Unterhaltung
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Deutschlands Showgrößen: Moderatorinnen wie Barbara Schöneberger, Sonja Zietlow, Laura Wontorra und Heidi Klum (v.l.) bekommen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen (Jochen Schropp, Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt, Günther Jauch, Johannes B. Kerner und Kai Pflaume) deutlich weniger Sendezeit. In die Analyse der großen Primetime-Formate inkludierte watson auch die Mitglieder der Jurys und Rateteams, Kommentatoren sowie Backstage-Reporterinnen und -Reporter. Bild: imago images/eventfoto54/future images/getty/tv now/stefan gregorowius/dpa/POP-EYE/Ralf U. Heinrich/cover images/watson-montage

Analyse

Viel zu wenig Frauen in der Primetime: So steht es um unsere TV-Shows und das sagen die Sender

Eine Quiz-Show mit Kai Pflaume, eine weitere mit Johannes B. Kerner und auf ProSieben kämpft Joko gegen Buddy Klaas. Wer in einer gewöhnlichen Woche durch die Primetime-Sendungen im deutschen Fernsehen zappt, sieht vor allem männliche Gastgeber, Moderatoren, Kommentatoren oder Quizmaster. Auch im Jahr 2020, in dem Frauen selbstbestimmt sein können, für ihre Rechte auf die Straße gehen, Chefin und Mutter sein und lieben können, wen sie wollen, sind sie in diesem Massenmedium noch immer unterrepräsentiert.

Ein Phänomen, das nicht nur dem Durchschnitts-Fernsehzuschauer auffallen könnte, sondern auch in der Medienwissenschaft seit Jahren Thema der Forschung ist. Die Unterhaltungsshows sind "ein TV-Bereich, in dem die Sichtbarkeit der Geschlechter besonders ungleich ist" sagt Christine Linke, derzeit Vertretungsprofessorin für Kommunikationswissenschaften an der Hochschule Wismar, gegenüber watson.

Christine Linke hat zusammen mit Elizabeth Prommer 2016 an der Universität Rostock eine viel beachtete Studie zum Thema veröffentlicht, die von Maria Furtwänglers Stiftung "Malisa" initiiert wurde, und dazu im vergangenen Jahr mit ihrer Kollegin auch das Buch "Ausgeblendet" herausgebracht. Die Wissenschaftlerin erklärt weiter: "Während im Fiktionalen und auch in der Information in den letzten Jahren stärker darauf geachtet wurde, scheinen im Showbereich mit wenigen Ausnahmen sowohl bei den Gastgebenden als auch bei Gästen und Juroren Männer weit in der Überzahl."

ARD und ZDF haben ein besonders großes Frauen-Problem: Wissenschaftlerin erklärt Unterschiede bei öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern

Auch ihre Kollegin Ricarda Drüeke von der Universität Salzburg kann diese Beobachtung bestätigen und sieht einen Unterschied zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern:

"Studien zeigen, dass Frauen immer noch in verschiedenen Formaten unterrepräsentiert sind […]. Die Unterrepräsentanz variiert jedoch, wenn man weitergehend nach Genre, Ressort und Fernsehformat schaut. Bei privaten Sendern, die einen größeren Fokus auf Entertainment legen, erhalten Frauen mehr Sichtbarkeit, was an der lange Zeit in unserer Gesellschaft vorherrschenden Trennung von Information und Unterhaltung liegt. Unterhaltung ist dabei weiblich konnotiert. Öffentlich-rechtliche Sender als die 'klassischen Informationssender' werden eher mit Fakten anstelle 'seichter' Unterhaltung in Verbindung gebracht und sind damit männlich konnotiert. Durch diese Entwicklung, die allgemeine gesellschaftliche Ungleichheiten und Geschlechterkonstruktionen widerspiegelt, sind Männer in einer privilegierteren Position und erhalten eher Zugang zu solchen Positionen […]."

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Linda Zervakis (links) und Judith Rakers sind absolute Ausnahmen im Öffentlich-Rechtlichen – als Frauen. bild: screenshot ard

Doch wie verteilt sich das Männer-Frauen-Ratio bei den öffentlich-rechtlichen und den privaten Sendern genau? Wer gibt, was die Gender-Gleichberechtigung angeht, ein gutes Vorbild ab oder ist zumindest auf dem Weg dahin? Und wo besteht noch Nachholbedarf?

Hierfür analysierte watson die großen Primetime-Formate der Hauptsender mit Show-Charakter, die vom 1. Januar bis zum 1. September 2020 mindestens zweimal mit neuen Folgen ausgestrahlt wurden. Wie das Programm aufgebaut ist, wie viele Frauen im Hauptcast zu finden sind und was die Sender sagen – der große Vergleich.

Das Erste

 Jahrespressekonferenz ARD, 3.12.2019 in Hamburg Kai Pflaume,Florian Silbereisen  Andre Poling *** Annual press conference ARD, 3 12 2019 in Hamburg Kai Pflaume,Florian Silbereisen  Andre Poling

Zwei beliebte ARD-Moderatoren: Florian Silbereisen (l.) und Kai Pflaume. Bild: imago images / Andre Poling

Das Programm

Sechs wiederkehrende Sendungen mit Show-Charakter wurden 2020 im Ersten ausgestrahlt. Wenn nicht große Spielfilmproduktionen oder Dokumentationen die Primetime dominieren, liebt es der öffentlich-rechtliche Sender vor allem quizzig: Von Florian Silbereisens Schlager-Sendungen einmal abgesehen, messen sich Prominente um 20.15 Uhr regelmäßig in den verschiedensten Formaten im Allgemeinwissen. Auffällig ist: Einen weiblichen Host sucht man in den wiederkehrenden Primetime-Shows im Ersten vergeblich.

Männer-Frauen-Ratio

Seit fünf Jahren führt Alexander Bommes durch das anspruchsvolle Quiz, das es mittlerweile vom Vorabend mit Spezialausgaben auch in die Primetime geschafft hat. Das Kandidatenfeld besteht aus Männern und Frauen, auch Prominente wie Verona Pooth, Laura Wontorra oder Christine Urspruch stellten sich kürzlich dem Fragen-Feuerwerk. Die fünf aktuellen "Jäger", die von den Kandidaten besiegt werden müssen, sind allerdings alle männlich.

Seit mittlerweile zehn Jahren bringt, der Sendungstitel verrät es, Dr. Eckart von Hirschhausen in seiner Show dem Publikum nicht nur den menschlichen Körper, sondern auch Alltagsphänomene näher. Unterstützt wird er dabei immer wieder von Promis wie Janine Kunze, Nelson Müller, Beatrice Egli oder Oliver Mommsen.

Gast- und Namensgeber Florian Silbereisen präsentierte 2020 schon die "Schlagerchampions", die "Schlagerlovestory" und eine große TV-Seeparty aus Österreich. Musiker-Kollegen wie Andrea Berg, Ben Zucker, Giovanni Zarrella, Lucas Cordalis oder Marianne Rosenberg schauen gerne für ein Ständchen vorbei, das Geschlechter-Verhältnis ist ausgeglichen.

Kai Pflaume moderiert die Familienshow, in der Kinder bis 14 Jahre, die über besondere Fähigkeiten und Talente verfügen, in unterschiedlichen Duellen gegen Prominente antreten. Als Gäste waren in diesem Jahr unter anderem Die Lochis, Heiner Lauterbach, Jürgen Vogel, Sabine Christiansen, Ekatarina Leonova, Regina Halmich und Henry Maske zu sehen. Das Geschlechterverhältnis ist, wenn man die wechselnden Gäste einbezieht, leicht männlich dominiert.

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Kai Pflaume und seine Rateteam-Kapitäne Bernhard Hoecker (l.) und Elton. Bild: NDR/Morris Mac Matzen

In Kai Pflaumes zweitem großes Quiz wird er von Elton und Bernhard Hoëcker als Rateteam-Kapitänen unterstützt. Wenigstens unter den prominenten Gästen finden sich einige Frauen, zuletzt trat unter anderem Vanessa Mai an.

Guido Cantz hält der Comedy-Promi-Show seit zehn Jahren die Treue. Ob Evelyn Burdecki oder Maite Kelly: Unter den Opfern der TV-Streiche mit versteckter Kamera finden sich auch zahlreiche Frauen, doch der Host der Show ist und bleibt eben ein Mann. Die Kult-Sendung, die es seit 40 Jahren gibt, hatte übrigens nur 29 Episoden lang eine Moderatorin: Paola Felix (als Duo mit ihrem Mann Kurt).

Das fällt auf

Die Primetime ist, zumindest bei den wiederkehrenden Shows, männlich. Dabei kann es der Sender im Tagesprogramm viel besser: Evelin König und Fatma Mittler-Solak führen mit ihren beiden männlichen Kollegen durch das "ARD Buffet", auch im "Morgenmagazin" sowie im "Mittagsmagazin" treten je zwei Männer und zwei Frauen in Erscheinung, das Boulevardformat "Brisant" ist ganz den Frauen vorbehalten. Auch die traditionelle "Tagesschau" wird in der Hauptausgabe von sechs verschieden Sprechern präsentiert, mit Linda Zervakis, Judith Rakers und Susanne Daubner sind drei Sprecherinnen im Team mit dabei. ARD-Programmdirektor Volker Herres war vor gut drei Monaten in die Kritik geraten, nachdem er in einem "BamS"-Interview gesagt hatte, ihm falle kein weibliches Pendant zu Kai Pflaume ein.

Das sagt der Sender

Auf Nachfrage von watson, warum Frauen in Primetime-Shows so unterrepräsentiert sind, erklärt ein Sendersprecher: "Weil über Jahrzehnte Männer aufgebaut wurden. Genau das muss jetzt im Bereich der Primetime-Unterhaltung bei den Frauen forciert werden, so wie es uns auf anderen Sendeplätzen und fast allen Genres – etwa bei News und im Sport – bereits gelungen ist." Hinsichtlich kommender Primetime-Shows zeigt sich die ARD offen:

"Mit unseren aktuellen Primetime-Shows sind wir sehr erfolgreich. Deshalb gibt es aktuell keine Überlegungen, dort ein neues Format zu etablieren. Aber: Bei den nächsten Pilotierungen wird die Koordination Unterhaltung gezielt Formate mit Moderatorinnen testen."

Bezüglich der Bevorzugung von Moderatorinnen in der Planung neuer Formate macht der ARD-Sprecher Hoffnung: "Der Programmdirektor des Ersten hat sich dafür eingesetzt und wird das auch zukünftig tun. So wie übrigens die Sendeleisten für Comedy, Satire und den unterhaltenden Talk auf seine Initiative zurückgehen. Die Entscheidung über die Moderationen wird in der ARD aber letztendlich in den Landesrundfunkanstalten gefällt."

Man habe aber "bereits jetzt in der Unterhaltung großartige Frauen prominent im Programm":

"Barbara Schöneberger in wechselnden Rollen, Linda Zervakis hat 2018 und 2019 überzeugend den ESC-Vorentscheid moderiert. Auf den Comedy- und Satire-Plätzen treten Maren Kroymann, Carolin Kebekus, Ina Müller sowie Janin Ullmann in 'extra3' auf. Wir haben mit 'Ladies Night' eine Kabarett-Fernsehsendung, in der ausschließlich Frauen auftreten, abwechselnd moderiert von Daphne de Luxe, Lisa Feller und Meltem Kaptan. Auf der unterhaltenden Talkleiste am Dienstag moderieren Judith Rakers, Barbara Schöneberger und Bettina Böttinger. Mit Eva-Maria Lemke und Jessy Wellmer haben wir im vergangenen Jahr ein eigenes Talk-Format aus der Hauptstadt entwickelt."

Einen speziellen Grund, warum die ARD-Quizsendungen in Männerhand seien, kann der Sprecher allerdings nicht nennen: "Das ist tatsächlich bei allen Sendern so."

Bliebe nur noch die Frage zu klären, ob ARD-Programmdirektor Volker Herres mittlerweile ein weibliches Pendant zu Kai Pflaume gefunden habe. Hierzu stellt der ARD-Mitarbeiter klar: "Herrn Herres ging es darum, die spezifischen Stärken von Kai Pflaume hervorzuheben. Jedes Showtalent – egal, ob weiblich oder männlich – hat ein eigenes Profil. Es war also kein Aufruf zum Casting von Moderatorinnen für den Samstagabend, wohl aber ein Plädoyer an alle in der ARD-Verantwortlichen bei künftigen Primetime-Shows auch die Diversität im Auge zu behalten."

ZDF

Walter

Horst Lichter ist das Aushängeschild von "Bares für Rares". Bild: ZDF / Frank W. Hempel

Das Programm

Fünf wiederkehrende Sendungen mit Show-Charakter wurden bis zum 1. September 2020 im ZDF ausgestrahlt. Genau wie Das Erste liebt es das ZDF in der Primetime quizzig. Ansonsten wird das Abendprogramm gern von Krimis oder Romantik-Filmen à la Rosamunde Pilcher bestimmt. Während in den Filmreihen natürlich zahlreiche Schauspielerinnen auch in den Hauptrollen zu sehen sind, sucht man eine Moderatorin in den wiederkehrenden Primetime-Shows quasi vergeblich.

Männer-Frauen-Ratio

Moderator Rudi Cerne.

Rudi Cerne moderiert die beliebte Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst". Bild: ZDF / Nadine Rupp

Seit 2002 moderiert Rudi Cerne die Sendung, in der es um die Aufklärung realer Verbrechen geht. Vor ihm verpflichtete das ZDF ebenfalls Männer als Moderatoren der Show – mit einer Ausnahme: Von 1987 bis 2001 war mit Sabine Zimmermann eine Co-Moderatorin mit an Bord. Macht insgesamt: einen Mann, null Frauen.

Die Trödelshow, die eigentlich vor allem im Nachmittagsprogramm des ZDF läuft, ist seit 2017 auch immer wieder mit XXL-Ausgaben in der Primetime zu sehen. Moderiert wird die Show von Horst Lichter. Von aktuell 22 wechselnden, aber immer wiederkehrenden Experten und Händlern sind nur sieben weiblich. Macht insgesamt: einen männlichen Hauptakteur.

Die Quiz-Show wird von Johannes B. Kerner moderiert – nicht seine einzige ZDF-Sendung zur Primetime.

Auch "Das Spiel beginnt" ist eine, wie der Name bereits vermuten lässt, Spiel-Show mit Johannes B. Kerner.

Und noch eine Primetime-Show mit Moderator Johannes B. Kerner. In der Quiz-Show müssen regelmäßig verschiedene Promi-Teams Antworten auf etwas kuriose Fragen finden. In diesem Jahren waren bereits unter anderem Eckart von Hirschhausen, Jochen Busse, Pamela Reif, Markus Krebs, Ilka Bessin, Martin Rütter, Horst Lichter, Carolin Kebekus, Hans Sigl, Collien Ulmen-Fernandes, Wotan Wilke Möhring oder auch Riccardo Simonetti zu Gast. Macht bei der Stammbesetzung insgesamt: ein Mann, null Frauen.

Das fällt auf

Wie bei der ARD ist auch beim ZDF das Männer-Frauen-Verhältnis in den Primetime-Shows völlig unausgeglichen. In fünf Shows, auf die unsere Kriterien zutrafen (mindestens zwei ausgestrahlte Episoden um 20.15 Uhr bis zum 1. September 2020, keine Wiederholungen), kam keine Moderatorin zum Zuge. Selbst in der nun neu anlaufenden Quiz-Show "Einfach super!" ist es wieder ein Mann, der durch die Sendung führt: Elton.

Klar, das ZDF hat vor allem mit Carmen Nebel und Andrea Kiewel gefragte Moderatorinnen an Bord. Doch Kiewel ist mit dem "ZDF Fernsehgarten" nur tagsüber und nicht zur Primetime zu sehen. Carmen Nebel, die eigentlich in diesem Jahr mit fünf Abend-Shows im Programm angekündigt war, musste aufgrund der Corona-Krise kapitulieren. Ihre Live-Show im April musste abgesagt werden und auch ihre Abschiedssendung im Dezember wurde schon jetzt vorsorglich auf 2021 verschoben. Lediglich am 19. September zeigt das ZDF eine neue Sendung mit der Moderatorin. Was in diesem Jahr aus ihren Weihnachts-Sendungen wird, ist noch unklar.

Schlagerbooom - Das internationale Schlagerfest am 02.11.2019 in der Westfalenhalle in Dortmund Helene Fischer Foto: osnapix Schlagerbooom 2019 - Das internationale Schlagerfest *** Schlagerbooom The international Schlagerfest on 02 11 2019 in the Westfalenhalle in Dortmund Helene Fischer Photo osnapix Schlagerbooom 2019 The international Schlagerfest MH

Helene Fischer konnte dieses Jahr noch nicht im ZDF auftreten. Bild: www.imago-images.de / osnapix / Hirnschal via www.imago-images.de

Und auch Helene Fischer ist zwar ein Quoten-Garant, den sich das ZDF auf die Fahnen schreiben kann, aber auch sie war in diesem Jahr noch nicht zu sehen – ob ihre Weihnachts-Sendung stattfinden wird, ist ebenfalls noch ungewiss. Der "Bild" teilte das ZDF kürzlich mit: "Es gibt noch keine Entscheidung darüber, in welcher Form die 'Helene Fischer Show' in diesem Jahr produziert wird."

Das sagt der Sender

Das ZDF reagierte auf die Anfrage von watson, woran es liegt, dass Frauen in den Primetime-Shows zur heutigen Zeit noch so unterrepräsentiert sind und auf die Frage, ob der Sender gezielt nach weiblichen Moderatoren für neue, vor allem Primetime-Formate suche, lediglich mit folgender Anmerkung:

"Mit Andrea Kiewel (26 Live-Shows pro Jahr) und Carmen Nebel (sechs Shows pro Jahr) sind gleich zwei der zurzeit beliebtesten und erfolgreichsten Show-Moderatorinnen im ZDF zu sehen. Annette Frier präsentierte übrigens vor kurzem mit 'Unvergesslich' ein vierteiliges Factual-Entertainment-Format im Zweiten."

Erneute Nachfragen von watson zu dem Thema blieben vom ZDF unbeantwortet.

RTL

Moderator Daniel Hartwich (Archivfoto:  Let's Dance  - 13.03.20).

Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf TVNOW gestattet.

Einer der führenden RTL-Moderatoren: Daniel Hartwich. Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius

Das Programm

13 wiederkehrende Shows oder Formate mit Show-Charakter wurden bislang in 2020 bei RTL zur Primetime um 20.15 Uhr ausgestrahlt. Wenn auch noch Ranking-Shows hinzugezählt werden, sind es sogar 15. Egal, ob mit Musik-Shows wie "DSDS", Kuppelformaten wie "Bauer sucht Frau" oder "Schwiegertochter gesucht" oder Quizsendungen à la "Wer wird Millionär?" oder "Bin ich schlauer als ...?" – RTL weiß die Zuschauer zu unterhalten. Beim Blick auf die Moderatoren oder auch Juroren wird jedoch deutlich: Die Männer sind noch immer häufiger vertreten als die Frauen.

Männer-Frauen-Ratio

Die Show, die erst im August bei RTL Premiere feierte, wird von Daniel Hartwich moderiert. Das Promi-Panel, das bei der Suche nach dem wahren Gesangstalent helfen soll, ist mit Judith Rakers, Evelyn Burdecki, Thomas Hermanns, Tim Mälzer und Jorge Gonzalez besetzt. Macht insgesamt vier Männer und zwei Frauen.

2020 ging die 17. Staffel von "DSDS" zu Ende. Am Juroren-Pult neben Dieter Bohlen saßen dieses Mal Oana Nechiti, Pietro Lombardi und Xavier Naidoo, der allerdings nach einem Rassismus-Eklat in den Live-Shows von Florian Silbereisen ersetzt wurde. Moderiert wurde das Format von Alexander Klaws.

Und schon jetzt steht fest, wen wir 2021 im TV bewundern dürfen: Dieter Bohlen, Michael Wendler, Maite Kelly und Mike Singer. Ob Alexander Klaws weiterhin die Moderation der Live-Shows übernimmt, wurde noch nicht bekannt gegeben. Für 2021 ist also jetzt bereits klar, dass allein in der Jury die Männer mit drei zu eins in der Überzahl sind. 2020 sah es nicht besser aus. Da dominierten mit vier, beziehungsweise fünf Posten ebenfalls die Männer.

Die Kuppelformate zur Primetime bei RTL bilden eine absolute Besonderheit. Hier sind es tatsächlich die Frauen, die das Sagen haben. Inka Bause moderiert seit jeher "Bauer sucht Frau" – alleine. Testosteron bekommt man in der Sendung dennoch genug, denn auf Liebessuche sind meist die Bauern und nicht die Bäuerinnen.

Vera Int-Veen (l.) besucht Dennis und Mutter Carmen (r.).

Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf TVNOW gestattet.

Vera Int-Veen durfte 2020 mit "Schwiegertochter gesucht" erstmals in die Primetime vorrücken. Bild: TVNOW

Ein weiteres Kuppelformat, eine weitere Frau: Vera Int-Veen moderiert "Schwiegertochter gesucht". 2020 lief die Sendung erstmals in der Primetime um 20.15 Uhr.

Wie der Name bereits verrät, ist das die Show der Unterhaltungsgrößen Günther Jauch, Thomas Gottschalk und Barbara Schöneberger. Kommentiert wird das Ganze von Thorsten Schorn. Einfache Rechnung: drei Männer, eine Frau.

Nachdem sich Günther Jauch 2019 selbst dem Wissenstest unterzogen hat, führt er nun wieder als Moderator durch das Format. 2020 durften sich stattdessen Oliver Pocher und Verona Pooth mit dem Publikum und drei Show-Kandidaten messen. In der Sendung mit Pocher waren das Joachim Llambi, Lilly Becker und Lutz van der Horst, in Verona Pooths Ausgabe hingegen Horst Lichter, Sabrina Mockenhaupt und Matze Knop. Wenn es um den Einsatz der "Bin ich schlauer als ...?"-Promis geht, ist das Geschlechterverhältnis 2020 ausgeglichen. Beim Blick auf Moderation und die drei prominenten Gegenkandidaten, sieht es allerdings anders aus: jeweils drei Männer, eine Frau.

Der Klassiker schlechthin wird geschlechtergerecht von Daniel Hartwich und Sonja Zietlow moderiert. Eigentlich herrscht hier Gleichstand – wäre da nicht Dr. Bob. Denn der gehört, wenn man es ganz genau nimmt, ebenfalls zur Stammbesetzung, wenn nicht gar zum Inventar.

Wieder Daniel Hartwich, aber eine andere Frau an seiner Seite: Victoria Swarovski. Die beiden führen als Duo durch die Tanz-Show. In der Jury hingegen herrscht mit Joachim Llambi und Jorge Gonzalez Männerüberschuss. Motsi Mabuse ist die einzige Frau in ihrer Mitte. Macht insgesamt: drei Männer, zwei Frauen.

Moderiert wird die Parcours-Sendung von Laura Wontorra, kommentiert allerdings von Jan Köppen und Frank Buschmann. Macht insgesamt: zwei Männer, eine Frau.

Der Quizshow-Klassiker wird von Günther Jauch moderiert. Das war schon immer so und wird offenbar auch so bleiben. Macht insgesamt: ein Mann.

Der Name der Show verrät es bereits: Hier mischt Günther Jauch mit. An seiner Seite: Oliver Pocher. Die beiden sind mittlerweile fast ein genauso eingeschworenes Team wie Jauch-Gottschalk-Schöneberger. Macht insgesamt: zwei Herren, keine Damen.

Tag 3 in der

Oliver Pocher, Thomas Gottschalk und Günther Jauch präsentierten die "Quarantäne-WG". Bild: TV Now / TVNOW

Zum Corona-Lockdown zauberte RTL eine spontane Sendungs-Idee aus dem Ärmel, nur auf das Geschlechterverhältnis wurde dabei nicht geschaut. Stattdessen schickte man für die "Quarantäne-WG" Thomas Gottschalk, Günther Jauch und Oliver Pocher auf die Webcams. Ihnen an die Seite wurden lediglich wechselnde Gäste gestellt. Macht insgesamt: drei Männer, null Frauen.

Moderiert wird die Sendung natürlich von Mario Barth. Macht insgesamt: einen Mann, null Frauen.

Die regelmäßig um 20.15 Uhr laufende Ranking-Show wird von Sonja Zietlow moderiert. Die Kommentare in der Sendung werden von verschiedensten Promis geliefert. Macht insgesamt: eine Frau und (zumindest keine fixen, wiederkehrenden) Männer.

Er ist quasi der Rankingshow-Erfinder: Oliver Geissen. Mit "Die ultimative Chartshow" ist er bereits seit 2003 auf Sendung und präsentierte das Format auch 2020 bereits drei Mal. Macht insgesamt: ein Mann, null Frauen.

Das fällt auf

RTL ist, wenn es um Unterhaltungs-Shows geht, ganz weit vorne mit dabei. Doch beim Gender-Verhältnis gibt es noch deutlich Luft nach oben. Denn es sind noch immer mehr Männer, die durch eine Abend-Show führen. Primetime-Shows, in denen die Frauen bei der Stammbesetzung in der Überzahl sind? Fehlanzeige. Lediglich die beiden Kuppelformate "Bauer sucht Frau" und "Schwiegertochter gesucht" sind fest in Frauenhand.

Was ebenfalls auffällig ist: Es sind immer wieder die gleichen Herren, die in den Primetime-Sendungen vertreten sind. Allen voran Günther Jauch, Oliver Pocher und Daniel Hartwich. Bei den 20.15-Uhr-Moderatorinnen ergibt sich ein ähnliches Bild: Abgesehen von Inka Bause und Vera Int-Veen sind es vor allem Victoria Swarovski, Barbara Schöneberger und Sonja Zietlow, die immer wieder in Formaten zu sehen sind.

Dabei hat der Sender durchaus starke Frauen im Programm. Mit beispielsweise Frauke Ludowig, Katja Burkard, Nazan Eckes, Angela Finger-Erben, Susanna Ohlen, Jennifer Knäble, Leonie Koch, Sandra Kuhn und Elena Bruhn führen einige Moderatorinnen tagsüber durch Nachrichten-Magazine wie "Guten Morgen Deutschland", "Punkt 12", "Explosiv" oder "Exclusiv". Nur zur Primetime kommen diese Frauen fast nie zum Einsatz.

Übrigens: Im Herbst starten bei RTL weitere Unterhaltungs-Shows. Dazu gehören nach aktuellem Stand "Das Supertalent", "Big Performance – Wer ist der Star im Star?", "Lego Masters" und "Der König der Kindsköpfe – Die Barth-Pocher-Tall-Show". Doch in keiner dieser Sendungen sind die Frauen in der Überzahl. Lediglich bei "Big Performance" herrscht Geschlechter-Gleichstand.

Das sagt der Sender

"Wir haben mit Namen wie Barbara Schöneberger, Sonja Zietlow, Laura Wontorra und Victoria Swarovski starke Frauen in den RTL Primetime-Shows", sagt eine RTL-Sprecherin gegenüber watson. Auf die Frage, ob gezielt nach Frauen für die Primetime gesucht werde, teilt der Sender weiter mit:

"Die Themen Gender und Diversity sind uns in der Mediengruppe RTL sehr wichtig, was sich auch in unseren Programmen widerspiegelt. Wir geben Frauen in der Primetime eine Bühne, so startete zum Beispiel Laura Wontorra 2016 mit 'Ninja Warrior Germany' ihre Moderationstätigkeit bei RTL, seitdem hat sie weitere Primetime-Formate in der Mediengruppe übernommen. Victoria Swarovski, die 2016 als Teilnehmerin und Siegerin von 'Let’s Dance' in der Mediengruppe gestartet ist, moderiert die beliebte Tanzshow seit 2018 und wird 2020 erstmals auch 'Das Supertalent' moderieren."

Vox

Profikoch Steffen Henssler und Moderatorin Laura Wontorra.

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Laura Wontorra moderiert die Vox-Show "Grill den Henssler". Bild: TVNOW/ Frank W. Hempel

Das Programm

Sieben wiederkehrende Shows oder Formate mit Show-Charakter wurden bislang 2020 beim Kölner Sender Vox zur Primetime um 20.15 Uhr ausgestrahlt. Mit "Die Höhle der Löwen", "Grill den Henssler" "Promi Shopping Queen", "First Dates Hotel", "Kitchen Impossible", "Sing meinen Song" sowie "Live aus der Forster Straße" bietet der Sender zwar beste Primetime-Unterhaltung, aber beim genaueren Blick auf die Personalagenda fällt auf: Frauen sind zwar vertreten, aber die Männer noch deutlich in der Überzahl.

Männer-Frauen-Ratio

Die Show wird von Amiaz Habtu moderiert. Als Investoren waren im Frühjahr Judith Williams und Dagmar Wöhrl sowie Ralf Dümmel, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler, Nils Glagau und Frank Thelen dabei. Letzterer wurde in der jetzigen Herbststaffel von Neu-Löwe Nico Rosberg ersetzt. Macht insgesamt: zwei Frauen und sechs, beziehungsweise sieben verschiedene Herren.

In der Koch-Show treten immer wieder verschiedene Promi-Teams gegen TV-Koch Steffen Henssler an. Moderiert wird die Show von Laura Wontorra. In der Jury sitzen neben Mirja Boes außerdem Reiner Calmund und Christian Rach. Macht hinsichtlich der festen Besetzung insgesamt: zwei Frauen und drei Männer.

Wie auch bei der Nachmittagsvariante hat hier Guido Maria Kretschmer das Wort. Allerdings ist er meist der einzige Mann in der Runde, denn immerhin kommen hier größtenteils Kandidatinnen zum Einsatz.

First Dates Hotel

Roland Trettl ist der Gatsgeber von "First Dates Hotel". Bild: screenshot tv now

Das Dating-Format ist das Spin-off der Vorabendsendung "First Dates – ein Tisch für zwei". In beiden Formaten hat Gastgeber und Gastronom Roland Trettl das Sagen – ein Mann. Allerdings wurde ihm mit Rezeptionistin Aline zumindest eine Frau an die Seite gestellt. Auch im siebenköpfigen Serviceteam sind immerhin drei Frauen zu finden.

Ein weiteres Vox-Kochformat, in dem wieder ein männlicher Koch im Mittelpunkt steht: Tim Mälzer. Er tritt gegen einen weiteren Star-Koch an – mal Mann, mal Frau.

Die erfolgreiche Musik-Show "Sing meinen Song" ging 2020 bereits mit der siebten Staffel an den Start. Dieses Mal – und so war es auch in den Jahren zuvor – übernahm ein Mann die Gastgeberrolle: Michael Patrick Kelly. Neben ihm nahmen die Künstler und Künstlerinnen Ilse De Lange, Jan Plewka, Lea, Max Giesinger, MoTrip und Nico Santos Platz. Mit fünf Männern zu zwei Frauen ist das Geschlechterverhältnis in der Show deutlich unausgeglichen gewesen.

Die Sendung mit Mark Forster als Gastgeber wurde aus der Not heraus geboren. Das Format lief während des Corona-Lockdowns. Mark Forster lud sich dazu wechselnde Gäste ein – natürlich nur virtuell. Dazu gehörten die Musiker und Musikerinnen Sido, Johannes Oerding, Stefanie Kloß, Lea, Michael Patrick Kelly und James Blunt. Aber auch Fußballer André Schürrle, Koch Tim Raue, Schauspieler Matthias Schweighöfer, Hundeprofi Martin Rütter, Moderator Kai Pflaume oder Comedian Teddy Teclebrhan schalteten sich dazu. Macht insgesamt: Mark Forster plus unzählige Männer und einige wenige Frauen.

Das fällt auf

Wenn man das Programm von Vox über den kompletten Tag verteilt betrachtet, kommen bei dem Sender natürlich auch Moderatorinnen zum Einsatz. So moderiert Laura Dahm das Promi-Magazin "Prominent!" – allerdings abwechselnd mit Amiaz Habtu. Mit Pia Osterhaus hat der Sender außerdem eine Frau im späten Abendprogramm, die mit ihrer Reportagereihe "Pia – aus nächster Nähe" spannende Selbstversuche wagt. Dennoch sind es vor allem hinsichtlich der Primetime eindeutig die Frauen, die noch immer das Nachsehen haben. Insgesamt waren es 2020 bislang nur sechs Frauen, die um 20.15 Uhr regelmäßig in den Sendungen zu sehen war – egal, ob es sich dabei um Moderatorinnen, Jurorinnen, Investorinnen oder Künstlerinnen handelte.

V.l.: Investor Nico Rosberg, Investor Nils Glagau, Investorin Dagmar Wöhr, Investor Ralf Dümmel und Moderator Amiaz Habtu

Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf TVNOW gestattet.

In "Die Höhle der Löwen" treffen mit Judtih Williams und Dagmar Wöhrl zwei Frauen auf fünf Männer. Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Das sagt der Sender

Eine Vox-Sprecherin erklärt gegenüber watson: "Bei Vox sorgen längst starke Frauen wie Judith Williams, Dagmar Wöhrl, Laura Wontorra, Laura Dahm und Pia Osterhaus für beste Unterhaltung zur Primetime. Auch die neue Primetime-Serie 'Lucie. Läuft doch!' mit Cristina do Rego in der Hauptrolle steht in den Startlöchern. Heißt: Natürlich gibt Vox Frauen eine Stimme und die Plattform."

Darüber hinaus weist die Sprecherin auf das Thema Diversität bei Vox hin, was ebenfalls eine große Rolle spiele. Dabei bezieht sie sich vor allem auf die Dating-Formate "First Dates Hotel" und "Prince Charming" sowie die kürzlich gezeigte, vierstündige Dokumentation "Ich bin besonders – Mein Leben mit dem Down-Syndrom" sowie die Generationen-Doku "Altes Haus sucht Mitbewohner".

Der Sender erklärt weiter:

"Die Themen Gender und Diversity sind uns wichtig in der Mediengruppe RTL und das spiegelt sich in unseren vielfältigen Programmen wider."

ProSieben

Das Programm

Spielshows, Musik-Rateshows, Joko und Klaas sowie Heidi Klum: ProSieben sorgt mit vielen verschiedenen Show-Genres für Entertainment-Vielfalt. Von dreizehn wiederkehrenden Primetime-Shows, die 2020 ausgestrahlt wurden (Wiederholungen wie von "Die beste Show der Welt" oder "Big Countdown" nicht mitgezählt), sind, was den Hauptcast anbelangt, acht von Männern dominiert, fünf liegen in Frauen-Händen.

Männer-Frauen-Ratio

Elton moderiert die Sendung seit mittlerweile vier Jahren. In der laufenden Staffel traten bis dato jeweils vier Frauen und vier Männer an. Fortgesetzt wird die Reihe am Samstag mit dem Duell von Verona Pooth gegen Janine Kunze. Hauptprotagonist: ein Mann.

In dem "Schlag den ..."-Spinoff treten zwei nicht-prominente Kandidaten in unterschiedlichen Wissens-, Sport- und Geschicklichkeitsspielen gegeneinander an. Auch hier moderiert Elton.

Bei dieser Quiz-Show ging es nicht darum, das umfassendste Allgemeinwissen zu haben, sondern auf Details zu achten, die sich im ProSieben-Studio abspielten. Ruth Moschner moderierte, von den insgesamt zwölf Promi-Kandidaten waren mit Judith Rakers, Vanessa Mai, Laura Karasek, Viviane Geppert (und Olivia Jones) fast die Hälfte weiblich.

Der Quoten-Hit wartete in der Frühjahrsstaffel mit Matthias Opdenhövel als Moderator sowie Rea Garvey und Ruth Moschner als festes Rate-Team auf. Als Gaststars waren unter anderem Carolin Kebekus, Elton oder Conchita Wurst mit dabei. Mit der Herbststaffel wird sich die Besetzung ändern: Bülent Ceylan sitzt im Rate-Team, Garvey und Moschner setzen für die dritte Staffel aus. Hauptcast der Frühjahrsstaffel: zwei Männer, eine Frau.

Im Primetime-Ableger der täglichen ProSieben-Wissensshow, werden jeweils 50 spektakuläre, ungewöhnliche oder beeindruckende Bilder gezeigt. "Galileo"-Urgestein Aiman Abdallah erläutert ihre Hintergründe.

Seit 2019 moderiert Annemarie Carpendale die Ranking-Show, handelt in der Sendung die "Spektakulärsten Live-Momente" oder die "Krassesten Entscheidungen" ab.

Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf treten traditionell am liebsten gegeneinander an, in diesem Format battlen sie gegen ihren Haus- und Hofsender. Präsentiert wird die Sendung vom dritten Mann im Bunde: Steven Gätjen. Wechselnde Gaststars stellen Joko und Klaas die Aufgaben vor, das Geschlechter-Verhältnis dabei ist ausgeglichen. Abgesehen von den natürlich auch weiblichen Gaststars ist "Joko und Klaas gegen ProSieben" eine reine Männersendung.

Bei der aufwendig produzierten Show wurde dem Entertainer-Duo mit Jeannine Michaelsen eine Frau zur Seite gestellt.

Bei ProSieben geht nichts ohne Heidi Klum: In der jüngsten Staffel hatte die Model-Macherin keine feste Jury mehr, sondern Gast-Juroren, die sie bei der Entscheidungsfindung unterstützten. Mit dabei: Milla Jovovich, Fotograf Rankin oder Stella Maxwell.

Für diese Sendung wurde Heidi Klum von Schwager Tom Kaulitz und Conchita Wurst unterstützt, die Jury komplettierte jeweils eine vierte Person. Unter anderem halfen die Dragqueens Olivia Jones und Laganja Estranja in der schrillen Castingshow mit aus. Mit Conchita Wurst (alias Tom Neuwirth) waren die Ladys in der Kern-Jury in der Mehrzahl.

Nur nicht aufregen: In der neuen Spielshow galt es, einen niedrigen Puls zu halten. Steven Gätjen führte durch das Format, als Kandidaten traten unter anderem Ruth Moschner, Thorsten Legat, Ben Blümel, Verona Pooth, Jochen Schropp und Ralf Moeller an.

Noch eine Spielshow für Elton: In diesem Format trat jeweils ein einzelner Kandidat gegen ganz Deutschland in einem Schätz-Wettbewerb an. Als Co-Moderatoren waren Bastian Bielendorfer und Rebecca Mir im Einsatz, macht zwei Männer und eine Frau.

In ProSiebens von Stefan Raab erdachtem Erfinder-Wettbewerb dominierten die Frauen: Janin Ullmann moderierte, in der Jury saßen Lena Gercke, Joko Winterscheidt, Lea-Sophie Cramer sowie Hans Jürgen Moog. Drei zu zwei für die Ladys!

Das fällt auf

Ohne Frage: ProSieben kann Diversity, was der Sender mit der Besetzung (und auch thematisch) bei "Queen of Drags" bewiesen hat. In der Daytime teilt sich ein diverses Team aus Daniel Aminati, Annemarie Carpendale, Thore Schölermann, Rebecca Mir, Christian Düren und Viviane Geppert die Moderation des Magazins "Taff", das Wissens-Format "Galileo" moderieren abwechselnd Aiman Abdallah, Stefan Gödde, Funda Vanroy und Claire Oelkers.

Dennoch sind gerade Musik-Shows und Sendungen mit Game-Charakter in männlicher Hand, obwohl der Sender mit Ruth Moschner, Jeannine Michaelsen, Rebecca Mir und Janin Ullmann durchaus erfahrene Moderatorinnen hat. Neben Vorzeige-Lady Heidi Klum sind in der Primetime Joko und Klaas omnipräsent. Dafür boten Letztere in ihrem vielfach von Kritikern und Zuschauern gelobten Spezial "Männerwelten" Frauen eine Plattform und machten auf sexualisierte Gewalt und ähnliche Problematiken aufmerksam.

Das sagt der Sender

Nach dem Männer-Frauen-Verhältnis in den Shows gefragt, sagt ein ProSieben-Sprecher watson:

"Ungefähr die Hälfte aller Primetime-Show-Abende auf ProSieben hat eine Frau als Gastgeberin oder Moderatorin. Bei der Besetzung einer neuen ProSieben Show geht es immer um zwei Fragen: 'Wer kann diese Show glaubwürdig moderieren?' und 'Wer möchte die Show moderieren?'“

Als Beispiele führt der Sendersprecher an: "Ruth Moschner moderiert auf ProSieben 'Wer sieht das denn?!', Jeanine Michaelsen moderiert 'Joko vs. Klaas: Das Duell um die Welt' und 'Die beste Show der Welt'. Annemarie Carpendale moderiert 'Die Besten' und 'Big Countdown'. Heidi Klum ist Gastgeberin von 'Queen of Drags'. Lena Gercke moderiert mit Thore Schölermann 'The Voice of Germany'. Conchita Wurst hat den 'FreeESC' präsentiert. Und als Tom Neuwirth präsentiert sie jetzt 'FameMaker' [startet am 17. September, Anm. d. Red.]."

Sat.1

Das Programm

Bei Sat.1 setzt man auf Koch-, Musik- und Reality-Formate. Von den fünf großen wiederkehrenden Shows, die 2020 mehrfach ausgestrahlt wurden, sind in dreien die Männer in der Überzahl. Ein Format wird tatsächlich von Frauen dominiert: "Das große Promibacken".

Männer-Frauen-Ratio

Beim traditionell weiblich konnotierten Thema Backen sind die Frauen in der Überzahl: Enie van de Meiklokjes moderiert die reguläre Version und den Promi-Ableger des Formats, die Jury bilden Bettina "Betty" Schliephake-Burchardt und Christian Hümbs. Je vier Männer und Frauen kämpften in diesem Jahr um die Krone der Sat.1-Show, die sich Rebecca Mir im Finale schnappte.

Durch die Live-Sendung führte das eingeschworene und sehr gleichberechtigte Moderatoren-Gespann aus Marlene Lufen und Jochen Schropp. Schropp leitete die Bewohner beispielsweise in den Battles an, Lufen ordnete das Geschehen aus dem TV-Loft aus ein. Und dann wäre da streng genommen auch noch die etwas unheimliche Stimme aus dem Off, die die Bewohner zum Aufhorchen bringt. Bei dem Sprecher handelt es sich um den Kölner Synchronsprecher Philipp "Phil" Daub – wieder ein Mann.

In der Wiederauflage des Kult-Formates kam ebenfalls Jochen Schropp zum Einsatz, die erste Sendung, in der die neuen Kandidaten die zwei verschiedenen Häuser bezogen, wurde er noch von Melissa Khalaj unterstützt. Auch fürs Finale kehrte Khalaj zurück. In der laufenden Staffel führte sie beim Schwestersender Sixx durch die "Big Brother Late Night Show".

Die jüngste achte Staffel wurde von Thore Schölermann und Melissa Khalaj moderiert, als Backstage-Reporterinnen waren die Sängerinnen Mimi & Josy im Einsatz. Als Coaches gingen Lena Meyer-Landrut, Max Giesinger, Sasha und Florian Sump sowie Lukas Nimscheck von Deine Freunde an den Start. Insgesamt zählten somit vier Frauen und fünf Männer zum Hauptcast.

In der Spielshow von Comedian Luke Mockridge treten Teams aus Prominenten und Schülern gegeneinander an. Von den Star-Gästen waren in der laufenden Staffel die meisten männlich, immerhin durften Sarah Lombardi, Vanessa Mai und Anna Thalbach auch mal mitspielen.

Das fällt auf

Der Ansatz ist gut: Sat.1 setzt erfolgreich Moderatoren-Duos ein, die aus Männern und Frauen bestehen. Beim demnächst anlaufenden Sport-Trash-Format "Das große Promiboxen" könnten durch das Engagement der Moderatoren Matthias Killing, Melissa Khalaj und Sarah Valentina Winkhaus theoretisch die Frauen in der Überzahl sein, die beiden eingesetzten Kommentatoren sind aber wieder Männer.

In der Daytime hat der Sender außerdem das erfolgreiche "Frühstücksfernsehen" im Angebot, das von einem männlich-weiblichen Moderatoren-Duo präsentiert wird.

Auffällig: Am 2. September startet eine neue "The Taste"-Staffel, die zwar von Angelina Kirsch moderiert wird, aber erstmals ohne weibliches Jury-Mitglied auskommt. Beim neu anlaufenden Format "Festspiele der Reality-Stars" wird aber wieder Diversität gelebt, denn durch die Show führen Jochen Schropp und Dragqueen Olivia Jones.

Das sagt der Sender

Sat.1 erklärte watson, dass sich der Sender bei der Besetzung einer Show grundsätzlich die Frage stelle, wer die Sendung "glaubwürdig moderieren" könne und wer zudem Lust und Zeit habe. Eine Sprecherin sagte weiter:

"Wir suchen also immer nach dem am besten passenden Moderator/der am besten passenden Moderatorin. Unsere große Show 'The Taste' wird von Angelina Kirsch moderiert. Das 'Sat.1 Promiboxen' wird von einem Mann und zwei Frauen moderiert. 'The Voice of Germany‘ [startet im Oktober, Anm. d. Red.] wird von Lena Gercke (bzw. in Vertretung Annemarie Warnkross) und Thore Schölermann moderiert. 'Promi Big Brother‘ wird von Marlene Lufen und Jochen Schropp moderiert. Die 'Festspiele der Reality-Stars' werden von Jochen Schropp und Olivia Jones moderiert."

Im Herbst würden am Vorabend des Weiteren zwei neue Quizshows starten, eine davon wird von einem Mann moderiert (Steven Gätjen), die andere von einer Frau (Ruth Moschner). Bezüglich der dominierenden weiblichen Besetzung, beziehungsweise van de Meiklokjes‘ Moderation von "Das große Backen", erklärte die Sat.1-Sprecherin:

"[…] Das liegt schlicht daran, dass Enie van de Meiklokjes sich bereits mit ihrer erfolgreichen sixx-Sendung 'Enie backt' eine so große Fan-Community und Glaubwürdigkeit erarbeitet hat und das sehr gerne machen wollte."

Fazit

Es ist nicht schönzureden: Die öffentlich-rechtlichen Sender haben ordentlichen Nachholbedarf. Was in der Daytime mit talentierten Moderatorinnen gelingt, könnte in der Primetime theoretisch leicht fortgeführt werden, denn genügend ausgebildete und erfahrene Kolleginnen gibt es. Warum in diesem Jahr trotzdem nur Männer Gastgeber der ZDF- und ARD-Quizsendungen waren, konnten die Sender watson selbst nicht beantworten.

Darum moderieren nur Männer Quizshows im TV

Christine Linke erklärt watson zu diesem Phänomen:

"Das Feld des 'Wissens' und der 'Expertise' ist im deutschen TV so stark mit männlichen Akteuren besetzt, dass es im Widerspruch zu den mittlerweile selbstverständlich in diesen Feldern aktiven Frauen steht. In unsere Studie haben wir Statistiken von Berufsverbänden herangezogen und können diese These belegen. Es scheint, als ob das Fernsehen und vor allem der Quizbereich nach wie vor nach extrem veralteten Geschlechterrollen funktioniert – wir haben in der Studie formuliert: 'Im deutschen TV erklären Männer die Welt' und für den Quizbereich könnten wir ergänzen 'NUR Männer erklären uns, was richtig und falsch ist.'"

Aber: Der Ansatz der ARD, künftig gezielt neue Formate mit Moderatorinnen zu testen und die Kolleginnen weiter aufzubauen, schürt Hoffnung.

Linke fordert, dass es in diesem Bereich ein Umdenken geben muss. Ihre Vermutung, warum Männer nach wie vor die Primetime-Gallionsfiguren sind: "Vermutlich wird häufig darauf gesetzt, die Konzepte der Sendungen so weiterzuführen 'wie wir das schon immer gemacht haben'. Damit einhergeht, dass auch der gleiche 'Moderations-Typus' gefördert wird, während der nicht-männliche Nachwuchs nicht so gefördert wird, beziehungsweise in der Branche wahrgenommen wird, dass non-fiktionale Unterhaltung ein männliches dominiertes Feld ist." Der Ansicht der erfahrenen Wissenschaftlerin nach müsse man die wenigen Frauen sowie People of Colour und andere unterrepräsentierte Gruppen in diesen Bereich hineinholen, was auch bedeuten würde, dass die Sender "letztlich auch mutiger in Richtung Diversität agieren" und "mit etablierten Mustern und Strukturen brechen".

Darum moderieren eher Frauen Dating-Shows

Zumindest bei den Dating-Formaten finden sich Frauen in der Rolle der Moderatorin tendenziell gut repräsentiert. Und das nicht ohne Grund, erklärt Ricarda Drüeke:

"Dating-Formate repräsentieren ein bestimmtes Genre, das traditionell weiblich konnotiert ist. Die Person, die Heiratswillige oder Kennenlernwillige verkuppelt, kann also eine Frau sein. Auch wenn mittlerweile Geschlechterrollen offener geworden sind, gibt es noch vorherrschende Geschlechterstereotype, die dazu führen, dass in manchen Positionen, Rollen und Funktionen eher Frauen oder eher Männer gedacht werden. [...] Auch durch unser Handeln bringen wir solche Strukturen hervor. Dies lässt sich als 'Doing Gender' beschreiben [...]."

In puncto Dating-Shows hat bei RTL übrigens bereits ein Umdenken stattgefunden. Allerdings eines, das ebenfalls nicht zur Stärkung der Frauenquote im TV beiträgt. "Die erste Staffel von 'Bachelor in Paradise' wurde von einem Mann, Florian Ambrosius, moderiert. Bei 'Are you The One?' übernimmt ebenfalls ein Mann die Moderation, Jan Köppen, und 'Take Me Out' wird von Ralf Schmitz moderiert – einem Mann", wie eine RTL-Sprecherin watson mitteilt.

Mehr Diversität bei privaten Sendern

Zusammenfassend kann man sagen, dass es in den Primetime-Shows der privaten Sender deutlich mehr Diversität gibt, sei es bei "Queen of Drags", "Das große Promibacken" oder zumindest ausgeglichene Formate wie "Promi Big Brother", dies allerdings auch mit einem großen Aber: In einer deutlichen Mehrzahl der von watson analysierten Formate finden sich mehr männliche als weibliche Hauptakteure. Dafür werden traditionell männliche Themen wie Boxen ("Das große Sat.1 Promiboxen") oder Wirtschaft ("Die Höhle der Löwen", Vox, "Das Ding des Jahres", ProSieben) auch mit Protagonistinnen besetzt.

Kurzum: In den insgesamt 38 analysierten Primetime-Formaten mit Show-Charakter, die in diesem Jahr bis dato mit mindestens zwei Folgen ausgestrahlt wurden, sind in nur neun die Frauen in der Überzahl.

Nur eine wirkliche Gender-Gleichheit, die ist nicht gegeben. Und bis wir uns durch die Hauptprogramme zappen und um 20.15 Uhr Barbara Schöneberger und Carolin Kebekus jeweils ein Quiz moderieren sehen, während Jeannine Michaelsen und Janin Ullmann Joko und Klaas zähmen, werden wir noch einige Jahre ausharren müssen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • MrMatrone 07.09.2020 11:14
    Highlight Highlight Ich habe nichts dagegen wenn einige Moderatoren ausgetauscht, bzw. abgelöst werden. Müssen aber nicht unbedingt Frauen folgen. Manche der angestammten Herren hat man sich wirklich übergesehen und deren ewig gleiches Gehabe nervt tw. dermaßen, dass man lieber abschaltet statt eine im Grunde gute Show anzusehen. Auf überkandidelte Damen w.z.B. A. Kiewel kann man auch gern verzichten. Wie wäre es mal mit "frischen" Gesichtern im Allgemeinen? Ohne extreme Selbstdarstellung, ohne ewiges lachen über eigene Möchtegernkalauer, ohne Schrillstimme.
    PS: bin auch weiblich
  • Europefirst 05.09.2020 13:09
    Highlight Highlight Ich kann mich nur "Cassie " anschließen und ergänzend bemerken, daß nicht das Geschlecht sondern die Qualifikation sowie die Kundenresonanz (= wir, die Zuschauer) entscheidend sein sollte.
    Negativbeispiel: Claudia Müller , ZDF ! Eine echte Zumutung sich diese schrille Stimme sowie ihre gekünstelte Kernigkeit bei Fußballübertragungen anhören zu müssen.
    Es gibt bestimmt passendere Formate für Reporterinnnen.
  • Cassie 05.09.2020 10:18
    Highlight Highlight Alle Shows,Sendungen,alle zu vergebenden Jobs im TV nur noch mit den dritten Geschlecht besetzen,und schon stimmt die Welt wieder.Ich bin Frau und gucke mir-bis auf BSF und Schwiegertochter gesucht- nur TV Formate mit sonoren Männerstimmen an-lieber als mit kreischenden Frauensopran.Ich vertrete alle weiblichen Eigenschaften und lasse mir nie durch irgendwelche Manns-frauen vorschreiben meinen Urinstinkt einer Frau abzugewöhnen.Am besten wir mutieren alle zu Divers.Nur wer gebärt die Kinder?Wer macht sich zum Depp?Aber die Frau/Mann Quote wäre gelöst.
  • teufelsgott 04.09.2020 12:42
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