlerkandidat, und Anne Will, Moderatorin, in der Sendung Anne Will

Armin Laschet und Anne Will diskutieren in der ARD. Bild: dpa / Wolfgang Borrs

Zwar sind die Abend-Gesprächsrunden in der ARD tatsächlich nicht ganz gleichzeitig in der Pause, den kompletten Juli über gibt es dennoch keine der drei beliebten Shows zu sehen.

Weiterhin ist fraglich, ob der nicht pausierende "Presseclub" das Interesse der Zuschauer tatsächlich abfangen kann. In dem wöchentlichen Format gibt es jedes Mal eine Diskussionsrunde zum jeweils wichtigsten politischen Thema der Woche. Allerdings läuft er nicht wie "Anne Will", "Maischberger" und "Hart aber fair" am Abend nach auch schon quotenstarken Sendungen wie dem "Tatort", sondern am Sonntagmittag.

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Der "Presseclub" hat mit Jörg Schönenborn, Volker Herres und Ellen Ehni wechselnde Moderatoren. Bild: ARD

Auch die Wiederholungen des "Presseclubs" liegen nicht in der Primetime, sondern wiederum sonntags um 14.15 Uhr, sowie am Montag jeweils um 5.50 und 00.15 Uhr. Polit-Talks sind zudem nicht unbedingt Formate, die im Nachhinein in der Mediathek abgerufen werden. Sie werden "in der Regel live" geschaut, wie ein Sender-Sprecher weiter gegenüber watson preisgab.

Die Konkurrenz schläft nicht

Die Sommerpause der öffentlich-rechtlichen Talkformate könnte nun neuen Polit-Sendungen auf ProSieben und RTL einen zusätzlichen Aufwind bescheren. Zuletzt war die Abwanderung etablierter Gesichter von ARD und ZDF hin zu den Privatsendern zu beobachten. Die ehemalige "Tagesschau"-Sprecherin Linda Zervakis wird mit Matthias Opdenhövel ein eigenes Nachrichten- und Informations-Format erhalten und interviewte bereits den Kanzlerkandidaten und SPD-Politiker Olaf Scholz für den Sender.

Das neue Journal

Linda Zervakis und Matthias Opdenhövel bekommen ein neues Format auf ProSieben. Bild: dpa / ProSieben

Ebenfalls bekommt der Ex-"Tagesschausprecher" Jan Hofer nach seinem RTL-Einstand bei "Let's Dance" eine eigene Nachrichtensendung. Schließlich wurde kürzlich bekannt, dass auch Pinar Atalay zu RTL wechselt und zusammen mit Peter Kloeppel "Das große Wahltriell am 29. August" moderieren wird. Die Richtung, in die die Privatsender während des Wahlkampfes gehen wollen, dürfte eindeutig sein.

Auch im Internet steht die Welt während des Wahljahres nicht still – im Gegenteil. Die "Bild" will sich im Netz mit Live-Formaten wie "Die richtigen Fragen" auf der eigenen Website behaupten, und zwar ganz ohne Sommerpause. Hierfür wurde ebenfalls eine feste Sendezeit am Sonntagabend gefunden, verschiedene Spitzenpolitiker wie Annalena Baerbock waren bereits für Interviews zu Gast.

Die gebührenfinanzierten Sender lassen sich mit der planmäßigen Sommerpause ihrer wichtigsten Polit-Talks während des Wahljahres womöglich die Chance entgehen, ihren gewohnt seriösen Platz in der TV-Landschaft zu verteidigen. Durch die lange Unterbrechung bei der ARD könnte die Position zumindest durch die Konkurrenz angegriffen werden. Viele interessierte Zuschauer werden dadurch nun zumindest aufs Wartegleis verbannt.

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