Sie sind die Finalistinnen der 17. Staffel von "Germany's Next Topmodel": Anita, Lou-Anne, Luca, Martina und Noëlla.
Sie sind die Finalistinnen der 17. Staffel von "Germany's Next Topmodel": Anita, Lou-Anne, Luca, Martina und Noëlla. Bild: dpa / Richard Hübner
Analyse

Mehr Diversität bei "GNTM": Das neue Konzept der Show ging nicht auf – das war aber nicht das einzige Problem der diesjährigen Staffel

26.05.2022, 13:30

Am Donnerstag findet das große Finale von "Germany's next Topmodel" statt. Die 17. Staffel der Model-Castingshow von und mit Heidi Klum stand ganz im Zeichen von Diversity. Das bedeutete: Die Teilnehmerinnen waren zwischen 18 und 68 Jahre alt, es gab kleine Models, die 1,54 Meter groß waren, das größte Model der Staffel war 1,95 Meter groß und die Kleidergröße der Model-Anwärterinnen reichte von 30 bis 54. Die Message: Jeder ist willkommen!

Vor dem Start der Staffel gab Heidi Klum in einem Interview mit ProSieben preis, dass es aufgrund der Neuausrichtung des Formats schwierig gewesen sein, Designer für die Show zu gewinnen. "Warum ziehen die großen Mode-Label da nicht einfach mit?", fragte Klum in diesem Zusammenhang. Und es gab noch eine weitere große Änderung: In der aktuellen Ausgabe von "GNTM" verzichtete Heidi zum ersten Mal darauf, die Kandidatinnen "Mädchen" zu nennen.

Es schien, als wolle Heidi Klum die Kritiker zum Schweigen bringen, die sich seit Jahren darüber beschweren, dass "Germany's next Topmodel" einen schlechten Einfluss auf junge Mädchen habe. Doch nun, knapp vier Monate nach dem Start der Staffel, ist von der positiven Stimmung, die Heidi mit ihrer Message verbreiten wollte, nicht viel übrig. watson blickt anlässlich des Finales auf die aktuelle Staffel zurück und fasst zusammen, was dieses Mal besonders schiefgelaufen ist.

Diversity-Konzept zum eigenen Vorteil von Heidi Klum

Dass Heidi Klum bei den Kandidatinnen von "Germany's next Topmodel" auf mehr Vielfalt setzen und ein breiteres Spektrum an Schönheit präsentieren möchte, ist zunächst einmal natürlich löblich. Doch einige Zuschauer und Zuschauerinnen glauben, dass die 48-Jährige, diesen Plan nicht nur aus Gutherzigkeit umgesetzt hat.

"Jetzt wo Heidis Tochter selbst nicht perfekt ist, ist plötzlich alles erlaubt."

Für viele ist nämlich auffällig, dass Heidi ausgerechnet dann Vielfalt für sich entdeckt, als ihre Tochter Leni zum ersten Mal in der Show auftritt. Die Teenagerin hat selbst Ambitionen, Model zu werden, doch sie ist nur 1,63 Meter groß und damit eigentlich zu klein fürs Modeln.

"Jetzt wo Heidis Tochter selbst nicht perfekt ist, ist plötzlich alles erlaubt", schreibt ein User unter die "GNTM"-Kritikvideos bei Tiktok. Tatsächlich zog mit Romina Palm 2021 zum ersten Mal eine Kandidatin ins Finale ein, die nur 1,68 groß ist. Zufall? Mitnichten, meinen viele Kritiker. Heidi muss sich den Vorwurf gefallen lassen, sie wolle vor allem ihrer Tochter eine Karriere in der Branche ermöglichen.

Leni Klum möchte selbst als Model durchstarten.
Leni Klum möchte selbst als Model durchstarten.Bild: Sebastian Reuter/Getty Images for ABOUT YOU

In diesem Kontext gab es noch ein weiteres Ärgernis für die Zuschauer und Zuschauerinnen: Lieselotte. Die 66-Jährige gehörte neben Martina (50) und Barbara (68) zu den ältesten Kandidatinnen der diesjährigen "GNTM"-Staffel. Die Berlinerin schaffte es am Ende auf den sechsten Platz – für viele Fans der Show absolut unverständlich!

"Ich hab mir nicht vorstellen können, dass Lieselotte nach sogar zwei unfassbar schlechten Walks trotzdem in der Show bleiben wird – tschüss, ich bin raus", echauffierte sich zum Beispiel ein User auf Twitter nach der neunten Folge.

Man konnte fast den Eindruck gewinnen, als ob Heidi Lieselotte in der Show behalte, um die Diversität der aktuellen Staffel zu unterstreichen. So meinte ein Fan:

"Glaubt irgendjemand, dass Lieselotte wegen ihrer Leistung auf Platz 6 gelandet ist? Nein, das ist geplante Wokeness, mehr nicht. Die wollten diverser sein."

Bereits zu Beginn der Season wurde Kritik laut bei "GNTM" gehe es überhaupt nicht mehr um Mode, sondern nur noch um Persönlichkeit.

Kritik an ungeschütztem Nacktshooting

Zum neuen Wohlfühl-Konzept der Show passte dieser Skandal überhaupt nicht. Mitte Februar tauchten Paparazzi-Fotos vom "GNTM"-Dreh auf, auf denen die verbliebenen Kandidatinnen im Freien bei einem Shooting völlig unbekleidet zu sehen waren.

Viele Fans äußerten sich darauf entsetzt, denn: Das Nackt-Shooting fand nicht etwa in einem geschützten Raum oder Studio statt, sondern offenbar an einem Strand in Los Angeles, sodass Passanten freien Blick auf die Model-Anwärterinnen hatten.

Es wäre nicht nötig gewesen, die Kandidatinnen dem auszusetzen, wie ein Statement von Modelagent Peyman Amin deutlich macht. So stellt er gegenüber "Promiflash" klar:

"Wenn im richtigen Modelleben in der realen Welt ein Nacktshooting ansteht, dann wird dafür gesorgt, dass keine Passanten einen Blick auf die nackte Haut der Models werfen können."

Auf Nachfrage von watson wollte ProSieben-Pressechef Christoph Körfer nicht beantworten, warum das Nacktshooting nicht in einem geschützten Raum stattgefunden habe.

Ex-Kandidatinnen erheben schwere Vorwürfe

Knapp eine Woche vor dem Finale von "Germany's next Topmodel" veröffentlichte Ex-"GNTM"-Kandidatin Lijana Kaggwa, die 2020 an der Show teilgenommen hatte, ein Video, dass für ziemlich Furore sorgte.

Sie erhob schwere Vorwürfe gegen die Produktionsfirma und sprach von Manipulation und psychische Gewalt. Eine Aussage ihres Videos lautete unter anderem: "Die zweite Familie wird die Redaktion und das Team. Wir fingen an, Vertrauen aufzubauen. Dieses Vertrauen wurde ausgenutzt, um uns so zu manipulieren, dass man das macht, was sie wollen."

Außerdem behauptete sie, dass Stylisten bei der ersten Fashion-Show gezielt einzelnen Models die Füße eingecremt hätten. Damit rutsche man in High-Heels "dermaßen", dass man keine Chance habe, führte sie weiter aus.

In dem brisanten Video berichtet Lijana außerdem, was die Manipulationen bei ihr anrichteten. Da sie die undankbare Rolle der "Zicke" zugeteilt bekommen hätte, sei der Hass, der mit Ausstrahlung der Sendung aufkam, enorm gewesen.

Die ehemalige "GNTM"-Kandidatin Nathalie Volk, die 2014 bei "Germany's next Topmodel" mitgemacht hatte, teilte einen Screenshot des Videos in ihrer Instagram-Story und erhob ebenfalls Vorwürfe: "Diese Show ist Körperverletzung und Mobbing an jungen Frauen und dafür wollen diese Unmenschen noch eine NDA." Mit NDA meint Nathalie eine Verschwiegenheitserklärung.

Weiter sprach sie von blauen Flecken, die sie bekommen haben soll, als sie in den Pool geworfen oder mit Farbballons abgeworfen worden sei:

"Ich habe mich nie dazu geäußert, diese Sendung ist genauso falsch wie die angebliche Model-Mama und sollte schon lange abgesetzt werden. Ich habe Narben am Körper wegen Heidi."

Es sind schwere Vorwürfe, die die Produktion so nicht stehen lässt. Gegenüber "Gala" hat sich GNTM-Sprecherin Tina Land zu den Anschuldigungen von Lijana Kaggwa und Nathalie Volk geäußert.

"Frau Volk macht alles, um sich medial ins Gespräch zu bringen."

Zu den Anschuldigungen von Lijana sagte sie:

"Nicht zuletzt für sie und mit ihr hat ProSieben während der Staffel eine Anti-Cybermobbing-Kampagne initiiert. Während der Staffel haben Lijana viele Experten unterstützt. Wir möchten feststellen, dass der Psychologe Michael Thiel kein Medienberater ist."

Dem Magazin "Horizont" erklärte die "GNTM"-Sprecherin darüber hinaus, dass der Sender derzeit juristische Schritte gegen Lijana prüft.

Und über Nathalie urteilte sie: "Frau Volk macht alles, um sich medial ins Gespräch zu bringen. Dazu gehört jetzt wohl auch, dass sie unter anderem über einen Poolplanscher spricht, der acht Jahre zurückliegt", und verwies auf die Pool-Szene, die das heute 25-jährige Model in seiner Schilderung erwähnt.

Welches Fazit lässt sich nach der aktuellen Staffel ziehen? Es reicht nicht aus, dass Heidi Klum unter den Sendungstitel "Diversity" schreibt, sondern die Zuschauer und Zuschauerinnen müssen spüren, dass es ihr damit wirklich ernst ist und die Show nicht nur einem Trend nachgeht. Außerdem sollte deutlich werden, dass das Wohl der Models im Vordergrund steht. Ein Skandal wie dieses Jahr bezüglich des Nacktshootings darf sich aus diesem Grund nicht wiederholen.

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